Honig im Kopf
Vergessen ist kein dramatischer Akt. Es geschieht leise, in kleinen Rissen, die sich langsam weiten, bis das Bild zerfällt. „Honig im Kopf“ versucht genau diesen Prozess zu erzählen – den schleichenden Verlust eines Menschen, den eine Familie liebt und nicht festhalten kann. Til Schweiger, der das Projekt als Regisseur, Produzent, Co-Autor und Hauptdarsteller in Personalunion verantwortet, wählt dafür das Genre der Tragikomödie: ein Rahmen, der Raum für Schmerz und Lachen gleichermaßen verspricht.

| Dauer: | 139 Min. |
|---|---|
| FSK: | 6 (DE) |
| Jahr: | 2014 |
| Kategorien: | Komödie |
| Regie: | Til Schweiger |
| Produzenten: | Til Schweiger, Tom Zickler |
| Hauptdarsteller: | Dieter Hallervorden, Emma Schweiger, Til Schweiger |
| Nebendarsteller: | Jan Josef Liefers, Jeanette Hain, Dar Salim, Pasquale Aleardi |
| Studio: | Barefoot Films, Warner Bros. Film Productions Germany, SevenPictures Film |
Alzheimer ist ein Thema, das kein Drehbuch erfindet – es kommt aus dem Leben, aus Familien, aus echten Verlusten. Wie man damit umgeht, ob man ihm mit Humor begegnet oder mit Stille, ist eine Frage der Haltung. Schweiger wählt den großen Gestus, die warme Beleuchtung, die bewegende Musik. Ob das reicht, um dem Stoff gerecht zu werden?
Besetzung, Regie und Drehorte
„Honig im Kopf“ ist eine deutsche Tragikomödie aus dem Jahr 2014, entstanden unter der Regie von Til Schweiger und Lars Gmehling. Das Drehbuch stammt von Schweiger und Hilly Martinek. Die Produktion lag in den Händen von Barefoot Films, die Filmmusik komponierten Dirk Reichardt, Martin Todsharow und David Jürgens, die Kamera führte Martin Schlecht. Gedreht wurde zwischen Ende April und Anfang Juli 2014, unter anderem in Hamburg, Schleswig-Holstein, Brandenburg, Südtirol und Venedig.
Die Hauptrolle des an Alzheimer erkrankten Amandus Rosenbach übernahm Dieter Hallervorden, dessen Besetzung auf Schweigers Begeisterung für dessen Leistung in „Sein letztes Rennen“ zurückgeht. An seiner Seite spielen Til Schweiger als Sohn Niko und Emma Schweiger als Enkelin Tilda. Jeanette Hain ist als Schwiegertochter Sarah zu sehen. In Nebenrollen traten unter anderem Jan Josef Liefers, Fahri Yardım, Katharina Thalbach, Tilo Prückner und Mehmet Kurtuluş auf. Einen Gastauftritt als er selbst hat Udo Lindenberg.
Der Film hatte am 25. Dezember 2014 seinen Kinostart in Deutschland, nach einer Weltpremiere am 15. Dezember desselben Jahres. Die Altersfreigabe liegt bei FSK 6. Die Laufzeit beträgt 139 Minuten. Als Drehort für das Wohnhaus der Familie diente das Herrenhaus Altfresenburg. Der Film wurde später erfolgreich als Bühnenstück adaptiert, mit Uraufführung 2016 im Schlosspark Theater Berlin.
Handlung & Inhalt vom Film „Honig im Kopf“
Amandus Rosenbach hat seine Frau Margarethe verloren. Auf ihrer Beerdigung hält er eine Rede, die den Anwesenden unmissverständlich zeigt, dass mit dem alten Tierarzt etwas nicht stimmt. Er verwechselt Namen, verliert den Faden, bemerkt die Reaktionen der Trauergäste kaum. Sein Sohn Niko, der in einer gut situierten Hamburger Familienwelt lebt, und dessen Frau Sarah nehmen Amandus schließlich bei sich auf. Nikos elfjährige Tochter Tilda freut sich auf den Großvater. Sarah dagegen begegnet der Situation von Anfang an mit Skepsis.
Das Familienleben unter einem Dach erweist sich schnell als fragil. Amandus‘ Verwirrtheit äußert sich in immer gefährlicheren Situationen. Er stutzt eine Hecke radikal zurück, statt sie nur leicht zu kürzen, und verursacht beim Backen einen Küchenbrand, den Sarah in letzter Sekunde unter Kontrolle bringt. Parallel dazu schwelt ein ehelicher Konflikt – Niko hat herausgefunden, dass Sarah eine Affäre mit ihrem Chef Serge hatte. Das Haus der Rosenbachs ist ein Ort unter Druck, an dem sich verschiedene Brüche überlagern. Als das gemeinsame Sommerfest im Chaos endet, sieht Niko keine andere Möglichkeit mehr: Amandus soll in ein Pflegeheim.
Die Reise als letzter Ausweg
Tilda ist nicht bereit, das zu akzeptieren. Sie hat von Kinderarzt Dr. Ehlers erfahren, dass vertraute Orte für Alzheimer-Patienten heilsam sein können. Und so bricht sie heimlich mit ihrem Großvater auf, Ziel: Venedig, wo Amandus einst mit Margarethe die Flitterwochen verbrachte. Die Reise beginnt im Auto, endet aber bereits nach wenigen Kilometern mit einem harmlosen Unfall, nachdem Amandus eine rote Ampel überfährt. Weiter geht es per Bahn bis nach Bozen, wo Amandus auf der Suche nach einer Toilette versehentlich den Zug verlässt. Tilda zieht die Notbremse. Gemeinsam verstecken sich die beiden auf der Bahnhofstoilette, bis die Polizei die Suche aufgibt.
Neun Monate nach der Venedigreise wird schließlich ein Junge geboren, der nach dem kranken Großvater benannt wird, und zugleich erlebt Amandus noch eine Zeit des Glücks im Kreis seiner Familie, bevor er schließlich in Tildas Beisein an Herzversagen stirbt, während Tilda bei seiner Beerdigung im Gras liegt und in den Himmel schaut, wo Amandus ihr nun, wie versprochen, Schutz gewährt.
Dabei hat die Krankheit einen neuen Punkt erreicht, denn Amandus erkennt seine Enkelin nicht mehr. Zudem nennt er sie auch nicht mehr seine kleine Prinzessin. Kurz darauf finden Niko und Sarah die beiden, sodass die Familie schließlich gemeinsam die Heimreise antritt, während Sarah ihren Job aufgibt, um die Pflege zu übernehmen, wodurch sich auch die Ehe der Rosenbachs allmählich erholt. Neun Monate nach der Venedigreise wird schließlich ein Junge geboren. Er wird nach dem kranken Großvater benannt, und zugleich erlebt Amandus noch eine Zeit des Glücks im Kreis seiner Familie, bevor er schließlich in Tildas Beisein an Herzversagen stirbt.
Filmkritik und Fazit zum Film „Honig im Kopf“
Was „Honig im Kopf“ hätte sein können, lässt sich an einer einzigen Figur ablesen. Dieter Hallervorden spielt Amandus Rosenbach mit einer Präzision, die das Drehbuch nirgends verdient. Er zeigt einen Mann, der seinen eigenen Verfall beobachtet. Mal mit Trotz, mal mit Erschöpfung, und in den stärksten Momenten mit einem stillen Humor, der nichts verharmlost. Die Szene mit dem Spezialisten, in der Amandus die Testfragen durchschaut und dennoch mitten im Gespräch aus der Zeit fällt, verdichtet das Wesen dieser Krankheit in wenigen Minuten. Emma Schweiger wiederum trägt ihre Rolle als Tilda mit erstaunlicher Ruhe, auch wenn ihr das Drehbuch gelegentlich Klugheit zuschreibt, die kein Elfjähriges glaubhaft machen kann.
Regisseur Schweiger vertraut seiner Geschichte nie ganz. Immer wieder springt das Tempo in Actionhaftigkeit, die den Ernst der Lage überdeckt: der Schafstransporter, die Klosterepisode, die überstürzte Schlusssequenz in der Lagune. Kamera und Musik setzen auf Wärme und Panorama – Hamburg, Südtirol, Venedig in sattem Licht. Doch dieser ästhetische Komfort glättet genau jene Risse, die das Thema bräuchte. Das Sounddesign ist gefällig, nie störend, aber auch nie eigenständig. Das Drehbuch tendiert zur Überillustrierung: Was die Szene zeigt, erklärt der Schnitt noch einmal. Was der Schnitt erklärt, wiederholt die Musik. Die 139 Minuten Laufzeit haben Luft, die besser in die stillen Momente zwischen Enkelin und Großvater geflossen wäre.
„Honig im Kopf“ ist kein Film, der seinen Gegenstand verfehlt – er streift ihn, in einzelnen, echten Momenten. Wer bereit ist, dafür die Umwege in Kauf zu nehmen, wird in Hallervordens Leistung etwas finden, das länger bleibt als der Film selbst. Für ein Publikum, das Tragikomödien schätzt und nicht auf formale Strenge besteht, ist er durchaus sehenswert, sofern man die Erwartungen entsprechend justiert.