Die My Love
„Die My Love“ bewegt sich zwischen intimem Kammerspiel und existenziellem Drama. Der Film richtet den Blick auf emotionale Überforderung innerhalb einer jungen Familie. Mutterschaft, Partnerschaft und Selbstverlust stehen eng nebeneinander. Der ländliche Raum wirkt dabei nicht befreiend, sondern verstärkend. Gesellschaftliche Erwartungen treffen auf persönliche Grenzen. Dadurch entsteht ein Bild moderner Beziehungskonflikte jenseits urbaner Sicherheiten.

| Dauer: | 119 Min. |
|---|---|
| FSK: | 16 (DE) |
| Jahr: | 2025 |
| Kategorien: | Drama |
| Regie: | Lynne Ramsay |
| Produzenten: | Martin Scorsese, Justine Ciarrocchi, Jennifer Lawrence, Trent Luckinbill, Andrea Calderwood, Molly Smith, Thad Luckinbill |
| Hauptdarsteller: | Jennifer Lawrence, Robert Pattinson, Sissy Spacek |
| Nebendarsteller: | LaKeith Stanfield, Nick Nolte, Gabrielle Rose, Clare Coulter |
| Studio: | Excellent Cadaver, Sikelia Productions, Black Label Media |
Ein Umzug nach Montana markiert den Beginn eines neuen Alltags. Ein Kind verändert die Dynamik zwischen beiden Partnern. Berufliche Abwesenheit erzeugt Distanz und Misstrauen. Begegnungen mit Verwandten bringen vergangene Verluste zurück. Neue Bindungen entstehen, während alte Strukturen zerbrechen. Klinikaufenthalt und Rückkehr verändern das vertraute Umfeld nachhaltig. Am Ende treffen zwei unterschiedliche Wahrnehmungen aufeinander. Wann wird ein gemeinsamer Neuanfang zu einem Punkt ohne Rückkehr?
Besetzung, Regie und Drehorte
„Die My Love“ erschien 2025 als britisch amerikanisches Drama unter der Regie von Lynne Ramsay. Das Drehbuch schrieben Ramsay, Alice Birch und Enda Walsh nach dem Roman „Mátate, amor“ von Ariana Harwicz. Die Produktion verantworteten Andrea Calderwood, Justine Ciarrocchi, Jennifer Lawrence, Trent Luckinbill, Martin Scorsese und Molly Smith. Ben Frost komponierte die Filmmusik, während Seamus McGarvey die Kamera führte. Den Schnitt übernahm Toni Froschhammer. Der Film besitzt eine Laufzeit von 118 Minuten und erhielt eine Altersfreigabe ab 16 Jahren.
Jennifer Lawrence spielt Grace, Robert Pattinson verkörpert Jackson. Lakeith Stanfield übernimmt die Rolle Karl, Sissy Spacek spielt Pam. Nick Nolte stellt Harry dar, ergänzt durch Sarah Lind als Cheryl. Gabrielle Rose tritt als Jen auf, Victor Zinck Jr. als Tom und Debs Howard als Marsha. Die Dreharbeiten begannen im August 2024 in Calgary. Weitere Szenen entstanden am Sikome Lake im Fish Creek Provincial Park sowie in den USA. Die Produktion endete im Oktober 2024.
Die Premiere fand am 17. Mai 2025 bei den Filmfestspielen in Cannes statt. Der Kinostart folgte im November 2025 in den USA, der Schweiz und Deutschland. Bei den British Independent Film Awards gewann der Film Preise für Kamera und Music Supervision. Weitere Nominierungen folgten bei Astra Awards, Golden Globes, Gotham Awards und dem Europäischen Filmpreis. In Cannes konkurrierte Lynne Ramsay um die Goldene Palme. Bis Dezember 2025 spielte der Film weltweit 10,7 Millionen US Dollar ein.
Handlung & Inhalt vom Film „Die My Love“
Jackson verlässt mit seiner schwangeren Partnerin Grace das laute New York, um in das abgelegene Haus seines verstorbenen Onkels nach Montana zu ziehen. Dort soll ein Neuanfang beginnen. Nur wenige Wochen nach dem Umzug bringt Grace einen Sohn zur Welt. Anfangs genießen beide das ruhige Landleben. Sie lachen, bauen sich einen Alltag auf und teilen Momente der Nähe. Doch je mehr Zeit vergeht, desto seltener gelingt ihnen diese Verbindung. Jackson arbeitet viel und ist oft unterwegs, während Grace allein mit dem Kind bleibt. Ihre Isolation wächst spürbar mit jedem Tag, ebenso wie das Gefühl, übersehen zu werden.
Jacksons Fernbleiben entwickelt sich zu einer ständigen Belastung. Er meldet sich kaum, während sich Gerüchte über Seitensprünge verdichten. Grace zweifelt an ihm, fühlt sich zurückgewiesen und sexuell frustriert. In ihrer Einsamkeit sucht sie nach Ausgleich – auch körperlich. Ein Besuch bei Jacksons Mutter Pam verläuft nicht wie erhofft. Statt Unterstützung erlebt Grace Misstrauen. Zudem verstören sie Details aus der Familiengeschichte. Zurück im Haus spitzt sich die Lage zu, als Jackson einen Hund mitbringt. Grace empfindet das Tier als Störfaktor. Nach einem Unfall erschießt sie es selbst, als Jackson zögert.
Abschied im Feuer
Ab diesem Punkt verliert Grace spürbar den Halt, denn ihre Handlungen wirken immer unberechenbarer. Sie streift mit Messern durchs Haus, beginnt eine Affäre mit einem Fremden und verletzt sich mehrfach selbst. Trotzdem hält Jackson trotz wachsender Spannungen an der Beziehung fest. Schließlich folgt daher ein überraschender Heiratsantrag. Die Hochzeit scheint zunächst ein Schritt in Richtung Versöhnung, doch am Abend bricht erneut Distanz auf. Jackson lehnt Grace ab und lässt sie auf der Tanzfläche zurück. Deshalb zieht sie sich in das Hotelzimmer zurück, trinkt, tanzt allein – und verletzt sich dabei schwer. Mit dem Kind im Kinderwagen läuft sie anschließend schließlich zurück nach Hause.
Jackson bringt sie daraufhin umgehend in eine psychiatrische Klinik. Dort beginnen Gespräche über ihre Kindheit sowie über frühe Verluste und deren Spuren. Nach der Entlassung scheint Grace gefasst, doch vieles hat sich inzwischen verändert. Das Haus wirkt nun fremd, umgestaltet in ihrer Abwesenheit. Jackson hat eigenmächtig entschieden, ohne sie zu fragen. Bei einer Willkommensfeier bricht deshalb die Fassade erneut. Kommentare über ihr Erscheinungsbild führen unmittelbar zum Rückzug. Jackson reagiert jedoch und fährt mit ihr in die Landschaft. Dort spricht sie über Unsichtbarkeit sowie über das Gefühl, nicht mehr wahrgenommen zu werden. Schließlich steht sie auf und geht wortlos in den Wald.
Während Jackson draußen raucht, verbrennt Grace ihr Tagebuch. Das Feuer breitet sich aus, sie zieht sich aus und tritt in die Flammen. Jackson erkennt zu spät, was geschieht. Er läuft ihr hinterher, sieht sie jedoch nur noch im brennenden Licht verschwinden. Ihre Entscheidung wirkt endgültig, sein Handeln zu spät. Das Bild dieses Moments bleibt unbeantwortet stehen. Kein Ausruf, kein Halt, nur Stille. Und in dieser Stille entsteht ein Bruch, der keine Umkehr mehr erlaubt.
Filmkritik und Fazit zum Film „Die My Love“
„Die My Love“ markiert eine konsequente Fortsetzung der kompromisslosen Handschrift von Lynne Ramsay. Die Regie arbeitet mit radikaler Verdichtung, wodurch emotionale Zustände körperlich spürbar werden. Die Kamera von Seamus McGarvey hält Distanz und zwingt zugleich zur Nähe. Starre Einstellungen treffen auf abrupte Schnitte, wodurch ein nervöser Rhythmus entsteht. Der Ton verzichtet auf Sicherheit und setzt stattdessen auf Reibung. Ben Frosts Musik wirkt nicht unterstützend, sondern konfrontativ. Jennifer Lawrence trägt den Film mit einer physischen, fordernden Präsenz. Robert Pattinson agiert bewusst zurückgenommen, wodurch Machtverschiebungen sichtbar bleiben. Ramsay verweigert Erklärungen und vertraut auf Wahrnehmung.
Besonders prägend wirkt eine Szene häuslicher Eskalation, die ohne Montage auskommt. Die Kamera bleibt unbeweglich, während emotionale Gewalt den Raum füllt. Ebenso eindringlich zeigt sich eine spätere Sequenz im offenen Gelände. Dort trifft Stille auf drohende Geräusche, wodurch innere Leere hörbar wird. Ramsay setzt Wiederholungen bewusst ein, riskiert jedoch monotone Passagen. Der Film fordert Geduld und emotionale Bereitschaft. Viele Bilder wirken verstörend präzise, andere bewusst roh. Diese Entscheidung polarisiert, stärkt aber die Konsequenz. Am Ende entsteht ein radikales, forderndes Werk mit klarer Haltung.
Der Film funktioniert besonders für ein Publikum, das Grenzerfahrungen im Kino sucht. Klassische Dramaturgie lehnt Ramsay konsequent ab. Stattdessen dominiert ein fragmentierter Fluss, der Nähe erzwingt. Wer emotionale Distanz erwartet, wird überfordert. Wer formale Strenge schätzt, erkennt große Konsequenz. „Die My Love“ bleibt schwer zugänglich, aber bemerkenswert kompromisslos.