The Amazing Spider-Man 2: Rise of Electro

Superhelden tragen Masken. Sie verbergen damit nicht nur ihre Identität, sondern auch die Risse, die das Doppelleben in ihr Inneres frisst. In „The Amazing Spider-Man 2: Rise of Electro“ trägt Peter Parker gleich mehrere solcher Masken – die des Stadthelden, die des Freundes, die des Sohnes. Marc Webb inszeniert diesen Balanceakt mit spürbarem Gespür für emotionale Zwischentöne, die in einem Genre selten Raum bekommen. Andrew Garfield verleiht seinem Spider-Man eine Verletzlichkeit, die unter den Stahl-und-Glas-Kulissen New Yorks glaubwürdig bleibt.

The Amazing Spider-Man 2: Rise of Electro
Dauer: 142 Min.
FSK: 12 (DE)
Jahr: 2014
Kategorien: Action, Science-Fiction
Regie: Marc Webb
Produzenten: Avi Arad, Matt Tolmach
Hauptdarsteller: Andrew Garfield, Emma Stone, Jamie Foxx
Nebendarsteller: Dane DeHaan, Colm Feore, Felicity Jones, Paul Giamatti
Studio: Columbia Pictures, Matt Tolmach Productions, Arad Productions, Marvel Entertainment

Doch ein Superhelden-Sequel steht und fällt nicht allein mit seinem Helden. Es braucht Antagonisten, die mehr sind als visuelle Ereignisse – und eine Handlung, die trotz Universum-Aufbau noch eine eigene Geschichte erzählt. Kann „The Amazing Spider-Man 2″ diese Balance halten, oder verliert er sich im Tauziehen zwischen emotionalem Kern und filmstudiogetriebenem Franchise-Denken?

Besetzung, Regie und Drehorte

The Amazing Spider-Man 2: Rise of Electro“ ist eine US-amerikanische Comicverfilmung aus dem Jahr 2014, inszeniert von Marc Webb, der bereits den ersten Teil der Reihe verantwortete. Das Drehbuch stammt von Alex Kurtzman, Roberto Orci und Jeff Pinkner. Die Filmmusik komponierten Hans Zimmer gemeinsam mit einem eigens zusammengestellten Kollektiv namens The Magnificent Six, dem unter anderem Pharrell Williams, Junkie XL und Johnny Marr angehörten. Die Kamera führte Dan Mindel, den Schnitt verantworteten Pietro Scalia und Elliot Graham.

In der Hauptrolle des Peter Parker alias Spider-Man ist erneut Andrew Garfield zu sehen. Emma Stone spielt Gwen Stacy, seine Freundin und moralischen Kompass zugleich. Jamie Foxx verkörpert den Elektriker Max Dillon, der zum Bösewicht Electro wird, während Dane DeHaan als Harry Osborn den Weg zum Green Goblin einschlägt. Weitere Rollen übernahmen Paul Giamatti als Alexei Sytschewitsch, Sally Field als Tante May und Felicity Jones in einer kleineren Nebenrolle. Spider-Man-Schöpfer Stan Lee hat einen Gastauftritt auf der Abschlussfeier.

Der Film wurde vollständig in New York City gedreht und war zum Zeitpunkt seiner Entstehung die größte Filmproduktion, die je in der Stadt stattfand. Die Dreharbeiten dauerten von Februar bis Juni 2013. Mit einer Laufzeit von 142 Minuten und einer Freigabe ab FSK 12 kam der Film im April 2014 zunächst in Deutschland und kurz darauf in den USA in die Kinos. Das Budget betrug 255 Millionen US-Dollar; weltweit spielte der Film über 709 Millionen US-Dollar ein.

Handlung & Inhalt vom Film „The Amazing Spider-Man 2: Rise of Electro“

Der Film beginnt mit einem Flashback: Richard und Mary Parker befinden sich an Bord eines Flugzeugs auf der Flucht vor einem unbekannten Feind. Ein Attentäter tötet den Piloten, Richard kämpft ihn nieder – doch der Absturz lässt sich nicht mehr verhindern. Im letzten Moment lädt Richard noch wichtige Daten unter dem Codewort „Roosevelt“ auf einen geheimen Server hoch. Die Gegenwart gehört Peter Parker, der als Spider-Man New York schützt und gleichzeitig versucht, rechtzeitig zu seiner eigenen Highschool-Abschlussfeier zu erscheinen, wo Gwen Stacy die Abschlussrede hält. Sein Versprechen an Gwens verstorbenen Vater, sie aus der Gefahr herauszuhalten, nagt an ihm. Die Beziehung der beiden steht unter diesem Druck.

Parallel dazu stirbt Oscorp-Patriarch Norman Osborn an einer unheilbaren Erbkrankheit und eröffnet seinem Sohn Harry kurz vor dem Tod, dass dieser dasselbe Schicksal erwartet. Peter sucht den alten Schulfreund auf und tröstet ihn. Währenddessen rettet Spider-Man dem Oscorp-Elektriker Max Dillon das Leben – ein flüchtiger Moment, der bei dem sozial isolierten Mann eine Obsession auslöst. Als Dillon wenig später in einen Tank mit mutierten Zitteraalen fällt, verwandelt er sich in Electro, ein lebendes Blitzgewitter, das den Times Square in Chaos stürzt. Spider-Man überwältigt ihn mühsam. Dillons frühere Verehrung für den Helden schlägt in tiefen Hass um.

Zwischen Verrat und Verlorenheit

Peters Nachforschungen über seine Eltern führen ihn schließlich in eine verlassene U-Bahn-Station namens „Roosevelt“. Dort hat Richard Parker seinem Sohn ein Vermächtnis hinterlassen. Peter erfährt, dass Oscorp unter Norman Osborn Mensch-Tier-Chimären herstellte – als Waffen, als medizinische Experimente, als Mittel zum Machterhalt. Darunter waren die Spinnen, die Peter gebissen haben, und die Zitteraale, die Dillon verwandelt haben. Cruciales Detail: Das Spinnen-Serum basiert auf Richards Erbgut und wirkt fehlerfrei nur bei seinen Blutsverwandten. Peters Eltern hatten die Stadt verlassen, um ihn zu schützen.

Harry Osborn erfährt von der Spider-Spinne und sieht in Spider-Mans Blut seine letzte Überlebenschance. Er bittet Peter in seiner Identität als Spider-Man darum, erhält aber eine Absage – die Folgen wären unkalkulierbar. Wütend und verzweifelt befreit Harry daraufhin Electro aus dem Ravencroft Institute, wo dieser unter dem sadistischen Dr. Kafka festgehalten wird. Im Gegenzug verschafft Electro Harry Zugang zu einem geheimen Oscorplabor. Harry injiziert sich das Spinnen-Serum. Sein Körper verträgt es nicht. Er verliert den Verstand und verwandelt sich in den Green Goblin.

Electro legt New York lahm und stellt Spider-Man in einem spektakulären Duell. Mit Gwens Hilfe gelingt es Peter schließlich, Electro zu besiegen. Dann erscheint Green Goblin, erkennt Peters wahre Identität und entführt Gwen. Im Kampf im Glockenturm besiegt Spider-Man den Goblin – doch Gwen stürzt in die Tiefe. Peter fängt sie mit einem Netzstrahl ab, im letzten Moment. Ihr Genick bricht trotzdem. Sie stirbt. Peter versinkt in Trauer und legt das Kostüm für fünf Monate ab. Erst als er Gwens Abschlussrede noch einmal sieht, kehrt er als Spider-Man zurück – und stellt sich dem nächsten Feind: dem von Harry befreiten Alexei Sytschewitsch, der als Rhino in einem Exoskelett New York bedroht.

Filmkritik und Fazit zum Film „The Amazing Spider-Man 2: Rise of Electro“

The Amazing Spider-Man 2: Rise of Electro“ ist ein Film, der weiß, wo seine eigentliche Kraft liegt – und sie trotzdem nicht konsequent genug ausschöpft. Andrew Garfield spielt Peter Parker mit einer Natürlichkeit, die im Genre ihresgleichen sucht: kein Pathos, kein Überspielen, stattdessen echte Zermürbung. Die Szenen zwischen ihm und Emma Stone gehören zum Stärksten, was der Film zu bieten hat. Ihr Zusammenspiel besitzt eine Schlagfertigkeit und Wärme, die selbst dramatische Wendungen glaubwürdig macht. Marc Webbs Inszenierung folgt diesem emotionalen Kern mit sicherem Gespür – solange sie es darf.

Das Problem liegt anderswo: Der Film jongliert zu viele Figuren und Handlungsstränge, ohne allen gerecht zu werden. Electro hat das Potenzial einer tragischen Figur – ein Mann, den niemand sieht, bis er nicht mehr zu übersehen ist. Jamie Foxx spielt diese Verlorenheit mit sichtbarer Energie, doch das Drehbuch lässt ihn zum reinen Mittel eines größeren Masterplans werden. Dane DeHaan gibt dem todkranken Harry Osborn einen glaubwürdigen Fanatismus, seine Verwandlung zum Green Goblin aber vollzieht sich zu abrupt. Hans Zimmers Musikkonzept ist mutig: Electros elektronisch zersplitterte Leitmotive klingen anders als jeder Superhelden-Score zuvor, wirken in den Actionszenen geradezu aufwühlend. Die Kamera Dan Mindels findet in den Schwungsequenzen eine Leichtigkeit, die Spider-Mans Bewegung körperlich spürbar macht.

Wer Comicverfilmungen schätzt, die ihren Helden als Menschen ernst nehmen, findet hier einen Film mit echten Höhepunkten – vor allem im letzten Akt, der Gwens Tod mit einer Konsequenz inszeniert, die viele Genreproduktionen scheuen. Das Franchise-Gewicht drückt den Film jedoch immer wieder nach unten. Es bleibt ein Sequel, das mehr verspricht, als es einlöst – und in einigen Momenten dennoch genug.

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