Das Schicksal ist ein mieser Verräter

Krebsfilme haben einen schweren Stand. Sie navigieren zwischen Sentimentalität und Kälte, zwischen Lebensfreude und Tod. „Das Schicksal ist ein mieser Verräter“ wagt diesen Balanceakt mit bemerkenswerter Leichtigkeit. Die Verfilmung von John Greens Bestseller macht aus einer Krankheit keine Prüfung, sondern eine Rahmenbedingung. Zwei Jugendliche lernen sich kennen, verlieben sich und leben – nicht obwohl, sondern während sie sterben. Der Film verwandelt Galgenhumor in Poesie.

Das Schicksal ist ein mieser Verräter
Dauer: 125 Min.
FSK: 6 (DE)
Jahr: 2014
Kategorien: Drama, Romantik
Regie: Josh Boone
Produzenten: Marty Bowen, Wyck Godfrey
Hauptdarsteller: Shailene Woodley, Ansel Elgort, Nat Wolff
Nebendarsteller: Laura Dern, Sam Trammell, Willem Dafoe, Lotte Verbeek
Studio: TSG Entertainment, Fox 2000 Pictures, Temple Hill Entertainment

Josh Boone inszeniert eine Romanze, die ihre eigenen Grenzen kennt. Hazel und Augustus sind keine Helden, sondern Menschen mit Ängsten und Wünschen. Die Krankheit bleibt sichtbar durch Atemschläuche und Rollstühle, doch sie definiert nicht jede Szene. Stattdessen entstehen Momente von Leichtigkeit, die das Gewicht der Situation umso spürbarer machen. Der Tod steht im Raum, ohne jeden Dialog zu dominieren. Kann ein Film über todkranke Teenager ohne Kitsch auskommen und trotzdem berühren?

Besetzung, Regie und Drehorte

Das Schicksal ist ein mieser Verräter“ ist ein Drama von Josh Boone aus dem Jahr 2014, basierend auf dem gleichnamigen Roman von John Green. Das Drehbuch schrieben Scott Neustadter und Michael H. Weber. Die Musik komponierten Mike Mogis und Nate Walcott, die Kamera führte Ben Richardson. Für den Schnitt zeichnete Robb Sullivan verantwortlich. Produziert wurde der Film von Marty Bowen und Wyck Godfrey. Gedreht wurde in Pittsburgh und Amsterdam.

Shailene Woodley verkörpert die Hauptrolle der Hazel Grace Lancaster. Ansel Elgort spielt Augustus Waters, genannt Gus. Nat Wolff ist als Isaac zu sehen. Laura Dern und Sam Trammell spielen Hazels Eltern. Willem Dafoe übernimmt die Rolle des Schriftstellers Peter van Houten. Lotte Verbeek verkörpert dessen Assistentin Lidewij Vliegenthart. Mike Birbiglia tritt als Patrick auf. Autor John Green hat einen Kurzauftritt in der Extended-Version als Vater am Flughafen.

Der Film hat eine Laufzeit von 126 Minuten und erhielt eine FSK-Freigabe ab 6 Jahren. Er spielte weltweit über 307 Millionen US-Dollar bei Produktionskosten von rund 12 Millionen ein. Die deutsche Filmbewertung FBW verlieh ihm das Prädikat besonders wertvoll. Die Extended-Version auf Blu-ray ist sieben Minuten länger als die Kinofassung. Ed Sheeran steuerte mit „All of the Stars“ den Titelsong bei. Der Trailer erreichte in den ersten 24 Stunden drei Millionen Aufrufe.

Handlung & Inhalt vom Film „Das Schicksal ist ein mieser Verräter“

Hazel Grace Lancaster ist sechzehn Jahre alt und leidet an Schilddrüsenkrebs mit Metastasen in der Lunge. Ihre Eltern schicken sie zu einer Selbsthilfegruppe für krebskranke Jugendliche. Dort begegnet sie Augustus Waters, einem ehemaligen Sportler, der durch Knochenkrebs ein Bein verloren hat. Die beiden verbindet sofort ein beißender Galgenhumor. Hazel fühlt sich zu Gus hingezogen, hat jedoch Angst davor, sich zu binden und ihn mit ihrem Tod zu verletzen. Augustus kämpft mit einer anderen Angst – er fürchtet, nach seinem Tod vergessen zu werden. Trotz ihrer Vorbehalte entwickelt sich zwischen ihnen eine tiefe Verbindung.

Gus macht Hazel ein außergewöhnliches Geschenk. Er schenkt ihr seinen gesponserten Feenwunsch, den Krebs-Organisationen schwerkranken Kindern gewähren. Gemeinsam mit Hazels Mutter fliegen sie nach Amsterdam, um Peter van Houten zu treffen, den Autor von Hazels Lieblingsbuch. Das Buch handelt ebenfalls von einer Krebskranken und endet abrupt, sodass Hazel wissen möchte, was mit den anderen Figuren danach geschieht. Sie hofft, durch die Antworten zu verstehen, wie es ihren Eltern nach ihrem eigenen Tod ergehen wird. Bei einem von van Houten bezahlten Abendessen gesteht Augustus Hazel seine Liebe.

Wendungen in Amsterdam und danach

Der Besuch bei Peter van Houten entwickelt sich zum Desaster. Der Autor entpuppt sich als zynischer Trinker, der Hazel keine Antworten gibt und sie mit seinen Kommentaren verletzt. Van Houtens Assistentin Lidewij tut der Situation leid, und sie besuchen gemeinsam das Anne-Frank-Haus. Während des Besuchs wird Hazel klar, dass sie Gus liebt. Sie küssen sich. Zurück im Hotel schlafen sie miteinander und erleben einen Moment von Intimität und Normalität. Am Tag des Rückflugs offenbart Gus Hazel eine erschütternde Nachricht – sein Krebs ist zurückgekehrt und schlimmer als zuvor.

Nach der Rückkehr in die USA beginnt Augustus eine Therapie, deren Erfolgsaussichten jedoch als gering eingeschätzt werden. Gleichzeitig verschlechtert sich sein Zustand rapide, sodass sich seine Lage schnell zuspitzt. Eines Abends ruft er Hazel in panischem Zustand an und bittet sie, zu einer Tankstelle zu kommen. Als Hazel ihn findet, ist sein Zustand so kritisch, dass sie dennoch einen Krankenwagen ruft. Nach dem Krankenhausaufenthalt besucht Gus Hazel im Rollstuhl und wirkt dabei gefasst. Er bittet sie, eine Grabrede für ihn zu schreiben, damit er sie noch hören kann. Gus veranstaltet daraufhin eine Vor Beerdigung mit Isaac und Hazel.

Acht Tage nach der Vor-Beerdigung stirbt Augustus. Auf seiner Beerdigung hält Hazel eine andere Rede als geplant, da sie erkennt, dass es nun darum geht, die Trauernden zu trösten, nicht den Verstorbenen zu ehren. Peter van Houten erscheint auf Wunsch von Gus und überreicht Hazel einen Brief. Sie will nicht mit ihm sprechen und weist ihn ab. Isaac erzählt Hazel später, dass der Brief die Grabrede ist, die Gus für ihre Beerdigung geschrieben hat. Hazel liest die Worte, die Gus für sie verfasst hat. Der Film endet damit, dass sie auf derselben Wiese liegt wie zu Beginn des Films. Die Kreisstruktur schließt sich.

Filmkritik und Fazit zum Film „Das Schicksal ist ein mieser Verräter“

Das Schicksal ist ein mieser Verräter“ verzichtet auf melodramatische Überhöhung und findet stattdessen einen Ton zwischen Leichtigkeit und Ernst. Josh Boone inszeniert mit Zurückhaltung, lässt den Darstellern Raum für nuancierte Performances. Shailene Woodley spielt Hazel mit einer Mischung aus Verletzlichkeit und Stärke, ohne dabei auf offensichtliche emotionale Gesten zu setzen. Ansel Elgort verleiht Gus Charme und Tiefe, wobei die Chemie zwischen beiden Hauptdarstellern spürbar ist. Die Kameraarbeit von Ben Richardson schafft warme Bilder, die dem Film eine unaufgeregte Atmosphäre verleihen.

Eine Szene im Anne-Frank-Haus zeigt Hazel, wie sie mühsam die Treppen hinaufsteigt, während andere Besucher ihr applaudieren. Dieser Moment verdeutlicht die Balance des Films – er thematisiert Krankheit, ohne sie auszustellen. Die Dialoge zwischen Hazel und Gus wirken authentisch und vermeiden kitschige Phrasen. Dennoch kippt der Film in der zweiten Hälfte gelegentlich ins Bedeutungsschwere. Besonders gegen Ende werden Szenen mit dramatischer Musik unterlegt, die den zuvor etablierten Realismus untergraben. Die Inszenierung verliert dabei an Unaufdringlichkeit.

„Das Schicksal ist ein mieser Verräter“ richtet sich an Zuschauer, die emotionale Geschichten schätzen, ohne dabei Authentizität zu opfern. Der Film gelingt dort, wo er seinen Figuren vertraut und ihnen Momente der Normalität erlaubt. Wer klassische Hollywood-Manipulation ablehnt, wird an einigen Stellen stolpern. Dennoch bleibt der Film ein Versuch, Krankheit nicht als Spektakel zu inszenieren. Für Liebhaber sensibler Romanzen bietet er mehr Substanz als viele Genre-Vertreter.

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