Dame, König, As, Spion

Spionagefilme waren in den vergangenen Jahrzehnten zunehmend lauter, greller, schneller geworden. James Bond jagt mit dem Aston Martin, Jason Bourne springt von Dächern. Wer jedoch auf eine Zeit zurückblickt, in der Spione Menschen waren und Verrat kein Stuntspektakel, sondern eine moralische Katastrophe, der findet in „Dame, König, As, Spion“ jene Langsamkeit wieder, die man heute fast vergessen hat. Tomas Alfredson inszeniert den Stoff von John le Carré mit dem Blick eines Architekten, der Räume schafft und Blicke lenkt. Der Film fragt nicht nach Lösungen, sondern nach Methoden. Er zeigt, wie Männer einander belauern, während draußen eine Ideologie gegen die andere steht.

Dame, König, As, Spion
Dauer: 127 Min.
FSK: 12 (DE)
Jahr: 2011
Kategorien: Krimi, Thriller
Regie: Tomas Alfredson
Produzenten: Tim Bevan, Eric Fellner, Robyn Slovo
Hauptdarsteller: Gary Oldman, Colin Firth, Tom Hardy
Nebendarsteller: John Hurt, Toby Jones, Mark Strong, Benedict Cumberbatch
Studio: StudioCanal, Working Title Films, Karla Films, Paradis Films, Kinowelt

Die Welt des Kalten Krieges war eine Welt der Täuschungen, und was dabei im Inneren zerbrach, blieb unsichtbar. Das Vertrauen zwischen Menschen, der Glaube an etwas Größeres, die Gewissheit, auf der richtigen Seite zu stehen – all das zerfällt in diesem Film nicht laut, sondern beinahe unmerklich. Alfredson arbeitet mit Auslassungen, mit verschwiegenen Blicken, mit Zeitsprüngen, die Lücken lassen. Der Zuschauer wird nicht angeleitet, er wird herausgefordert. Was geschieht, wenn Kontrolle zur Obsession wird und Loyalität zur Waffe?

Besetzung, Regie und Drehorte

Dame, König, As, Spion“ ist eine britisch-französisch-deutsche Koproduktion aus dem Jahr 2011, realisiert von den Produktionsfirmen Working Title Films und Studiocanal. Der schwedische Regisseur Tomas Alfredson übernahm die Regie für seinen ersten englischsprachigen Film. Das Drehbuch schrieben Bridget O’Connor und Peter Straughan nach dem gleichnamigen Roman von John le Carré, ursprünglich war Peter Morgan beteiligt. Als Kameramann fungierte Hoyte van Hoytema, der Schnitt lag in den Händen von Dino Jonsäter, die Filmmusik komponierte Alberto Iglesias.

In den Hauptrollen spielen Gary Oldman als George Smiley, Colin Firth als Bill Haydon, Tom Hardy als Ricki Tarr, Mark Strong als Jim Prideaux sowie Ciarán Hinds, Benedict Cumberbatch, David Dencik und Toby Jones. Weitere Rollen übernahmen John Hurt, Swetlana Chodtschenkowa, Kathy Burke, Roger Lloyd-Pack und Stephen Graham. Die Besetzung von Gary Oldman erfolgte aufgrund seiner ruhigen Intensität. Michael Fassbender war zunächst für die Rolle des Ricki Tarr vorgesehen, Terminüberschneidungen machten jedoch eine Neubesetzung mit Tom Hardy nötig.

Der Film hat eine Laufzeit von 127 Minuten und ist ab 12 Jahren freigegeben. Gedreht wurde zwischen Oktober und Dezember 2010 in London sowie in Ungarn, wobei Blythe House als Kulisse für das Circus-Gebäude diente. „Dame, König, As, Spion“ erhielt elf Nominierungen bei den British Academy Film Awards 2012, zwei Oscar-Nominierungen und mehrere Auszeichnungen beim Europäischen Filmpreis. Gary Oldman wurde als Bester Hauptdarsteller nominiert, das Drehbuch in der Kategorie Bestes adaptiertes Drehbuch ausgezeichnet.

Handlung & Inhalt vom Film „Dame, König, As, Spion“

London, Herbst 1973. Der britische Geheimdienst, genannt Circus, arbeitet unter Hochspannung. Control, der Leiter, steht unter Verdacht, paranoid geworden zu sein, dennoch beauftragt er den Agenten Jim Prideaux mit einer geheimen Mission. In Budapest soll ein ungarischer General den Namen eines sowjetischen Maulwurfs preisgeben, der in der Führungsebene des Circus sitzt. Prideaux reist am 21. Oktober nach Ungarn, das Treffen entpuppt sich jedoch als Falle. Beim Fluchtversuch wird er niedergeschossen. Die Konsequenzen folgen sofort: Control muss gehen, sein Vertrauter George Smiley wird ebenfalls entlassen. Percy Alleline übernimmt die Leitung und führt eine neue Operation namens Witchcraft, die hochwertige Informationen aus Moskau liefert und dem Dienst Macht verschafft.

Einige Monate später stirbt Control nach langer Krankheit. Smiley, mittlerweile pensioniert und von seiner Frau verlassen, lebt zurückgezogen. Da meldet sich der junge Agent Ricki Tarr, der überzeugt ist, dass ein Maulwurf in der Führungsriege aktiv ist. Oliver Lacon, der zuständige Staatssekretär, bittet Smiley, diskret zu ermitteln. Zusammen mit Peter Guillam, der noch beim Circus arbeitet, beginnt Smiley die Untersuchung. In Controls Wohnung finden sie fünf Schachfiguren mit Bildern der Verdächtigen: Haydon, Bland, Esterhase, Alleline und Smiley selbst. Tarr erzählt, wie er im November 1973 in Istanbul den sowjetischen Handelsdelegierten Boris anwerben sollte, stattdessen jedoch dessen Frau Irina kennenlernte. Sie bot ihm den Namen des Maulwurfs im Austausch für ein Leben im Westen an. Doch als Tarr dies nach London meldete, reagierte die Zentrale verzögert. Irina wurde nach Odessa verschleppt, Boris und der britische Resident getötet.

Das Netz der Täuschung

Guillam beschafft das Logbuch vom November, entdeckt jedoch fehlende Seiten. Die Spuren führen zu einem geheimen Haus, in dem Alleline, Haydon, Bland und Esterhase regelmäßig den sowjetischen Kulturattaché Alexei Poljakow treffen. Witchcraft, so stellt sich heraus, ist eine Täuschung. Der Maulwurf liefert echte Geheimnisse an Moskau, im Gegenzug erhält London Material, das wertvoll erscheint, aber strategisch von den Sowjets freigegeben wurde. Ziel ist es, über den britischen Dienst Zugang zu amerikanischen Erkenntnissen zu erhalten. Smiley findet außerdem heraus, dass Prideaux noch lebt und unter Decknamen als Lehrer arbeitet. Prideaux berichtet von seiner Folter in sowjetischer Gefangenschaft, von Karlas Verhören und davon, wie Irina vor seinen Augen erschossen wurde.

Smiley konfrontiert Esterhase, der unter Druck die Adresse des Treffpunkts preisgibt. Um den Maulwurf zu entlarven, schickt Smiley Tarr nach Paris. Von dort sendet Tarr ein Telex, in dem er behauptet, entscheidende Informationen zu haben. Die Führung des Circus reagiert nervös, es findet eine Krisensitzung statt. Smiley wartet währenddessen im geheimen Haus und belauscht das anschließende Treffen zwischen Poljakow und dem Maulwurf. Als beide erscheinen, stellt er sie. Der Verräter ist Bill Haydon, ein hochrangiger und angesehener Agent, dem niemand Verdacht entgegengebracht hatte.

Haydon wird nach Sarratt gebracht, dort verhört ihn Smiley persönlich. Es stellt sich heraus, dass Haydon auf Anweisung Karlas, seines sowjetischen Führungsoffiziers, Smileys Frau Ann verführt hatte, um Smileys Urteilsvermögen zu schwächen. Zudem hatte Haydon eine Beziehung zu Prideaux, den er vor dessen Mission warnte, um sich selbst zu schützen. Gleichzeitig war es Haydon, der Prideaux später aus der Folter zurück nach England holte. Haydon rechnet fest damit, gegen westliche Agenten ausgetauscht zu werden. Doch während eines Hofgangs erschießt Prideaux ihn mit einem Gewehr aus der Ferne. Als Smiley in seine Wohnung zurückkehrt, ist Ann wieder da. Er kehrt als neuer Chef in den Circus zurück.

Filmkritik und Fazit zum Film „Dame, König, As, Spion“

Dame, König, As, Spion“ lebt von seiner Zurückhaltung, und das ist keine Schwäche, sondern Methode. Alfredson arbeitet mit Auslassungen und Schweigen, die Kamera verweilt auf Gesichtern, ohne zu drängen. Gary Oldman gestaltet George Smiley als Figur, die sich nichts anmerken lässt, deren innere Erschütterung jedoch durch minimale Gesten sichtbar wird. In einer Szene, während einer Weihnachtsfeier, in der die Kollegen plötzlich die sowjetische Hymne anstimmen, genügt Oldmans Blick, um das Ausmaß der Desillusionierung spürbar zu machen. Colin Firth, Mark Strong und Benedict Cumberbatch liefern präzise Arbeiten ab, dennoch bleibt der Film spröde, fordert Konzentration.

Die Inszenierung verzichtet bewusst auf Erklärungen. Alfredson strukturiert die Handlung durch Zeitsprünge, Rückblenden fügen sich ein wie Puzzleteile, die man erst im Nachhinein richtig einordnet. Hoyte van Hoytemas Kamera zeigt Räume als Orte der Überwachung, Farben sind entsättigt, Licht sparsam gesetzt. Alberto Iglesias‘ Musik bleibt dezent, verstärkt jedoch die Melancholie. Der Film verlangt Geduld, belohnt sie jedoch mit atmosphärischer Dichte. Wer Action erwartet, wird enttäuscht. Hier wird geredet, beobachtet, geschwiegen. Die Spannung entsteht nicht durch Verfolgungen, sondern durch Zweifel und das Wissen, dass jeder jeden verraten könnte.

Für Liebhaber klassischer Spionagefilme, die Wert auf Psychologie statt Pyrotechnik legen, ist dieser Film eine Empfehlung. Er ist kein leichter Genuss, eher eine Studie über Verrat und die Kosten der Loyalität. Alfredson hat le Carrés Roman eine visuelle Entsprechung gegeben, die stilsicher und kompromisslos bleibt. Wer sich darauf einlässt, erlebt einen Film, der nachwirkt, weil er nicht alles ausspricht, sondern vertraut, dass der Zuschauer mitdenkt.

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