Hangover 2
2011 war das Kino noch bereit, sich von einer Gruppe desaströs betrunkener Männer begeistern zu lassen. „Hangover 2“ setzt genau dort an, wo der Vorgänger „Hangover“ aufgehört hatte: im kollektiven Gedächtnisausfall. Diesmal ist Bangkok der Schauplatz. Regisseur Todd Phillips verlegt sein bewährtes Chaos von Nevada in die schweißgetränkte Nacht Südostasiens – und wählt damit eine Stadt, die wie geschaffen scheint für das, was er erzählen will.

| Dauer: | 102 Min. |
|---|---|
| FSK: | 12 (DE) |
| Jahr: | 2011 |
| Kategorien: | Action, Komödie |
| Regie: | Todd Phillips |
| Produzenten: | Todd Phillips, Daniel Goldberg |
| Hauptdarsteller: | Bradley Cooper, Ed Helms, Zach Galifianakis |
| Nebendarsteller: | Justin Bartha, Mason Lee, Ken Jeong, Paul Giamatti |
| Studio: | Legendary Pictures, Green Hat Films, Warner Bros. Pictures |
Was bleibt, wenn man das Vertraute ins Fremde versetzt? Phillips beantwortet diese Frage mit einer Mischung aus Schadenfreude und Déjà-vu – und der Zuschauer folgt ihm, weil die Figuren funktionieren, auch wenn die Dramaturgie es nicht immer tut. Ein Wiedersehen mit Phil, Stu und Alan ist kein schlechtes Angebot. Die Frage ist nur: Reicht das?
Besetzung, Regie und Drehorte
„Hangover 2“ ist eine US-amerikanische Filmkomödie aus dem Jahr 2011. Regie führte erneut Todd Phillips, der diesmal auch am Drehbuch beteiligt war – gemeinsam mit Scot Armstrong und Craig Mazin. Produziert wurde der Film von Todd Phillips und Daniel Goldberg; die Kamera lag in den Händen von Lawrence Sher, der die Originalbilder beider Filme prägt. Den Schnitt verantworteten Debra Neil-Fisher und Mike Sale; die Filmmusik stammt von Christophe Beck.
Bradley Cooper, Ed Helms und Zach Galifianakis kehren in ihren Rollen als Phil, Stu und Alan zurück. Justin Bartha ist erneut als Doug dabei. Ken Jeong spielt den exzentrischen Kriminellen Leslie Chow, Paul Giamatti taucht als verdeckter Ermittler auf. Mike Tyson absolviert einen Gastauftritt als er selbst. Als Neuzugänge stoßen Jamie Chung als Stus zukünftige Ehefrau Lauren sowie Mason Lee als deren jüngerer Bruder Teddy hinzu.
Die Dreharbeiten begannen am 8. Oktober 2010 und endeten am 1. Januar 2011. Der Film ist auf FSK 12 eingestuft, was angesichts seines Inhalts für Diskussionen sorgte. In Deutschland erhielt er den Bogey in Silber für zwei Millionen Kinobesucher innerhalb von zwanzig Tagen. Hinter den Kulissen gab es Turbulenzen: Mel Gibson wurde nach Widerstand aus der Crew ersetzt, Liam Neeson stand schließlich ebenfalls nicht zur Verfügung – die Rolle des Tätowierers spielte am Ende Nick Cassavetes.
Handlung & Inhalt vom Film „Hangover 2“
Stu Price heiratet. Diesmal soll alles ruhig bleiben. Sein Junggesellenabschied liegt bewusst hinter ihm – kein Vegas-Fiasko soll sich wiederholen. Gemeinsam mit Phil, Alan und Doug reist er nach Thailand, wo seine Verlobte Lauren auf ihn wartet. Ihr Vater Fong begegnet Stu mit unverhohlenem Misstrauen. Zwei Tage vor der Hochzeit treffen sich die Männer mit Laurens jüngerem Bruder Teddy am Strand. Ein harmloses Lagerfeuer, ein Bier pro Person – und Marshmallows, die Alan mitgebracht hat. Alles scheint kontrolliert. Es ist es nicht.
Am nächsten Morgen wachen Phil, Stu und Alan in einem verwahrlosten Hotelzimmer in Bangkok auf. Erinnerungen: keine. Stu hat ein Tattoo im Gesicht – eine Replik von Mike Tysons markanter Gesichtszeichnung. Unter einer Decke liegt der schlafende Leslie Chow. Und von Teddy fehlt jede Spur, bis auf einen abgetrennten Finger mit seinem Ring. Doug meldet sich telefonisch aus dem Resort, er hatte den Strand früh verlassen. Die Polizei wird eingeschaltet. Chow erwacht, verspricht Aufklärung – und bricht nach einem Kokainkonsum zusammen, ohne Puls.
Bangkok bei Nacht: zwischen Affe und Abgrund
Aus Angst vor strafrechtlichen Konsequenzen deponieren die drei Chows Körper in einem Eiswürfelfach im 15. Stockwerk. Auf der Suche nach Teddy landen sie bei einem Polizeirevier, wo ihnen statt des Vermissten ein stummer älterer Mönch präsentiert wird – Teddys Sweatshirt am Leib, seinen Ausweis in der Tasche. Eine Spur führt sie in eine Tanzbar, wo sie erfahren, dass Stu mit einer transgeschlechtlichen Tänzerin intim war und Teddy noch zu diesem Zeitpunkt bei ihnen gewesen ist. Beim Verlassen werden sie überfallen; Phil wird angeschossen. Der Affe, der das Hotelzimmer mit ihnen geteilt hat, erweist sich als Drogenkurier.
Alan gesteht schließlich: Er hatte die Marshmallows mit Muskelrelaxantien und seinen ADHS-Medikamenten versetzt. Da die Beutel durchgemischt wurden, hatten alle Strandbesucher – bis auf den frühzeitig abgereisten Doug – ungewollt Drogen zu sich genommen. Ein Erpresser meldet sich, er behauptet, Teddy zu haben, und fordert Chows Kooperationsbereitschaft bei einem Geldtransfer. Die Freunde kehren ins Hotel zurück, öffnen das Eiswürfelfach – und Chow springt quicklebendig heraus. Das Kokain hatte lediglich einen kurzen Herzstillstand ausgelöst.
Die finale Enthüllung kommt mit doppelter Ironie: Der vermeintliche Entführer entpuppt sich als Interpol-Agent, der Chow seit Langem verfolgt hat. Teddy war nie wirklich in Gefahr – er saß im steckengebliebenen Aufzug fest, nachdem er Eis für seinen abgetrennten Finger holen wollte. Lebend, wenn auch versehrt, kehrt er mit den anderen zur Hochzeit zurück. Stus Schwiegervater in spe gibt widerwillig seinen Segen. Alan hat als Überraschungsgeschenk Mike Tyson organisiert, der „One Night in Bangkok“ performt. Die Nacht wird rekonstruiert – Foto für Foto auf Teddys Mobiltelefon.
Filmkritik und Fazit zum Film „Hangover 2“
„Hangover 2“ ist ein Film, der seine eigene Mechanik kennt und sie trotzdem nicht weiterentwickelt. Todd Phillips inszeniert Bangkok mit echtem Gespür für visuelle Stimmung: Die Kamera von Lawrence Sher taucht die Metropole in dunkle Grün- und Gelbtöne, fängt Hitze, Enge und die bedrohliche Lebendigkeit der Stadt ein. Zach Galifianakis als Alan bleibt die tragende komische Kraft, sein Timing sitzt präzise. Ed Helms spielt Stus emotionale Erschütterung mit sichtbarem Engagement – und Cooper liefert die kühle Fassung des Trios ab.
Die Inszenierung gewinnt an Tempo, was sie an Originalität verliert. Die Struktur des Films folgt dem Vorgänger so gewissenhaft, dass das Drehbuch stellenweise wie eine Blaupause wirkt. Überraschungsmomente, die im ersten Teil als Motor funktionierten, fehlen hier weitgehend. Christophe Becks Soundtrack unterstützt einzelne Szenen anständig, verliert aber im Gesamtbild seinen roten Faden. Der Tonfall ist rauer, derber und mitunter grenzwertig – besonders eine Szene im Abspann, die fotografische Kriegsgeschichte zitiert, hätte jeder denkende Redakteur gestrichen.
Wer den ersten Teil kennt, bekommt hier ein Sequel, das funktioniert, ohne zu überraschen. Für Fans des Originals ist das keine Enttäuschung, aber auch kein Gewinn. Wer Bangkok und das bewährte Trio schätzt, findet kurzweilige Unterhaltung – mehr ist nicht versprochen, und mehr wird nicht geliefert. Als Komödie trägt der Film; als eigenständiges Werk steht er im Schatten dessen, was er wiederholt.