Was bleibt von einer Liebe, wenn man erfährt, dass die geliebte Person Schuld auf sich geladen hat, die das eigene Vorstellungsvermögen übersteigt? Stephen Daldrys Verfilmung von Bernhard Schlinks Roman „Der Vorleser" stellt diese Frage mit leiser Konsequenz. Ein Fünfzehnjähriger verliebt sich in eine Frau, die ihm Jahrzehnte später als Angeklagte in einem KZ-Prozess begegnet. Was dabei entsteht, ist kein Melodram – sondern eine moralische Grauzone, die sich schwer verlässt.