GoKino – Zuschauer erstellen ihr eigenes Kinoprogramm

Seit Anfang des Jahrtausends verzeichnen Kinos nicht nur in Deutschland einen massiven Rückgang der Zuschauer. Das verwundert nicht, denn die mediale Konkurrenz ist mit Streaming, Smartphones und dem Internet massiv angestiegen. Viele Kinos mussten bereits schließen, andere suchen nach Konzepten, wie sie den Fall aufhalten können.

GoKino - Zuschauer erstellen ihr eigenes Kinoprogramm

Eine sehr besondere Idee stammt von dem Unternehmen GoKino, das Kino auf Abruf anbietet. Das Konzept ist dabei sehr interessant, denn Zuschauer können selbst bestimmen, welche Filme auf der großen Leinwand zu sehen sein werden. Das soll dazu führen, dass wieder mehr Interesse für den Kinosaal geschaffen wird. Unter anderem nehmen Kinos in Luzern, Basel und Bern daran teil. Wie man selbst zum Programmdirektor eines Lichtspielhauses werden kann, gibt es in diesem Artikel zu erfahren.

Eigens zusammengestelltes Programm bei GoKino

Es ist nicht mehr so leicht wie früher, die Menschen ins Kino zu locken. Das können wohl die meisten Kinobetreiber, Filmverleiher und Produktionsfirmen bestätigen. Es gibt verschiedene Gründe, die zu dieser Entwicklung geführt haben. In jedem Fall versuchen die Lichtspielhäuser immer wieder mit neuen Konzepten, die Leute für die große Leinwand zu begeistern. GoKino gehört mit dazu. Dabei handelt es sich um ein Projekt von Outside the Box und Cineman. Die Idee ist eigentlich sehr simpel. Es geht darum, dass Zuschauer selbst auswählen können, welche Filme laufen. Sie können private und öffentliche Vorstellungen planen.

Eine private Vorstellung muss bezahlt werden und kann dann entsprechend starten. Eine öffentliche Vorstellung findet erst dann statt, wenn am Ende genug Kinotickets verkauft wurden. Das bedeutet, dass die Zuschauer, die die Filme vorgeschlagen haben, selbst auch kräftig die Werbetrommel rühren können. Der große Vorteil besteht darin, dass tatsächlich fast alle Filme, die jemals erschienen sind, angeschaut werden können. Also auch alte Filme und Klassiker. Zumindest dann, wenn sie auch als physische Medien vorhanden sind. Manchmal kann es etwas dauern, da erst die Rechte eingeholt werden müssen, aber prinzipiell ist alles möglich.

Wie läuft GoKino ab?

Wie läuft GoKino ab?Das Prinzip ist eigentlich denkbar einfach. Auf der Webseite von GoKino können Filme vorgeschlagen werden, wobei es Kinos in verschiedenen Städten gibt. Mit dabei sind Zürich, Genf, Lausanne, Vevey, Aigle, Bern, Basel, Zug, Dietlikon, Luzern, Carouge, Morges und Yverdon. Wenn eine öffentliche Vorstellung gewählt wird, läuft der Film, sobald genug Zuschauer gefunden wurden. Das bedeutet auch, dass der Betrag für das Ticket erst abgebucht wird, wenn die Vorstellung definitiv ablaufen wird. Nachdem eine Filmanfrage gestellt wurde, kümmert sich GoKino darum, mit den Rechteinhabern ein Angebot auszuhandeln, was in den meisten Fällen nur eine Frage der Zeit sein sollte.

Es gibt nur wenige Beschränkungen, welche Filme laufen dürfen und welche nicht. Letztendlich gibt es typische Rechtsnormen über Pornographie und Rassimus, die auch für diese Vorstellungen gelten. Wer für einen eingereichten Vorschlag Werbung machen möchte, kann dafür auch die Dienste von GoKino wie Facebook, E-Mail und SMS nutzen. Wurde ein Ticket gekauft, wird man darüber informiert, wenn die Vorstellung tatsächlich stattfindet oder aber eben ausfällt, weil nicht genug Leute zusammen gekommen sind. Erst wenn die Vorführung bestätigt wird, wird die Postcard oder Kreditkarte belastet. Die Eintrittspreise variieren dabei von Kino zu Kino und werden von deren Betreibern festgelegt. Als Formate greifen die Kinos auf DVD, Blu-Ray und DCP (Digital Cinema Package) zurück.

Outside the Box und Cineman

Bei GoKino handelt es sich um ein Projekt, das gemeinsam von Outside the Box und Cineman auf die Beine gestellt wurde. Bei Outside the Box handelt es sich um eine Promotionsagentur, die mit Filmproduzenten und Verleihern zusammenarbeitet, um das Schweizer Kino zu fördern. Man kümmert sich bei GoKino um die Vorführungen, die Partnerschaften, die Vorpremieren und letztendlich auch um die Analysen des Zielpublikums. Cineman ist dagegen ein Schweizer Kino- und Filmportal. Hier findet man nicht nur das vollständige Kinoprogramm für die Schweiz, sondern auch Trailer, Bilder und Kritiken sowie zahlreiche News und Interviews. Das Angebot von Cineman kann auch als App in verschiedenen Sprachen genutzt werden.

Kino zieht nicht mehr wie früher

Kino zieht nicht mehr wie früherDie letzten zwei Jahrzehnte haben einen tiefen Wandel in der Kinokultur hervorgebracht. Waren es beispielsweise 2001 in Deutschland noch 173 Millionen Kinobesucher, ging die Zahl 2016 auf 117 Millionen runter, was also rund einem Drittel Rückgang entspricht. Zwar war das Vorjahr wesentlich höher, doch insgesamt ist ein klarer Abwärtstrend auszumachen. Dafür gibt es verschiedene Gründe. Seit den neunziger Jahren haben Handys und das Internet Einzug in den Alltag vieler Menschen gefunden. Seit rund zehn Jahren nutzen die meisten Menschen das Internet und können darüber auch Filme und Serien schauen oder Musik hören. Somit gibt es jetzt viel mehr Angebot, das in der Aufmerksamkeitsökonomie berücksichtigt werden muss.

TV-Systeme sind heute so hochwertig, dass es für viele bequemer ist, einfach zu Hause die Filme zu gucken, zumal die Kinopreise in den Jahren auch immer weiter angestiegen sind. Für die Kinos, Produktionsfirmen und Verleiher ist das natürlich ein großes Problem. Der Sprung von analogen auf digitalen Filmen hat diese Entwicklung sogar noch verstärkt. Tatsächlich zeigen Studien sogar, dass Menschen auf analoge Filme emotional stärker reagieren, als wenn sie digitale Inhalte schauen. Somit hat sich auch im Kino selbst ein Wandel vollzogen, der meist nicht zielgerichtet genutzt wurde. Jetzt suchen die Verantwortlichen und Betreiber nach Lösungen, wie wieder mehr Menschen für das Kino begeistert werden können.

Fazit zu GoKino Kinoprogramm

Fazit zu Kinoprogramm selber wählenZuschauerschwund in den Kinos ist im Zeitalter der Streaming-Ära keine Überraschung. Das Phänomen ist seit Jahren bekannt und immer wieder wird nach Lösungen gesucht, die natürlich schwer zu erreichen sind, da die Konkurrenzsituation so groß ist. Mit GoKino wurde ein Konzept erarbeitet, dass zumindest in einem gewissen Rahmen dafür sorgen kann, dass wieder mehr Menschen Lust auf das Kino bekommen und am Ende wirklich die Filme im Mittelpunkt stehen. Das Konzept lässt sich als Kino on Demand beschreiben. Zuschauer können selbst Filmvorschläge einreichen, die dann nach Klärung der Rechte und bei genügend Nachfrage tatsächlich gezeigt werden. Das erhöht nicht nur die Bereitschaft der Menschen, wieder ins Kino zu gehen, sondern auch die Bandbreite an Filmen, die gezeigt werden können.

X