Dredd

In einer Welt, die sich selbst aufgegeben hat, braucht es keine Helden – nur Vollstrecker. „Dredd“ aus dem Jahr 2012 führt in eine Zukunft, in der Recht und Gewalt nicht mehr zu unterscheiden sind, weil sie längst dieselbe Person verkörpern. Pete Travis und Drehbuchautor Alex Garland entwerfen ein düsteres Szenario mit brutaler Konsequenz, das sich bewusst jeder Romantisierung verweigert.

Dredd
Dauer: 95 Min.
FSK: 18 (DE)
Jahr: 2012
Kategorien: Action, Science-Fiction
Regie: Pete Travis
Produzenten: Allon Reich, Jason Kingsley, Andrew Macdonald, Alex Garland, Chris Kingsley
Hauptdarsteller: Karl Urban, Olivia Thirlby, Lena Headey
Nebendarsteller: Wood Harris, Langley Kirkwood, Tamer Burjaq, Joe Vaz
Studio: Rena Film, DNA Films, Reliance Big Entertainment, IM Global, Peach Trees

Was dieser Film über Ordnung, Macht und moralische Graubereiche erzählt, ist beiläufig eingebettet in 96 Minuten kompromisslosen Actionkinos. Die Comic-Vorlage aus dem britischen Magazin 2000 AD war nie ein harmloses Unterhaltungsprodukt – und diese Verfilmung auch nicht. Doch was bedeutet es eigentlich, wenn ein Film die Brutalität seines Protagonisten nicht verurteilt, sondern schlicht registriert?

Besetzung, Regie und Drehorte

Dredd“ ist eine britisch-amerikanische Koproduktion unter der Regie von Pete Travis, nach einem Drehbuch von Alex Garland. Der Film entstand beim Londoner Studio DNA Films mit Andrew MacDonald und Allon Reich als Produzenten. Die Dreharbeiten begannen im November 2010 in Südafrika, die Kamera führte Oscarpreisträger Anthony Dod Mantle. Paul Leonard-Morgan komponierte den Soundtrack, für den Schnitt war Mark Eckersley verantwortlich.

Karl Urban verkörpert den Titelhelden Judge Dredd – ohne je sein Gesicht zu zeigen, den Helm zu lüften oder auch nur ein Lächeln anzudeuten. Olivia Thirlby spielt die Rekrutin Cassandra Anderson, die mit telepathischen Fähigkeiten ausgestattet ist. Lena Headey gibt die Antagonistin Ma-Ma als kalt berechnende Drogenbaronin, Wood Harris spielt deren Vertrauensmann Kay. Domhnall Gleeson ist in einer Nebenrolle als Computerspezialist zu sehen.

Der Film läuft 96 Minuten und trägt in Deutschland eine FSK-18-Freigabe. Es handelt sich um die zweite Verfilmung der Judge-Dredd-Comicserie nach Danny Cannons Version von 1995. Premiere feierte der Film am 11. Juli 2012 auf der San Diego Comic Con. Trotz überwiegend positiver Kritiken blieb der Film mit einem weltweiten Einspielergebnis von rund 41 Millionen US-Dollar bei einem Budget von 50 Millionen kommerziell hinter den Erwartungen.

Handlung & Inhalt vom Film „Dredd“

Die Handlung spielt in Mega City One, einer gigantischen Metropole an der US-Ostküste, die das Gebiet von Boston bis New York umfasst. Das übrige Staatsgebiet ist durch atomare Strahlung unbewohnbar geworden. 800 Millionen Menschen drängen sich in turmhohen Megablocks, die Kriminalitätsrate ist erdrückend hoch. Die einzige verbliebene Staatsgewalt sind die Judges – Polizisten, Richter und Henker in einer Person. Judge Dredd, einer der erfahrensten unter ihnen, wird an einem gewöhnlichen Arbeitstag mit der Rekrutin Cassandra Anderson zugeteilt.

Anderson hat die Abschlussprüfung der Judge-Akademie knapp nicht bestanden, soll aber aufgrund ihrer außergewöhnlichen telepathischen Fähigkeiten im Feldeinsatz erprobt werden. Ihr erster Einsatz führt beide in den Megablock Peach Trees, wo drei Männer gehäutet, mit der Droge Slo-Mo gefüllt und vom obersten Stockwerk in den Innenhof geworfen wurden. Vor Ort erfahren Dredd und Anderson, dass es sich um Mitglieder einer Drogenbande handelt. Hinter dem Mord steckt die Bandenchefin Madeline Madrigal, bekannt als Ma-Ma, die den gesamten Hochhauskomplex kontrolliert.

Kein Ausweg aus dem Turm

Als die Judges den Verdächtigen Kay verhaften und abführen wollen, lässt Ma-Ma das Hochhaus vollständig abriegeln. Sämtliche Kommunikation nach außen wird unterbunden. Über die Beschallungsanlage fordert sie die Bewohner auf, die Judges zu töten oder sich zu verstecken. Dredd und Anderson kämpfen sich Stockwerk für Stockwerk vor, suchen Deckung und Unterstützung vergeblich. Ma-Ma lässt das Gebäude sogar mit Maschinenkanonen beschießen, wobei zahlreiche Bewohner ihr Leben verlieren.

Eine gerufene Verstärkung wird durch manipulierte Sicherheitssysteme am Betreten gehindert. Ma-Ma schickt schließlich vier korrupte Judges ins Gebäude, die Dredd und Anderson ausschalten sollen. Anderson dringt derweil telepathisch in Kays Bewusstsein ein und entdeckt, dass Peach Trees die zentrale Produktionsstätte der Droge Slo-Mo ist. Der Einsatz verliert damit seinen Routinecharakter endgültig. Dredd entscheidet: Sie müssen zu Ma-Ma.

Die korrupten Judges werden einer nach dem anderen enttarnt und ausgeschaltet – teils durch Dredd, teils durch Anderson, die zwischenzeitlich selbst als Geisel genommen wurde, aber entkommt. Schwer verletzt kämpfen sich beide bis in Ma-Mas Domäne im obersten Stockwerk vor. Ma-Ma erklärt, sie trage einen Herzschlagzünder, der bei ihrem Tod die oberen Etagen sprengen würde. Dredd schießt sie an, verabreicht ihr Slo-Mo und wirft sie in die Tiefe. Das Signal des Zünders ist aus dieser Höhe zu schwach für die Auslösung. Das Hochhaus steht noch. Dredd erklärt Andersons Einsatz für bestanden.

Filmkritik und Fazit zum Film „Dredd“

Dredd“ funktioniert als Inszenierungsstudie mit radikaler Konsequenz. Karl Urban spielt die Titelrolle vollständig hinter dem Helm verborgen – und erzeugt dennoch Präsenz durch Körperhaltung, Stimmfärbung und die Ökonomie jeder Bewegung. Kameramann Anthony Dod Mantle nutzt den Klaustrophobie-Raum des Hochhauses meisterhaft: enge Gänge, hartes Licht, wenig Spielraum für Ästhetisierung. Die Slo-Mo-Sequenzen, in denen die Droge die Zeitwahrnehmung verlangsamt, brechen diesen Stil bewusst – Zeitlupen-Bilder voller morbider Schönheit, die Gewalt in etwas fast Halluzinatorisches verwandeln.

Das Tempo des Films ist in den ersten zwei Dritteln unerbittlich. Travis und Garland erlauben sich keine sentimentalen Umwege, keine Held-wächst-an-sich-Momente. Das Kalkül hat Preis: Im letzten Drittel lässt die Erfindungsgabe spürbar nach. Die Abfolge der Kämpfe gegen die korrupten Judges wirkt zunehmend schematisch. Paul Leonard-Morgans elektronischer Score unterstreicht den Rhythmus effektiv, bleibt aber über weite Strecken funktional. Die satirische Dimension der Comicvorlage – die Judges als faschistoide Staatsstruktur – schimmert durch, wird aber nicht ausgebaut.

Wer hartes, visuell präzises Actionkino schätzt, findet in diesem Film ein kompromissloses Werk. Fans der Comicvorlage werden eine Adaption vorfinden, die dem ursprünglichen Tonfall näher kommt als die Version von 1995. Für ein breites Publikum bleibt er ein forderndes Erlebnis ohne Versöhnungsangebote. Genau darin liegt seine Stärke – und seine kommerzielle Grenze.

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