Black Panther: Wakanda Forever

Als der Marvel-Vorspann diesmal ohne die vertraute Fanfare beginnt und nur Bilder eines einzigen Mannes zeigt, ist der Ton gesetzt. „Black Panther: Wakanda Forever“ trägt Trauer nicht als Motiv, sondern als Grundzustand. Ryan Coogler hat nach dem Tod von Chadwick Boseman keinen Heldenfilm gedreht, sondern ein Requiem, das zufällig im MCU stattfindet.

Black Panther: Wakanda Forever
Dauer: 155 Min.
FSK: 12 (DE)
Jahr: 2022
Kategorien: Action, Science-Fiction
Regie: Ryan Coogler
Produzenten: Nate Moore, Kevin Feige
Hauptdarsteller: Letitia Wright, Tenoch Huerta Mejía, Lupita Nyong'o
Nebendarsteller: Danai Gurira, Winston Duke, Angela Bassett, Martin Freeman
Studio: Marvel Studios

Was das bedeutet, spürt man bereits in den ersten Minuten: Ein Abschiedsritual, zwei Frauen in Weiß, ein Königreich in Stille. Das Marvel-Universum hat selten so viel Platz für Stille gelassen. Ob dieser Film den Verlust wirklich trägt oder ihn nur instrumentalisiert – diese Frage stellt sich, und sie lässt sich nicht so leicht beantworten, wie man es von einem Blockbuster-Sequel gewohnt ist.

Besetzung, Regie und Drehorte

Black Panther: Wakanda Forever“ ist ein US-amerikanischer Science-Fiction-Actionfilm, der am 9. November 2022 in den deutschen Kinos startete. Ryan Coogler führte erneut Regie und schrieb das Drehbuch gemeinsam mit Joe Robert Cole. Produziert wurde der Film von Kevin Feige und Nate Moore für die Marvel Studios; die Kamera übernahm Autumn Durald Arkapaw, die bereits für die Disney+-Serie Loki tätig war. Für den Schnitt zeichneten Michael P. Shawver, Kelley Dixon und Jennifer Lame verantwortlich.

Die Hauptrolle der Shuri übernahm Letitia Wright, an ihrer Seite agieren Angela Bassett als Königin Ramonda, Danai Gurira als Generalin Okoye und Lupita Nyong’o als Agentin Nakia. Tenoch Huerta spielt den neu eingeführten König Namor, Dominique Thorne die junge Ingenieuring Riri Williams. Martin Freeman kehrt als CIA-Agent Everett Ross zurück, Julia Louis-Dreyfus als Valentina Allegra de Fontaine. Michael B. Jordan ist in einem kurzen Gastauftritt als Killmonger zu sehen.

Der Film hat eine Laufzeit von 162 Minuten und ist ab FSK 12 freigegeben. Bei der Oscarverleihung 2023 gewann er in der Kategorie Bestes Kostümdesign, wobei Ruth E. Carter ausgezeichnet wurde. Angela Bassett erhielt für ihre Darstellung der Königin Ramonda u. a. einen Golden Globe als Beste Nebendarstellerin. Ludwig Göranssons Filmmusik sowie der von Rihanna gesungene Song „Lift Me Up“ wurden ebenfalls für Oscars nominiert.

Handlung & Inhalt vom Film „Black Panther: Wakanda Forever“

Das Königreich Wakanda trauert um seinen König T’Challa, der einer nicht näher bezeichneten Krankheit erlegen ist. Seine Mutter, Königin Ramonda, übernimmt die Regentschaft in einer Zeit wachsender äußerer Bedrohung. Die internationale Gemeinschaft drängt auf Zugang zu Vibranium, dem seltenen Mineral, das Wakandas Überlegenheit begründet. Ramonda verweigert jede Zusammenarbeit. Währenddessen entdeckt ein US-amerikanisches Forschungsschiff mithilfe eines von der MIT-Studentin Riri Williams entwickelten Sensors ein Vibranium-Vorkommen am Meeresgrund – und wird kurz darauf von unbekannten humanoiden Wesen angegriffen. Die gesamte Besatzung kommt ums Leben. Die US-Behörden machen Wakanda für den Angriff verantwortlich.

In Wakanda erscheint kurz darauf ein fremder Mann mit spitzen Ohren und geflügelten Fußknöcheln – er stellt ein Ultimatum: Shuri und Okoye sollen die Ingenieurin des Sensors aufspüren und ausliefern, sonst drohe Krieg. Shuri und Okoye reisen in die USA, erfahren von CIA-Agent Everett Ross, wer hinter dem Gerät steckt, und wollen Riri Williams nach Wakanda in Sicherheit bringen. Doch bevor sie das Land verlassen können, greifen dieselben Wasserwesen an. Am Ende des Kampfes werden Shuri und Riri in eine Unterwasserstadt namens Talocan verschleppt. Dort offenbart sich der fremde Mann als König Namor – Herrscher eines Volkes, das vor rund 500 Jahren vor den spanischen Konquistadoren ins Meer geflohen war und sich dort zu einer eigenständigen Zivilisation entwickelt hatte.

Krieg, Rache und die Wahl zwischen beiden

Namor enthüllt Shuri seine Pläne, denn er will die Oberflächenwelt angreifen, bevor sie Talocan überhaupt bedrohen kann. Doch seine Gefangenschaft hat direkte Konsequenzen, denn Okoye büßt ihren Titel als Generalin ein, weil sie Shuri nicht schützen konnte. Deshalb beauftragt Königin Ramonda die wakandanische Agentin Nakia, damit sie ihre Tochter befreien kann. Nakia dringt daraufhin nach Talocan ein und rettet Shuri sowie Riri gewaltsam, wobei jedoch zwei talocanische Wachen sterben. Dadurch fällt Namors Reaktion sofort und ohne Zögern aus, denn er greift Wakanda unmittelbar an. Die Wakandaner sind dem Ansturm kaum gewachsen, sodass Königin Ramonda schließlich ihr Leben opfert, um Riri Williams zu retten.

Shuri steht nun allein, denn sie ist das letzte lebende Mitglied ihrer Familie und schwört deshalb entschlossen Rache. Dennoch gelingt es ihr, das herzförmige Kraut zu synthetisieren, obwohl jene Pflanze einst von Killmonger vernichtet wurde. Dadurch wird sie zur neuen Black Panther, und gleichzeitig tritt sie in die Rolle ihrer Vorfahren ein. In einer Vision der Ahnenebene begegnet sie Killmonger, der sie jedoch mit einer grundlegenden Frage konfrontiert: Rache oder Vernunft? Gemeinsam mit Riri entwickelt Shuri daraufhin einen Plan, damit Namors Kräfte gezielt geschwächt werden können. Schließlich wird er in eine vorbereitete Falle gelockt, sodass er an Land ohne Wasser seine übermenschliche Kraft verliert.

Shuri bezwingt Namor, entscheidet sich jedoch dagegen, ihn zu töten. Stattdessen schließen die beiden ein Bündnis, das den Krieg beendet. Am Tag ihrer geplanten Krönung zur Königin erscheint Shuri nicht im Zeremonialring – M’Baku tritt an ihrer Stelle an. Danach reist sie nach Haiti, wo Nakia lebt und ein Kinderheim führt. Dort erfährt Shuri, dass T’Challa einen Sohn hinterlassen hat. Der Junge stellt sich zunächst als Toussaint vor, verrät aber, dass sein eigentlicher Name T’Challa ist – ein stilles Echo seines Vaters, das zugleich das Ende einer Epoche und einen Anfang markiert.

Filmkritik und Fazit zum Film „Black Panther: Wakanda Forever“

Black Panther: Wakanda Forever“ ist ein Film, der unter dem Druck seines eigenen Anlasses entstanden ist – und diesen Druck spürt man. Coogler verzichtet auf die klassische Marvel-Fanfare im Vorspann und lässt den Film im Flüstern beginnen: ein bewusster, würdevoller Akt. Angela Bassett trägt weite Teile des emotionalen Gewichts mit einer Präzision, die kein CGI ersetzen kann. Letitia Wright als neue Black Panther ist dagegen eine schwierigere Figur, deren innere Zerrissenheit zwischen Rache und Verantwortung das Drehbuch nicht konsequent genug ausformuliert. Tenoch Huerta als Namor hingegen gelingt das Kunststück, einen vielschichtigen Antagonisten zu spielen, der weder rein böse noch einfach zu verurteilen ist.

Visuell bewegt sich der Film auf hohem Niveau. Die Unterwasserstadt Talocan, deren Ästhetik auf mesoamerikanischen Kulturen der Maya und Azteken fußt, schafft eine visuelle Eigenständigkeit, die das MCU selten erreicht. Ludwig Göransson verknüpft in seinem Score westafrikanische und Maya-inspirierte Klangwelten zu einem Klangraum, der emotional trägt, ohne zu überwältigen. Problematischer ist das Erzähltempo: Bei 162 Minuten Laufzeit verliert der Film in seinem Mittelteil merklich an Spannung, und die Integration von Riri Williams wirkt strukturell aufgesetzt – ein Zugeständnis an das Marvel-Franchise, das den eigenen erzählerischen Fluss stört. Coogler hat mehr Mut bei den ruhigen Momenten als bei den Actionsequenzen, die zwar bildgewaltig, aber handwerklich nicht immer präzise sind.

„Black Panther: Wakanda Forever“ ist kein einfaches Spektakel, sondern ein Trauerfilm im Superheldenkostüm – mit allem, was das bedeutet: Stärke in den stillen Szenen, Schwäche dort, wo das Franchise seinen Platz beansprucht. Wer bereit ist, sich auf das emotionale Gewicht einzulassen, findet hier einen der ernsthafteren MCU-Beiträge der letzten Jahre. Für Liebhaber des Genres und des Vorgängers lohnt sich der Gang ins Kino – trotz der Längen.

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