Und dann kam Dad

Der Vater als Fremdkörper – das ist ein komödiantisches Motiv mit langer Tradition. Wenn Familienwelten aufeinanderprallen und kulturelle Selbstverständlichkeiten plötzlich verhandelbar werden, entsteht ein Reibungsfeld, das das Kino seit jeher produktiv nutzt. „Und dann kam Dad“ reiht sich in diese Tradition ein, verschiebt jedoch die klassische Achse: Nicht der künftige Schwiegervater ist der Störfaktor, sondern der eigene Vater. Das ist eine kleine, aber wirksame Verschiebung.

Und dann kam Dad
Dauer: 90 Min.
FSK: PG-13 (US)
Jahr: 2023
Kategorien: Komödie
Regie: Laura Terruso
Produzenten: Paul Weitz, Chris Weitz, Andrew Miano, Judi Brown-Marmel
Hauptdarsteller: Sebastian Maniscalco, Robert De Niro, Leslie Bibb
Nebendarsteller: Anders Holm, David Rasche, Brett Dier, Kim Cattrall
Studio: Lionsgate, Depth of Field, Media Capital Technologies

Laura Terruso, die bereits mit „Good Girls Get High“ Komödienerfahrung mitbringt, verfilmt hier das autobiografisch gefärbte Material des Stand-up-Komikers Sebastian Maniscalco. Der Film entstand aus einem jahrelang gereiften Bühnenprogramm, das Maniscalco um seinen sizilianischen Vater entwickelt hat. Ob die Übertragung vom Comedy-Monolog auf die Leinwand gelingt – und was dabei verloren oder gewonnen wird – ist die eigentliche Frage.

Besetzung, Regie und Drehorte

Und dann kam Dad“ ist eine US-amerikanische Komödie aus dem Jahr 2023 mit einer Laufzeit von 89 Minuten und der Altersfreigabe FSK 0. Der Originaltitel lautet „About My Father“. Regie führte Laura Terruso nach einem Drehbuch von Sebastian Maniscalco und Austen Earl. Hinter der Kamera stand Rogier Stoffers, die Filmmusik komponierte Stephanie Economou. Produziert wurde der Film von Chris Weitz, Paul Weitz, Andrew Miano und Judi Marmel für die Produktionsfirma Depth of Field.

Die Hauptrollen übernahmen Robert De Niro als Salvo und Sebastian Maniscalco als sein Sohn Sebastian. Leslie Bibb spielt Ellies Rolle, Kim Cattrall die Senatorin Tigger Collins. David Rasche ist als Ellies Vater Bill zu sehen, Anders Holm und Brett Dier als ihre Brüder Lucky und Doug. Robert De Niro traf für seine Vorbereitung tatsächlich Maniscalcos echten Vater, um die Figur des Salvo authentisch zu gestalten.

Der Film wurde von Lionsgate verlegt und kam am 25. Mai 2023 in Deutschland in die Kinos, der US-Start folgte einen Tag später, am 26. Mai 2023. Die Dreharbeiten begannen am 21. September 2021 in Mobile, Alabama, und dauerten einen Monat. „About My Father“ spielte weltweit rund 18,2 Millionen US-Dollar ein. Bei den 44. Golden Raspberry Awards erhielt Kim Cattrall eine Nominierung als schlechteste Nebendarstellerin.

Handlung & Inhalt vom Film „Und dann kam Dad“

Sebastian Maniscalco ist Hotelmitarbeiter in Chicago und lebt mit seiner Freundin Ellie Collins zusammen, einer erfolgreichen Künstlerin. Ellie entstammt einer begüterten, alteingesessenen amerikanischen Familie. Sebastian möchte ihr einen Heiratsantrag machen und benötigt dafür den Erbring seiner verstorbenen Mutter. Sein Vater Salvo, ein angesehener sizilianisch-amerikanischer Friseur, knüpft die Herausgabe des Rings an eine Bedingung: Er will Ellies Eltern erst kennenlernen. Sebastian ist dagegen, da er die kulturellen und sozialen Unterschiede zwischen beiden Familien fürchtet. Als Ellie ihren Vater zum Unabhängigkeitstags-Wochenende auf das Familienanwesen einlädt, schlägt sie spontan vor, Salvo mitzunehmen. Dieser nimmt die Einladung an, Sebastian stimmt widerwillig zu.

Auf dem weitläufigen Anwesen „White Oak“ der Collins-Familie empfangen Ellies Eltern Bill und Senatorin Tigger Collins sowie ihre Brüder Lucky und Doug die Gäste. Das Gut verfügt über Golfplatz, Tennisplätze, ein Luxusrestaurant und eine Pfauenfamilie als lebendes Wahrzeichen des Clubs. Salvo reagiert auf die zur Schau gestellte Großzügigkeit der Familie mit Argwohn und Unverständnis. Er besteht im Restaurant darauf, selbst zu zahlen, obwohl Bill die Rechnung übernimmt. Als Sebastian beim Tennis zugibt, heimlich Stunden genommen zu haben, fühlt sich Salvo übergangen und enttäuscht.

Konfrontation und Wendepunkte

Die Spannungen nehmen zu, als die Collins-Familie Sebastian einen prestigeträchtigen Job im Barrymore Hotel in Washington anbietet. Während eines Ausflugs auf der Familienyacht verunglückt Sebastian beim Flyboarden. Salvo fühlt sich zunehmend fehl am Platz und zieht sich innerlich zurück. Eine Meditation mit Ellies Bruder Doug bringt eine überraschende Wendung: Salvo öffnet sich und beginnt, enthusiastisch an den Familienaktivitäten teilzunehmen. Als Senatorin Tigger ihn bittet, ihr Haar vor einem Fernsehauftritt zu stylen, gibt er ihr entgegen ihren Wünschen einen Pixie Cut – der ihr wider Erwarten Popularität einbringt.

Zur Wiedergutmachung bietet Salvo an, für die Familie zu kochen. Das Abendessen verläuft zunächst harmonisch, doch Sebastian entdeckt Pfauenfedern im Müll. Er muss erkennen, dass sein Vater einen der geliebten Clubpfauen als Hühnerersatz zubereitet hat. Beim heimlichen Vergraben der Überreste eskaliert der Streit zwischen den beiden. Sebastian wirft Salvo vor, seine Beziehung mit Ellie zu sabotieren, und nennt ihn eine Peinlichkeit. Die Nacht endet mit einem tiefen Bruch.

Am Morgen des 4. Juli ist Salvo abgereist. Er hat den Erbring hinterlassen. Sebastian akzeptiert das Jobangebot und erhält den Segen der Collins-Familie für den Heiratsantrag. Doch Ellie entdeckt, dass ihre Eltern jahrelang ihre Kunstwerke heimlich aufgekauft haben, um ihren Markterfolg zu simulieren. Sebastian wusste davon und schwieg. Erschüttert erklärt sie, dass sie sich einen Vater wie Salvo gewünscht hätte. Sebastian erkennt, wie weit er sich von seinen Wurzeln entfernt hat, lässt sich per Hubschrauber zum Flughafen fliegen und hält Salvo kurz vor dem Abflug auf. Sie versöhnen sich. Beim abendlichen Hummerfest stellt Sebastian Ellie die entscheidende Frage, und sie sagt ja. Im Abspann erscheint Hund Duke mit Pfauenfedern im Maul – und lenkt den Verdacht für den verschwundenen Pfau unauffällig auf sich.

Filmkritik und Fazit zum Film „Und dann kam Dad“

Und dann kam Dad“ zeigt, wie weit sich eine Komödie auf ihr Ausgangsmaterial stützen kann – und wo diese Stütze zu einer Krücke wird. Maniscalco und Terruso entwickeln eine Vater-Sohn-Dynamik, die in ihren stärksten Momenten wirklich trägt: De Niro spielt Salvo mit knorriger Konsequenz, und die Szene, in der er auf dem Anwesen partout nicht akzeptiert, dass die Speisekarte keine Preise trägt, besitzt echte komödiantische Präzision. Maniscalcos Eröffnungsmonolog über seine Kindheit funktioniert, weil er Stand-up-Erfahrung sichtbar macht. Doch das Drehbuch lässt Figuren abrupt wechseln und Konflikte ohne Auflösung verpuffen. Das kostet Glaubwürdigkeit, denn Nebenrollen wie Tigger oder die Brüder bleiben als Karikaturen stecken.

Das Tempo des Films arbeitet gegen seinen eigenen Stoff. Terruso findet für die Sketch-artigen Passagen ein verlässliches Rhythmusgefühl, doch zwischen diesen Inseln fehlt eine dramaturgische Linie. Rogier Stoffers‘ Kamera liefert gefällige, sonnendurchflutete Bilder, die das Klassenkontrast-Szenario visuell markieren, ohne es zu vertiefen. Stephanie Economous Musik hält sich zurück, was passt – aufdringliche Untermalung hätte dem ohnehin episodisch wirkenden Erzählen noch mehr geschadet. Der Film berührt gesellschaftliche Fragen rund um Einwanderung und Klassenunterschiede, ohne sie konsequent weiterzudenken. Was als sozialer Kommentar beginnt, endet als sentimentale Versöhnungsgeschichte.

Wer Robert De Niro in einer Vater-Rolle erleben möchte, findet hier unterhaltsame, wenn auch unregelmäßige Momente. Für Liebhaber gepflegter Familienkomödien mit einem Hang zur ethnisch gefärbten Selbstironie bietet der Film solide Unterhaltung – allerdings mit erheblichen Längen. De Niro und Maniscalco erzeugen eine sympathische Reibung, die den Film trägt, solange die Geschichte ihnen Raum lässt. Wer mehr Konsequenz in Figur und Dramaturgie erwartet, wird mit Abstrichen rechnen müssen.

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