The King’s Speech
„The King’s Speech“ ist ein Film über eine Stimme, die schweigt, wo sie sprechen müsste. Tom Hooper erzählt 2010 die Geschichte eines Mannes, der ungefragt in die Geschichte gezogen wird – und der lernen muss, dass Würde kein Schweigen verlangt, sondern ein Wort. Es geht um Sprache als Schicksal. Ein Monarch, dem das Sprechen versagt, steht vor einem Mikrofon und vor einer Nation, die eine Stimme braucht.

| Dauer: | 118 Min. |
|---|---|
| FSK: | R (US) |
| Jahr: | 2010 |
| Kategorien: | Drama |
| Regie: | Tom Hooper |
| Produzenten: | Iain Canning, Emile Sherman, Gareth Unwin |
| Hauptdarsteller: | Colin Firth, Geoffrey Rush, Helena Bonham Carter |
| Nebendarsteller: | Guy Pearce, Timothy Spall, Michael Gambon, Jennifer Ehle |
| Studio: | The Weinstein Company, UK Film Council, Momentum Pictures, Aegis Film Fund, Molinare Investment, FilmNation Entertainment, See-Saw Films, Bedlam Productions |
Das britische Kino hat selten so präzise zwischen dem Privaten und dem Offiziellen vermittelt. Hooper zeigt, wie ein Mensch unter den Anforderungen seiner Rolle zerbrechen kann – und welche Kraft es braucht, nicht zu zerbrechen. Was bleibt dem König ohne Machtbefugnis? Die Ansprache, das gehörte Wort, die Verbindung zu einem Volk. Wie lässt sich ein Reich regieren, wenn die eigene Stimme versagt?
Besetzung, Regie und Drehorte
„The King’s Speech“ ist eine britisch-amerikanisch-australische Koproduktion aus dem Jahr 2010. Regie führte Tom Hooper, bekannt geworden durch historische Fernsehproduktionen, nach einem Drehbuch von David Seidler. Danny Cohen verantwortet die Kamera, Tariq Anwar den Schnitt. Den Soundtrack komponierte Alexandre Desplat, eingespielt vom London Symphony Orchestra. Gedreht wurde an zahlreichen Originalschauplätzen in England, darunter der Battersea Power Station, das Old Royal Naval College sowie Englefield House und Lancaster House als Ersatz für Buckingham-Palace-Innenräume.
Colin Firth verkörpert König Georg VI., Geoffrey Rush seinen australischen Sprachtherapeuten Lionel Logue. Helena Bonham Carter spielt Königin Elisabeth, Guy Pearce König Eduard VIII. und Michael Gambon Georg V. In weiteren Rollen sind Timothy Spall als Winston Churchill, Derek Jacobi als Erzbischof Cosmo Lang sowie Jennifer Ehle als Myrtle Logue zu sehen. Die Besetzung vereint mehrfach ausgezeichnete Schauspieler, deren Zusammenspiel dem Film seine besondere Dichte verleiht.
Der Film läuft 118 Minuten und trägt in Deutschland eine FSK-Freigabe ab 0 Jahren. Bei der Oscarverleihung 2011 gewann er vier Auszeichnungen: bester Film, beste Regie, bester Hauptdarsteller und bestes Originaldrehbuch. Mehr als 80 Nominierungen, über 40 gewonnene Filmpreise – der kommerzielle Erfolg spiegelte die Kritikergunst wider. Allein in den USA spielte der Film rund 131 Millionen US-Dollar ein, bei Produktionskosten von geschätzten 15 Millionen.
Handlung & Inhalt vom Film „The King’s Speech“
Im Jahr 1925 steht Prinz Albert, Herzog von York und zweiter Sohn König Georgs V., vor einem Mikrofon auf der British Empire Exhibition. Die Rede soll per Hörfunk übertragen werden, doch was als historischer Moment gedacht ist, endet in einem Fiasko. Alberts Stottern macht die Ansprache nahezu unverständlich, und zahlreiche Therapieversuche bleiben zunächst ohne Wirkung. Enttäuscht zieht sich der Prinz zurück und ist überzeugt, dass sein Gebrechen unheilbar sei. Dennoch gibt seine Frau Elisabeth nicht auf und erfährt schließlich von einem ungewöhnlichen australischen Sprachtherapeuten namens Lionel Logue.
Logue praktiziert ohne Diplom und ohne jede formale Ehrerbietung. Er empfängt den Prinzen in seiner eigenen Praxis, verzichtet auf höfische Etikette und nennt Albert beim Kosenamen Bertie. Außerdem setzt er auf unkonventionelle Methoden: So lässt er ihn Hamlets Monolog sprechen, während Orchestermusik über Kopfhörer jeden eigenen Laut überdeckt. Zunächst bricht Albert den Versuch ab, doch er nimmt die Aufnahme mit nach Hause. Beim Abspielen der Schallplatte hört er sich selbst fehlerlos sprechen, und die Therapie kann neu beginnen. Logue ist überzeugt, dass das Stottern nicht im Körper, sondern in der Seele wurzelt, und so beginnt ein ungewöhnlicher, aber wirkungsvoller Heilungsprozess.
Zwischen Pflicht und persönlichem Bruch
In langen Gesprächen öffnet sich Albert zögernd. Er berichtet von einem grausamen Kindermädchen, von der Strenge des Vaters, vom Zwang zur rechten Hand, obwohl er Linkshänder war. Die Therapie macht Fortschritte, und zwischen den beiden Männern wächst eine echte Freundschaft. Doch der politische Horizont verdüstert sich. Alberts älterer Bruder Eduard bestieg als Eduard VIII. den Thron – und verliebt sich in die zweifach geschiedene Amerikanerin Wallis Simpson. Alberts Einwände weist dieser kalt zurück. Unter Eduards Sarkasmus beginnt Albert wieder zu stottern.
Logue ermutigt ihn, Wut durch lautes Fluchen auszudrücken – beim Fluchen stottert Albert nicht. Als Logue andeutet, Albert wäre der bessere König, bricht dieser die Freundschaft ab. Er empfindet es als Anmaßung. Doch Eduard verzichtet tatsächlich auf den Thron, um Simpson heiraten zu können. Albert wird als Georg VI. König. Er erscheint bei Logue, bittet um Verzeihung und um Hilfe bei der Vorbereitung der Krönung in der Westminster Abbey. Der Erzbischof von Canterbury zweifelt an Logues Eignung. Georg entscheidet sich dennoch für ihn.
Die Krönung am 12. Mai 1937 gelingt. Zwei Jahre später erklärt das Vereinigte Königreich nach dem deutschen Überfall auf Polen dem Deutschen Reich den Krieg. Georg muss eine Rundfunkansprache halten – seine wichtigste. Logue ist dabei, führt mimisch und gestisch Regie. Die Rede beginnt stockend und findet ihren Rhythmus. Sie wird fehlerfrei gehalten, ruhig und eindringlich. Ein abschließender Text informiert: Logue assistierte dem König bei allen weiteren Kriegsansprachen. 1944 ernannte ihn Georg VI. zum Commander des Royal Victorian Order. Ihre Freundschaft hielt bis ans Ende beider Leben.
Filmkritik und Fazit zum Film „The King’s Speech“
„The King’s Speech“ ist, obwohl auf engstem Raum inszeniert, außerordentlich reich an Themen und Spannungen. Tom Hooper inszeniert das Kammerstück zwischen Therapeut und Monarch mit bewusster Konzentration, zudem rückt die Kamera von Danny Cohen den Figuren besonders nah und arbeitet gleichzeitig mit asymmetrischen Einstellungen sowie ungewöhnlichen Weitwinkelverzerrungen, die die psychische Enge des Protagonisten eindrucksvoll sichtbar machen. Colin Firths Darstellung ist weit mehr als eine bloße Imitation eines Sprachfehlers, sie verkörpert Scham, Kontrolle und den Willen, beides zu überwinden, sodass jede stockende Silbe dramatisches Gewicht trägt. Gleichzeitig setzt Geoffrey Rushs Performance eine trockene, beinahe anarchische Leichtigkeit dagegen, wodurch das Spannungsverhältnis zwischen den beiden Hauptfiguren zum eigentlichen Motor des Films wird.
Alexandre Desplats Musik hält sich klug zurück und unterstützt die Szenen, ohne zu überwältigen, so bleibt den Momenten ausreichend Raum zum Atmen und Entfalten. Allerdings stößt der Film an einigen Stellen an seine Grenzen. Manche Nebenrollen wirken eindimensional, etwa Helena Bonham Carters Königin, die in ihrer Loyalität ohne Widerspruch bleibt und dadurch als Figur ohne eigenen inneren Konflikt erscheint. Auch der dramaturgische Bogen ist von Beginn an absehbar, schließlich wird der König sprechen. Dennoch liegt die Stärke des Films weniger im Ergebnis, sondern vielmehr im Weg dorthin. Präzise inszeniert und selten sentimentalisiert, macht er jeden Schritt dieses Weges spürbar und emotional greifbar.
Wer Filmbiografien schätzt, die ihre Figuren nicht heroisieren, sondern in ihrer Verletzlichkeit ernst nehmen, findet hier ein Werk von seltener Sorgfalt. Der Film verweigert das leicht Triumphale und lässt stattdessen ein Porträt entstehen, das überzeugt, weil es seinen Helden nie schont. Vier Oscars sind in diesem Fall keine inflationäre Ehrung, sondern ein nachvollziehbares Urteil.