Palmetto – Dumme sterben nicht aus

Das Schicksal des naiven Mannes, der von einer rätselhaften Frau ins Verderben geführt wird, gehört zu den ältesten Motiven des amerikanischen Kinos. „Palmetto – Dumme sterben nicht aus“ aus dem Jahr 1998 greift diesen Archetypus mit unverhohlener Lust auf – und setzt ihn in die stickige Sommerhitze Floridas. Volker Schlöndorff, sonst bekannt für gewichtige Literaturadaptionen, wagt hier einen Ausflug in das Genre des Neo-Noir. Das Ergebnis ist ein Film, der zwischen stilbewusstem Handwerk und kalkulierter Genregefälligkeit pendelt.

Palmetto - Dumme sterben nicht aus
Dauer: 114 Min.
FSK: R (US)
Jahr: 1998
Kategorien: Thriller
Regie: Volker Schlöndorff
Produzenten: Matthias Wendlandt
Hauptdarsteller: Woody Harrelson, Gina Gershon, Elisabeth Shue
Nebendarsteller: Rolf Hoppe, Michael Rapaport, Chloë Sevigny, Tom Wright
Studio: Castle Rock Entertainment, Rialto Films

Dabei ist das Interessanteste an diesem Unterfangen vielleicht nicht der Film selbst, sondern die Frage, was ein Regisseur seiner Prägung mit dem hartgesottenen Pulpstoff eines James Hadley Chase eigentlich anfangen kann. Chase, in Amerika nie wirklich populär, war in Frankreich ein Liebling der Filmemacher. Nun landet sein Roman „Just Another Sucker“ im deutsch-amerikanischen Koproduktionsgefüge der späten Neunziger. Wird die Übersetzung gelingen – oder bleibt das Noir-Feeling auf der Strecke?

Besetzung, Regie und Drehorte

Palmetto – Dumme sterben nicht aus“ ist eine deutsch-amerikanische Koproduktion aus dem Jahr 1998, entstanden unter der Regie von Volker Schlöndorff. Das Drehbuch verfasste E. Max Frye nach dem Roman „Just Another Sucker“ von James Hadley Chase aus dem Jahr 1961. Produziert wurde der Film von Matthias Wendlandt; die Kamera führte Thomas Kloss, den Schnitt verantwortete Peter Przygodda. Den Soundtrack steuerte Klaus Doldinger bei.

Die Hauptrolle des Harry Barber übernahm Woody Harrelson. Elisabeth Shue spielt die verführerische, undurchsichtige Frau Donnelly, die sich als Rhea Malroux ausgibt. Gina Gershon ist als Harrys Freundin Nina zu sehen, Rolf Hoppe verkörpert den sterbenskranken Millionär Felix Malroux. Michael Rapaport spielt Donnelly, Chloë Sevigny die rätselhafte Odette. Tom Wright ist als Kommissar Rennick besetzt.

Die Dreharbeiten fanden in Palmetto, Florida sowie weiteren Orten des Bundesstaates statt. Der Film hatte seine Uraufführung am 2. April 1998 in Deutschland. In den USA spielte er rund 5,8 Millionen US-Dollar ein und zählt damit zu den zehn erfolgreichsten deutschen Filmen auf dem amerikanischen Markt. Die Laufzeit beträgt 114 Minuten, die FSK-Freigabe gilt ab 16 Jahren.

Handlung & Inhalt vom Film „Palmetto – Dumme sterben nicht aus“

Es ist Hochsommer in Palmetto, Florida, und zunächst kehrt Harry Barber nach zwei Jahren Haft in seine Heimatstadt zurück. Zuvor war der ehemalige Lokalreporter wegen angeblicher Vertuschung von Korruption verurteilt worden, doch nach einem Machtwechsel stellt sich seine Unschuld heraus. Dennoch findet Harry nur schwer zurück in sein altes Leben. Zwar empfängt ihn seine Freundin Nina, inzwischen eine erfolgreiche Metallbildhauerin, liebevoll, doch gleichzeitig bleibt er orientierungslos. Er sucht Arbeit, hält sich vom Alkohol fern und trägt zugleich die bittere Überzeugung in sich, dass ihm die Stadt etwas schuldet.

Wenig später trifft er in einer Bar auf Rhea Malroux, eine elegante Blonde, die sich als Ehefrau des schwerkranken Multimillionärs Felix Malroux ausgibt. Schon bald macht sie ihm ein verlockendes Angebot: Er soll bei einer fingierten Entführung ihrer Stieftochter Odette helfen, das Lösegeld übermitteln und dafür 50.000 Dollar erhalten. Obwohl Harry zunächst zögert, willigt er schließlich ein und lässt sich zudem auf eine Affäre mit Rhea ein. Dabei ahnt er jedoch nicht, dass er längst Teil eines sorgfältig gesponnenen Plans geworden ist.

Verrat, Leichen und falsche Karten

Die Übergabe scheint zunächst zu funktionieren. Doch als Harry in seinen Strandbungalow zurückkehrt, findet er Odette tot vor. Er bringt die Leiche zu Nina, die erkennt, dass der Geldkoffer nur mit Zeitungspapier gefüllt ist. Von Anfang an sollte Harry als Mörder dastehen. Kühl nutzt Nina ein Tonband als Druckmittel gegen Donnelly, der die Leiche beseitigt. Währenddessen wird Harry als Sprecher im Entführungsfall eingesetzt. Als die Polizei eine Tote findet und Felix Malroux sie als seine Tochter identifiziert, wird Harry klar, dass er getäuscht wurde.

Unter Mordverdacht flieht Harry in die Everglades, wird verletzt und später aufgegriffen. Noch in derselben Nacht stellt er Malroux zur Rede, doch dieser glaubt ihm nicht. Stattdessen zeigt sich die Wahrheit. Die vermeintliche Rhea ist nur die Haushälterin, während Donnelly eingreift und Harry überwältigt. Malroux hält ihn für den Täter und ordnet seine Tötung an. Im Bootshangar wird Harry gefesselt über ein Säurebad gehalten und erkennt schließlich, dass Rhea und Donnelly gemeinsame Sache machen.

Beide hatten die Entführung inszeniert, eine Ausreißerin für die Rolle der Odette angeheuert und getötet. Die Polizei stürmt den Hangar. Donnelly verliert im Durcheinander das Gleichgewicht und stirbt im Säurebad. Rhea wird festgenommen. Harry wird erneut verurteilt – wegen Planung und Beihilfe zu einer Straftat. Dumme sterben eben nicht aus. Den Tonbandmitschnitt, der seine Verstrickung beweist, hatte er selbst angefertigt. Nina und er kehren jeder für sich in ein Leben zurück, das von Harrys Unfähigkeit zur Vorsicht geprägt ist. Die Stadt Palmetto hat ihn ein zweites Mal verschluckt – diesmal ohne den Umweg über Unschuld.

Filmkritik und Fazit zum Film „Palmetto – Dumme sterben nicht aus“

Palmetto – Dumme sterben nicht aus“ ist ein Film, der seine Vorbilder kennt und sie ohne Scham benennt. Schlöndorff orientiert sich sichtbar an den Klassikern des Genres – die Schlussszene, in der die verhaftete Mörderin die Treppe wie eine Filmdiva hinabschreitet, ist eine bewusste Hommage an Billy Wilders „Sunset Boulevard“. Thomas Kloss‘ Kamera fängt die feuchte Schwüle Floridas mit sicherem Gespür ein, und Klaus Doldingers Soundtrack zitiert den Blues mit handwerklicher Souveränität. Woody Harrelson trägt die Figur des chronisch naiven Harry Barber mit einer entwaffnenden Körperlichkeit, die zwischen Sturheit und Selbstmitleid changiert.

Die Schwäche des Films liegt weniger in der Inszenierung als in der Verdichtung. Elisabeth Shues Femme fatale bleibt trotz geschmeidiger Präsenz erstaunlich eindimensional – ihre Verführungskraft setzt auf Offensichtlichkeit, wo das Genre Ambiguität verlangt. Das Drehbuch wiederum dreht zuverlässig an der Schraube des Misstrauens, verliert im letzten Akt jedoch die Bodenhaftung: Der Aufwand, den Donnelly und Rhea betreiben, um einen gescheiterten Lokalreporter zu belasten, übersteigt jede pragmatische Plausibilität. Szenen wie das Säurebad im Bootshangar schwanken zwischen noir-typischer Groteske und unfreiwilliger Überzeichnung – ein schmaler Grat, den der Film nicht immer sicher beschreitet.

Für erklärte Freunde des Neo-Noir hält „Palmetto“ dennoch genug bereit: einen zuverlässig funktionierenden Plot, einen Hauptdarsteller mit eigenem Gewicht und eine Atmosphäre, die das Genre ernst nimmt. Der Film ist kein Meisterwerk, aber ein solides, stilbewusstes Stück Genrekino, das seinen Platz am Ende der Noir-Welle der Neunziger mit Würde behauptet.

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