American Psycho
Ein Mann, der sich morgens Gesichtsmaske und Feuchtigkeitslotion aufträgt, während er innerlich die Vernichtung seines Kollegen plant – diese Gleichzeitigkeit von Pflege und Pathologie ist das Herz von „American Psycho„. Mary Harrons Verfilmung des kontroversen Bret-Easton-Ellis-Romans aus dem Jahr 2000 stellt eine der eigenwilligsten Gesellschaftsstudien des amerikanischen Kinos dar. Sie seziert den Wall-Street-Yuppie des späten 20. Jahrhunderts mit einer Präzision, die weniger an Horror erinnert als an Satire – und dennoch beides zugleich ist.

| Dauer: | 102 Min. |
|---|---|
| FSK: | 16 (DE) |
| Jahr: | 2000 |
| Kategorien: | Horror, Komödie |
| Regie: | Mary Harron |
| Produzenten: | Christian Halsey Solomon, Edward R. Pressman, Chris Hanley |
| Hauptdarsteller: | Christian Bale, Justin Theroux, Josh Lucas |
| Nebendarsteller: | Bill Sage, Chloë Sevigny, Reese Witherspoon, Samantha Mathis |
| Studio: | Lionsgate, Pressman Film, Muse Productions, Christian Halsey Solomon Productions |
Der Film bewegt sich in einem Raum vollkommener Oberflächlichkeit, in dem Visitenkarten über Selbstwert entscheiden und Restaurantreservierungen als Statussymbole fungieren. Patrick Bateman existiert in dieser Welt nicht als Mensch, sondern als Konstruktion. Was ihn antreibt, ist keine erkennbare Emotion, sondern eine leere Maschinerie aus Gier, Neid und dem unbedingten Willen zur Überlegenheit. Dass dieser Mechanismus irgendwann auch Menschen tötet, erscheint dabei fast folgerichtig. Oder täuscht die Wahrnehmung – und alles spielt sich nur im Kopf eines Mannes ab, dem die Realität längst entglitten ist?
Besetzung, Regie und Drehorte
„American Psycho“ entstand als US-amerikanisch-kanadische Koproduktion und feierte seine Premiere im Jahr 2000 auf dem Sundance Film Festival. Regie führte Mary Harron, die zuvor mit „I Shot Andy Warhol“ auf sich aufmerksam gemacht hatte. Das Drehbuch schrieb sie gemeinsam mit Guinevere Turner, die auch eine Rolle im Film übernahm. Die Kamera verantwortete Andrzej Sekuła, den Schnitt Andrew Marcus, die Musik John Cale.
Die Hauptrolle des Patrick Bateman verkörpert Christian Bale in einer Leistung, die den Film trägt und prägt. An seiner Seite agieren Jared Leto als Paul Allen, Willem Dafoe als Detective Donald Kimball sowie Chloë Sevigny als Batemans Sekretärin Jean. Reese Witherspoon spielt Batemans Verlobte Evelyn, Samantha Mathis deren Freundin Courtney. Justin Theroux und Josh Lucas vervollständigen den Kreis der austauschbaren Wall-Street-Kollegen.
Der Film hat eine Laufzeit von 102 Minuten und trägt in Deutschland eine FSK-Freigabe ab 16 Jahren. Gedreht wurde ab Februar 1999 an Schauplätzen in New York und Toronto. Zu den Auszeichnungen zählen der Chlotrudis Award für Christian Bale als bester Schauspieler sowie eine Special Recognition des National Board of Review.
Handlung & Inhalt vom Film „American Psycho“
New York, späte 1980er Jahre. Patrick Bateman arbeitet als Investmentbanker bei der Wall-Street-Firma Pierce & Pierce, lebt in einer Designerwohnung und pflegt seinen Körper mit eiserner Disziplin. Er ist verlobt mit Evelyn Williams, pflegt eine Affäre mit Courtney Rawlinson und führt seine Sekretärin Jean mit gönnerhafter Kontrolle. Seine Kollegen Bryce, McDermott und Van Patten sind ihm in Habitus und Äußerlichkeit so ähnlich, dass Verwechslungen zum Alltag gehören. Bateman kämpft ständig darum, in diesem Kreis sichtbar zu bleiben, und misst seinen Wert an Statusobjekten – an Anzügen, Restaurants und Visitenkarten.
Den Wendepunkt markiert eine scheinbar banale Szene: Kollege Paul Allen präsentiert seine neue Visitenkarte. Sie ist eleganter, erhabener, wertiger als Batemans eigene. Diese kleine Demütigung wird zur Initialzündung. Bateman lockt Allen in seine Wohnung, legt Phil Collins auf – und tötet ihn mit einer Axt. Anschließend nimmt er Allens Identität an, richtet dessen Apartment als vermeintliche Abwesenheitsinszenierung her und hinterlässt auf dem Anrufbeantworter eine fingierte Nachricht. Detective Donald Kimball nimmt Ermittlungen zum Verschwinden Allens auf und sucht Bateman mehrfach auf – ohne ihn je zu verdächtigen.
Blutrausch ohne Konsequenz
Die Nächte gehören zunehmend einem anderen Bateman. Er bestellt Prostituierte, zieht mit Bekannten durch Clubs, konsumiert Drogen und tötet wahllos – Obdachlose, Frauen, wen ihm der Moment in den Weg stellt. Die Gewalt wird rituell: Jeder Mord hat eine Dramaturgie, oft eingeleitet durch musikalische Vorspiele und Batemans ausführliche Popmusik-Monologe. Nur seine Sekretärin Jean verschont er, in einem Moment kurzer Unentschiedenheit, der beinahe menschlich wirkt. Eines Nachts tötet er zwei Frauen in Paul Allens Apartment, verfolgt eine Fliehende mit der Kettensäge durch das Treppenhaus.
Als Bateman an einem Geldautomaten eine Katze erschießen will und dabei eine Zeugin tötet, gerät er in eine Verfolgungsjagd mit der Polizei. Er erschießt vier Beamte, verwechselt die Gebäude auf seiner Flucht und ermordet einen Wachmann sowie einen Hausmeister. In seinem Büro hinterlässt er seinem Anwalt Harold ein detailliertes Geständnis auf dem Anrufbeantworter – ein Bekenntnis, das die tatsächliche Zahl seiner Opfer weit über das Gezeigte hinausschiebt.
Bateman kehrt zu Paul Allens Apartment zurück, um nach den Leichen zu sehen. Er findet eine frisch renovierte Wohnung, in der eine Maklerin gerade Interessenten empfängt. Sie bittet ihn zu gehen. Kurz darauf trifft er Harold beim Abendessen – und stellt fest, dass dieser seinem Geständnis keinen Glauben schenkt. Harold behauptet, Allen erst vor wenigen Tagen in London getroffen zu haben. Damit zerfällt jede Möglichkeit einer Konsequenz. Ob die Morde wirklich stattgefunden haben oder nur Produkte von Batemans zerrütteter Psyche sind, lässt der Film bewusst unaufgelöst. Der letzte Blick fällt auf ein Schild: „This Is Not An Exit.“
Filmkritik und Fazit zum Film „American Psycho“
„American Psycho“ ist ein Film, der seinen stärksten Effekt nicht durch Gewalt erzeugt, sondern durch Kälte. Mary Harron inszeniert Patrick Batemans Welt mit einer formalen Perfektion, die das Inhaltliche spiegelt: Alles ist makellos, glatt, ohne Riss. Andrzej Sekułas Kameraarbeit betont diese Sterilität konsequent – die Bilder haben die kühle Distanz eines Hochglanzmagazins. Christian Bale spielt Bateman nicht als Monster, sondern als System. Seine körperliche Präzision in jeder Szene – ob beim morgendlichen Ritual oder beim Schwingen der Axt – verleiht der Figur eine fast mechanische Qualität, die verstörender wirkt als jede emotionale Eskalation.
Die Musik trägt erheblich zur Wirkung bei. John Cales Monologe rahmen den Film mit kühler Eleganz, während die 80er-Popsongs – von Phil Collins bis Huey Lewis – als groteske Kontrapunkte zur Gewalt funktionieren. Diese Momente sind die schärfsten satirischen Einfälle des Films: Bateman erklärt enthusiastisch die Vorzüge von „Sussudio“, bevor er zur Waffe greift. Das Tempo ist bedächtig und bewusst – Harron verweigert die Dringlichkeit eines Thrillers zugunsten einer Beobachtungshaltung, die das Publikum in eine seltsame Komplicenschaft zieht.
Wer einen konventionellen Horrorfilm erwartet, wird von „American Psycho“ enttäuscht sein. Wer jedoch eine gesellschaftskritische Studie über Narzissmus, Statusbesessenheit und die Hohlheit einer bestimmten Männlichkeit sucht, findet hier ein Werk von anhaltender Relevanz. Der Film hat in über zwei Jahrzehnten nichts von seiner Schärfe verloren – im Gegenteil: Er erscheint heute noch präziser als bei seiner Entstehung. Für ein Publikum, das bereit ist, Unbehagen als Analysemittel zu akzeptieren, lohnt sich diese Begegnung mit Patrick Bateman unbedingt.