Die englische Provinz gilt im Kino selten als Schauplatz spektakulärer Schießereien. Edgar Wright und Simon Pegg haben sich 2007 vorgenommen, dieses Vorurteil mit handwerklichem Ehrgeiz zu widerlegen. Ihre zweite gemeinsame Genrearbeit verlegt die Buddy-Cop-Mechanik amerikanischer Hochglanzproduktionen in ein scheinbar friedliches Dorf in Gloucestershire. Was als trockene Komödie über einen überqualifizierten Polizisten beginnt, mündet in einen Showdown von beachtlicher Konsequenz.
Kein Pate, kein Patenkind, kein familiäres Opernhaus. Scorseses Antwort auf Coppola kommt schnörkellos daher und trifft dadurch härter. Der Film folgt dem Aufstieg eines Halbwüchsigen zum assoziierten Mobster und zeigt dann über drei Jahrzehnte, wie das Versprechen der Straße langsam zerfällt. Zwischen Lufthansa-Raub, Kokainrausch und Zeugenschutzprogramm bleibt am Ende nur ein durchschnittlicher Niemand übrig. Die wahre Geschichte hinter Henry Hill wird zum Sinnbild einer ganzen Epoche.
Der irische Bürgerkrieg dringt nur als fernes Echo bis zur fiktiven Insel Inisherin vor. Hier scheint die Welt unverändert, hier hat jeder Tag seinen Rhythmus – bis Colm Doherty seinem besten Freund Pádraic die Freundschaft kündigt und mit drastischen Konsequenzen droht. Martin McDonagh nutzt diesen scheinbar absurden Konflikt für eine vielschichtige Reflexion über Sinnsuche, Stillstand und die Unfähigkeit, das eigene Leben zu verändern. Die Insel wird zur Bühne einer leisen Katastrophe. Welche Eskalation lässt sich aus einem einzigen Wort entzünden?
Wenn Paul Thomas Anderson einen Film dreht, geschieht dies selten nach gewohnten Regeln. „There Will Be Blood" aus dem Jahr 2007 führt in die karge Wüste Südkaliforniens, wo ein einzelner Mann mit bloßen Händen nach Silber gräbt und sich Jahre später als Ölmagnat wiederfindet. Daniel Day-Lewis verleiht der Figur des Daniel Plainview eine beängstigende Präsenz, die bis in die Knochen reicht. Die Kritik feierte das Werk als modernen Klassiker.
Hongkong trifft auf Hollywood, Ballett auf Ballistik. Als John Woo 1993 seinen ersten amerikanischen Film in Angriff nahm, stand die gesamte Actionbranche unter Beobachtung. Würde der Regisseur, der „The Killer" und „Hard Boiled" geschaffen hatte, seine Handschrift auch im Studiosystem bewahren können? An seiner Seite: Jean-Claude Van Damme als obdachloser Cajun-Matrose, Lance Henriksen als kultivierter Menschenjäger. Dazu ein Setting in New Orleans, eine Kurzgeschichte aus den Zwanzigerjahren und 18 Millionen Dollar Budget.
Texas im Jahr 1980, eine Wüste voller Leichen, ein Koffer mit zwei Millionen Dollar und ein Auftragsmörder, der über Leben und Tod per Münzwurf entscheidet. Mit diesem Szenario legten Ethan und Joel Coen 2007 ihren ersten expliziten Literaturfilm vor. Die Vorlage stammt von Cormac McCarthy, einem der bedeutendsten amerikanischen Schriftsteller der Gegenwart. Vier Oscars, darunter Bester Film, bestätigten später den Rang dieser Adaption. Warum verfolgt dieser Film sein Publikum auch nach fast zwei Jahrzehnten noch mit derselben beunruhigenden Kraft?
„Ich liebe den Geruch von Napalm am Morgen." Dieser Satz aus dem Mund von Robert Duvall hat sich tief in das kollektive Gedächtnis des Weltkinos eingebrannt. Francis Ford Coppola lieferte 1979 mit seinem Vietnam-Drama ein Werk ab, das weit über das Genre hinausweist. Die Reise von Captain Willard zu Colonel Kurtz ist eine Odyssee durch die Abgründe militärischer Logik und menschlicher Hybris. Zwei Oscars, die Goldene Palme und Platz 28 der AFI-Bestenliste zeugen von seiner Wirkung.
Vier Jahrzehnte nach seiner Premiere gilt dieses Mammutwerk als eine der bedeutendsten Arbeiten der Filmgeschichte. Sergio Leone verwob darin drei Zeitebenen zu einem dichten Geflecht aus Jugend, Aufstieg und später Erkenntnis. Ennio Morricones Musik begleitet die Bilder wie eine zweite Erzählstimme, während Tonino Delli Collis Kamera die Lower East Side in einen Sehnsuchtsraum verwandelt. Robert De Niro liefert hier eine seiner stillsten, intensivsten Darstellungen ab. Ein Film, der beim Zuschauer nachwirkt und Fragen hinterlässt. Was macht ein Leben mit uns, wenn es gelebt ist?
Ein Hotelzimmer in Belgrad, ein missglückter Zugriff, eine vernichtende Diagnose: So beginnt die Reise des alternden CIA-Agenten Ethan Renner in „3 Days to Kill" aus dem Jahr 2014. Kevin Costner verkörpert den sterbenden Profi als melancholischen Überlebenden zwischen Auftragsmord und Elternpflicht. Luc Bessons Handschrift prägt die europäische Atmosphäre, McGs Regie sorgt für handgemachte Action. Hailee Steinfeld und Amber Heard ergänzen den Cast mit sehr unterschiedlichen Frauenfiguren. Was macht diese ungewöhnliche Verbindung aus Familiendrama und Spionage-Thriller zu einem sehenswerten Genre-Experiment?
Manche Filme funktionieren durch ihre Räume stärker als durch ihre Figuren. Guillermo del Toro gehört zu den Regisseuren, die genau das verstehen – und in „Crimson Peak" macht er es zum Prinzip. Eine junge Autorin, ein charmanter Baronet, ein Haus, das blutet: Die Zutaten einer klassischen Gothic Romance treffen auf viktorianisches Kostüm und moderne Inszenierung. Mia Wasikowska, Tom Hiddleston und Jessica Chastain bilden ein Trio, dessen Spannung jede Szene trägt. Kann ein Film, der so sehr auf Atmosphäre setzt, auch dramaturgisch überzeugen?
Ein zorniger Teenager, eine neue Schule im sonnigen Florida und ein unterirdisches Kampfturnier mit klingendem Namen: Jeff Wadlow servierte 2008 mit „The Fighters" eine Mischung aus Coming-of-Age-Drama und Mixed-Martial-Arts-Spektakel. Der Film wollte zugleich prügeln und predigen, Adrenalin und Moral liefern, Youtube-Kultur und Mentorenmythos verweben. Zwischen Sean Faris als gebrochenem Helden, Djimon Hounsou als wortkargem Lehrmeister und Cam Gigandet als reichem Widersacher entstand ein Werk, das sein Genre neu vermessen wollte. Gelingt dieser Spagat zwischen Arthouse-Ambition und Kampfsport-Kino wirklich?
Martin Scorsese hat das amerikanische Gangsterkino über Jahrzehnte geprägt wie kaum ein zweiter Regisseur. Mit „The Irishman" kehrt er 2019 zu jenem Genre zurück, das seinen Ruhm begründete – und unterwandert zugleich dessen Konventionen. Drei Legenden stehen gemeinsam vor der Kamera: Robert De Niro, Al Pacino und Joe Pesci. Netflix finanzierte die 209-minütige Produktion mit 159 Millionen Dollar. Digitale Effekte verjüngen die Darsteller über Jahrzehnte hinweg.
Die geschlossene Abteilung eines Krankenhauses gehört zu den klassischsten Schauplätzen des Horrorgenres. John Carpenter nutzt dieses Motiv in „The Wardtion" für seinen ersten Kinofilm nach zehn Jahren Stille. Fünf junge Frauen, ein experimenteller Psychiater und eine unheimliche Erscheinung verwandeln die Station in einen Kosmos der Paranoia. Was zunächst wie eine Spukgeschichte beginnt, entfaltet sich nach und nach zu einer Studie über Trauma und Identität.
Eine verlorene CD im Fitnessstudio, zwei großspurige Nichtskönner und ein CIA-Apparat, der am eigenen Informationsapparat scheitert: Joel und Ethan Coen nehmen 2008 die Konventionen des Spionagethrillers auseinander und ersetzen sie durch eine Studie menschlicher Selbstüberschätzung. George Clooney, Brad Pitt, Frances McDormand, John Malkovich und Tilda Swinton spielen Figuren, die in ihrer Verblendung an Tragödienhelden erinnern – ohne je Größe zu erreichen. Carter Burwells Taiko-Score treibt das Ganze voran.
Roland Emmerich betrat Hollywood mit einem Film, der Muskelkraft und Militärdystopie zu einer bemerkenswerten Mischung verband. Zwei Ikonen des Actionkinos der Neunziger standen sich hier erstmals gegenüber: Jean-Claude Van Damme und Dolph Lundgren. Ihre Körper wurden zum Schauplatz einer Geschichte über Krieg, Gedächtnis und Kontrolle. Der Hoover Dam, die Wüste Arizonas und eine Farm in Louisiana bilden die Kulisse für einen Science-Fiction-Actioner mit Tiefgang. Warum funktioniert dieser Film auch dreißig Jahre später noch?
Drei rote Plakate am Rand einer einsamen Landstraße in Missouri. Eine Mutter, deren Tochter ermordet wurde und deren Trauer längst in Wut umgeschlagen ist. Eine Kleinstadt, die mit den Folgen ihrer eigenen Versäumnisse nicht umzugehen weiß. Martin McDonagh verbindet in seinem dritten Spielfilm Tragikomödie und Drama auf eine Weise, die das Genre Rachethriller bewusst hinter sich lässt.
James Gunn hatte eine Rechnung offen – mit den großen Studios, mit dem Superheldenkino, vielleicht auch mit sich selbst. Als Warner Bros. ihn 2019 für einen neuen Suicide-Squad-Film verpflichtete und ihm dabei vollständige kreative Freiheit ließ, nutzte Gunn diese Chance auf seine eigene Art: radikal, blutig und mit einer Gleichgültigkeit gegenüber Blockbuster-Konventionen, die in einem Studiofilm dieser Größenordnung kaum zu erwarten war. Was entsteht, wenn ein Regisseur keine Rücksicht nehmen muss?
Eine Visitenkarte als Auslöser für Mord – das klingt absurd. In der Welt von Patrick Bateman in "American Psycho" ist es folgerichtig. Der Investmentbanker aus dem New York der 1980er Jahre lebt ausschließlich für Statussymbole, für den Vorsprung vor Kollegen, für die lückenlose Perfektion seiner Außenwirkung. Christian Bale spielt diese Figur in Mary Harrons Filmadaption von Bret Easton Ellis mit beunruhigender Präzision. Was genau hinter der makellosen Fassade lauert – und ob die Gewalt real oder eingebildet ist – bleibt am Ende die eigentliche Frage.
Schweden im Winter: eine Landschaft, die Schönheit und Kälte in sich vereint, als wäre sie der ideale Schauplatz für Verbrechen, die über Jahrzehnte verborgen bleiben. David Fincher hat diese Ambivalenz erkannt und macht sie 2011 zum ästhetischen Fundament seines Thrillers „Verblendung". Basierend auf Stieg Larssons erstem Band der Millennium-Trilogie erzählt er von Schuld, Macht und einer jungen Frau, die sich beides nicht gefallen lässt. Was macht diesen Film so anders als das schwedische Original?
"Der Killer" zeigt einen präzise agierenden Auftragsmörder, dessen geordnete Welt nach einem Fehlschuss aus dem Gleichgewicht gerät. Auf der Suche nach den Verantwortlichen trifft er auf brutale Gegner, alte Verbindungen und neue Auftraggeber. Dabei überschreitet er eigene Prinzipien und gerät immer stärker unter Druck, die Kontrolle über sein System zu behalten.