Insidious: Chapter 2
James Wan hat sich ein Jahrzehnt lang als verlässlicher Architekt des kontrollierten Schreckens erwiesen – und „Insidious: Chapter 2“ ist das konsequente Resultat dieser Handwerkskunst. Der Film schließt nahtlos an die Ereignisse des ersten Teils an und vertieft das übernatürliche Kammerspiel rund um die Familie Lambert, ohne dabei vollständig neue Wege zu beschreiten. Was Wan hier entfaltet, ist ein Film im Spannungsfeld zwischen sequenzierender Serientreue und dem Hunger nach eigenem Gewicht.

| Dauer: | 106 Min. |
|---|---|
| FSK: | 16 (DE) |
| Jahr: | 2013 |
| Kategorien: | Horror |
| Regie: | James Wan |
| Produzenten: | Oren Peli, Jason Blum |
| Hauptdarsteller: | Patrick Wilson, Rose Byrne, Lin Shaye |
| Nebendarsteller: | Ty Simpkins, Barbara Hershey, Steve Coulter, Leigh Whannell |
| Studio: | Blumhouse Productions, Stage 6 Films, Entertainment One, FilmDistrict |
Wo der Vorgänger noch mit dem Schauer des Unbekannten spielte, muss der zweite Teil mit dem Bekannten arbeiten – und das ist sowohl seine Ausgangsbedingung als auch sein Hauptproblem. Kann ein Horrorfilm aus der Vertrautheit heraus noch echte Beklemmung erzeugen, wenn das Publikum die Regeln der Geisterwelt bereits kennt?
Besetzung, Regie und Drehorte
„Insidious: Chapter 2“ ist ein US-amerikanischer Horrorfilm aus dem Jahr 2013. Regie führt James Wan, das Drehbuch stammt von Leigh Whannell, der damit an seine Arbeit am ersten Teil anknüpft. Produziert wurde der Film von Jason Blum, Oren Peli und Rick Osako, die musikalische Gestaltung übernahm erneut Joseph Bishara, während John R. Leonetti die Kamera führte und Kirk M. Morri für den Schnitt verantwortlich zeichnete.
In den Hauptrollen sind Patrick Wilson als Josh Lambert und Rose Byrne als dessen Ehefrau Renai zu sehen. Barbara Hershey kehrt als Joshs Mutter Lorraine zurück, Ty Simpkins spielt wieder den jungen Dalton. Lin Shaye ist als Medium Elise Rainier präsent, flankiert von Leigh Whannell und Angus Sampson als das Ermittlerduo Specs und Tucker. Neu im Ensemble ist Steve Coulter als Joshs früherem Wegbegleiter Carl.
Der Film wurde über 25 Drehtage in Los Angeles gedreht, unter anderem im Stadtteil Highland Park, der als Schauplatz von Lorraines Haus diente. Als besonders markante Location fungierte das ehemalige Linda Vista Community Hospital, das für Krankenhausszenen und Nachbauten von Sets des ersten Teils verwendet wurde. Der Film läuft 105 Minuten und trägt die FSK-Freigabe 16.
Handlung & Inhalt vom Film „Insidious: Chapter 2“
Die Geschichte beginnt im Jahr 1986. Lorraine Lambert ruft die Dämonologin Elise Rainier zu Hilfe, weil ihr Sohn Josh von der Erscheinung einer alten Frau in schwarzem Brautkleid verfolgt wird. Elise untersucht das Haus, wird dabei von einer unsichtbaren Kraft verletzt und fasst schließlich einen weitreichenden Entschluss. Sie unterdrückt Joshs Fähigkeit zur Astralprojektion und pflanzt veränderte Erinnerungen in sein Gehirn. Was damals als Schutzmaßnahme gilt, legt den Grundstein für die Ereignisse der Gegenwart.
24 Jahre später wird Renai Lambert von der Polizei über Elises Tod befragt, der Verdacht fällt auf Josh. Die Familie zieht vorübergehend zu Lorraines Haus, doch die Ruhe bleibt trügerisch kurz. Dalton klagt über Albträume, hört seinen Vater mit unsichtbaren Figuren sprechen, und Renai wird von einer geisterhaften Frau in weißem Kleid angegriffen. Unterdessen hört Josh eine Stimme, die ihm befiehlt, seine Familie zu töten. Die Besetzung durch den Geist eines Unbekannten ist in vollem Gange, noch bevor die Familie ihre Gefahr wirklich versteht.
Zwischen den Welten: Eskalation, Konfrontation und Auflösung
Specs, Tucker und Lorraine suchen Hilfe bei Carls, der versucht, Kontakt zu Elises Geist aufzunehmen. Die Ermittlungen führen die Gruppe in ein verlassenes Krankenhaus, in dem Lorraine einst als Ärztin tätig war. Dort stößt sie auf die Geschichte von Parker Crane, einem früheren Patienten. Auf Geheiß seiner Mutter als Frau aufgewachsen, verkleidete er sich als alte Dame und ermordete fünfzehn Frauen. Im Haus der Cranes findet die Gruppe einen verborgenen Raum mit Leichnamen, Zeitungsausschnitten und einem schwarzen Hochzeitskleid – der Beweis, dass Parker Crane der gesuchte Serienmörder war.
In der realen Welt verfällt Joshs Körper zunehmend. Carl, Specs und Tucker versuchen, ihn zu überwältigen, scheitern jedoch. Carl erwacht daraufhin im sogenannten Ewigreich, der Geisterwelt, und trifft dort auf den echten Josh und Elise. Da Zeit im Ewigreich nicht linear verläuft, kann Josh mit seinem jüngeren Ich aus dem Jahr 1986 kommunizieren und den Standort von Parkers Haus herausfinden. Gleichzeitig greift der besessene Josh in der Realität seine Familie an, sperrt Lorraine ein und treibt Renai, Dalton und Foster in den Keller.
Dalton begibt sich freiwillig ins Ewigreich, um seinem Vater zu helfen. Gemeinsam mit Josh und Carl suchen sie Parkers Haus auf. Dort erleben sie, wie Parkers Mutter Michelle ihn als Kind missbraucht und zur Weiblichkeit zwang. Elise tritt auf und zerstört Michelles Geist, was unmittelbar die Besessenheit in der realen Welt unterbricht. Dalton führt Josh und Carl zurück ins Leben. Josh erhält seine Körperkontrolle zurück, und Carl unterdrückt erneut die Erinnerungen von Josh und Dalton. Einige Zeit später erscheinen Specs und Tucker bei einer neuen Familie, deren Tochter Allison sich in einem unerklärlichen Koma befindet. Elises Geist, der die Ermittler begleitet, betritt Allisons Zimmer. Er stößt dort auf etwas Unbekanntes, das ihren Ausdruck zu einem stummen Entsetzen gefrieren lässt.
Filmkritik und Fazit zum Film „Insidious: Chapter 2“
Was „Insidious: Chapter 2“ von seinem Vorgänger unterscheidet, ist weniger der Inhalt als die Struktur: Wan verschränkt hier zwei Zeitebenen miteinander und lässt Vergangenheit und Gegenwart in einem narrativen Geflecht zusammenfallen, das seinen deutlichsten Effekt in einem Bild findet – dem erwachsenen Josh, der in einer Videoaufnahme von 1986 hinter seinem Kindheitsselbst auftaucht. Diese Sequenz sitzt. Sie zeigt, wozu Wan fähig ist, wenn er Atmosphäre und Konzept konsequent zusammenführt. Patrick Wilson trägt die Last einer Figur, die zugleich Täter und Opfer ist, mit überzeugender Behäbigkeit.
Der Film leidet jedoch an einem strukturellen Ungleichgewicht: Die komödiantischen Einlagen von Specs und Tucker reißen den Spannungsbogen an entscheidenden Momenten auf. Joseph Bisharas Musik arbeitet präzise und unerbittlich an der Atmosphäre – doch der Schnitt von Kirk M. Morri erlaubt den Schreckmomenten zu selten, sich zu entfalten, bevor ein comedyhafter Einwurf die Stimmung neutralisiert. Kameramann John R. Leonetti findet in den verlassenen Gängen des Linda Vista Hospitals starke Bilder, deren klaustrophobische Wirkung jedoch nicht immer konsequent ausgehalten wird. Wans Regie zeigt Routine, wo das Publikum Risiko erhofft hatte.
Für Kenner des ersten Teils bietet der Film eine lohnende, wenn auch ungleichmäßige Erweiterung. Die verschränkten Zeitebenen sind das dramaturgisch stärkste Element, während die Geister-Erscheinungen selten über das Erwartbare hinausgehen. Wer atmosphärischen Übernatürlichkeitshorror ohne explizite Gewalt sucht und mit den Lamberts noch nicht abgeschlossen hat, findet hier ein solides, wenn auch nicht zwingendes zweites Kapitel.