Captain Phillips
Tom Hanks spielt einen Mann ohne Superheldenstatus – einen Containerschiff-Kapitän, der in den Golf von Aden fährt. Er fürchtet Piraten und fährt doch weiter. Paul Greengrass inszeniert diese Geschichte als Angriff auf die Nerven, mit Handkamera, Echtzeitgefühl und dokumentarischem Gestus. „Captain Phillips“ rekonstruiert fünf Apriltage des Jahres 2009, als somalische Entführer die Maersk Alabama überfielen. Der Film verzichtet auf heroische Überhöhung und setzt auf Authentizität.

| Dauer: | 134 Min. |
|---|---|
| FSK: | 12 (DE) |
| Jahr: | 2013 |
| Kategorien: | Action, Drama |
| Regie: | Paul Greengrass |
| Produzenten: | Dana Brunetti, Michael De Luca, Scott Rudin |
| Hauptdarsteller: | Tom Hanks, Barkhad Abdi, Barkhad Abdirahman |
| Nebendarsteller: | Faysal Ahmed, Mahat M. Ali, Michael Chernus, David Warshofsky |
| Studio: | Columbia Pictures, Michael De Luca Productions, Scott Rudin Productions, Trigger Street Productions |
Greengrass, bekannt für Die Bourne Verschwörung und Flug 93, hat ein Gespür für Spannungsdramaturgie. Er lässt den Abstand zwischen Schiff und Küste nicht ausreichen und zeigt, wie schnell Kontrolle verloren geht. Barkhad Abdi tritt in seiner ersten Rolle gegen Hanks an, während seine Augen Härte und Verzweiflung zugleich signalisieren. Vier Fischer wurden zu Piraten, doch sie tragen keine schwarzen Flaggen, sondern leere Blicke. Kann ein Film über globale Ungleichheit ein Thriller sein?
Besetzung, Regie und Drehorte
„Captain Phillips“ entstand 2013 unter der Regie von Paul Greengrass. Billy Ray verfasste das Drehbuch nach der wahren Geschichte der Maersk Alabama, während Scott Rudin, Dana Brunetti und Michael De Luca den Film produzierten. Barry Ackroyd führte die Kamera, Christopher Rouse schnitt und Henry Jackman komponierte die Musik. Drei Viertel der Dreharbeiten fanden auf See statt. Die Alexander Maersk stand für die Alabama ein, während der Zerstörer Truxtun die USS Bainbridge spielte. Greengrass wollte maximale Authentizität.
Tom Hanks verkörpert Captain Richard Phillips. Barkhad Abdi, Castingneuling aus Minneapolis, spielt den Piratenführer Abduwali Muse, während Barkhad Abdirahman Bilal gibt und Faysal Ahmed den Najee. Mahat M. Ali verkörpert Elmi. Michael Chernus ist Shane Murphy, Catherine Keener Andrea Phillips. Max Martini verkörpert den SEAL-Commander, und David Warshofsky, Yul Vazquez sowie Corey Johnson ergänzen das Ensemble. Die vier Piratendarsteller hatten keine Schauspielausbildung, doch ihr Naturalismus prägt die Intensität der Begegnungen.
Der Film läuft 134 Minuten und erhielt eine Altersfreigabe von FSK 12. Sechs Oscar-Nominierungen erhielt „Captain Phillips“, darunter für besten Film und besten Nebendarsteller. Barkhad Abdi gewann den BAFTA-Award, während vier Golden-Globe-Nominierungen folgten. Hanks galt lange als Favorit. Abdis Gage für seine erste Rolle betrug 65.000 Dollar, und der Film startete am 11. Oktober 2013 in den USA sowie am 14. November in Deutschland.
Handlung & Inhalt vom Film „Captain Phillips“
Richard Phillips kommandiert die Maersk Alabama im April 2009. Das Containerschiff verlässt Salala im Oman mit Ziel Mombasa. Phillips ist sich der Piratengefahren im Golf von Aden bewusst und lässt die Mannschaft Sicherheitsübungen durchführen. Während einer Übung nähern sich zwei Boote dem Frachter. Phillips versucht, sie mit einem Ausweichmanöver abzuschütteln, und gaukelt per Funk Kontakt zu einem Militärhubschrauber vor. Einer der mutmaßlichen Piraten kehrt daraufhin um, der andere erleidet einen Motorschaden. Die Crew möchte mehr Abstand zur somalischen Küste halten, doch Phillips lehnt ab und verweist auf den Zeitplan.
Am nächsten Tag kehren vier Piraten zurück. Die Crew entdeckt ihr Boot früh per Radar und setzt einen Notruf ab, doch die Wasserwerfer können die Angreifer nicht abhalten. Die Piraten entern das Schiff, wobei ihr eigenes Schnellboot verloren geht. Phillips befiehlt der Mannschaft, sich im Maschinenraum zu verstecken, während er sich mit zwei Offizieren den Entführern stellt. Abduwali Muse führt die Gruppe an und akzeptiert die 30.000 Dollar aus dem Tresor nicht – er sucht nach der Mannschaft. Die Crew hat Maschine und Strom abgestellt, sodass das Schiff manövrierunfähig ist. In der Dunkelheit verlieren sich die Piraten, und der jüngste von ihnen tritt in gestreute Glasscherben. Sein Fuß blutet.
Geiselnahme auf hoher See
Die Crew lockt Muse in den Maschinenraum und überwältigt ihn. Mit ihm als Geisel verhandelt die Mannschaft: Die Piraten sollen das Schiff mit ihrem Anführer und den 30.000 Dollar in einem Freifallrettungsboot verlassen. Doch Muse nutzt den Gefangenenaustausch geschickt aus und zerrt Phillips mit ins Boot. Die vier fliehen, die Alabama ist frei – aber Phillips ist Geisel. Die Piraten wollen ihn nach Somalia bringen und Lösegeld erpressen. Die Mannschaft folgt dem langsamen Rettungsboot mit der Alabama, während die US Navy den Zerstörer Bainbridge entsendet.
In der stickigen Enge des geschlossenen Bootes eskalieren die Konflikte. Das Mutterschiff meldet sich nicht. Der Kapitän der Bainbridge kontaktiert die Entführer und versucht zu verhandeln, hat aber strikte Anweisung, das Boot nicht zur Küste gelangen zu lassen. Die Piraten verweigern jeden Kompromiss. Phillips versucht verzweifelt, Muse zum Aufgeben zu bewegen, doch dieser erklärt, er sei zu weit gekommen – ohne Beute könne er nicht zurück. Er erwähnt die Überfischung vor Somalia: Fischer hätten keine andere Wahl gehabt als die Piraterie. Phillips verbindet dem Jüngsten den verletzten Fuß. Zwei weitere Kriegsschiffe treffen ein, die Halyburton und die Boxer. Ein SEAL-Team übernimmt das Kommando.
In der Nacht springt Phillips verzweifelt aus dem Boot. Die Piraten feuern. Doch die Navy erkennt ihn in der Dunkelheit nicht – und greift nicht ein. Sie holen ihn zurück, einer verprügelt ihn brutal. Am nächsten Tag lockt das SEAL-Team Muse mit Verhandlungen an Bord der Bainbridge. Ein RIB holt ihn ab und befestigt dabei heimlich ein Schlepptau am Rettungsboot. Drei Scharfschützen positionieren sich am Heck. Phillips beginnt einen Abschiedsbrief an seine Frau, als ein Pirat ihn unterbricht. Es kommt zum Kampf. Ein Manöver mit dem Schlepptau verschafft den Schützen freie Sicht – sie töten alle drei Piraten mit präzisen Kopfschüssen. Muse wird festgenommen. Phillips, unter Schock und leicht verletzt, wird gerettet.
Filmkritik und Fazit zum Film „Captain Phillips“
Greengrass beherrscht das Spannungshandwerk. Seine Handkamera vermittelt Nähe und Chaos. Barry Ackroyds Kameraführung lässt das Salzwasser greifbar werden. Christopher Rouse schneidet im Stakkato-Rhythmus. Kein Moment wirkt gestellt. Hanks spielt Phillips als überforderten Durchschnittsmenschen, nicht als strahlenden Helden. Seine Schlusszene, in der er zusammenbricht, ist schauspielerische Meisterklasse. Barkhad Abdi hält diesem Giganten stand. Sein Blick trägt Härte und Verzweiflung. Die Entscheidung, Laiendarsteller zu casten, zahlt sich aus.
Greengrass differenziert moralisch. Er verurteilt die Tat, erklärt deren Ursachen. Somalia wird als kriegsgebeuteltes Land gezeigt, in dem junge Männer um Piratenjobs konkurrieren. Muse ist kein Sadist, sondern verzweifelter Fischer. Die zweite Hälfte zieht sich stellenweise. Das Rettungsboot wird zur Kammer. Spannungsbögen wiederholen sich. Henry Jackmans Musik untermalt effektvoll. Der dokumentarische Gestus bleibt konsequent. Greengrass verzichtet auf Studioszenen. Authentizität dominiert.
„Captain Phillips“ funktioniert als Thriller und als politisches Drama. Greengrass vermeidet simple Gut-Böse-Narrative. Er zeigt globale Ungleichheit als Hintergrund von Gewalt. Hanks und Abdi tragen den Film mit Intensität. Wer spannende, intelligente Genrefilme schätzt, findet hier erstklassiges Kino. Die Länge bleibt der einzige Kritikpunkt. Greengrass liefert handwerklich brillantes, moralisch reflektiertes Action-Drama.