Kino und Leinwand: Porträt des Delphi Filmverleih
Permanent werden Filme produziert. Doch damit sie auch tatsächlich den Weg auf die Leinwand finden und damit letztendlich zu den Zuschauern, braucht es Filmverleihe. Die kümmern sich darum, dass die Filme im Kino laufen und Marketing betrieben wird. Für Deutschland ist seit den achtziger Jahren der Delphi Filmverleih ein wichtiger Partner für die Kinokultur gewesen.

Über die Jahre konnten zahlreiche bekannte Filme ins Kino gebracht werden, unter anderem “Sonnenallee” und “Männerpension”. 2014 hat es eine Neuausrichtung gegeben und seitdem wurden erneut hochwertige Filme auf die große Leinwand gebracht. Die Ursprünge des Verleihs liegen dabei eigentlich bei einer Wiederaufführung eines Klassikers von Billy Wilder. Wer mehr über den Delphi Filmverleih erfahren möchte, bekommt alle Informationen in diesem Artikel.
Der Delphi Filmverleih
Alles fing 1985 an. Claus Boje war im Berliner Delphi Kino für die Werbekampagne der Wiederaufführung des Films “Eins, zwei, drei” verantwortlich, einem Klassiker von Billy Wilder. Der Film kam so gut an, dass er über ein Jahr im Kino lief. Dieser Erfolg sorgte dafür, dass die Idee für einen Filmverleih geboren wurde, der schließlich 1989 gegründet wurde. Dabei hat man sich selbst das Credo “Große Filme auf die große Leinwand” auf Fahnen geschrieben. Und tatsächlich konnte man ein gutes Gespür für besondere Produktionen beweisen. Dabei arbeitete man auch mit Boje Buck Produktion zusammen und konnte in den neunziger Jahren viele Erfolge feiern.
Filme wie “Hopnick” oder “Männerpension” zeigten, dass man den richtigen Riecher für das Kino hatte und besondere Filme groß machen konnte. Dabei hat sich Delphi auch schon immer neben der Leinwand für andere Projekte engagiert, mit denen man sich einen guten Ruf erarbeiten konnte. Vor allem in den letzten Jahren entstanden so interessante Projekte. So wurde 2014 der Verein “FlüchtlingWillkommen” initiiert, der sich um die Vermittlung von Privatunterkünften gekümmert hat. Auch unterstützte man zusammen mit dem Regisseur Hans Weingartner ein Kinderhospital in Kambodscha. Zudem hat man bereits mit dem Tierschutz zusammengearbeitet. Zuletzt im Zusammenhang mit dem Film “Underdog”.
2011 gab es einen größeren Einschnitt, da man nur knapp aus der Insolvenz gerettet werden konnte. Gleichzeitig konnte man in Kooperation den Film “The Artist” auf die große Leinwand bringen, der mit dem Oscar ausgezeichnet wurde und in Deutschland 680.000 Besucher zählte. Drei Jahre später gab es einen Neustart des Delphi Filmverleihs unter der alleinigen Führung von Claus Boje. Seitdem konnten verschiedene preisgekrönte Filme herausgebracht werden.
Die Top 5 Filme im Delphi Filmverleih
Wenn man auf die letzten dreißig Jahre zurückblickt, dann konnten einige sehr bekannte Filme verliehen werden. Darunter sind preisgekrönte und enorm erfolgreiche Filme, die auch Jahre später noch als Klassiker gelten.
Sonnenallee
1999 kam der Film “Sonnenallee” in die Kinos. Damit konnte Leander Haußmann ein Debüt hinlegen, wie es nur wenige Regisseure schaffen. Das Drehbuch schrieb Haußmann gemeinsam mit Thomas Brussig. Tatsächlich gab es auch einen Roman, der jedoch auf dem Drehbuch basierte. Im Film zu sehen waren zahlreiche bekannte Darsteller, darunter Katharina Thalbach, Detlev Buck, Henry Hübchen und Robert Stadlober.
Der Film spielt in der Berliner Sonnenallee in den siebziger Jahren. Die Hauptfigur ist Michael Ehrenreich, dargestellt von Alexander Scheer. Im Film geht es um die schwierige Gratwanderung zwischen Loyalität zum System, den persönlichen Zielen und dem Aufbegehren gegen schlechte Zustände. Der Film vereint ernste Themen mit interessanten Perspektiven und wählt als Stilmittel eine humorvolle Annäherung.
Land der Wunder
2014 kam der in Italien produzierte Film “Land der Wunder” in die Kinos. Regie führte Alice Rohrwacher, die drei Jahre zuvor mit dem ausgezeichneten Film “Für den Himmel bestimmt” ihr Spielfilmdebüt abgab. Das Werk von 2014 gewann in Cannes den Großen Preis der Jury. Außerdem gab es den CineVision Award beim Münchner Filmfestival. Im Film ist unter anderem Rohrwachers Schwester Alba zu sehen. Außerdem Maria Alexandra Lungu und Monica Bellucci.
Der Film spielt auf einem einsamen Bauernhof in der Toskana. Dort gibt es eine Familie, die von der Bienenzucht lebt. Hauptverantwortlich ist die zwölfjährige Gelsomina. Die Beziehung zu ihrem Vater ist gut, doch wendet sich das Blatt, als Gelsomina sich immer mehr eingeengt fühlt, da der Vater ein einfaches Landleben führen möchte. Die Wende kommt, als sie gemeinsam an einer TV-Show teilnehmen.
Männerpension
Wenn es um deutsche Klassiker geht, vor allem im Bereich der Komödien, dann wird immer wieder “Männerpension” genannt. Der Film hat rund 25 Jahre auf dem Buckel und war einer der ganz großen Hits in den neunziger Jahren. Detlev Buck führte Regie, an seiner Seite half Eckhard Theophil als Co-Regisseur. Vor der Kamera ist Buck ebenfalls zu sehen, außerdem Til Schweiger, Heike Makatsch, Marie Bäumer und Leander Haußmann.
Das Besondere an dem Film ist, dass verschiedene Genres gekonnt miteinander vermischt wurden. So dürfen männliche Häftlinge für eine Woche in den Hafturlaub – zu alleinstehenden Frauen. Dort sollen sie Sozialverhalten lernen. Natürlich funktioniert dabei längst nicht alles so, wie es eigentlich soll. Entsprechend ist der Film eine Mischung aus Komödie und Tragödie. Der Film erhielt den Bayerischen Filmpreis in der Kategorie Nachwuchs, außerdem einen Bambi, einen Jupiter Award und die Goldene Leinwand.
Underdog
Produziert wurde dieser Film in Ungarn. 2015 kam “Underdog” auch in die deutschen Kinos und konnte einen Achtungserfolg landen. Dabei geht es in diesem Film tatsächlich um Hunde, von denen mehr als 200 auf der Leinwand zu sehen sind. Dabei hat Regisseur Kornél Mundruczó einen echten Genre-Mix hingelegt, bei dem Drama und Horror Hand in Hand gehen. Fans von Klassikern wie Hitchcocks “Die Vögel” dürften ihre Freude daran haben.
Es geht hauptsächlich um den Hund Hagen, der ausgesetzt wird, nachdem ein neues Tiergesetz Mischlingshunde benachteiligt. Damit beginnt für Hagen eine Odyssee. Der landet bei einem Kampfhundetrainer, der ihn misshandelt, um ihn zu einer Kampfmaschine umzuwandeln. Später wird Hagen Anführer anderer Hunde und es beginnt ein Krieg mit den Menschen. Am Ende braucht es Lili, die einstige Besitzerin von Hagen, um dem Krieg ein Ende zu setzen.
Herr Lehmann
2003 kam ein weiterer Film in die Kinos, der heute als ein Klassiker angesehen werden kann. In “Herr Lehmann” schlüpft Christian Ulmen in die Rolle der gleichnamigen Hauptfigur. Leander Haußmann führte Regie. Umgesetzt wurde das Drehbuch von Sven Regener, das auf dem zuvor von Regener geschriebenen Buch basiert. Ulmen gab in diesem Film sein Schauspieldebüt und ist seitdem regelmäßig vor der Kamera zu sehen.
Der Film spielt in Berlin-Kreuzberg. Es ist das Jahr 1989, kurz vor dem Mauerfall. Frank Lehmann arbeitet als Barmann, der sich in die Köchin Katrin verliebt. In dem Film gibt es einige skurrile Nebenfiguren, die dem Film seinen Reiz geben. Zudem steht Frank kurz vor seinem 30. Geburtstag, der ausgerechnet auf den 9. November 1989 fällt. Der Film ist eine gelungene Milieustudie über das Stehenbleiben, Freundschaften und die Angst vor Veränderung.
Delphi Filmverleih: Unser Fazit
In der deutschen Kinokultur kann der Delphi Filmverleih als eine tragende Säule gesehen werden. Schon seit 1989 hat man den Anspruch, ganz besondere Filme auf die große Leinwand zu bringen. Und innerhalb der letzten dreißig Jahre ist das mit einigen sehr interessanten und bekannten Filmen gelungen. Filme wie “Sonnenallee” oder “Männerpension” gelten heute als absolute Kultklassiker, die immer wieder von neuen Generationen entdeckt werden. Anspruch an die Filme ist immer die eine Sache gewesen, doch darüber hinaus hat man auch immer gesellschaftliche Verantwortung übernommen. Man darf also gespannt sein, welche Filme durch den Verleih noch den Weg in die deutschen Kinos finden werden.