American Hustle
Hollywood liebt das Spiel mit der Ambivalenz – jene Figuren, die sich in moralischen Grauzonen bewegen, deren Motive nicht eindeutig zu entziffern sind. David O. Russell hat sich in den vergangenen Jahren als Chronist solcher Existenzen etabliert. Mit „American Hustle“ führt er diese Tradition fort und entwirft ein Ensemble aus Hochstaplern, Ermittlern und Opportunisten, deren Beziehungen ebenso fragil wie faszinierend sind. Der Film entfaltet sich als Kammerspiel der Täuschungen, in dem jede Figur ihre eigene Wahrheit konstruiert.

| Dauer: | 138 Min. |
|---|---|
| FSK: | 6 (DE) |
| Jahr: | 2013 |
| Kategorien: | Komödie, Krimi |
| Regie: | David O. Russell |
| Produzenten: | Jonathan Gordon, Richard Suckle, Megan Ellison, Charles Roven |
| Hauptdarsteller: | Christian Bale, Bradley Cooper, Amy Adams |
| Nebendarsteller: | Jeremy Renner, Jennifer Lawrence, Louis C.K., Jack Huston |
| Studio: | Annapurna Pictures, Atlas Entertainment |
Russell interessiert sich weniger für spektakuläre Wendungen als für die subtilen Verschiebungen zwischen den Charakteren. Die Inszenierung verzichtet auf moralische Eindeutigkeit. Stattdessen entsteht ein vielschichtiges Porträt der späten 1970er-Jahre, das historische Ereignisse – die FBI-Operation Abscam – als Ausgangspunkt nutzt, ohne dokumentarischen Anspruch zu erheben. Die Besetzung mit Christian Bale, Amy Adams, Bradley Cooper und Jennifer Lawrence signalisiert bereits die Priorität: Dies ist ein Film über Darstellung, über das Spiel mit Identitäten und Rollen.
Besetzung, Regie und Drehorte
„American Hustle“ erschien 2013 als US-amerikanische Produktion in englischer Originalsprache. Die Laufzeit beträgt 138 Minuten, die FSK-Freigabe liegt bei sechs Jahren. Regie führte David O. Russell, der gemeinsam mit Eric Warren Singer auch das Drehbuch verfasste. Produziert wurde der Film von Megan Ellison, Jonathan Gordon, Charles Roven und Richard Suckle.
Vor der Kamera agierten Christian Bale als Irving Rosenfeld, Bradley Cooper als FBI-Agent Richie DiMaso, Amy Adams als Sydney Prosser alias Lady Edith Greensley sowie Jeremy Renner als Bürgermeister Carmine Polito. Jennifer Lawrence übernahm die Rolle der Rosalyn Rosenfeld. In weiteren Rollen waren Louis C. K., Jack Huston, Robert De Niro, Elisabeth Röhm, Michael Peña und Shea Whigham zu sehen. Für die Kamera zeichnete Linus Sandgren verantwortlich, Danny Elfman komponierte die Filmmusik. Den Schnitt besorgten Alan Baumgarten, Jay Cassidy und Crispin Struthers.
Die Handlung orientiert sich lose an der FBI-Operation Abscam aus den 1970er-Jahren. Bei der Oscarverleihung 2014 war „American Hustle“ als einziger Film in allen fünf Hauptkategorien nominiert sowie für fünf weitere Oscars. Trotz insgesamt zehn Nominierungen erhielt der Film keine einzige Auszeichnung. Diese Diskrepanz zwischen Nominierungen und tatsächlichen Preisen markiert eine Besonderheit in der Rezeptionsgeschichte des Films.
Handlung & Inhalt vom Film „American Hustle“
Irving Rosenfeld betreibt 1978 im Großraum New York ein erfolgreiches Geschäft als Trickbetrüger. Offiziell leitet er eine Waschsalonkette, doch sein eigentliches Einkommen erzielt er durch gefälschte Kunstwerke und fingierte Kreditversprechen. Seine Ehe mit Rosalyn ist zerrüttet, dennoch kann er sich nicht von ihr trennen. Sie droht ihm damit, den Kontakt zu seinem geliebten Adoptivsohn Danny zu unterbinden. An Irvings Seite arbeitet seine Geliebte Sydney Prosser, die sich als britische Adlige „Lady Edith Greensley“ ausgibt. Sie verschafft ihm Zugang zu vermeintlich seriösen Bankverbindungen, was die Betrügereien glaubwürdiger macht.
Bei einem der Kreditbetrugsfälle werden Irving und Sydney vom FBI-Agenten Richie DiMaso überführt. DiMaso zwingt das Paar zur Zusammenarbeit. Im Gegenzug für mildernde Umstände sollen sie ihm helfen, hochrangige Kriminelle zu überführen. Das primäre Ziel ist Carmine Polito, der Bürgermeister von Camden. Polito plant, durch Investitionen das Glücksspiel in New Jersey wiederzubeleben und damit Arbeitsplätze zu schaffen. DiMaso wittert Korruption und sieht in Polito den perfekten Kandidaten für eine öffentlichkeitswirksame Festnahme.
Die Falle schnappt zu: Der falsche Scheich und die Mafia
Um Polito zu überführen, inszenieren Irving, Sydney und DiMaso ein aufwendiges Täuschungsmanöver. Sie erfinden einen arabischen Scheich, der angeblich in den USA investieren möchte. Bei einem arrangierten Treffen erscheint auch der Mobster Victor Tellegio, ein Untergebener des berüchtigten Mafia-Bosses Meyer Lansky. Tellegio durchschaut die Inszenierung teilweise und stellt Forderungen: Er verlangt einen hohen Geldbetrag sowie die Einbürgerung des angeblichen Scheichs. Parallel dazu freundet sich Irvings Ehefrau Rosalyn mit dem Mafioso Pete Musane an. In einem unvorsichtigen Moment plaudert sie Details über Irvings Verstrickungen aus, was die Situation zusätzlich kompliziert.
Mit Politos unwissentlicher Hilfe gelingt es Irving und DiMaso, mehreren hochrangigen Politikern die Annahme von Bestechungsgeldern nachzuweisen. DiMaso ist besessen davon, auch Tellegio festzunehmen. Irving beobachtet mit wachsender Besorgnis, wie die Operation außer Kontrolle gerät. Bei einem Treffen mit Tellegios Anwalt überweist die Gruppe unter DiMasos Druck einen erheblichen Geldbetrag an den Mobster. Irving hat jedoch mittlerweile Zweifel an der Rechtmäßigkeit des Vorgehens. Zwischen ihm und Polito hat sich eine Freundschaft entwickelt, und Irving ist überzeugt von Politos ehrlichen Absichten, seiner Stadt zu helfen.
Es stellt sich heraus, dass Irving und Sydney das Treffen mit Tellegios Anwalt sowie die Geldüberweisung nur vorgetäuscht haben. Mit dieser Täuschung verschaffen sie sich Immunität und handeln für Polito ein reduziertes Strafmaß aus. Gleichzeitig verhindern sie, dass Tellegio strafrechtlich verfolgt wird, was Irvings eigenes Überleben sichert. DiMasos Karriere endet aufgrund seiner Inkompetenz abrupt. Irving und Sydney betreiben schließlich gemeinsam eine legale Kunstgalerie und leben mit Irvings Sohn als Familie zusammen. Rosalyn beginnt eine Beziehung mit Pete Musane.
Filmkritik und Fazit zum Film „American Hustle“
Russells Regie in „American Hustle“ setzt auf Nähe zu den Figuren, ohne ihnen Sympathie aufzuzwingen. Linus Sandgrens Kamera bleibt beweglich, doch nie aufdringlich. Die Ausstattung zelebriert die Ästhetik der 1970er-Jahre, während Kostüme und Frisuren bewusst übertrieben wirken und die Absurdität der Situationen unterstreichen. Das Drehbuch von Russell und Eric Warren Singer verzichtet auf klare Zuordnungen von Gut und Böse. Bale verkörpert Irving als Mann zwischen Raffinesse und Verzweiflung, Adams verleiht Sydney eine subtile Härte. Cooper zeigt DiMaso als getriebenen Ermittler, dessen Ehrgeiz die Kontrolle übernimmt, und Lawrence bricht als Rosalyn immer wieder die Ernsthaftigkeit der Szenen auf.
Die Inszenierung lebt von Dialogen, die zwischen Ironie und Ernst changieren, und Russell findet einen Rhythmus, der die Balance zwischen Komödie und Drama hält. Allerdings neigt der Film zu Längen, wenn er einzelne Szenen überdehnt. Danny Elfmans Musikauswahl integriert zeitgenössische Popsongs und erhöht die atmosphärische Dichte. Eine Szene, in der Jennifer Lawrence singend durch ihre Wohnung performt, zeigt die Stärke des Films: die Verbindung von Absurdität und emotionaler Wahrhaftigkeit. Eine andere Szene, in der Bale und Renner verbal aufeinander losgehen, demonstriert die Intensität der Ensemblearbeit.
„American Hustle“ funktioniert als Charakterstudie, nicht als stringente Krimihandlung. Die zehn Oscar-Nominierungen ohne Gewinn spiegeln die Spaltung wider: technisch versiert, darstellerisch überzeugend, doch ohne die Entschlossenheit, sich auf eine klare Perspektive festzulegen. Der Film vermeidet Eindeutigkeit, was ihn interessant macht – jedoch auch diffus. Russell erreicht eine seltene Ausgewogenheit zwischen Unterhaltung und Reflexion. Dennoch bleibt ein Eindruck von Kalkül, als wäre jede Entscheidung auf Konsens ausgerichtet. Die Stärke liegt in den Zwischentönen, in den Momenten, in denen die Figuren ihre Masken fallen lassen. Was bleibt, ist ein Film, der sich seiner Mittel bewusst ist, ohne sie demonstrativ auszustellen.