Manche Filme leiden unter ihren Vorgängern. Nach dem Triumphzug von Chihiros Reise ins Zauberland stand Miyazakis nächstes Werk unter erdrückender Beobachtung. Das wandelnde Schloss erschien 2004 in den japanischen Kinos und teilte das Publikum. Die einen sahen ein verträumtes Meisterwerk, andere bemängelten die zerklüftete Dramaturgie. Beide hatten recht. Studio Ghibli liefert hier einen Film, der zwischen Märchen und Antikriegsstück schwankt, ohne sich für eine Seite zu entscheiden. Was passiert, wenn ein Animationsfilm bewusst seine eigenen Risse zeigt?
Es war der Sommer 2001, als ein unerwarteter Actionfilm die Kinokassen aufmischte und eine Franchise ins Leben rief, die bis heute zehn Spielfilme umfasst. „The Fast and the Furious" startete mit einem Budget von nur 38 Millionen Dollar und ohne prominente Stars – und spielte weltweit 207 Millionen Dollar ein. Was Rob Cohen mit Vin Diesel und Paul Walker auf den Asphalt brachte, war Kino aus purem Benzin und Adrenalin. Kann ein Film ohne Tiefe trotzdem Kulturgeschichte schreiben?
Otfried Preußlers Kinderbuch „Die kleine Hexe" erschien 1957 und wurde seitdem in 47 Sprachen übersetzt. Es hat Generationen von Leserinnen und Lesern begleitet – und überraschend lange gewartet, bis es seine erste aufwändige Kinoadaption bekam. 2018 wagte Regisseur Michael Schaerer diesen Schritt, mit Karoline Herfurth in der Hauptrolle und dem erklärten Willen, den Geist der Vorlage zu bewahren. Ob das gelungen ist – und was es bedeutet, wenn ein Kinderfilm mit echter moralischer Schärfe endet?
"Powder Girl" begleitet Kim nach einem schweren familiären Verlust in einen neuen Lebensabschnitt. Zwischen Arbeit, Snowboardtraining und ungewohnten Begegnungen versucht sie, wieder Vertrauen in sich selbst zu finden. In St. Anton wächst ihre sportliche Begabung neu, während alte Erinnerungen ihren Weg bestimmen. Ein Wettbewerb zwingt Kim schließlich, sich ihrer größten Angst zu stellen und dabei nicht aufzugeben.
Robert De Niro, Christopher Walken, Meryl Streep und John Cazale in einem einzigen Film, gedreht von einem Regisseur, der kurz zuvor noch als Geheimtipp galt. Michael Ciminos „Die durch die Hölle gehen" wurde 1978 zum Ereignis und bleibt bis heute eine Prüfung für Zuschauer, die bereit sind, sich auf seine ungewöhnliche Dramaturgie einzulassen. Der Film verweigert sich jeder Schlachtfeldroutine und zeigt stattdessen, was der Krieg mit den Wohnzimmern, Werkshallen und Ehen der Heimat anstellt. Welche Spuren hinterlässt dieses Werk in einer Gegenwart, die neue Kriege erlebt?
Konsumverzicht als Komödienstoff wirkt zunächst wie ein Widerspruch in sich. Florian David Fitz wagte genau dieses Experiment und machte aus einer finnischen Dokumentarvorlage eine Wette zwischen zwei rivalisierenden Freunden. Gemeinsam mit Matthias Schweighöfer entwickelt er eine Versuchsanordnung, die Männerfreundschaft, Start-up-Kultur und den Rausch des Besitzens auf die Bühne holt. Die Produktion kam pünktlich zum Weihnachtsgeschäft in die Kinos und stellte ausgerechnet dort eine unbequeme Frage. Brauchen wir eigentlich all die Dinge, die wir im Dezember unter den Baum legen?
Vier Jahrzehnte nach seiner Premiere gilt dieses Mammutwerk als eine der bedeutendsten Arbeiten der Filmgeschichte. Sergio Leone verwob darin drei Zeitebenen zu einem dichten Geflecht aus Jugend, Aufstieg und später Erkenntnis. Ennio Morricones Musik begleitet die Bilder wie eine zweite Erzählstimme, während Tonino Delli Collis Kamera die Lower East Side in einen Sehnsuchtsraum verwandelt. Robert De Niro liefert hier eine seiner stillsten, intensivsten Darstellungen ab. Ein Film, der beim Zuschauer nachwirkt und Fragen hinterlässt. Was macht ein Leben mit uns, wenn es gelebt ist?
Hill Valley im Sommer 1985. Ein Schüler namens Marty McFly träumt vom Rockstar-Dasein, während sein Vater sich vom Chef demütigen lässt und seine Mutter in Erinnerungen ertrinkt. Dann betritt ein verrückter Wissenschaftler die Bühne, und ein umgebauter Sportwagen wird zur Zeitmaschine. Robert Zemeckis inszenierte mit seinem dritten Spielfilm eine Komödie, die sich hinter dem Science-Fiction-Gewand als scharfsinniger Kommentar über Elternbilder erweist.
Dreistündiges Kino aus Indien klingt nach einer Geduldsprobe, und genau das macht den Reiz des Bollywood-Erlebnisses aus. Farah Khan wagte sich 2004 erstmals auf den Regiestuhl und lieferte mit ihrem Debüt einen Gattungsmix, der gezielt westliche Sehgewohnheiten aufgreift. Shah Rukh Khan spielt einen Major im Einsatz gegen Terroristen, einen Sohn auf Spurensuche und einen verliebten Studenten in einer einzigen Rolle. Zwischen Mission-Impossible-Zitaten und tränenreichen Familiendialogen entfaltet sich ein erstaunlich politisches Unterhaltungskino. Funktioniert dieser ambitionierte Spagat über die gesamte Laufzeit?
Manche Filmhelden kämpfen gegen Drachen, andere erobern Galaxien. Der Dude trinkt White Russian und geht bowlen. Joel und Ethan Coen schufen mit ihrem Werk aus dem Jahr 1998 eine Figur, die sich in das kollektive Gedächtnis eingegraben hat wie kaum eine zweite. Zwischen Nihilisten, Pornoproduzenten und verirrten Hausaufgaben navigiert Jeff Bridges mit unvergleichlicher Gelassenheit durch ein Los Angeles voller Ränke.
Zwei Männer, zwei Diagnosen, eine Flasche Tequila und das Versprechen, das Meer zu sehen – bevor es zu spät ist. Thomas Jahns Roadmovie aus dem Jahr 1997 machte Til Schweiger und Jan Josef Liefers zu einem der beliebtesten Duos des deutschen Kinos und lockte über drei Millionen Menschen in die Kinos. Was dieser Film über Freundschaft, Freiheit und den lässigen Umgang mit dem Tod erzählt, klingt nach einer einfachen Geschichte. Ist er das wirklich – oder steckt mehr dahinter?
Es gibt Figuren, die man sich nicht in Ruhe vorstellen kann. Robert McCall ist so eine. Denzel Washington spielt ihn in „The Equalizer 2" als Mann, der selbst im Alltag nie wirklich ankommt – immer auf der Hut, immer einen Schritt voraus, immer etwas schuldig. Antoine Fuqua rückt in dieser Fortsetzung die Psychologie der Figur ins Zentrum und nimmt sich dafür mehr Zeit als erwartet. Ob das funktioniert oder eher zieht – das ist die entscheidende Frage.
Henri Charrières autobiografischer Roman verkaufte sich in 30 Sprachen über 13 Millionen Mal und wurde 1973 mit Steve McQueen zum Kinoereignis. 2017 wagt der dänische Regisseur Michael Noer eine zweite Verfilmung und rückt die ungewöhnliche Freundschaft zwischen dem Safeknacker Papillon und dem Fälscher Louis Dega in den Mittelpunkt. Charlie Hunnam und Rami Malek tragen den Film durch Dschungel, Dunkelzellen und die berüchtigte Teufelsinsel. Die Vorlage ist monumental, das Vorbild ikonisch. Was rechtfertigt diese zweite Reise in eine der härtesten Strafkolonien der Geschichte?
In "Mother's Day - Liebe ist kein Kinderspiel" treffen gleich mehrere Personen episodenhaft aufeinander, die unterschiedlicher nicht sein könnten. Allerdings haben alle eines gemeinsam: sie sind Mütter oder auf der Suche nach ihren Müttern, und müssen dabei gleichzeitig weitere Hürden des Lebens meistern. Romantische Komödie trifft auf Familiendrama mit gut gelaunter Starbesetzung.
Roland Emmerich betrat Hollywood mit einem Film, der Muskelkraft und Militärdystopie zu einer bemerkenswerten Mischung verband. Zwei Ikonen des Actionkinos der Neunziger standen sich hier erstmals gegenüber: Jean-Claude Van Damme und Dolph Lundgren. Ihre Körper wurden zum Schauplatz einer Geschichte über Krieg, Gedächtnis und Kontrolle. Der Hoover Dam, die Wüste Arizonas und eine Farm in Louisiana bilden die Kulisse für einen Science-Fiction-Actioner mit Tiefgang. Warum funktioniert dieser Film auch dreißig Jahre später noch?
in siebzigjähriger Witwer als Praktikant im jungen Mode-Startup – die Prämisse klingt nach einem Komödien-Konzept, das leicht ins Peinliche abrutschen könnte. Nancy Meyers zeigt 2015 mit ihrem Film jedoch, wie man aus einer Generationskonstellation echte Wärme schöpft, ohne in Klischees zu versinken. Robert De Niro und Anne Hathaway tragen die ungleiche Freundschaft mit bemerkenswerter Chemie durch 121 Minuten Laufzeit. Warum der Film trotz gelungener erster Hälfte am Ende nicht ganz einlöst, was er verspricht?
Was bleibt, wenn der Rausch vorbei ist? Thomas Vinterbergs gleichnamiger Film, ausgezeichnet mit dem Oscar für den besten internationalen Film, stellt diese Frage nicht laut, sondern lässt sie im Raum stehen. Vier befreundete Gymnasiallehrer in Kopenhagen starten ein Experiment mit Alkohol, und für eine Weile scheint die Welt tatsächlich besser zu werden: der Unterricht lebendiger, die Ehen wärmer, das Leben erträglicher. Dann kommt der Morgen danach. Was genau dieser Film über uns alle aussagt?
Kaum ein Film der Filmgeschichte hat es gewagt, seinen Helden so konsequent ins Straucheln zu bringen wie der zweite Teil der klassischen Star-Wars-Trilogie. Irvin Kershner übernahm 1980 das Ruder von George Lucas und verwandelte die bunte Weltraumoper in eine dunkle Prüfung. Zwischen Eisplaneten, Sumpfwelten und schwebenden Städten entfaltet sich eine Geschichte über Verlust, Erbe und die verborgene Kraft in jedem Einzelnen. Die Mythologie verdichtet sich hier zu einem tragischen Mittelstück. Wie schafft es ein Blockbuster, gerade durch seine Niederlage unvergesslich zu werden?
Was Haustiere hinter verschlossenen Türen treiben, beschäftigt ihre Besitzer wohl seit jeher. Illumination Entertainment hat aus dieser alltäglichen Neugier im Jahr 2016 eine rasante Computeranimationskomödie gemacht – mit einem Jack Russell Terrier als Hauptfigur, Manhattan als Kulisse und einem weißen Kaninchen, das deutlich gefährlicher ist, als sein Name vermuten lässt. „Pets" verspricht einen Blick hinter die Wohnungstür. Hält der Film, was diese Prämisse verspricht – oder bleibt das eigentliche Geheimnis am Ende doch ungelüftet?
Er war Jugendliebe, Gegner und Verführer zugleich – die Beziehung zwischen Albus Dumbledore und Gellert Grindelwald gehört zu den faszinierendsten Leerstellen des gesamten Zauberer-Universums. Der dritte Teil der „Phantastischen Tierwesen"-Reihe verspricht im Titel endlich Antworten. Entstanden unter denkbar schwierigen Umständen – Pandemie, Besetzungswechsel, öffentliche Kontroversen rund um die Autorin – tritt der Film mit einem neu besetzten Schurken vor die Kamera. Was kann Mads Mikkelsen, was Johnny Depp nicht konnte?