Fack ju Göhte
Es gibt Komödien, die ihr Publikum mit der Holzhammermethode bearbeiten. Und dann gibt es „Fack ju Göhte„. Bora Dagtekins Schulkomödie aus dem Jahr 2013 setzt auf Lautstärke und Frechheit – und trifft damit einen Nerv, der offenbar bei Millionen von Kinobesuchern offen lag. Das Rezept klingt simpel: ein Ganove ohne Abitur landet als Aushilfslehrer in der schlimmsten Klasse Deutschlands.

| Dauer: | 119 Min. |
|---|---|
| FSK: | 12 (DE) |
| Jahr: | 2013 |
| Kategorien: | Komödie |
| Regie: | Bora Dağtekin |
| Produzenten: | Christian Becker, Lena Schömann |
| Hauptdarsteller: | Elyas M'Barek, Karoline Herfurth, Katja Riemann |
| Nebendarsteller: | Jana Pallaske, Alwara Höfels, Jella Haase, Max von der Groeben |
| Studio: | Rat Pack Filmproduktion, Constantin Film |
Was daraus entsteht, ist keineswegs nur Klamauk, sondern ein Gesellschaftsbild, das sich hinter seiner Grobheit verschanzt. Der Titel gibt die Richtung vor. „Fack ju Göhte“ – eine absichtlich falsch geschriebene Provokation – kündigt an, dass hier niemand zimperlich sein wird. Wie viel davon kalkuliertes Spektakel ist und wie viel echter Biss, das ist die eigentliche Frage hinter diesem Film.
Besetzung, Regie und Drehorte
„Fack ju Göhte“ entstand unter der Regie von Bora Dagtekin, der auch das Drehbuch verfasste. Produziert wurde der Film von Christian Becker und Lena Schömann für die Rat Pack Filmproduktion in Zusammenarbeit mit Constantin Film. Die Kamera übernahm Christof Wahl, den Schnitt verantworteten Charles Ladmiral und Zaz Montana. Die Filmmusik stammt von Beckmann, Djorkaeff und Beatzarre, ergänzt durch klassische Stücke wie die Tritsch-Tratsch-Polka von Johann Strauss.
Elyas M’Barek übernahm die Hauptrolle des Zeki Müller, die Dagtekin ausdrücklich für ihn schrieb. Karoline Herfurth spielt die Referendarin Elisabeth Schnabelstedt, Katja Riemann die Schuldirektorin Gudrun Gerster. Uschi Glas ist als ausgebrannte Lehrerin zu sehen. In tragenden Nebenrollen agieren Max von der Groeben als Anführer Danger und Jella Haase als Schülerin Chantal Ackermann, beide mit beachtlichen Nachwuchspreisen ausgezeichnet.
Gedreht wurde hauptsächlich in München und Berlin, darunter am Kurfürstendamm und in einem Plattenbauviertel in Neukölln. Als Schulgebäude diente das Lise-Meitner-Gymnasium Unterhaching. Die Dreharbeiten begannen am 28. April 2013 und dauerten 41 Tage. Der Film lief 2013 in Deutschland an und zog allein im ersten Jahr rund 5,6 Millionen Zuschauer in die Kinos – die höchste Besucherzahl des Filmjahres.
Handlung & Inhalt vom Film „Fack ju Göhte“
Der Bankräuber Zeki Müller kommt nach dreizehn Monaten Haft auf freien Fuß und hat nur ein Ziel: seine Beute bergen. Seine Freundin Charlie hatte das Geld vor seiner Inhaftierung auf einer Baustelle vergraben. An eben dieser Stelle steht nun, wie Zeki per GPS feststellt, eine frisch errichtete Turnhalle der Münchner Goethe-Gesamtschule. Um an das Geld heranzukommen, bewirbt er sich als Hausmeister. Durch ein Missverständnis wird er stattdessen als Aushilfslehrer eingestellt – ohne Abschluss, ohne Qualifikation, mit viel Chuzpe.
Parallel dazu scheitert die erfahrene Lehrerin Ingrid Leimbach-Knorr an der notorischen Klasse 10b so gründlich, dass sie sich aus einem Fenster im ersten Stock stürzt. Schulleiterin Gerster überträgt daraufhin der überkorrekten Referendarin Elisabeth „Lisi“ Schnabelstedt die Klasse. Lisi, aufrichtig und engagiert, hat gegen die dreisten Streiche der Schüler keine Chance. Zeki wiederum gräbt nachts im Keller einen Tunnel Richtung Turnhalle. Als Lisi bemerkt, dass er ihr Zeugnis kopiert hat, erpresst sie ihn: Er übernimmt die 10b, sie bekommt ihre ruhige siebte Klasse zurück.
Druck, Wandel und eine geteilte Verantwortung
Mit seiner unorthodoxen Art – und pädagogischen Hinweisen von Lisi und deren Mitbewohnerin Caro – gelingt es Zeki, die Klasse schrittweise zu bändigen. Er arrangiert ein Date zwischen Lisis Schwester Laura und dem Klassen-Anführer Danger, sorgt für eine Shakespeare-Aufführung mit neu verteilten Rollen und organisiert eine Graffiti-Aktion, die Lisis Image unter den Schülern verbessert. Dabei sprüht ein Schüler die titelgebende Aufschrift auf einen Zug. Zeki findet schließlich nach nächtelanger Tunnelarbeit seine Beute und begleicht seine Schulden beim Bordellbetreiber Attila.
Die Entdeckung des Tunnels kommt, als eine Schülerin beim Sportunterricht durch den Turnhallenboden bricht. Lisi exploriert den Gang und belauscht ein Telefonat, das ihr Zekis kriminelle Vergangenheit offenbart. Daraufhin bricht sie den Kontakt ab. Zeki, desillusioniert, plant mit seinem ehemaligen Mithäftling Paco einen neuen Überfall. Doch Charlies Überzeugungsarbeit bei Lisi und ein zufällig auftauchendes Foto, das Zeki in der Zeitkapsel im Tunnel gefunden hatte, zeigen: Er hatte sich für sie ändern wollen.
Zeki bricht den geplanten Überfall ab, als ihn Schüler auf der Straße ansprechen und er den besprühten Zug vorbeifahren sieht. Er sucht Lisi auf, täuscht eine Flucht vor der Polizei vor und gesteht ihr dann alles. Schulleiterin Gerster erfährt, dass er kein Lehrer ist und kein Abitur hat – und stellt ihm kurzerhand ein gefälschtes Zeugnis aus, denn sie will ihn behalten. Die 10b hat sich gewandelt. Ihre Deutschnoten, zuvor zwischen fünf und sechs, sind merklich gestiegen. Die Schule, die als chaotisches System begann, hat sich zumindest in diesem Klassenzimmer ein Stück weit neu geordnet.
Filmkritik und Fazit zum Film „Fack ju Göhte“
„Fack ju Göhte“ arbeitet mit dem Kalkül der Übertreibung – und Dagtekin beherrscht dieses Kalkül. Die Figuren sind Karikaturen, aber keine leeren. M’Barek spielt den Proll mit verborgenem Gewissen so präzise, dass man die Wandlung abnimmt, obwohl sie dramaturgisch vorhersehbar verläuft. Herfurths Lisi wiederum gewinnt ihre Komik nicht aus Slapstick, sondern aus dem feinen Spiel zwischen aufrechter Naivität und wachsendem Selbstbewusstsein. Die Chemie zwischen beiden trägt den Film auch dort, wo das Drehbuch auf Nummer sicher geht.
Christof Wahls Kameraarbeit hält das Tempo konsequent hoch, ohne die wenigen ruhigen Momente zu verschenken. Das Schnittrhythmus ist auf Gagdichte optimiert – was als Komödienprinzip funktioniert, gelegentlich aber auf Kosten der emotionalen Tiefe geht. Die Filmmusik stützt die Szenen unauffällig, ohne eigenständiges Profil zu entwickeln. Was Dagtekins Inszenierung von vergleichbaren Schul-Komödien abhebt, ist der Verzicht auf einen einzelnen Sündenbock: Das System versagt, nicht nur einzelne Figuren.
Für Freunde der deutschen Komödie, die Tempo, Figurenkomik und eine gewisse Rohheit schätzen, lohnt sich der Film. Er ist nicht tiefgründig im klassischen Sinne – und will es auch nicht sein. Was er liefert, ist ein Unterhaltungsangebot mit Substanz darunter, das seinen Lärm kalkuliert einsetzt. Wer Pointen mit Nachhall sucht, findet sie hier in ausreichender Zahl.