Rebuilding

Rebuilding“ setzt dort an, wo das amerikanische Drama oft seine größte Kraft entfaltet – im Schweigen nach dem Bruch. Max Walker-Silverman konzentriert sich auf Zwischenräume, auf das Leben nach der Katastrophe, auf jene stillen Momente, in denen sich Menschen neu ordnen. Ohne laute Gesten tastet sich der Film an die Frage heran, wie viel Bindung im Provisorium möglich ist. Heimat, so zeigt sich, bleibt kein fixer Ort.

Rebuilding
Dauer: 95 Min.
FSK: PG (US)
Jahr: 2025
Kategorien: Drama
Regie: Max Walker-Silverman
Produzenten: Paul S. Mezey, Dan Janvey, Jesse Hope
Hauptdarsteller: Josh O'Connor, Meghann Fahy, Lily LaTorre
Nebendarsteller: Kali Reis, Amy Madigan, Jefferson Mays, Nancy Morlan
Studio: Present Company, Cow Hip Films, Dead End Pictures, MacPac Entertainment, Spark Features, The Sakana Foundation, Sons of Rigor Films, Cinema Inutile, Cinereach, Fit Via Vi, Crowded Table

Nach dem Verlust seiner Ranch strandet Dusty in einem FEMA-Camp im Westen der USA. Er trägt nur noch das Nötigste bei sich – und alte Erinnerungen. Als er Kontakt zu seiner Tochter Callie-Rose aufnimmt, beginnt sich langsam etwas zu verändern. In der Gemeinschaft der Wohnwagenmenschen entstehen unerwartete Verbindungen. Zwischen rostigen Wohnmobilen und stiller Routinen wächst eine fragile Nähe. Wie lebt man weiter, wenn das alte Leben nicht mehr zurückkommt?

Besetzung, Regie und Drehorte

Der Film „Rebuilding“ entstand unter der Regie von Max Walker-Silverman, der auch das Drehbuch schrieb. Die Produktion übernahmen Jesse Hope, Dan Janvey und Paul Mezey. Kameramann Alfonso Herrera Salcedo setzte die Bilder im San Luis Valley in Szene, einem weitläufigen Landstrich im Süden Colorados. Für den Filmschnitt waren Ramzi Bashour und Jane Rizzo verantwortlich. Die Musik stammt von James Elkington und Jake Xerxes Fussell. Der Film wurde erstmals am 26. Januar 2025 beim Sundance Film Festival gezeigt und kam am 14. November 2025 in die US-Kinos.

Josh O’Connor spielt Dusty, einen Cowboy, der nach Waldbränden Zuflucht in einem Auffanglager sucht. Lily LaTorre verkörpert Callie-Rose, Meghann Fahy spielt Ruby und Kali Reis die Figur Mali. Amy Madigan tritt als Bess auf, Jefferson Mays als Mr. Cassidy. Weitere Rollen übernehmen Jules Reid, Binky Griptite, Nancy Morlan als Gertie und Sam Engbring als Robbie. Die Kulisse des San Luis Valley prägte die visuelle Wirkung des Films, insbesondere durch Lichtwechsel, Wolkenbewegungen und Windeinflüsse während der Dreharbeiten.

„Rebuilding“ lief auf zahlreichen Festivals, darunter in San Francisco, Seattle, Karlovy Vary, Melbourne, Haugesund, Zürich und beim AFI Fest. Der Film erhielt mehrere Nominierungen, etwa für den Kristallglobus in Karlovy Vary und für die Beste Nebenrolle bei den Independent Spirit Awards 2026. Kali Reis überzeugte die Jury mehrfach, auch bei der Auszeichnung durch die Ökumenische Jury.

Handlung & Inhalt vom Film „Rebuilding“

Nach dem Verlust seiner Ranch durch einen verheerenden Waldbrand steht Dusty vor den Trümmern seiner Existenz. Die Farm, die über Generationen in Familienhand war, kann das Vieh nicht mehr versorgen. Um seine Schulden zu mindern, verkauft er die Tiere. Als auch ein Wiederaufbau kaum sinnvoll erscheint, bleibt ihm nur der Rückzug. Schließlich zieht er mit wenigen Habseligkeiten in ein temporäres FEMA-Lager. Dort hört er von seinem Bankberater Mr. Cassidy, dass es Jahre dauern würde, das Land wieder nutzbar zu machen. Dusty begreift, dass er seine alte Lebensgrundlage hinter sich lassen muss.

In dieser neuen, instabilen Lebensphase sucht er Kontakt zu seiner früheren Familie. Er besucht Bess, seine Ex-Schwiegermutter, und trifft dort auch auf Ruby, die gemeinsame Tochter Callie-Rose allein großzieht. Ruby reagiert zwar überrascht, akzeptiert aber, dass Dusty sich in das Leben ihrer Tochter einbringen will. Callie-Rose, anfangs vorsichtig, erlebt das Camp mit seinem Wohnwagenpark als Ort voller neuer Eindrücke. Sie freundet sich mit einem Mädchen an, dessen Vater bei den Bränden ums Leben kam. Durch sie fasst Dusty langsam Fuß in der kleinen Gemeinde, auch wenn ihm das zunächst nicht bewusst ist.

Ein neues Zuhause im Ungeplanten

Die Bindung zwischen Vater und Tochter wächst stetig. Callie-Rose beginnt, ihren Vater zu bewundern, obwohl er kein offener Mensch ist. Dusty selbst bleibt innerlich zerrissen. Er hängt am familiären Erbe und hadert mit den neuen Umständen. Dennoch erkennt er, dass seine Tochter ihm Orientierung bietet. Ihre kindliche Sicht auf die Welt bringt Leichtigkeit in seinen von Verlust geprägten Alltag. Er beginnt, sich auf Gespräche und kleine Rituale mit ihr einzulassen. Ruby beobachtet diese Entwicklung mit vorsichtiger Zustimmung, denn sie spürt, dass Dusty seinen Platz sucht – und vielleicht auch verdient.

Während Dusty sich im Camp zurechtfindet, verändert sich sein Blick auf die Menschen dort. Aus anonymen Schicksalen werden Gesichter, aus Zufallsbekanntschaften entstehen Verbindungen. Besonders der Kontakt zu einem lesbischen Paar und einem gemischtrassigen Paar stärkt sein Gefühl, nicht allein zu sein. Diese Menschen teilen ähnliche Erfahrungen und geben Dusty Halt. In ihrer Gemeinschaft zählt nicht Herkunft oder Vergangenheit, sondern das gemeinsame Weiterleben nach dem Verlust. Stück für Stück lässt er alte Vorstellungen hinter sich und findet eine neue Art von Zugehörigkeit.

Schließlich erkennt Dusty, dass das Lager kein bloßer Übergang ist, sondern ein neuer Anfang sein kann. Die einstige Vorstellung vom Wiederaufbau weicht dem Wunsch, anzukommen. Nicht auf der Ranch, sondern in einer Gemeinschaft, die ihn auffängt. Callie-Rose hilft ihm, diesen Wandel zu akzeptieren. Durch sie versteht er, dass Familie mehr ist als Besitz oder Tradition. Der Schmerz über das Verlorene bleibt, doch es entsteht Raum für etwas Neues – für Nähe, Verantwortung und Gemeinschaft.

Fazit & Kritiken zum Film „Rebuilding“

Rebuilding“ konzentriert sich auf das Nachbeben einer persönlichen Katastrophe und setzt bewusst auf Zurückhaltung. Die Inszenierung folgt einem reduzierten Erzählrhythmus, der nicht jedem gefallen dürfte. Manche Szenen verharren lange in stillen Beobachtungen, etwa wenn Dusty wortlos neben dem Trümmerhaufen seiner Ranch steht. Diese Langsamkeit erzeugt eine spürbare Schwere, verlangt aber auch Geduld. Die Handlung verzichtet auf Dramatisierungen und vertraut auf minimale Gesten und Blicke. Das erzeugt Authentizität, lässt aber erzählerische Spannung vermissen. Wer klare dramaturgische Bögen sucht, bleibt hier außen vor.

Stärker wirken die zwischenmenschlichen Momente, insbesondere im Zusammenspiel mit der Tochter. In einer Szene hilft Callie-Rose ihrem Vater, ein loses Fenster im Wohnwagen zu reparieren. Dieser beiläufige Moment erzählt mehr über Nähe und Scheu als jeder Dialog. Auch die Dynamik innerhalb der Wohnwagengemeinschaft entwickelt sich glaubwürdig. Der Film hält sich hier an kleine Beobachtungen statt großer Konflikte. Genau das gibt den Figuren Raum, sich organisch zu entfalten. Dabei bleibt vieles unausgesprochen, doch gerade darin liegt die emotionale Substanz. Die Zurückhaltung funktioniert, solange man sich auf sie einlässt.

Trotz starker Einzelszenen bleibt „Rebuilding“ nicht frei von Schwächen. Der Verzicht auf klare Entwicklungslinien lässt Nebenfiguren oft blass wirken. Einige Beziehungen bleiben angedeutet, ohne dass sie erzählerisch getragen werden. Die Schlusspassage wirkt daher etwas lose verbunden. Dennoch überzeugt der Film als ruhige Momentaufnahme eines Lebens im Umbruch. Er vertraut dem Alltäglichen mehr als dem Erklärten. Diese Entscheidung birgt Risiken, führt aber zu einem ehrlichen Blick auf Verlust und Neuorientierung. Wer Genauigkeit in der Beobachtung schätzt, findet hier einen Film mit Haltung.

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