21 Jump Street

Serienadaptionen für die Kinoleinwand gleichen einem Balanceakt zwischen Nostalgie und Neuerfindung. Während manche Produktionen ehrfürchtig an ihrer Vorlage festhalten, wagen andere den radikalen Bruch. „21 Jump Street“ entscheidet sich 2012 für Letzteres und verwandelt die ernsthafte Krimiserie der Achtziger in eine selbstironische Actionkomödie. Das Regieduo Phil Lord und Chris Miller verlässt damit erstmals das Animationsfach und wagt sich an einen Realfilm.

21 Jump Street
Dauer: 109 Min.
FSK: 12 (DE)
Jahr: 2012
Kategorien: Action
Regie: Phil Lord, Christopher Miller
Produzenten: Stephen J. Cannell, Neal H. Moritz
Hauptdarsteller: Jonah Hill, Channing Tatum, Brie Larson
Nebendarsteller: Dave Franco, Rob Riggle, DeRay Davis, Ice Cube
Studio: Columbia Pictures, Relativity Media, Original Film, Metro-Goldwyn-Mayer, Stephen J. Cannell Productions, SJC Studios

Die Prämisse klingt vertraut: Zwei junge Polizisten werden undercover an eine Highschool geschickt. Doch statt die Fernsehvorlage zu reproduzieren, dekonstruiert der Film sein eigenes Konzept. Die Macher zeigen wenig Respekt vor dem Original und nutzen genau diese Respektlosigkeit als kreatives Fundament. Dass Johnny Depp, der durch die Serie zum Star wurde, für einen Cameo-Auftritt zurückkehrt, unterstreicht die spielerische Haltung des Projekts.

Besetzung, Regie und Drehorte

21 Jump Street kam am 10. Mai 2012 in die deutschen Kinos. Der Film basiert auf der gleichnamigen Kultserie aus den späten 1980er-Jahren, die damals Johnny Depp zum Star machte und in Deutschland unter dem Titel „21 Jump Street – Tatort Klassenzimmer“ bei RTL lief. Bei einem Budget von 42 Millionen US-Dollar spielte die Actionkomödie weltweit über 200 Millionen Dollar ein und übertraf damit alle Erwartungen. Die Regie übernahmen Phil Lord und Chris Miller, die sich zuvor mit dem Animationsfilm „Wolkig mit Aussicht auf Fleischbällchen“ einen Namen gemacht hatten. Das Drehbuch verfassten Michael Bacall und Hauptdarsteller Jonah Hill gemeinsam. Aufgrund des großen Erfolges erschien 2014 die Fortsetzung „22 Jump Street“.

In den Hauptrollen agieren Jonah Hill als der unsichere Streber Morton Schmidt und Channing Tatum als der sportliche Draufgänger Greg Jenko. Ice Cube überzeugt als cholerischer Captain Dickson, der die Undercover-Einheit mit markigen Sprüchen leitet. Brie Larson spielt Elios Love-Interest Molly, während Dave Franco als cooler Drogendealer Eric Molson auftritt. Zur weiteren Besetzung gehören Rob Riggle als zwielichtiger Sportlehrer Mr. Walters sowie Ellie Kemper, Chris Parnell und Nick Offerman in Nebenrollen. Ein besonderes Highlight sind die Cameo-Auftritte von Johnny Depp und Peter DeLuise, die beide in der Originalserie mitspielten.

Die Dreharbeiten fanden 2011 in New Orleans statt, wobei die Stadt als fiktive „Metropolitan City“ getarnt wurde. Dennoch sind lokale Wahrzeichen wie die Crescent City Connection im Film erkennbar. Für die Kamera zeichnete Barry Peterson verantwortlich, den Schnitt übernahm Joel Negron. Die Musik komponierte Mark Mothersbaugh, der dem Film seinen energetischen Rhythmus verleiht. Sony Pictures übernahm den Verleih in Deutschland, wo der Film ebenfalls begeisterte Zuschauer fand. Die Produktionsfirmen Columbia Pictures, Metro-Goldwyn-Mayer und Original Film realisierten das Projekt gemeinsam mit Stephen J. Cannells Studio, dem Schöpfer der Originalserie.

Handlung & Inhalt vom Film „21 Jump Street“

Im Jahr 2005 absolvieren Morton Schmidt und Greg Jenko die Sagan High School unter völlig unterschiedlichen Vorzeichen. Schmidt verkörpert den unsicheren Streber, der bei Mädchen keinerlei Erfolg hat. Jenko hingegen genießt als beliebter Sportler seine Popularität, scheitert jedoch an schulischen Anforderungen. Sieben Jahre später treffen beide an der Metropolitan Police Academy aufeinander. Nur durch gegenseitige Unterstützung schaffen sie den Abschluss. Im Jahr 2012 versehen sie gemeinsam Fahrradstreife im Stadtpark, fern jeglicher erhofften Action.

Als sie die Festnahme einer Einprozent-Rockerbande vermasseln, erfolgt ihre Versetzung in eine Undercover-Sondereinheit. Diese operiert außerhalb der regulären Behördenstruktur in einer ehemaligen koreanischen Kirche an der Adresse 21 Jump Street. Captain Dickson, der chronisch schlecht gelaunt und leicht reizbar ist, leitet die Einheit. Er schickt Schmidt und Jenko als vermeintliche Brüder Brad und Doug McQuaid zurück an ihre alte Schule. Dort sollen sie den Hersteller der gefährlichen Droge OVS ermitteln. Schmidt wird dem Chemiekurs zugeteilt, Jenko soll im Fotografie- und Schauspielkurs den Vertriebsweg aufdecken. Zwei Regeln gelten absolut: nicht auffliegen und kein sexueller Kontakt mit Schülern oder Lehrern. Zur Tarnung quartieren sie sich bei Schmidts Eltern ein.

Vertauschte Rollen und erste Ermittlungserfolge

Vor ihrem ersten Schultag erklärt Jenko die Regeln des Coolseins. Doch diese Regeln scheinen 2012 nicht mehr zu gelten. Als Jenko einen schwarzen homosexuellen Schüler niederschlägt, folgt eine Standpauke vom Schulleiter. Dabei werden ihre Identitäten vertauscht, sodass Jenko im Chemieunterricht landet und Schmidt im Schauspielkurs. Dort erfährt Schmidt von Molly die Telefonnummer des Drogendealers. Es handelt sich um den coolen Mitschüler Eric Molson, der ihnen OVS verkauft und auf Sofortkonsum besteht. Völlig berauscht treffen sie den Sportlehrer Mr. Walters, bevor sie ihre jeweiligen Kurse durcheinanderbringen. Zwar kennen sie nun den Dealer, doch Captain Dickson besteht auf der Ergreifung des Drogenproduzenten.

Die beiden organisieren eine Party, um sich den Verdächtigen zu nähern. Trotz des Verbots vom Captain stellen sie reichlich Alkohol und Drogen bereit. Nach einer Schlägerei mit einer rivalisierenden Clique bietet Eric Schmidt seine Freundschaft und einen Job als Dealer an. Schmidt verbringt fortan mehr Zeit mit den Coolen und vernachlässigt Jenko, der sich nun bei den Strebern wiederfindet. Die Streber knacken Erics Handy, sodass Jenko mithören kann. Er erfährt nicht nur, wie Schmidt über ihn lästert, sondern auch von einer Piñata-Übergabe. Sie beobachten, wie Eric eine Piñata an die Einprozent-Rocker übergibt. Bei der Verfolgung geraten sie in Streit, überfahren versehentlich einen Rocker und werden selbst gejagt. Nach zweimaligem Autowechsel erreichen sie rechtzeitig die Schule für Schmidts Aufführung von Peter Pan. Der Streit eskaliert während der Aufführung, die zum Desaster wird. Beide werden von der Schule verwiesen und vom Captain gefeuert.

Bevor sie ihre Sachen packen, heuert Eric sie als Personenschützer für einen großen Deal an. Dieser findet in einem Hotel statt, wo gleichzeitig der Abschlussball läuft. Schwer bewaffnet unter ihren Galaanzügen begleiten sie Eric ins Penthouse. Dort sehen sie den Drogenproduzenten: Sportlehrer Walters. Ihre Tarnung fliegt auf, denn die Käufer sind die Einprozent-Rocker. Zwei DEA-Agenten, Tom Hanson und Doug Penhall, die fünf Jahre undercover in der Rockergruppe arbeiteten, retten sie, sterben jedoch bei der Schießerei. Schmidt und Jenko verfolgen die Rocker, die wiederum Mr. Walters jagen. Walters flüchtet mit dem Geld und Molly als Geisel. Mit einer improvisierten Bombe aus dem Chemieunterricht tötet Jenko die Rocker. Walters bedroht weiterhin Molly und gibt einen Schuss auf Jenko ab, der von dessen Schutzweste abgefangen wird. Schmidt schaltet Walters mit einem Schuss in den Penis aus. Nach Walters‘ Verhaftung werden Schmidt und Jenko zu Helden und erhalten einen neuen Auftrag am College.

Filmkritik und Fazit zum Film „21 Jump Street“

Phil Lord und Chris Miller gelingt mit ihrem Realfilm-Debüt „21 Jump Street“ eine bemerkenswert selbstbewusste Inszenierung. Die Eröffnungssequenz etabliert in knapp zehn Minuten die Charaktere und ihre Dynamik, ohne in langatmige Exposition zu verfallen. Die Kameraführung von Barry Peterson bleibt funktional und dient der Geschichte. Jonah Hill und Channing Tatum entwickeln eine authentische Chemie, wobei besonders Tatum überrascht und sein eigenes Image dekonstruiert. Ice Cube liefert als Captain Dickson eine überzeichnete, jedoch nie ins Alberne abgleitende Performance. Das Drehbuch nutzt die Prämisse geschickt, um mit Rollenklischees zu spielen. Die Umkehrung der Coolness-Hierarchie funktioniert als satirischer Kommentar, hätte aber mehr Raum verdient.

Die Genre-Mischung erweist sich als zweischneidig. Die Verfolgungsjagd, bei der explodiert, was nicht explodieren sollte, zeigt Ideenreichtum. Mark Mothersbaugh steuert eine unaufdringliche Musik bei, die weder dominiert noch in Beliebigkeit versinkt. Das Tempo lässt im Mittelteil nach, wenn die Undercover-Mission zur Routine wird. Der Bösewicht wirkt austauschbar, seine Motivation bleibt oberflächlich skizziert. Die Cameo-Auftritte der Serienoriginale unterbrechen den Rhythmus, statt ihn zu verstärken. Der Film schwankt zwischen Parodie und Genrefilm, ohne sich konsequent zu entscheiden.

„21 Jump Street“ funktioniert als unterhaltsame Actionkomödie mit Momenten echter Selbstreflexion. Die Chemie zwischen den Hauptdarstellern trägt über Schwächen hinweg. Das Drehbuch hätte mutiger sein können, statt sich auf Genitalslapstick zu verlassen. Der Film weiß um seine Absurdität und kommuniziert dies offen, was sympathisch wirkt. Die soziale Satire wird angedeutet, nicht ausgespielt. Als leichtfüßige Unterhaltung erfüllt der Film seinen Zweck. Als intelligente Auseinandersetzung mit seinem Genre bleibt er hinter den Erwartungen zurück.

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