Call Me by Your Name
Es gibt Filme, die sich dem Versuch widersetzen, sie einem Genre zuzuordnen. Sie erzählen von Liebe, doch das Wort „Liebesfilm“ greift zu kurz. Sie handeln von Begehren zwischen Männern, doch „queeres Kino“ beschreibt nur einen Bruchteil ihrer emotionalen Reichweite. Luca Guadagninos „Call Me by Your Name“ aus dem Jahr 2017 gehört zu jenen seltenen Werken, die eine Universalität des Gefühls erreichen. Der Film fragt nicht primär nach sexueller Identität, sondern nach der Natur von Sehnsucht selbst.

| Dauer: | 131 Min. |
|---|---|
| FSK: | 12 (DE) |
| Jahr: | 2017 |
| Kategorien: | Drama, Romantik |
| Regie: | Luca Guadagnino |
| Produzenten: | Marco Morabito, Luca Guadagnino, Rodrigo Teixeira, Emilie Georges, Peter Spears, Howard Rosenman, James Ivory |
| Hauptdarsteller: | Armie Hammer, Timothée Chalamet, Michael Stuhlbarg |
| Nebendarsteller: | Amira Casar, Esther Garrel, Victoire du Bois, Vanda Capriolo |
| Studio: | La Cinéfacture, Frenesy Film, M.Y.R.A. Entertainment, RT Features, Water's End Productions, Memento Films International |
Guadagnino hatte sich zuvor mit Filmen wie A Bigger Splash als Regisseur atmosphärisch dichter Beziehungsdramen etabliert. Für die Verfilmung von André Acimans Roman übernahm er ein Projekt, das ursprünglich James Ivory realisieren sollte. Ivory, damals fast neunzig Jahre alt, verfasste das Drehbuch und wurde dafür mit einem Oscar ausgezeichnet. Mit einem Budget von lediglich 3,5 Millionen Dollar entstand ein Film, der bei seiner Premiere auf dem Sundance Film Festival 2017 sofort begeisterte Reaktionen hervorrief.
Besetzung, Regie und Drehorte
„Call Me by Your Name“ ist ein romantisches Drama aus dem Jahr 2017. Der Film wurde als internationale Koproduktion zwischen Italien, Frankreich, den USA und Brasilien realisiert. Die Laufzeit beträgt 133 Minuten, die FSK gab den Film ab zwölf Jahren frei. Die Originalsprachen sind Englisch, Französisch und Italienisch.
Die Regie übernahm Luca Guadagnino, das Drehbuch stammt von James Ivory. Die Hauptrollen spielen Timothée Chalamet als Elio Perlman und Armie Hammer als Oliver. In weiteren Rollen sind Michael Stuhlbarg als Professor Perlman, Amira Casar als Mrs. Annella Perlman und Esther Garrel als Marzia zu sehen. Für die Kameraarbeit zeichnet Sayombhu Mukdeeprom verantwortlich, den Schnitt besorgte Walter Fasano. Die Musik komponierte Sufjan Stevens, dessen Song Mystery of Love eine Oscar-Nominierung erhielt.
Die Dreharbeiten fanden in Norditalien statt und wurden in chronologischer Reihenfolge durchgeführt. Von 34 Drehtagen waren 28 von starkem Regen geprägt, obwohl die Handlung einen heißen, trockenen Sommer darstellen sollte. Die Weltpremiere erfolgte am 22. Januar 2017 auf dem Sundance Film Festival. In Deutschland wurde der Film erstmals am 13. Februar 2017 in der Panorama-Sektion der Berlinale gezeigt, der reguläre Kinostart war am 1. März 2018.
Handlung & Inhalt vom Film „Call Me by Your Name“
Der Film spielt im Sommer 1983 in Norditalien. Der 17-jährige Elio lebt mit seinen Eltern in einer Villa auf dem Land. Die Familie ist jüdisch, sehr gebildet und mehrsprachig. Elios Vater arbeitet als Professor für Archäologie und erforscht antike Skulpturen. Elio verbringt seine Tage mit Klavierspielen, Lesen und Schwimmen. Er trifft sich häufig mit der gleichaltrigen Französin Marzia. Mit ihr könnte er sich eine Beziehung vorstellen.
Wie jeden Sommer nimmt der Professor einen Doktoranden bei sich auf. Dieses Jahr ist es der 24-jährige Amerikaner Oliver aus Neuengland. Oliver ist ebenfalls jüdischer Abstammung und soll bei der Forschungsarbeit assistieren. Elio muss ihm sein Zimmer überlassen. Den selbstbewussten, scheinbar sorglosen Gast findet er zunächst arrogant. Besonders Olivers knappe Verabschiedungsfloskel „Later“ amüsiert und irritiert ihn zugleich. Elios Eltern bitten ihren Sohn, Oliver die Gegend zu zeigen.
Verbotene Gefühle, heimliche Begegnungen
Allmählich freunden sich die beiden an. Oliver findet schnell Zugang zu den Einwohnern der nahen Kleinstadt. Auch die Gunst der jungen Frauen gewinnt er mühelos. Als Oliver auf einer Tanzfläche mit einem Mädchen namens Chiara anbandelt, spürt Elio Eifersucht. Er entwickelt verwirrende, intensive Gefühle für den älteren Mann. Heimlich schleicht er sich in Olivers Zimmer und riecht an dessen Kleidung. Elios Mutter liest ihm aus einem Gedicht vor, das die Frage stellt: „Was ist besser, zu reden oder zu sterben?“ Diese Zeilen ermutigen Elio zu zaghaften Annäherungsversuchen.
Bei einem Ausflug an einen See versucht Elio, Oliver zu verführen. Oliver geht zunächst darauf ein, zieht sich dann aber zurück. Er fürchtet offenbar die öffentliche Bloßstellung wegen einer Beziehung mit dem jungen Sohn seines Vorgesetzten. Tagelang spricht er nicht mehr mit Elio. Dieser trifft sich wieder häufiger mit Marzia, sie schlafen miteinander. Über kurze Briefwechsel nähern sich Elio und Oliver erneut an. Sie treffen sich nachts, beginnen eine heimliche Beziehung. Beim Sex sprechen sie sich gegenseitig mit dem jeweils eigenen Namen an – darauf bezieht sich der Filmtitel.
Beide bedauern, ihre Gefühle nicht früher eingestanden zu haben, denn Olivers Abreise naht. Elio darf ihn die letzten Tage nach Bergamo begleiten. Nach Olivers Rückkehr in die USA trauert Elio seiner ersten großen Liebe nach. Sein Vater offenbart ihm, dass er von der Beziehung wusste. In einem eindringlichen Gespräch rät er seinem Sohn, auch schmerzhafte Gefühle zuzulassen. Monate später, zur Zeit des Lichterfestes, ruft Oliver an. Er teilt mit, dass er verlobt ist. Am Ende des Gesprächs gestehen sich beide, wie sehr sie einander vermissen. Elio sitzt allein vor dem Kamin und weint.
Filmkritik und Fazit zum Film „Call Me by Your Name“
Luca Guadagninos Regie zeichnet sich durch bemerkenswerte Zurückhaltung aus. Er vertraut im Film „Call Me by Your Name“ auf die Kraft der Bilder und Gesten, statt Emotionen durch Dialoge zu erklären. Sayombhu Mukdeeproms Kameraarbeit fängt das norditalienische Sommerlicht in warmen, einladenden Tönen ein. Die Bilder wirken oft wie Gemälde, ohne dabei statisch zu werden. Timothée Chalamet liefert eine Darstellung von erstaunlicher Präzision. Seine Gesichtszüge verraten jede Nuance von Elios innerem Aufruhr.
Das Tempo des Films verlangt Geduld. Guadagnino nimmt sich viel Zeit für atmosphärische Einstellungen. Diese Entscheidung spiegelt das träge Dahinfließen eines italienischen Sommers wider. Die Musik von Sufjan Stevens fügt sich organisch in die Erzählung ein. Seine melancholischen Songs verstärken die emotionale Wirkung, ohne aufdringlich zu werden. Die Bildsprache arbeitet konsequent mit Kontrasten zwischen Licht und Schatten. Manche Zuschauer mögen die langsame Erzählweise als Schwäche empfinden.
Call Me by Your Name ist ein Film, der seine emotionale Wucht aus der Andeutung bezieht. Er zeigt weniger, als er verschweigt. Diese Zurückhaltung kann frustrieren, wer explizite Aussagen erwartet. Doch genau darin liegt die Stärke des Films: Er überlässt dem Publikum die Arbeit der Interpretation. Die Oscar-Nominierung für den besten Film war verdient, auch wenn der Sieg ausblieb. Manche mögen den ausführlichen Monolog des Vaters als zu erklärend empfinden. Tatsächlich bricht diese Szene mit der sonstigen Zurückhaltung des Films.