About Schmidt

Warren Schmidt ist im Film „About Schmidt“ am Wendepunkt seines Lebens angekommen. Mit 66 Jahren wird er von seinem Arbeitgeber in den wohlverdienten Ruhestand geschickt und fühlt sich nun völlig nutzlos. Außerdem will seine Tochter Jeannie einen für ihn inakzeptablen Dummkopf heiraten. Und zu all dem Übel stirbt nach 42 Jahren seine Ehefrau Helen, mit der im Wohnmobil Amerika bereisen wollte.

About Schmidt
Dauer: 120 Min.
FSK: 6 (DE)
Jahr: 2002
Kategorien: Drama, Komödie
Regie: Alexander Payne
Produzenten: Harry Gittes, Michael Besman
Hauptdarsteller: Jack Nicholson, Kathy Bates, Hope Davis
Nebendarsteller: Dermot Mulroney, June Squibb, Howard Hesseman, Harry Groener
Studio: Avery Pix, New Line Cinema

Ratlos entscheidet sich der einsame Rentner alleine auf Tour zu gehen, deren zentrale Punkt Denver ist. Denn dort wird die Hochzeit seiner einzigen Tochter stattfinden. Als er die Familie des Bräutigams kennenlernt, fasst er den Entschluss, dass die Hochzeit verhindert werden müsse. Den eigentlichen Lebensinhalt findet er allerdings erst wieder, als er mit seinem afrikanischen Patenkind Ndugu Umbo in Verbindung tritt.

Besetzung, Regie und Drehorte

Der Film „About Schmidt“ wurde von dem erfolgreichen Regisseur Alexander Payne, bekannt aus „Citizen Ruth“ und „Sideways„, für den er auch einen Oscar erhielt, produziert. Das Drehbuch schrieb er zusammen mit seinen Geschäftspartner Jim Taylor. Der Film basiert auf der Grundlage der „Schmidt-Trilogie“ des Romanschriftstellers und mit Literaturpreisen ausgezeichneten Louis Bengley.

Die Produktionsleitung übernahmen Michael Besman und Harry Gittes. Hinter der Kamera stand der im Jahr 2006 verstorbene James Glennon. Für den Schnitt verantwortlich war der Editor Kevin Tent. In der Hauptrolle des Warren Schmidt spielt der einmalige Charakterdarsteller Jack Nicholson, daneben eine zauberhafte Hope Davis als Jeannie, Dermot Mulroney als Randall und Kate Bates in der Rolle der Roberta.

Der Film wurde innerhalb von zwei Monaten produziert an den Schauplätzen Omaha, Nebraska Stadt, Lincoln und Kearney. Beendet wurde er im Mai 2001 in Denver. Für den Filmdreh stand ein Budget von 30 Millionen Dollar zur Verfügung und spielte knapp 107 Millionen Dollar ein. Erstaufführung hatte „About Schmidt“ am 13. Dezember 2002 mit einer Dauer von 124 Minuten und einer FSK von 6 Jahren.

Handlung & Inhalt vom Film „About Schmidt“

Omaha, Nebraska. Warren Schmidt, 66 Jahre alt und langjähriger Versicherungsvertreter bei Woodmen of the World, wird nach Jahrzehnten treuer Dienste in den Ruhestand verabschiedet. Die Abschiedsfeier mit seinen Kollegen markiert das Ende einer Ära, doch der Übergang in das neue Lebenskapitel gestaltet sich schwieriger als erwartet. Schmidt irrt durch seine Tage, findet keine Aufgabe mehr und spürt eine wachsende Leere in seinem Alltag. Als er seinen Nachfolger in der Firma aufsucht und seine Unterstützung anbietet, wird diese brüsk abgelehnt. Der Anblick seiner säuberlich geführten Akten, die achtlos in Müllcontainern entsorgt wurden, trifft ihn wie ein Schlag.

Eines Abends stößt Schmidt auf einen Fernsehbeitrag einer Hilfsorganisation, die Patenschaften für Kinder in Afrika vermittelt. Spontan entschließt er sich, monatlich 22 Dollar für ein Patenkind zu überweisen. Der kleine Ndugu Umbo aus Tansania wird fortan sein stiller Brieffreund. In langen, ausführlichen Schreiben erzählt Schmidt von seinem Leben, seinen Gedanken und seiner wachsenden Entfremdung von der Frau, mit der er seit 42 Jahren verheiratet ist. Diese Briefe werden zu seinem einzigen Ventil, um die Dinge auszusprechen, die er niemandem sonst anvertrauen kann.

Wenn Trauer auf ungelöste Konflikte trifft

Dann stirbt Helen, Warrens Ehefrau, völlig unerwartet an einem Blutgerinnsel im Gehirn. Er findet sie leblos in der Wohnung, den noch laufenden Staubsauger neben sich. Zur Beerdigung reist Tochter Jeannie gemeinsam mit ihrem Verlobten Randall Hertzel aus Denver an. Doch statt Trost bringen die Tage nach der Beisetzung schwelende Konflikte zwischen Vater und Tochter an die Oberfläche. Jeannie wirft ihm Geiz vor und kritisiert die Wahl des billigsten Sarges für ihre Mutter. Schmidts Bitte, sie möge zurückkehren und sich um ihn kümmern, prallt an ihrer Ablehnung ab. Auch Randall, der enthusiastisch von seinen fragwürdigen Geschäften mit einem Schneeballsystem berichtet, kann Schmidts Sympathie nicht gewinnen.

Nach der Abreise des Paares versinkt Schmidt in tiefer Einsamkeit und Verwahrlosung. Er schläft vor dem laufenden Fernseher ein, vernachlässigt seine Körperpflege und schleppt sich im Pyjama durch den Supermarkt. Als er beim Durchforsten von Helens Habseligkeiten auf Liebesbriefe stößt, die eine jahrelange Affäre mit seinem Freund Ray offenbaren, bricht seine Welt endgültig zusammen. Voller Wut konfrontiert er Ray mit dem Verrat und bringt die Besitztümer seiner verstorbenen Frau zu einer Wohltätigkeitsorganisation.

Ein Brief, der alles verändert

Schmidt fasst einen Entschluss und besteigt das Wohnmobil, das eigentlich für gemeinsame Reisen mit Helen gedacht war. Sein Ziel ist Denver, wo er Jeannie noch vor ihrer Hochzeit mit Randall erreichen und sie von der Eheschließung abbringen will. Doch seine Tochter weist ihn schroff ab und besteht darauf, dass er erst zum vereinbarten Termin erscheinen soll. So begibt sich Schmidt auf eine Rundreise zu den Stationen seiner Jugend, bevor er schließlich in Denver eintrifft. Dort muss er ohnmächtig zusehen, wie die Hochzeit seiner Tochter mit dem ihm so verhassten Hertzel-Clan vollzogen wird.

Zurück in seinem leeren Haus erreicht die Krise, die mit seiner Pensionierung begann, ihren Tiefpunkt. Schmidt sitzt allein, hadert mit der Sinnlosigkeit seiner Existenz und fragt sich, welche Spuren er hinterlassen wird. Da findet er im Briefkasten ein Schreiben aus Tansania. Eine Ordensschwester berichtet von Ndugu, der mittlerweile sechs Jahre alt sei und noch nicht lesen und schreiben könne. Dem Brief liegt eine Kinderzeichnung bei, die zwei Strichmännchen zeigt, eines groß und eines klein, Hand in Hand und lächelnd. In diesem Moment begreift Schmidt, dass er doch nicht bedeutungslos ist und sein Leben noch etwas bewirken kann.

Fazit & Kritiken zum Film „About Schmidt“

Alexander Payne gelingt mit „About Schmidt“ eine bemerkenswerte Milieustudie, die weder in Sentimentalität noch in zynische Überzeichnung abgleitet. Der Film bewegt sich auf einem schmalen Grat zwischen leiser Tragik und absurdem Humor, wobei die Inszenierung bewusst auf schrille Effekte verzichtet und stattdessen mit präzisen visuellen Akzenten arbeitet. Jack Nicholson unterwirft sein bekanntes Leinwandpersona einer radikalen Transformation – nicht durch bloßes Make-up, sondern durch eine Zurücknahme jener exzentrischen Energie, die seine früheren Rollen prägte. Besonders in den unscheinbaren Momenten, etwa der Hochzeitsrede, entfaltet sich die eigentliche Wucht seiner Darstellung: Was oberflächlich wie versöhnlicher Konventionalismus wirkt, entpuppt sich bei genauerer Betrachtung als emotionale Bankrotterklärung. Die Briefmonologe an den tansanischen Patenjungen Ndugu fungieren dabei als cleveres dramaturgisches Mittel, Schmidts innere Welt offenzulegen, ohne in plumpe Exposition zu verfallen.

Paynes Regie zeichnet sich durch eine Verweigerungshaltung gegenüber Hollywood-Konventionen aus, ohne diese Verweigerung selbst zum Spektakel zu machen. Der kulturelle Zusammenprall zwischen Mittelschicht und unterer Mittelschicht wird nicht ins Groteske übersteigert, sondern entfaltet seine komische Wirkung gerade durch subtile Beobachtungen alltäglicher Dissonanzen. Problematisch erscheinen hingegen vereinzelte Szenen, die ins Klamaukhafte kippen und den sonst sorgfältig austarierten Tonfall stören. Kathy Bates‘ Nebenrolle balanciert geschickt an der Grenze zur Karikatur, ohne diese endgültig zu überschreiten. Der Film verweigert seinem Publikum die kathartische Erlösung eines triumphalen Finales und bleibt damit seiner pessimistischen Grundhaltung konsequent treu. Empfehlung: Ein sehenswerter Film für Zuschauer, die melancholischen Humor und unbequeme Wahrheiten über menschliche Mittelmäßigkeit schätzen.

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