San Andreas

Es gibt Genres, die funktionieren wie Naturgewalten selbst: unaufhaltsam, spektakulär – und selten subtil. Das Katastrophenkino ist eines davon. „San Andreas„, der 2015 erschienene Erdbeben-Blockbuster von Regisseur Brad Peyton, ist ein Paradebeispiel dieser Gattung. Er überwältigt, er erschüttert im buchstäblichen Sinne, und er lässt den Zuschauer am Ende mit gemischten Gefühlen zurück.

San Andreas
Dauer: 114 Min.
FSK: 12 (DE)
Jahr: 2015
Kategorien: Thriller
Regie: Brad Peyton
Produzenten: Beau Flynn
Hauptdarsteller: Dwayne Johnson, Alexandra Daddario, Carla Gugino
Nebendarsteller: Ioan Gruffudd, Archie Panjabi, Paul Giamatti, Hugo Johnstone-Burt
Studio: New Line Cinema, Village Roadshow Pictures, Flynn Picture Company, Warner Bros. Pictures

Was verbindet Mega-Städte, zerreißende Erdplatten und eine zerrissene Familie? Peyton findet eine Antwort: Zerstörung als emotionaler Resonanzraum. Doch ob dieser Ansatz im fertigen Film wirklich aufgeht – oder ob die Trümmer am Ende nur CGI-Kulisse bleiben –, das ist die eigentliche Frage, mit der „San Andreas“ sein Publikum entlässt.

Besetzung, Regie und Drehorte

San Andreas“ ist ein US-amerikanischer Katastrophenfilm, der 2015 unter der Regie von Brad Peyton entstand. Das Drehbuch, an dem unter anderem Carlton Cuse, Jeremy Passmore und Andre Fabrizio beteiligt waren, durchlief mehrere Überarbeitungsphasen, bevor es seine finale Form fand. Produziert wurde der Film von Beau Flynn; die Kamera führte Steve Yedlin, der Schnitt lag in den Händen von Bob Ducsay, die Musik komponierte Andrew Lockington. Die Dreharbeiten begannen im April 2014 in Queensland, Australien, und wurden im Juli desselben Jahres in San Francisco abgeschlossen.

Die Hauptrolle des Rettungspiloten Ray Gaines übernahm Dwayne Johnson, der damit erneut mit Regisseur Peyton zusammenarbeitete. An seiner Seite spielen Carla Gugino als Exfrau Emma und Alexandra Daddario als Tochter Blake. Paul Giamatti verkörpert den Seismologen Dr. Lawrence Hayes, Ioan Gruffudd den neuen Lebenspartner von Emma. Weitere Rollen übernahmen Hugo Johnstone-Burt, Art Parkinson, Archie Panjabi und Kylie Minogue in einem Gastauftritt.

Der Film hat eine Laufzeit von 114 Minuten und ist ab 12 Jahren freigegeben (FSK 12). Er feierte seine Premiere am 26. Mai 2015 in Hollywood und startete in Deutschland einen Tag früher als in den USA – am 28. Mai 2015. Weltweit spielte er bei einem Produktionsbudget von rund 110 Millionen US-Dollar über 475 Millionen Dollar ein.

Handlung & Inhalt vom Film „San Andreas“

Die Handlung setzt in der Gegenwart ein, irgendwo an der kalifornischen Westküste. Der Seismologe Dr. Lawrence Hayes und sein Forschungspartner Dr. Kim Park haben ein System entwickelt, das Erdbeben zuverlässiger vorhersagen soll. Beim ersten Testlauf geraten die Messwerte außer Kontrolle. Kurz darauf bricht der Hoover Dam unter der Wucht eines schweren Erdbebens zusammen – Dr. Park kommt dabei ums Leben. Ray Gaines, ein erfahrener Rettungspilot, wird zur Notfallhilfe ins betroffene Gebiet beordert. Derweil befindet sich seine Tochter Blake in San Francisco, in Begleitung von Daniel Riddick, dem neuen Freund seiner Exfrau Emma.

Dr. Hayes analysiert unterdessen die Daten weiter und gelangt zu einer beunruhigenden Erkenntnis: Das Beben am Hoover Dam war nur ein Vorbeben. Die San-Andreas-Verwerfung steht unter extremem Druck; ein Erdbeben historischen Ausmaßes steht unmittelbar bevor. Hayes versucht, die Öffentlichkeit zu warnen, während Ray seinen ursprünglichen Einsatzauftrag aufgibt und eigenmächtig handelt. Emma, die sich in Los Angeles mit Riddicks Schwester trifft, erlebt das große Beben in voller Wucht. Ray gelingt es mit seinem Hubschrauber, sie aus einem einstürzenden Hochhaus zu retten – doch das Fluggerät wird dabei beschädigt.

Zwischen Trümmern und Tsunami: Der Weg zur Katastrophe

Währenddessen ist Blake in San Francisco in eine Tiefgarage eingeschlossen, deren Decke sich langsam senkt, und Riddick lässt sie im Stich. Gerettet wird sie jedoch von den britischen Brüdern Ben und Ollie Taylor, die sich dabei als umsichtige und engagierte Helfer erweisen. Den dreien gelingt es anschließend, über Telefon Kontakt zu Rays Exfrau Emma herzustellen und zugleich einen Treffpunkt zu vereinbaren. Ray und Emma stehlen daraufhin einen Pick-up und später ein Kleinflugzeug, um schließlich nach San Francisco zu gelangen. Die Zerstörung wächst unterdessen mit jeder Stunde, und gleichzeitig geht Hayes mit seiner Warnung an die Öffentlichkeit.

Als Ray und Emma schließlich San Francisco erreichen, brennt der vereinbarte Treffpunkt am Coit Tower bereits lichterloh, während erneut die Erde bebt – diesmal mit 9,6 auf der Richterskala, dem schwersten jemals gemessenen Erdbeben. Ein riesiger Tsunami rollt daraufhin auf die Stadt zu, sodass sich Blake, Ben und Ollie in ein Hochhaus retten. Ray und Emma entkommen der Flutwelle auf einem Motorboot, indem sie die Welle frontal durchfahren, noch bevor sie bricht. Dabei wird die goldene Gate Bridge fortgerissen, und Daniel Riddick, der bis dahin durch Glück überlebt hat, stirbt in diesem Moment.

Das vollgelaufene Hochhaus droht, zur tödlichen Falle zu werden. Ray taucht ab, um Blake aus dem versunkenen Obergeschoss zu befreien. Die Wiederbelebung seiner Tochter scheitert zunächst – gelingt dann aber doch. Die Familie findet wieder zueinander. Zwischen Blake und Ben hat sich eine Zuneigung entwickelt. San Francisco liegt in Trümmern; das Wasser hat Teile der Stadt in eine Insel verwandelt. Der Film schließt mit einem Bild des Wiederaufbaus, das die Überlebenden fest im Blick hält.

Filmkritik und Fazit zum Film „San Andreas“

San Andreas“ steht in einer langen Tradition des amerikanischen Katastrophenkinos – und er trägt diese Tradition mit einer gewissen Selbstverständlichkeit. Brad Peyton inszeniert mit handwerklicher Verlässlichkeit, aber ohne erkennbares Risiko. Die Effekte, verantwortet von Studios wie Hydraulx und Scanline VFX, sind technisch beeindruckend: Wenn Hochhäuser wie Dominosteine fallen oder die Golden Gate Bridge im Tsunami versinkt, entfaltet das auf großer Leinwand eine unbestreitbare Wucht. Steve Yedlins Kamera fängt diese Zerstörung mit einem Gespür für Dynamik ein, das den Film visuell trägt.

Weniger überzeugend ist die emotionale Substanz. Dwayne Johnson spielt den Retter-Typus mit gewohnter Körperlichkeit, doch die Figur bleibt an der Oberfläche. Das Vater-Tochter-Verhältnis funktioniert in Ansätzen, verliert sich aber zwischen den Katastrophensequenzen. Carla Gugino ist spürbar unterfordert; Paul Giamatti als Seismologe vermittelt in seinen wenigen Momenten echter Dringlichkeit mehr Gewicht als das gesamte Heldenensemble. Das Drehbuch, das mehrfach überarbeitet wurde, trägt seine Kompromisse offen: Dialoge bleiben schematisch, Charakterentscheidungen sind vorhersehbar, moralische Grautöne fehlen völlig. Auf eine Szene, in der Ray ein Boot einfach beschlagnahmt und niemanden retten kann, folgt postwendend die nächste Heldentat – ohne dass der Film diese Widersprüche je ernst nähme.

Wer einen Film sucht, der das Genre des Katastrophenkinos ernsthaft reflektiert, wird hier enttäuscht werden. Wer jedoch spektakuläres Popcornkino mit aufwendigen Effekten und einem verlässlichen Tempo erwartet, findet in „San Andreas“ ein Erlebnis, das auf großer Leinwand – und am besten in IMAX – seine stärksten Momente entfaltet. Als einmaliges Seherlebnis für Genre-Fans durchaus empfehlenswert, als cineastisches Ereignis jedoch kaum der Rede wert.

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