Mother!
Manche Filme wollen gefallen. „Mother!“ will das Gegenteil. Darren Aronofsky, der New Yorker Ausnahmeregisseur, legt 2017 ein Werk vor, das von der ersten Einstellung an ein einziges Versprechen formuliert: Hier wird niemand unberührt den Saal verlassen. Das Haus, in dem die Geschichte spielt, atmet, pulsiert und leidet. Es ist kein Schauplatz – es ist eine Welt.

| Dauer: | 122 Min. |
|---|---|
| FSK: | 16 (DE) |
| Jahr: | 2017 |
| Kategorien: | Thriller |
| Regie: | Darren Aronofsky |
| Produzenten: | Ari Handel, Scott Franklin |
| Hauptdarsteller: | Jennifer Lawrence, Javier Bardem, Ed Harris |
| Nebendarsteller: | Michelle Pfeiffer, Brian Gleeson, Domhnall Gleeson, Jovan Adepo |
| Studio: | Paramount Pictures, Protozoa Pictures |
Was beginnt wie ein subtiles Kammerspiel über Einsamkeit und Kreativität, entwickelt sich zu einer apokalyptischen Schöpfungsallegorie, die religiöse Ikonografie mit roher Gewalt verknüpft. Aronofsky stellt dabei eine unbequeme Frage in den Raum: Wem gehört die Schöpfung – dem Schöpfer oder dem, der dafür den Preis bezahlt? Die Antwort, die der Film gibt, ist keine tröstliche.
Besetzung, Regie und Drehorte
„Mother!“ ist ein US-amerikanischer Horrorfilm und Psychothriller aus dem Jahr 2017. Regie und Drehbuch stammen von Darren Aronofsky, der den Film gemeinsam mit Scott Franklin und Ari Handel produzierte. Die Filmmusik komponierte der isländische Komponist Jóhann Jóhannsson. Kameramann Matthew Libatique, ein langjähriger Wegbegleiter Aronofskys, verantwortete die visuelle Gestaltung. Die Dreharbeiten fanden in der Region Montreal, Kanada, statt und dauerten von Juni bis August 2016.
Jennifer Lawrence übernimmt die Hauptrolle der namenlosen Ehefrau, Javier Bardem spielt den Dichter an ihrer Seite. Die ungebetenen Gäste werden von Ed Harris und Michelle Pfeiffer verkörpert, deren Söhne von den Brüdern Domhnall und Brian Gleeson. Kristen Wiig ist in der Rolle der Verlegerin zu sehen. Der Film feierte seine Weltpremiere am 5. September 2017 bei den Filmfestspielen in Venedig, wo er im Hauptwettbewerb gezeigt wurde.
Die Laufzeit beträgt 122 Minuten, die FSK-Freigabe liegt bei 16 Jahren. Das Produktionsbudget belief sich auf 30 Millionen US-Dollar, die weltweiten Einnahmen auf rund 45 Millionen. In Venedig war der Film für den Goldenen Löwen nominiert. Die Goldene Himbeere 2018 nominierte Lawrence, Bardem und Aronofsky – ein zweifelhaftes Kompliment für ein Werk, das auf Provokation setzt.
Handlung & Inhalt vom Film „Mother!“
Ein namenloser Dichter und seine deutlich jüngere Ehefrau leben zunächst in einem abgelegenen Landhaus im viktorianischen Stil. Während er jedoch an einer hartnäckigen Schreibblockade leidet, widmet sie sich gleichzeitig mit großer Hingabe der Restaurierung des gesamten Anwesens. Dabei wird das Haus für sie zunehmend zum Mittelpunkt ihres Lebens, weshalb sie Wände streicht, Böden ausbessert und aufmerksam auf jedes Geräusch des Gebäudes hört. Außerdem behandelt sie das Haus fast wie ein lebendiges Wesen, während ihr Mann sie zwar beobachtet, jedoch distanziert bleibt. Folglich entsteht zwischen beiden ein stilles Ungleichgewicht, da er nicht schreibt und sie weiterhin wartet.
Eines Tages jedoch erscheint plötzlich ein Fremder vor der Tür, der sich als Fan des Dichters ausgibt. Daraufhin lädt der Dichter ihn ohne Zögern ein, im Haus zu bleiben. Gleichzeitig kommt am nächsten Morgen dessen Frau hinzu, die sich sofort auffällig selbstbewusst und aufdringlich verhält. Außerdem stellt sie unangemessen persönliche Fragen, betritt ungefragt Räume und kommentiert das Eheleben der Gastgeber. Währenddessen fühlt sich die Ehefrau zunehmend unwohl, jedoch genießt der Dichter gleichzeitig die Aufmerksamkeit seiner Gäste. Schließlich eskaliert die Situation, als der wertvollste Besitz des Dichters, ein Kristall, zerstört wird. Daraufhin verbarrikadiert er sein Arbeitszimmer und zieht sich zurück.
Wenn das Haus zum Schlachtfeld wird
Unmittelbar danach erscheinen die beiden Söhne der Gäste, wodurch die Lage eskaliert. Es kommt zu einem Streit, bei dem einer den anderen tötet. Dennoch erlaubt der Dichter die Trauerfeier im Haus, wodurch sich das Anwesen weiter füllt. Immer mehr Menschen strömen hinein und verhalten sich, als gehöre ihnen das Haus. Die Ehefrau gerät in Panik, bis ein Wasserrohrbruch alle vertreibt. Danach kehrt kurz Ruhe ein, und das Paar findet kurz zueinander. Gleichzeitig erfährt sie, dass sie schwanger ist, und die Schreibblockade des Dichters löst sich.
In den folgenden Monaten wirkt die Situation stabil, doch nur oberflächlich. Das Haus ist restauriert, die Frau bleibt schwanger, und der Dichter vollendet sein Werk. Die Veröffentlichung wird ein großer Erfolg. Danach kippt die Lage erneut, als Fans massenhaft ins Haus strömen und einen Kult bilden. Menschen werden eingesperrt und getötet, während die Frau verzweifelt durch das Chaos kämpft. Schließlich rettet der Dichter sie und bringt sie in sein Arbeitszimmer, wo sie das Kind gebiert.
Kurz darauf jedoch eskaliert die Situation endgültig, als der Dichter das Neugeborene aus dem Raum trägt und der Menge präsentiert. In der Folge wird das Baby durch die Menschen weitergereicht und schließlich getötet und verspeist. Währenddessen greift die Mutter zur Glasscherbe, wird jedoch niedergeschlagen und flieht anschließend in den Keller. Dort beschädigt sie den Öltank und löst eine Explosion aus, wodurch das Haus zerstört wird. Dennoch überlebt der Dichter und trägt seine verbrannte Frau nach oben, woraufhin sie ihn bittet, ihr das Letzte zu nehmen. Schließlich reißt er ihr das Herz heraus, woraus ein neuer Kristall entsteht, wodurch das Haus sich regeneriert und der Kreislauf erneut beginnt.
Filmkritik und Fazit zum Film „Mother!“
„Mother!“ ist kein Film, der sich dem Publikum anbiedert – und das ist seine größte Stärke wie sein offensichtlichstes Risiko. Matthew Libatiques Kamera klebt an Jennifer Lawrence wie ein Schatten, folgt ihr durch enge Gänge, erfasst das Haus immer aus ihrer Perspektive. Das erzeugt klaustrophobische Nähe, aber auch eine bewusste Ausblendung: Wir sehen, was sie sieht, und leiden, wo sie leidet. Lawrence trägt diesen Film mit einer zurückhaltenden Intensität, die umso eindringlicher wirkt, je mehr das Chaos um sie herum eskaliert. Javier Bardem gibt dem Dichter narzisstische Wärme – eine gefährliche Mischung, die erklärt, warum die Frau so lange bleibt.
Was Aronofsky in der ersten Filmhälfte an atmosphärischer Spannung aufbaut, löst er in der zweiten mit einer Radikalität ein, die keine Mitte kennt. Das Pacing kippt bewusst – von der geduldigen Langsamkeit des Beginns in ein apokalyptisches Finale, das Bilder erzeugt, die sich ins Gedächtnis brennen. Jóhann Jóhannssons Komposition hält sich dabei zurück, verstärkt eher Stille als Lärm, was dem orchestrierten Chaos eine beunruhigende Qualität verleiht. Schwächer wirken einzelne Computereffekte, die die organisch-handgemachte Ästhetik des Films punktuell durchbrechen. Die Symbolik – biblisch, schöpfungstheoretisch, feministisch – ist oft explizit bis zur Plakativität, was dem Werk eine gewisse Schwere aufzwingt, die nicht jeden überzeugen wird.
Wer Kino als angenehmes Erlebnis versteht, ist hier falsch. Wer bereit ist, sich auf ein filmisches Experiment einzulassen, das keine Antworten anbietet, sondern Fragen verschärft, findet in dem Film „Mother!“ ein Werk von schroffer Konsequenz. Horrorfilm-Liebhaber, die über das Genre hinaus denken, werden diese 122 Minuten nicht vergessen. Allen anderen sei die Gebrauchsanweisung vorab empfohlen: Augen auf, Komfort ablegen.