Chroniken der Unterwelt – City of Bones

Das Kino für Jugendliche liebt das Unmögliche. Es liebt Welten hinter der Welt, Auserwählte, die nichts ahnen, und Lieben, die verboten sein sollten. „Chroniken der Unterwelt – City of Bones“ bedient all das mit einer fast schon demonstrativen Entschlossenheit. Der Film aus dem Jahr 2013, basierend auf Cassandra Clares erstem Roman ihrer gleichnamigen Reihe, tritt in eine überfüllte Arena: Fantasy-Adaptionen für Teenagers sind kein rares Gut.

Chroniken der Unterwelt - City of Bones
Dauer: 130 Min.
FSK: 12 (DE)
Jahr: 2013
Kategorien: Mystery
Regie: Harald Zwart
Produzenten: Don Carmody, Robert Kulzer
Hauptdarsteller: Lily Collins, Jamie Campbell Bower, Robert Sheehan
Nebendarsteller: Kevin Zegers, Jemima West, Lena Headey, Aidan Turner
Studio: Screen Gems, Unique Features, Mister Smith Entertainment, Don Carmody Productions, Constantin Film

Regisseur Harald Zwart übernimmt das Steuer eines Projekts, das von Anfang an unter Erwartungsdruck stand. Denn Cassandra Clares Bücher haben eine treue Fangemeinde. Kann ein Film in 124 Minuten dem gerecht werden, was Hunderte von Seiten aufgebaut haben?

Besetzung, Regie und Drehorte

Chroniken der Unterwelt – City of Bones“ ist eine US-amerikanisch-deutsch-kanadische Koproduktion aus dem Jahr 2013, entstanden unter der Regie von Harald Zwart. Das Drehbuch verfasste Jessica Postigo nach der Romanvorlage von Cassandra Clare. Die Filmmusik stammt von Atli Örvarsson, die Kameraarbeit übernahm Geir Hartly Andreassen, den Schnitt verantwortete Jacqueline Carmody. Produziert wurde der Film von Don Carmody und Robert Kulzer, an der Produktion beteiligt waren Constantin Film, Screen Gems und Entertainment One.

In der Hauptrolle der Clary Fray ist Lily Collins zu sehen. Jamie Campbell Bower spielt den Schattenjäger Jace Wayland, Robert Sheehan verkörpert Clarys besten Freund Simon Lewis. Weitere zentrale Rollen übernehmen Jemima West als Isabelle Lightwood, Kevin Zegers als Alec Lightwood und Jonathan Rhys Meyers als Antagonist Valentine Morgenstern. Godfrey Gao gibt den Oberhexer Magnus Bane, Lena Headey Clarys Mutter Jocelyn, Aidan Turner den Werwolf Luke Garroway und Jared Harris den Schattenjäger-Lehrer Hodge. Elyas M’Barek ist in der Rolle des Vampiranführers Raphael Santiago zu sehen.

Die Dreharbeiten fanden zwischen August und November 2012 in Toronto, Hamilton (Ontario) sowie in New York City statt. Der Film trägt die Altersfreigabe FSK 12 und hat eine Laufzeit von 124 Minuten. Die Weltpremiere fand am 12. August 2013 in Los Angeles statt, der deutsche Kinostart folgte am 21. August desselben Jahres.

Handlung & Inhalt vom Film „Chroniken der Unterwelt – City of Bones“

Die sechzehnjährige Clary Fray führt ein unauffälliges Leben in New York – bis ein Abend in einem Club alles verändert. Sie beobachtet, wie mehrere Jugendliche einen Mann töten. Niemand sonst scheint etwas zu sehen. Zur gleichen Zeit häufen sich seltsame Zeichen in ihren Zeichnungen, merkwürdige Symbole, die sie wie besessen zu Papier bringt, ohne deren Bedeutung zu kennen. Ihre Mutter Jocelyn ist sichtlich beunruhigt, doch bevor sie Clary aufklären kann, bricht die Situation jäh auseinander. Zwei fremde Männer durchsuchen die Wohnung der Frays nach einem geheimnisvollen Kelch. Jocelyn trinkt einen Schlaftrunk und versetzt sich in tiefen Schlaf, um etwas zu schützen – was genau, bleibt zunächst offen.

Clary kehrt heim und findet die Wohnung verwüstet, ihre Mutter verschwunden. Ein dämonisches Hundewesen greift sie an. Jace Wayland, einer der Jugendlichen aus dem Club, erscheint und tötet das Wesen. Er erklärt ihr, was sie bisher nicht wissen durfte: Hinter der sichtbaren Welt existiert eine Parallelrealität voller Dämonen, Vampire, Werwölfe und Hexer. Schattenjäger, halb Mensch halb Engel, halten diese Welt im Gleichgewicht. Clary selbst, so stellt sich heraus, stammt aus einer Schattenjägerfamilie. Jace bringt sie und ihren Freund Simon in das Schattenjäger-Institut, einen verborgenen kathedralenartigen Bau mitten in der Stadt, wo Hodge und die Geschwister Alec und Isabelle Lightwood sie aufnehmen.

Zwischen Verrat und Entscheidung

Um Clarys blockierte Erinnerungen zu lösen, besuchen Jace und sie die Stadt der Knochen, ein unterirdisches Heiligtum. Die Stummen Brüder dort weisen auf den Oberhexer Magnus Bane hin, der auf Wunsch von Jocelyn einst Clarys Wissen über die Schattenwelt gesperrt hat. Auf einer Party in Bangs Nachtclub erfährt Clary die Wahrheit darüber, wer sie wirklich ist. Als Vampire Simons entführen, folgt eine Rettungsaktion, die mit einem Kampf endet, in dem Werwölfe unerwartet eingreifen. Simon kehrt verändert zurück – ohne Brille, mit zwei Bissspuren an der Schulter.

Clary entdeckt schließlich, dass der gesuchte Kelch der Engel – der Unsterbliche Kelch, mit dem Schattenjäger erschaffen werden können – in einer Tarotkarte ihrer Mutter verborgen ist. Die Gruppe bricht zu Madame Dorotheás Wohnung auf. Doch die Hexe ist tot, an ihrer Stelle haust ein Dämon. Simon und Jace schalten ihn aus, Alec wird dabei lebensgefährlich verletzt. Magnus Bane heilt ihn. Als Clary den Kelch aus der Karte befreit und ihn Hodge übergibt, zeigt sich, auf wessen Seite der Schattenjäger-Lehrer wirklich steht.

Hodge verrät die Gruppe und übergibt den Kelch an Valentine Morgenstern, den gefallenen Schattenjäger, dem seine ehemaligen Brüder seit Jahren jagen. Valentine eröffnet Clary, dass er ihr Vater ist – und behauptet zudem, Jace sei sein Sohn. Clary weigert sich, ihm zu folgen. Sie tauscht den echten Kelch gegen einen falschen aus und drängt Valentine durch ein Dimensionsportal. Die Mutter wird im Institut gefunden, bleibt jedoch bewusstlos. Luke, der sich als Anführer eines Werwolfrudels entpuppt, bestätigt Valentines Vaterschaft und erwähnt einen totgeglaubten Bruder namens Jonathan. Clary kehrt schließlich ins Institut zurück – als Schattenjägerin, die ihren Platz gefunden hat, wenn auch mit vielen offenen Fragen im Gepäck.

Filmkritik und Fazit zum Film „Chroniken der Unterwelt – City of Bones“

Chroniken der Unterwelt – City of Bones“ ist ein Film, der seinen eigenen Überfluss nicht zügeln kann. Harald Zwart führt mit spürbarer Energie Regie, doch das Drehbuch von Jessica Postigo lässt kaum eine Szene zur Ruhe kommen. Neue Figuren, neue Kräfte, neue Wendungen stapeln sich in einem Tempo, das nicht Spannung erzeugt, sondern Erschöpfung. Lily Collins spielt Clary mit Ernsthaftigkeit, doch ihre Figur reagiert auf apokalyptische Enthüllungen mit einer Gelassenheit, die jede emotionale Identifikation im Keim erstickt. Jonathan Rhys Meyers als Valentine gewinnt dem Antagonisten trotz eines unterkomplex angelegten Charakters noch die stärksten Momente ab.

Die Actionsequenzen zeigen jedoch ein grundlegendes technisches Problem: Kameramann Geir Hartly Andreassen setzt auf verwackelte Nahaufnahmen und schnelle Schnittfolgen, die mehr verbergen als enthüllen. Dadurch bleibt oft unklar, wer in den Kämpfen die Oberhand behält. Zwar sind die Effekte für das Budget von 60 Millionen Dollar solide, und auch die Creature-Designs überzeugen. Zudem besitzt das Produktionsdesign des Schattenjäger-Instituts eine starke atmosphärische Wirkung. Allerdings wirkt die romantische Spannung zwischen Clary und Jace stark verkürzt und bleibt ein bloßes Lippenbekenntnis an Genre-Konventionen. Es fehlt an Zeit und Entwicklung, wodurch emotionale Momente kaum greifen. Schließlich schwankt der Score von Atli Örvarsson zwischen stimmungsvollen Passagen und übertriebenen melodramatischen Ausbrüchen.

Wer Cassandra Clares Romane kennt und liebt, wird den Film mit gemischten Gefühlen verlassen. Wer die Vorlage nicht kennt, wird vieles nur halb verstehen. Als Einstieg in eine Schattenjägerwelt bietet „City of Bones“ immerhin genug Material, um Neugier zu wecken – vorausgesetzt, man ist bereit, das hohe Tempo als Stilmittel zu akzeptieren. Für Fans des Urban-Fantasy-Genres ist der Film ein kurzweiliges, wenn auch unbefriedigendes Erlebnis, das mehr verspricht als es einlöst.

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