28 Years Later: The Bone Temple
„28 Years Later: The Bone Temple“ lässt das vertraute Endzeitszenario eskalieren und verwandelt es in eine allegorische Versuchsanordnung. Die Apokalypse ist kein Ausnahmezustand mehr, sondern der neue Alltag. Innerhalb dieser verrohten Welt rückt der Film Machtstrukturen in den Mittelpunkt, in denen Gewalt als Mittel zur Zugehörigkeit dient. Die Inszenierung mischt religiöse Anspielungen mit ritueller Grausamkeit und überschreitet dabei Genregrenzen zugunsten grotesker Überzeichnung.

| Dauer: | 110 Min. |
|---|---|
| FSK: | 18 (DE) |
| Jahr: | 2026 |
| Kategorien: | Horror |
| Regie: | Nia DaCosta |
| Produzenten: | Danny Boyle, Alex Garland, Andrew Macdonald, Bernard Bellew, Peter Rice |
| Hauptdarsteller: | Ralph Fiennes, Jack O'Connell, Alfie Williams |
| Nebendarsteller: | Erin Kellyman, Chi Lewis-Parry, Emma Laird, Connor Newall |
| Studio: | Columbia Pictures, TSG Entertainment, DNA Films |
Spike gerät zwischen die Fronten eines sadistischen Kults, der Identität zur Ware macht. Gleichzeitig versucht ein Arzt, das Verhalten eines Infizierten zu verstehen – und stößt auf Hinweise, die das Wesen der Krankheit infrage stellen. Der Film verschränkt brutale Rituale mit Momenten stiller Beobachtung. In einem brennenden Land, das kaum noch Hoffnung kennt, überlagern sich Kontrollwahn und Restmenschlichkeit. Wie viel bleibt vom Menschen übrig, wenn alle Ordnung zerfällt?
Besetzung, Regie und Drehorte
„28 Years Later: The Bone Temple“ ist ein britisch-US-amerikanischer Horror-Thriller von Regisseurin Nia DaCosta. Der Film wurde direkt im Anschluss an „28 Years Later“ produziert und bildet den zweiten Teil einer geplanten Trilogie. Alex Garland schrieb das Drehbuch, während er gemeinsam mit Danny Boyle, Andrew Macdonald, Peter Rice und Bernard Bellew auch als Produzent fungierte. Die Musik stammt von Hildur Guðnadóttir, die Kamera führte Sean Bobbitt. Der Schnitt lag in den Händen von Jake Roberts.
Alfie Williams spielt Spike, Ralph Fiennes übernimmt die Rolle des Dr. Ian Kelson. Jack O’Connell verkörpert Sir Jimmy Crystal. Emma Laird ist als Jimmima zu sehen, Erin Kellyman als Jimmy Ink. Maura Bird spielt Jimmy Jones, Robert Rhodes Jimmy Jimmy, Sam Locke Jimmy Fox und Ghazi Al Ruffai Jimmy Snake. Weitere Figuren sind Jimmy Shite (Connor Newall) und Samson (Chi Lewis-Parry). Cillian Murphy kehrt als Jim zurück, der bereits im ersten Film „28 Days Later“ im Mittelpunkt stand.
Der Film wurde unter anderem in County Durham, Northumberland und im Ennerdale-Tal im Lake District gedreht. Die FSK-Einstufung liegt bei 18 Jahren, die Laufzeit beträgt 109 Minuten. „28 Years Later: The Bone Temple“ spielte weltweit rund 31 Millionen US-Dollar ein. In den USA blieb der Kinostart unter den Erwartungen, obwohl zuvor mit höheren Einnahmen gerechnet wurde. Ein dritter Teil befindet sich bereits in Entwicklung.
Handlung & Inhalt vom Film „28 Years Later: The Bone Temple“
Nach seiner Rettung durch die sogenannte Fingers-Gang muss sich Spike einem brutalen Aufnahmeritual stellen: Er wird gezwungen, in einem tödlichen Kampf gegen Jimmy Shite anzutreten. Obwohl er überlebt, trägt er fortan den Namen „Jimmy“, wie alle Mitglieder der Gang. Sir Jimmy Crystal, der charismatische Anführer, hat für jedes Gangmitglied eine Variation dieses Namens. Währenddessen agiert Jimmy Ink zurückhaltender, während Jimmima durch Grausamkeit auffällt. Die Gruppendynamik ist von Gewalt, Misstrauen und einem bizarren Ehrenkodex geprägt, der jede Schwäche mit dem Tod bestraft.
Abseits des Chaos pflegt Dr. Ian Kelson das Bone Temple, eine makabre Gedenkstätte für die Opfer der Pandemie. Dort lebt auch Samson, ein sogenannter Alpha, der trotz Infektion ungewöhnlich zahm wirkt. Kelson entdeckt, dass Samson durch ein Sedativum ruhiger und sogar menschlicher erscheint. Die beiden entwickeln eine fragile Beziehung. Samson kleidet sich, isst Beeren statt Fleisch und zeigt erstmals sprachliche Regungen. Als Kelson in Erwägung zieht, Samson zu töten, ändert das gesprochene Wort „Mond“ seine Meinung. Er beginnt zu glauben, dass die Krankheit psychisch behandelbar sein könnte.
Blutiger Umsturz im Bone Temple
Die Fingers überfallen eine Farm mit Überlebenden. Cathy, eine schwangere Frau, entkommt, doch ihr Partner Tom wird gefangen. Sir Jimmy zwingt ihn zu einem tödlichen Duell gegen Jimmima. Diese scheint schwach, erweist sich jedoch als überlegen. Kurz bevor Tom stirbt, tötet Cathy Jimmima mit einem Haken. In der Panik zündet Tom das Gebäude an. Er stirbt, aber Cathy flieht. Spike erhält den Befehl, sie zu fangen. Stattdessen bittet er sie um Flucht. Cathy nutzt Spikes Naivität, täuscht Zustimmung vor, schlägt ihn bewusstlos und entkommt alleine in die Nacht.
Sir Jimmy reagiert zunehmend unberechenbar und gewalttätig. Ink glaubt inzwischen, dass Kelson der leibhaftige Satan sei, beeinflusst durch dessen Hautfarbe und das Zusammenspiel mit Samson. Sir Jimmy zwingt Kelson unter Androhung des Todes, den Teufel zu mimen. In einem bizarren Ritual simuliert Kelson eine dämonische Erscheinung mithilfe von Halluzinogenen und Musik. Als Spike auftaucht, versucht Kelson, ihn zu retten, indem er die Fingers gegen Sir Jimmy aufbringt. Dieser durchschaut den Plan, ersticht Kelson, wird jedoch kurz darauf selbst von Spike verwundet und von Ink aufgespießt.
Nach der blutigen Abrechnung fliehen Kelli und Spike gemeinsam. Sie wissen nicht, dass sie beobachtet werden. Jim und seine Tochter Sam beobachten sie heimlich und nähern sich. Samson taucht noch einmal auf. Er trägt Kelsons leblosen Körper fort, nachdem er sich von ihm verabschiedet hat. Die einstige Hoffnung auf Heilung liegt nun in Trümmern, doch mit der Flucht von Spike und Kelli scheint ein neuer Weg möglich.
Fazit & Kritiken zum Film „28 Years Later: The Bone Temple“
„28 Years Later: The Bone Temple“ zeigt klare thematische Ambitionen, verliert aber oft den narrativen Fokus. Der Film setzt weniger auf klassische infizierte Horde als auf menschliche Extreme und sektiererische Dynamik. Die Sequenz, in der Spike in eine Gruppe gewaltsamer Anhänger hineingezogen wird, offenbart ein zutiefst gespaltenes Verhältnis zwischen Überlebensinstinkt und moralischem Verfall. Während dieser Strang stark inszeniert ist, wirkt er einerseits überzeichnet und andererseits weniger stringent als erhofft.
Parallel dazu führt der Film mit Dr. Kelson eine nachdenklichere Seite ein, die dem Genre sonst selten vorbehalten bleibt. Sein ungewöhnliches Verhältnis zu einem Infizierten gibt dem Projekt ein Zwiegesicht: Einerseits schroff und brutal, andererseits ruhig und fast empathisch in Teilen. Diese klare thematische Zweiteilung schafft Spannung, doch sie bleibt nicht immer ausgeglichen. Szenen wie Kelsons stiller Umgang mit Samson stehen im Kontrast zu den ritualisierten Gewalttaten und wirken stellenweise deplatziert innerhalb des Rhythmus.
Der Schluss liefert intensive Bilder, die die zentrale Spannung zwischen Gemeinschaftswahn und individueller Moral zuspitzen. Einige Momente entfalten eine echte psychologische Schärfe, doch andere erscheinen entfremdet von der übrigen Erzählung. „28 Years Later: The Bone Temple“ besitzt bemerkenswerte erzählerische Ansätze, aber nicht alle greifen gleich stark. Die Mischung aus brutaler Allegorie und introspektivem Konflikt bleibt ambivalent, was den Film streckenweise faszinierend und zugleich uneinheitlich macht.