Jurassic World: Ein neues Zeitalter

Sechs Teile und drei Jahrzehnte cinematischer Schöpfungsgeschichte – irgendwann muss selbst das großartigste Franchise seinen Abschluss finden. „Jurassic World: Ein neues Zeitalter“ von Regisseur Colin Trevorrow sollte 2022 genau das leisten: ein würdiger Schlusspunkt, der zwei Trilogien miteinander verbindet und das Versprechen einlöst, das Steven Spielberg 1993 mit dem Original in die Welt setzte. Der Anspruch war hoch, die Erwartungen noch höher – und die Fallhöhe damit entsprechend groß.

Jurassic World - Ein neues Zeitalter
Dauer: 147 Min.
FSK: 12 (DE)
Jahr: 2022
Kategorien: Science-Fiction
Regie: Colin Trevorrow
Produzenten: Frank Marshall, Patrick Crowley
Hauptdarsteller: Chris Pratt, Bryce Dallas Howard, Laura Dern
Nebendarsteller: Sam Neill, Jeff Goldblum, DeWanda Wise, Mamoudou Athie
Studio: Amblin Entertainment, Universal Pictures

Die Prämisse klingt verlockend. Dinosaurier bevölkern nun die ganze Welt, koexistieren mit Menschen auf Wiesen, in Städten, auf dem offenen Meer. Was bedeutet das für Gesellschaft, Ethik, Ökologie? Diese Fragen öffnen eine Erzählung von faszinierender Komplexität – doch Trevorrow wählt eine andere Richtung. Er entscheidet sich für Verschwörung, Entführung und einen Tech-Konzern in den Dolomiten. Was hätte diese Welt erzählen können, wenn man ihr mehr Zeit gegeben hätte?

Besetzung, Regie und Drehorte

Jurassic World: Ein neues Zeitalter“ ist ein US-amerikanischer Science-Fiction-Film aus dem Jahr 2022, Regie führte Colin Trevorrow, der auch gemeinsam mit Emily Carmichael das Drehbuch verfasste. Produziert wurde der Film von Frank Marshall und Patrick Crowley, die Filmmusik stammt erneut von Michael Giacchino, während John Schwartzman die Kamera führte und Mark Sanger den Schnitt verantwortete.

In den Hauptrollen kehren Chris Pratt als Owen Grady und Bryce Dallas Howard als Claire Dearing zurück. Hinzu stoßen die Originalbesetzung aus dem ersten Jurassic Park: Laura Dern als Dr. Ellie Sattler, Sam Neill als Dr. Alan Grant und Jeff Goldblum als Dr. Ian Malcolm. Als Antagonist Lewis Dodgson agiert Campbell Scott, während DeWanda Wise als Pilotin Kayla Watts eine wichtige neue Figur darstellt. Isabella Sermon verkörpert erneut Maisie Lockwood, BD Wong kehrt als Dr. Henry Wu zurück.

Die Dreharbeiten begannen im Februar 2020, wurden durch die COVID-19-Pandemie unterbrochen und danach hauptsächlich in den Pinewood Studios bei London sowie auf Malta fortgesetzt. Der Film läuft in der Kinofassung 147 Minuten, die Extended Edition umfasst 160 Minuten, die FSK-Freigabe liegt bei 12 Jahren. Bei den Goldenen Himbeeren 2023 erhielt der Film Nominierungen für das schlechteste Drehbuch sowie als schlechteste Neuverfilmung.

Handlung & Inhalt vom Film „Jurassic World: Ein neues Zeitalter“

Vier Jahre nach dem Ende von Jurassic World: Das gefallene Königreich sind Dinosaurier Teil des globalen Ökosystems geworden. Sie streifen durch Wälder, bedrohen Siedlungen, stören landwirtschaftliche Betriebe. Das Unternehmen Biosyn, geführt von CEO Lewis Dodgson, hat ein Schutzreservat in den Dolomiten eingerichtet, in das die Tiere umgesiedelt werden sollen. Was nach Naturschutz klingt, ist in Wahrheit ein Instrument zur Machtausübung. Dodgson plant, die weltweite Lebensmittelversorgung zu kontrollieren – mit gentechnisch veränderten Heuschrecken, die ausschließlich Konkurrenz-Saatgut zerstören, nicht aber das von Biosyn.

In Texas wird die Paläobotanikerin Dr. Ellie Sattler auf die Heuschreckenplage aufmerksam. Sie erkennt schnell, dass das von Biosyn entwickelte Getreide von den Insekten nicht befallen wird – ein eindeutiges Zeichen für bewusste Manipulation. Sie kontaktiert ihren alten Weggefährten Dr. Alan Grant, um gemeinsam Beweise zu sichern, und erhält über den bei Biosyn tätigen Mathematiker Dr. Ian Malcolm eine offizielle Einladung zum Unternehmenssitz. Malcolm, längst heimlicher Gegner Dodgsons, stellt ihr sein Zugangscode für die Labore zur Verfügung. Unterdessen leben Owen Grady und Claire Dearing in der Abgeschiedenheit der Sierra Nevada. Sie hüten dort ihre Ziehtochter Maisie Lockwood, einen geklonten Menschen, der für zahlreiche Interessengruppen genetisch von höchstem Interesse ist.

Entführung, Flucht und das Reservat in den Dolomiten

Die Idylle endet abrupt, als der Wilderer Rainn Delacourt Maisie und Beta – die Tochter des Velociraptors Blue – entführt. Owen und Claire erfahren durch ihren CIA-Kontakt Franklin Webb, dass der Übergabeort ein Dinosaurier-Schwarzmarkt auf Malta sein soll. In der maltesischen Hafenstadt treffen sie auf ihren alten Bekannten Barry Sembène, der nun für die französische Polizei tätig ist. Die Konfrontation mit den Wilderern eskaliert schnell: Die Schmugglerin Soyona Santos hetzt speziell abgerichtete Atrociraptoren auf die Einsatzkräfte, Owen flüchtet mit einem Motorrad durch enge Gassen. Von Santos erfährt Claire schließlich, wohin Maisie gebracht wurde.

Mit Hilfe der Pilotin Kayla Watts, die Maisie unwissentlich nach Malta geflogen hat und sich nun mitschuldig fühlt, machen sich Owen und Claire auf den Weg zum Biosyn-Reservat. Der Anflug gerät zur Katastrophe: Ein Quetzalcoatlus attackiert das Flugzeug, Claire muss per Schleudersitz abspringen, Owen und Kayla stürzen in einen zugefrorenen See. Knapp entkommen sie einem lauernden Saurier und erreichen die Biosyn-Anlage auf eigene Faust. Im Hauptquartier zeigt Dr. Henry Wu dem gefangenen Maisie die Wahrheit über ihre Herkunft: Ihre Mutter Charlotte Lockwood hatte die Zellen ihrer Tochter genetisch modifiziert, um ein tödliches Erbleiden zu heilen.

Maisie verweigert die Kooperation als Versuchsobjekt und flieht. Sie trifft auf Ellie und Alan, die mit gesicherten Heuschreckenproben die Einrichtung verlassen wollen. Nach und nach finden sich alle sechs Hauptfiguren im Reservat zusammen. Als Dodgson erfährt, dass sein Vertrauter Ramsay Cole heimlich mit Malcolm kooperiert und die Ermittlungen gegen Biosyn unterstützt hat, versucht er, Beweise zu vernichten und die Heuschrecken zu verbrennen. Die Insekten entkommen, lösen im gesamten Reservat Chaos aus und zwingen Dinosaurier sowie Menschen gleichermaßen zur Flucht. Schließlich rettet Kayla mit einem Helikopter die gesamte Gruppe, darunter auch einen reuigen Dr. Wu. Dodgson bleibt zurück und wird von drei Dilophosauriern getötet. Wu gelingt später die Entwicklung eines biologischen Gegenmittels, das die mutierten Heuschrecken auslöscht und die drohende Hungersnot abwendet.

Filmkritik und Fazit zum Film „Jurassic World: Ein neues Zeitalter“

Jurassic World: Ein neues Zeitalter“ leidet an einem fundamentalen dramaturgischen Missverhältnis: Das Drehbuch von Trevorrow und Carmichael schleppt zwei parallel laufende Handlungsstränge durch rund zwei Drittel des Films, bevor es sie in einem Biosyn-Finale zusammenführt, das an einen klassischen Agentenschlupfwinkel erinnert. Die Prämisse einer durch Dinosaurier veränderten Weltgesellschaft – eigentlich der interessanteste Ausgangspunkt der Trilogie – wird nach wenigen Minuten beiseitegelegt. An ihrer Stelle regieren Heuschreckenverschwörung und Klon-Entführung, Konflikte also, die das Markenzeichen des Franchise kaum benötigen. Chris Pratt wird dabei auf wenige reaktive Szenen reduziert, die Chemie mit Bryce Dallas Howard tritt in den Hintergrund.

Was den Film dennoch trägt, ist das Wiedersehen mit den Originalfiguren. Sam Neill und Laura Dern agieren mit einer Natürlichkeit und Wärme, die dem Film emotionale Substanz verleiht, wo die Inszenierung sie nicht herzustellen vermag. Jeff Goldblum, in jeder Szene präzise und selbstironisch, erdet das Geschehen. Eine Sequenz mit einem unter dem Eis lauernden Saurier gehört zu den atmosphärisch stärksten des Trilogie-Endes und zeigt, wozu das Franchise fähig wäre, wenn es sich mehr Zeit nähme. Michael Giacchinos Musik arbeitet sensibel mit den Originalmotiven – ein dezenter, aber wirksamer emotionaler Kommentar.

Für Fans der Reihe, die vor allem das Wiedersehen mit den Originalfiguren suchen, bietet der Film durchaus Momente echter Freude. Wer hingegen auf ein konsequentes Finale hofft, das das Potenzial einer von Dinosauriern bevölkerten Welt ausschöpft, wird unbefriedigt bleiben. Trevorrow schließt seine Trilogie handwerklich solide, aber ohne visionäre Kraft ab – ein Abschluss, der mehr verwaltet als gestaltet.

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