Red Sparrow

Spionage ist ein schmutziges Geschäft. Kein Glamour, keine Lizenz zum Töten, kein elegantes Tuxedo-Lächeln – sondern Erpressung, Manipulation und das kalte Kalkül des Überlebens. „Red Sparrow“ von Francis Lawrence übersetzt dieses Bild konsequent in ein Kino-Erlebnis, das den Zuschauerkomfort systematisch unterläuft. Der Film ist kein Actionthriller in der Tradition Hollywoods – er ist ein kühler, bisweilen schmerzhafter Blick auf eine Welt, in der jeder Mensch zum Werkzeug werden kann.

Red Sparrow
Dauer: 139 Min.
FSK: 16 (DE)
Jahr: 2018
Kategorien: Thriller
Regie: Francis Lawrence
Produzenten: Steven Zaillian, David Ready, Peter Chernin, Jenno Topping
Hauptdarsteller: Jennifer Lawrence, Joel Edgerton, Matthias Schoenaerts
Nebendarsteller: Charlotte Rampling, Jeremy Irons, Ciarán Hinds, Joely Richardson
Studio: Chernin Entertainment, 20th Century Fox, TSG Entertainment

Vor diesem Hintergrund wirft er eine Frage auf, die den gesamten Film trägt: Wer manipuliert hier eigentlich wen – und zu welchem Preis? Jennifer Lawrence übernimmt die Hauptrolle einer Frau, die zwischen Opfer und Täterin oszilliert, ohne je ganz in eine der beiden Kategorien zu passen. Es ist eine Figur mit Graustufen, die dem Film eine innere Spannung verleiht, die über das bloße Plot-Mechanische hinausgeht. Ob dieses Versprechen auch eingelöst wird, entscheidet sich im Laufe von 141 Minuten.

Besetzung, Regie und Drehorte

Red Sparrow“ ist ein US-amerikanischer Thriller aus dem Jahr 2018, entstanden unter der Regie von Francis Lawrence. Das Drehbuch verfasste Justin Haythe nach dem gleichnamigen Roman von Jason Matthews aus dem Jahr 2013, der 2014 mit dem Edgar Award ausgezeichnet wurde. Produziert wurde der Film von Peter Chernin, Steven Zaillian, Jenno Topping und David Ready; die Kamera führte Jo Willems, den Schnitt übernahm Alan Edward Bell. Den Score komponierte James Newton Howard, der sich dabei an Mozarts Requiem und Strawinskys Feuervogel orientierte; ergänzend kam Edvard Griegs Klavierkonzert von 1868 zum Einsatz.

Jennifer Lawrence spielt die Primaballerina Dominika Egorova, die zur Geheimagentin wird. An ihrer Seite ist Joel Edgerton als CIA-Agent Nathaniel Nash zu sehen, Matthias Schoenaerts verkörpert Dominikas Onkel und SWR-Vizedirektor Ivan Egorov. Charlotte Rampling übernimmt die Rolle der kühlen Ausbilderin Matron, Jeremy Irons spielt General Kortschnoi und Mary-Louise Parker die amerikanische Stabschefin Boucher. Das Ensemble wird ergänzt durch Joely Richardson, Ciarán Hinds, Thekla Reuten, Bill Camp und Sebastian Hülk als Auftragskiller Matorin.

Der Film entstand von Januar bis Mai 2017 an mehreren europäischen Schauplätzen: gedreht wurde in Budapest, Wien, Bratislava und London, mit zusätzlichen Aufnahmen im ungarischen Dég. In den USA kam der Film am 2. März 2018 in die Kinos, in Deutschland bereits einen Tag früher. Die Altersfreigabe liegt bei FSK 16. Es ist die vierte Zusammenarbeit zwischen Francis Lawrence und Jennifer Lawrence.

Handlung & Inhalt vom Film „Red Sparrow“

Dominika Egorova arbeitet als Primaballerina am Bolschoi-Theater, bis eine schwere Beinverletzung ihre Karriere abrupt beendet. Gleichzeitig entzieht ihr das System die Unterstützung für die lebensnotwendige Behandlung ihrer kranken Mutter, wodurch sie in existenzielle Not gerät. Kurz darauf tritt ihr Onkel Ivan Egorov, Vizedirektor des russischen Geheimdienstes SWR, in ihr Leben und erklärt ihr, dass der Unfall kein Zufall war, sondern gezielt herbeigeführt wurde. Daraufhin bietet er ihr einen Deal an: Sie soll den Oligarchen Ustinov verführen, um ihn von seinen Leibwächtern zu isolieren, während der Staat im Gegenzug die Versorgung ihrer Mutter garantiert.

Dominika führt den Auftrag aktiv aus und kontrolliert zunächst die Situation. Doch im Hotelzimmer eskaliert alles sofort. Ustinov greift sie direkt an, während Matorin plötzlich eingreift und ihn tötet. Dadurch zerbricht der ursprüngliche Plan vollständig und verliert jede Kontrolle. Daraufhin stellt Ivan Dominika sofort vor eine harte Entscheidung. Er zwingt sie zwischen Agentenleben und völliger Abhängigkeit zu wählen. Dominika entscheidet sich unter Druck für den Weg der Agentin. Anschließend tritt sie aktiv in das Sparrow-Programm ein. Dort trainiert der Staat Rekruten gezielt in Manipulation, Kontrolle und Verführung.

Doppelspiel unter Druck

Dominika durchläuft eine brutale, entwürdigende Ausbildung und übersteht sie ohne zu brechen. Danach schickt der Geheimdienst sie nach Budapest, wo sie den CIA-Agenten Nathaniel Nash überwachen soll. Nash jagt dort einen russischen Maulwurf, während Dominika seine Schritte aktiv verfolgt. Gleichzeitig gewinnt sie gezielt sein Vertrauen und sammelt Informationen für Russland. Parallel dazu beginnt sie ein gefährliches Doppelspiel und steuert beide Seiten bewusst. Sie nähert sich der CIA an und bietet ihre Kooperation als Doppelagentin aktiv an. Dadurch verschiebt sie die Kontrolle Schritt für Schritt zu ihren Gunsten.

Gleichzeitig eskaliert die Lage weiter, als Matorin Dominikas Kollegin Marta tötet, nachdem Marta Dominika erpressen will. Danach plant und führt Dominika in London einen riskanten Informationsaustausch durch und verschafft der CIA direkten Zugang zu sensiblen Daten. Anschließend verhören und foltern die Russen sie brutal, weil sie Verrat vermuten. Trotzdem gibt ihr Onkel ihr eine letzte Chance. Daraufhin kehrt Dominika erneut nach Budapest zurück, kontaktiert Nash wieder und bereitet aktiv ihren Übertritt vor.

Zurück in Budapest kontaktiert Dominika Nash und kündigt ihren Übertritt an. Sie fordert 250.000 Dollar auf ein Wiener Konto, Nash willigt ein. Nach einer gemeinsamen Nacht wird Nash von Matorin überwältigt. Dominika täuscht weiter Loyalität vor und tötet Matorin mit Nash in letzter Sekunde. Im Krankenhaus wird General Kortschnoi als Maulwurf enttarnt und bietet ihr seinen Posten an. Beim Gefangenenaustausch lenkt Dominika die Operation um und belastet stattdessen ihren Onkel Ivan. Ihr Racheplan wird durch Rückblenden enthüllt, inklusive des manipulierten Wiener Kontos. Ivan wird erschossen. Dominika kehrt als Heldin nach Moskau zurück, während Kortschnoi unentdeckt bleibt und Nash sie anruft.

Filmkritik und Fazit zum Film „Red Sparrow“

Red Sparrow“ fordert sein Publikum konsequent ohne jede Erleichterung. Francis Lawrence inszeniert im Noir-Stil und baut Spannung über Dialoge und Atmosphäre auf. Außerdem verzichtet er auf schnelle Action und setzt auf langsame, kontrollierte Entwicklung. Gleichzeitig trägt Jennifer Lawrence den Film mit präziser Darstellung und formt ihre Figur aktiv. Besonders in den Ausbildungsszenen zeigt sie die psychische Zermürbung direkt und ungeschönt. Darüber hinaus arbeitet Jo Willems mit kühler, funktionaler Kamera und erzeugt dichte Atmosphäre. Außerdem verzichtet er auf Effekte und bleibt beim strengen Bildstil. Ebenso gestaltet James Newton Howard den Score vielschichtig und unterstützt die Handlung aktiv. Zusätzlich verbindet er klassische Einflüsse und verstärkt die emotionale Wirkung jeder Szene deutlich.

Die Stärke liegt klar in der Konstruktion des Verrats. Lange bleibt unklar, wer wen benutzt, und genau das ist gewollt. Justin Haythes Drehbuch bündelt die multiple Romanperspektive konsequent auf Dominika. Dadurch gewinnt der Film Fokus, verliert aber zwischendurch an Tempo. Die mittlere Stunde zieht sich sichtbar. Schachzüge und Gegenzüge häufen sich, ohne dass die Spannung entsprechend steigt. Einzelne Gewaltszenen setzen harte Akzente. Besonders die Szene mit dem Hautabtragungsgerät schockiert deutlich. Sie wirkt jedoch eher kalkuliert als dramaturgisch zwingend. Trotzdem hält das Ensemble den Film ernst und kontrolliert. Dadurch rutscht er nicht ins Exploitive ab.

„Red Sparrow“ ist kein Film für alle – er ist einer für Zuschauer, die Geduld mitbringen und bereit sind, sich auf einen Thriller einzulassen, der Unbehagen als künstlerisches Mittel einsetzt. Wer klassische Spionageunterhaltung im Sinne des Kalten Krieges sucht, findet hier einen modernen Vertreter mit echten Reibungspunkten. Die 141 Minuten sind ambitioniert bemessen, die Geschichte aber stark genug, um dieses Gewicht zu rechtfertigen – vor allem dank einer Hauptdarstellerin, die jeden Zweifel an ihrer Besetzung früh zum Schweigen bringt.

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