Ihre beste Stunde – Drehbuch einer Heldin

Kriegsjahre haben ihre eigene Dramaturgie. Sie verknappen das Leben, setzen Prioritäten frei und verlangen Entscheidungen, die im Frieden undenkbar wären. Das britische Kino hat diese Dynamik immer wieder aufgegriffen – mal als Heldenmythos, mal als Gesellschaftsstudie. „Ihre beste Stunde – Drehbuch einer Heldin“ wählt einen dritten Weg: Es erzählt vom Filmemachen selbst, mitten im Bombengewitter Londons, und fragt dabei, welche Wahrheit eine Geschichte braucht, um zu wirken.

Ihre beste Stunde
Dauer: 117 Min.
FSK: 12 (DE)
Jahr: 2017
Kategorien: Drama, Romantik
Regie: Lone Scherfig
Produzenten: Finola Dwyer, Amanda Posey, Stephen Woolley, Elizabeth Karlsen
Hauptdarsteller: Gemma Arterton, Sam Claflin, Bill Nighy
Nebendarsteller: Jack Huston, Helen McCrory, Eddie Marsan, Jake Lacy
Studio: BBC Film, HanWay Films, Number 9 Films, Filmgate Films, Ripken Productions, Pinewood Pictures, Wildgaze Films, Film i Väst, EuropaCorp

Lone Scherfig, die dänische Regisseurin, hat sich mit feinfühligen britischen Stoffen einen Namen gemacht. Ihr Film basiert auf dem Roman von Lissa Evans, adaptiert von Gaby Chiappe, und entstand 2016 unter Beteiligung von BBC Films. Das Toronto International Film Festival war Schauplatz der Weltpremiere. Scherfig vertraut dem Milieu, dem Witz der Epoche und ihren Figuren – und das spürt man vom ersten Bild an. Was erwartet das Publikum von einem Film über das Propagandakino des Zweiten Weltkriegs?

Besetzung, Regie und Drehorte

Ihre beste Stunde – Drehbuch einer Heldin„, im Original „Their Finest“, ist eine britische Kriegs-Tragikomödie aus dem Jahr 2016. Der Film entstand unter der Regie von Lone Scherfig nach einem Drehbuch von Gaby Chiappe. Produziert wurde er von Finola Dwyer, Elizabeth Karlsen, Amanda Posey und Stephen Woolley. Sebastian Blenkov übernahm die Kamera, Rachel Portman komponierte die Musik, und Lucia Zucchetti verantwortete den Schnitt. Die Laufzeit beträgt 118 Minuten.

In den Hauptrollen sind Gemma Arterton als Catrin Cole und Sam Claflin als Tom Buckley zu sehen. Bill Nighy verkörpert den alternden Schauspieler Ambrose Hilliard. Jack Huston spielt Ellis, Catrins Lebenspartner. Weitere Rollen übernehmen Richard E. Grant, Helen McCrory, Eddie Marsan, Rachael Stirling, Henry Goodman, Jake Lacy, Amanda Root und Claudia Jessie.

Die Dreharbeiten begannen im September 2015 in London und Wales. Zu den Drehorten zählen Freshwater West in Pembrokeshire, das als Dünkirchen-Kulisse diente, sowie Porthgain Harbour, das Swansea Guildhall und Londons Bedford Square. Der Film hatte seine Weltpremiere beim Toronto International Film Festival 2016. In Großbritannien kam er am 21. April 2017 in die Kinos. Die Altersfreigabe liegt bei FSK 12.

Handlung & Inhalt vom Film „Ihre beste Stunde – Drehbuch einer Heldin“

London, 1940. Die deutschen Bombenangriffe auf die britische Hauptstadt haben begonnen. Catrin Cole lebt mit ihrem Lebenspartner Ellis Cole zusammen, dessen Nachnamen sie angenommen hat, obwohl sie nicht verheiratet sind. Ellis ist Kriegsmaler und Spanienkriegsveteran, kommt aber mit seiner künstlerischen Arbeit kaum voran. Catrin findet eine Anstellung beim britischen Informationsministerium. Ihre Aufgabe ist es, Propagandafilmen eine weiblichere Handschrift zu geben. Sie soll sicherstellen, dass sich Frauen an der Heimatfront mit den Filmen identifizieren können. Das Ministerium will die Moral der Bevölkerung stärken und gleichzeitig die USA zum Kriegseintritt bewegen. Catrin beginnt ihren neuen Job mit Ehrgeiz, wird jedoch von Beginn an schlechter bezahlt als ihre männlichen Kollegen.

Der erfahrene Drehbuchautor Tom Buckley soll einen Film über die Evakuierung von Dünkirchen drehen. Er holt Catrin in sein Team, weil die Geschichte von zwei Schwestern handelt, die mit dem Boot ihres Vaters Soldaten gerettet haben sollen. Catrin reist zu den Schwestern Lily und Rose Starling und erfährt die Wahrheit: Ihr Boot brach zusammen, bevor sie Dünkirchen erreichten. Sie übernahmen lediglich Soldaten von einem anderen Schiff. Catrin verschweigt diese Wahrheit dem Ministerium und behauptet, die Schwestern seien tatsächlich bis Dünkirchen gefahren. Ihr Vorgesetzter Swain genehmigt den Film daraufhin und zahlt Catrin ein höheres Gehalt. Buckley behandelt Catrin zunächst herablassend und reduziert ihren Beitrag auf sogenannten „Schmalz“. Zudem verlangt Ellis, dass Catrin ihren Job aufgibt und ihm in eine günstigere Stadt folgt.

Konfrontation und Wendepunkte im Krieg

Die Produktion nimmt Fahrt auf, obwohl sich Catrin und Buckley in Fragen von künstlerischer Freiheit und Propagandapflicht immer wieder streiten. Hinzu kommt der alternde Starschauspieler Ambrose Hilliard, der sich zunächst weigert mitzuwirken. Nach dem Tod seines Agenten durch einen Bombenangriff tritt dessen Schwester Sophie an dessen Stelle. Sie bringt Hilliard schließlich zur Mitarbeit. Das Kriegsministerium fordert außerdem eine Rolle für einen amerikanischen Fliegerass, um Sympathien in den USA zu gewinnen. Catrin entkommt knapp einem Bombenanschlag und erlebt dabei zum ersten Mal den Tod direkt. Swain entdeckt, dass die Starlings nie in Dünkirchen waren. Buckley schützt Catrin, indem er behauptet, die Schwestern hätten gelogen. Die Dreharbeiten verlagern sich an die englische Küste nach Devon.

Am Filmset geraten Catrin und Buckley zunehmend in Konflikt mit dem amerikanischen Piloten, der sich als unfähiger Schauspieler entpuppt. Catrin rettet die Szenen durch geschickte Eingriffe. Gleichzeitig nähern sich Catrin und Buckley einander an. Buckley erzählt ihr vom gebrochenen Geist seines Vaters nach dem Ersten Weltkrieg und erklärt, warum er Geschichten für notwendig hält. Ellis wird für einen Auftrag weit aus London geschickt. Catrin verpasse die Eröffnung seiner Ausstellung. Als sie ihn besucht, findet sie ihn mit einer anderen Frau vor. Sie verlässt ihn ohne Umschweife. Buckley erfährt von Catrins unechter Ehe und gesteht ihr seine Gefühle. Sie weist ihn zurück, was zu einem offenen Streit führt.

Die amerikanischen Verleiher verlangen ein wirkungsvolleres Ende. Catrin schreibt das Finale allein in einer Nacht, doch kurz danach wird ihr Londoner Zuhause durch eine Bombe zerstört. Im Studio versöhnt sie sich mit Buckley, dann stürzt ein Beleuchtungsgerüst auf ihn und tötet ihn. Catrin ist erschüttert, löst aber ein letztes Drehbuchproblem und zieht sich zurück. Hilliard überzeugt sie, den fertigen Film im Kino zu sehen, und die Reaktion des Publikums bewegt sie tief. Danach kehrt sie in das Schreibbüro zurück, um an einem neuen Projekt mitzuarbeiten.

Filmkritik und Fazit zum Film „Ihre beste Stunde – Drehbuch einer Heldin“

Ihre beste Stunde – Drehbuch einer Heldin“ verdankt seine Stärke vor allem der Sorgfalt, mit der Scherfig die Beziehung zwischen Catrin und Buckley entwickelt. Gemma Arterton spielt Catrin mit einer Zurückhaltung, die nie zur Schwäche wird. Sam Claflin gibt Buckley einen zynischen Ton, hinter dem sich zunehmend Respekt verbirgt. Bill Nighy stiehlt als selbstverliebter Hilliard manche Szene durch präzise Komik. Gaby Chiappes Drehbuch wechselt sicher zwischen Witz und Trauer. Eine Szene, in der Catrin nach Buckley einen leeren Bürostuhl ansieht, sagt mehr aus als jeder Dialog. Das Drehbuch vermeidet feministische Parolen, zeigt jedoch deutlich, wie strukturelle Benachteiligung im Alltag wirkt.

Das Tempo des Films ist behaglich, bisweilen zu behaglich. Die mittleren Akte verlieren gelegentlich an Spannung, weil die Figurenkonstellationen gut bekannt sind. Andererseits erlaubt dieser Rhythmus echte Aufmerksamkeit für Details: die Bombengeräusche im Hintergrund, die erschöpften Gesichter in der Schreibstube, die Eleganz von Portmans Partitur, die leise zwischen Heiterkeit und Melancholie pendelt. Blenkovs Kamera beobachtet mehr als sie kommentiert. Die Film-im-Film-Konstruktion bietet komische Kontraste, bleibt aber immer im Dienst der Geschichte. Dass der dramatische Einschnitt gegen Ende recht unvermittelt kommt, stört den Fluss. Er passt jedoch zur Botschaft: Der Krieg kennt keine Dramaturgie.

Wer britische Periodenfilme schätzt, die Gesellschaftskritik in Unterhaltung einbetten, findet hier einen lohnenden Abend. Der Film empfiehlt sich besonders für Zuschauer, die Charakterstudien mehr schätzen als Handlungsdruck. Er ist weder reine Komödie noch reines Drama, sondern eine nachdenkliche Mischform mit echtem emotionalem Gewicht. Scherfig gelingt es, einen historischen Stoff lebendig zu halten, ohne ihn zu verklären.

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