Contagion

Eine Pandemie beginnt nicht mit dramatischen Gesten. Sie schleicht sich ein durch alltägliche Berührungen, Händedrücke, Oberflächen. „Contagion“ macht diesen schleichenden Terror zum Kern seiner Erzählung, ohne dabei auf klassische Katastrophenfilm-Mechaniken zu setzen. Steven Soderbergh wählte einen dokumentarischen Blick, der statt Heldentum die Hilflosigkeit zeigt. Die Inszenierung verlässt sich auf nüchterne Montage und fragmentierte Narrative. Damit entsteht ein kühles Porträt kollektiven Kontrollverlusts.

Contagion
Dauer: 106 Min.
FSK: 12 (DE)
Jahr: 2011
Kategorien: Thriller
Regie: Steven Soderbergh
Produzenten: Michael Shamberg, Stacey Sher, Gregory Jacobs
Hauptdarsteller: Marion Cotillard, Matt Damon, Laurence Fishburne
Nebendarsteller: Jude Law, Kate Winslet, Jennifer Ehle, Gwyneth Paltrow
Studio: Participant, Image Nation Abu Dhabi, Double Feature Films, Regency Enterprises, Warner Bros. Pictures

Der Film verweigert sich dem klassischen Spannungsbogen. Stattdessen reiht er Schauplätze und Perspektiven aneinander, folgt verschiedenen Figuren parallel. Diese Struktur entfaltet ihre Wirkung erst mit zeitlichem Abstand, als das große Bild erkennbar wird. Die Nähe zur Realität verstärkte sich durch die COVID-19-Pandemie drastisch. Monate nach dem Ausbruch wurde Soderberghs Thriller zum meistgestreamten Film weltweit. Kann eine fiktive Seuche tatsächlich funktionieren wie eine dokumentarische Vorahnung?

Besetzung, Regie und Drehorte

Contagion“ ist ein Thriller von Steven Soderbergh, der 2011 in den Kinos startete. Scott Z. Burns schrieb das Drehbuch nach intensiver Recherche mit Vertretern der Weltgesundheitsorganisation sowie Seuchenexperten. Michael Shamberg, Stacey Sher und Gregory Jacobs produzierten den Film. Für die Musik zeichnete Cliff Martinez verantwortlich, die Kamera führte Soderbergh selbst unter Pseudonym. Stephen Mirrione übernahm den Schnitt. Die Produktionskosten beliefen sich auf 60 Millionen US-Dollar, die US-amerikanische Seuchenschutzbehörde CDC unterstützte das Projekt fachlich.

Das Ensemble umfasst Matt Damon als Mitch Emhoff, Kate Winslet als Dr. Erin Mears und Marion Cotillard als Dr. Leonora Orantes. Laurence Fishburne verkörpert Dr. Ellis Cheever, Gwyneth Paltrow spielt Beth Emhoff. Jude Law ist als Blogger Alan Krumwiede zu sehen, Jennifer Ehle als Dr. Ally Hextall. Weitere Rollen übernahmen Bryan Cranston, Elliott Gould und Sanaa Lathan. Gedreht wurde an internationalen Schauplätzen wie Atlanta, Chicago, Minneapolis, Dubai, Japan, der Schweiz, Großbritannien, Brasilien, Hongkong und San Francisco. Die Dreharbeiten begannen im September 2010 in Hongkong und endeten im Februar 2011.

Der Film dauert 106 Minuten und erhielt in Deutschland eine FSK-Freigabe ab 12 Jahren. Seine Weltpremiere feierte er am 3. September 2011 beim Filmfestival von Venedig, kurz darauf startete er in den USA und Deutschland. Das weltweite Einspielergebnis lag bei 136,5 Millionen Dollar. Die Kritiken würdigten besonders die realistische Darstellung und wissenschaftliche Genauigkeit. Jahre später inspirierte der Film laut dem britischen Gesundheitsminister Matt Hancock teilweise die Impfstrategie während der COVID-19-Pandemie.

Handlung & Inhalt vom Film „Contagion“

Beth Emhoff kehrt von einer Dienstreise aus Hongkong nach Minneapolis zurück, wirkt jedoch angeschlagen. Fieber und Hustenanfälle belasten sie zunehmend. Bei einem Zwischenstopp in Chicago hatte sie sich heimlich mit einem ehemaligen Liebhaber getroffen. Zuhause verschlechtert sich ihr Zustand rapide, bis sie zusammenbricht. Ihr Ehemann Mitch bringt sie ins Krankenhaus, wo sie kurz darauf stirbt. Auch Clark, ihr Sohn aus erster Ehe, erliegt dem Erreger. Mitch wird in Quarantäne genommen, erweist sich jedoch als immun. Seine Tochter Jory war nicht zuhause, als Beth zurückkehrte, und bleibt deshalb verschont.

Weltweit brechen ähnliche Fälle aus, die Weltgesundheitsorganisation sucht nach einem Impfstoff. Das Department of Homeland Security befürchtet einen Biowaffenanschlag über das Thanksgiving-Wochenende. Dr. Ellis Cheever von den Centers for Disease Control schickt Dr. Erin Mears nach Minneapolis, um Kontaktpersonen aufzuspüren. Während ihrer Ermittlungen infiziert sie sich selbst und stirbt. Dr. Leonora Orantes reist nach Asien, um die Ausbreitungsgeschichte zu rekonstruieren. Währenddessen versuchen Mediziner, die wachsende Panik zu kontrollieren. Sie schätzen, dass eine von zwölf Personen weltweit erkranken wird bei einer Sterblichkeitsrate von 25 bis 30 Prozent.

Kollaps und Kontrollverlust

Der Blogger Alan Krumwiede nutzt die Situation für sich. Er preist das wirkungslose homöopathische Präparat Forsythia als Heilmittel an, um die Besucherzahlen seines Blogs zu steigern. Das Virus breitet sich unaufhaltsam aus, mehrere Städte werden unter Quarantäne gestellt. Hamsterkäufe, Plünderungen und Gewaltausbrüche folgen. In den Laboren gelingt Dr. Ally Hextall schließlich die Isolierung und Analyse des Erregers. Das Virus enthält Erbgut von Schweine- und Fledermausviren. Ein Impfstoff lässt sich entwickeln, die Mengen reichen jedoch nicht aus für eine schnelle Massenimpfung.

Weltweit kommt es zu Entführungen und Erpressungen, um an Impfstoffe zu gelangen. Dr. Orantes wird entführt und erst gegen eine Lieferung Impfstoff freigelassen, die sich als Placebo herausstellt. In den USA werden Impftermine per Tombola verlost, basierend auf Geburtsdaten. Das Department of Homeland Security verhaftet Krumwiede, dessen Blog-Leser jedoch gemeinsam die Kaution aufbringen. Mitch hält Jory weiterhin in häuslicher Quarantäne. Erst als ihr Freund eine Impfung erhält, darf sie ihn wiedersehen.

Ein abschließender Rückblick zeigt den Ursprung der Pandemie. Ein Bulldozer eines amerikanischen Bergbauunternehmens, für das Beth arbeitet, schreckt einen Flughund auf. Das Tier fliegt mit einem Stück Banane in die Halle eines Schweinezüchters und lässt es fallen. Ein Schwein frisst die Banane und wird später vom Küchenchef eines Casinos gekauft. Der Koch bereitet das Tier zu, wäscht sich danach nicht die Hände. Im Casino gibt er Beth die Hand – die Kette ist geschlossen.

Filmkritik und Fazit zum Film „Contagion“

Contagion“ verzichtet auf emotionale Zuspitzung und setzt stattdessen auf episodische Verdichtung. Soderbergh montiert die verschiedenen Handlungsstränge mit chirurgischer Präzision, lässt bewusst Leerstellen. Die Kamera bleibt nüchtern, registriert Gesichter und Gesten ohne dramatische Aufladung. Cliff Martinez‘ Score arbeitet mit minimalistischen elektronischen Klängen, die eine unterschwellige Bedrohung erzeugen. Diese formale Zurückhaltung funktioniert als bewusste Gegenstrategie zum klassischen Katastrophenkino.

Die Stärke vom Film liegt in der Konstruktion scheinbar banaler Szenen. Eine Sequenz zeigt, wie Beth im Casino ihre Kreditkarte überreicht und nebenbei Erdnüsse isst – Momente, die erst im Nachhinein ihre fatale Bedeutung offenbaren. Das Ensemble liefert funktionale Arbeit, bleibt jedoch merkwürdig blass. Matt Damon verkörpert die Trauer eines Vaters mit gedämpfter Intensität, Kate Winslet agiert mit professioneller Routine. Die Figuren dienen primär als Funktionsträger innerhalb eines größeren Mechanismus. Diese Anonymisierung mag Absicht sein, schwächt jedoch die emotionale Bindung.

„Contagion“ spricht Zuschauer an, die Sachlichkeit über Spektakel stellen. Der Film funktioniert als analytisches Gedankenexperiment, weniger als mitreißendes Drama. Seine dokumentarische Haltung wirkt durch die COVID-19-Pandemie heute unheimlich prophetisch. Wer narrative Verdichtung und klassische Spannungsbögen sucht, wird enttäuscht. Die Stärke liegt im systemischen Blick auf gesellschaftliche Fragilität.

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