Deadpool
Kaum ein Superheldenfilm hat das Regelwerk seines Genres so kalkuliert zertrümmert wie „Deadpool„. Tim Millers Langfilmdebüt aus dem Jahr 2016 markiert einen Wendepunkt in der Marvel-Kinogeschichte. Der Film verweigert nahezu jede Konvention des Comic-Blockbusters. Stattdessen setzt er auf schonungslose Selbstironie und konsequente Meta-Ebene. Ryan Reynolds verkörpert den entstellten Söldner mit einer Energie, die zwischen Provokation und Verletzlichkeit oszilliert. Das Resultat ist ein Film, der seine eigenen Produktionsbedingungen thematisiert.

| Dauer: | 109 Min. |
|---|---|
| FSK: | 16 (DE) |
| Jahr: | 2016 |
| Kategorien: | Komödie |
| Regie: | Tim Miller |
| Produzenten: | Ryan Reynolds, Simon Kinberg, Lauren Shuler Donner |
| Hauptdarsteller: | Ryan Reynolds, Morena Baccarin, Ed Skrein |
| Nebendarsteller: | T.J. Miller, Gina Carano, Leslie Uggams, Brianna Hildebrand |
| Studio: | 20th Century Fox, The Donners' Company, Genre Films, Marvel Entertainment |
Ein Budget von rund fünfzig Millionen US-Dollar zwang die Macher zur Konzentration aufs Wesentliche. Genau diese Beschränkung erweist sich als erzählerischer Vorteil. Die Handlung folgt der klassischen Origin-Story eines Antihelden. Zugleich durchbricht der Titelheld permanent die vierte Wand. Er weiß um seine Existenz als Filmfigur, kommentiert das Casting und verspottet Kollegen aus benachbarten Franchises. Wie gelingt es dem Film, trotz aller popkulturellen Ironie eine emotionale Substanz zu bewahren?
Besetzung, Regie und Drehorte
Die Produktion von „Deadpool“ erstreckte sich über mehr als ein Jahrzehnt. Ryan Reynolds kämpfte jahrelang für die Realisierung des Projekts. Regisseur Tim Miller, zuvor als Kurzfilmer und Creative Director tätig, legte hier sein Langfilmdebüt vor. Das Drehbuch verfassten Rhett Reese und Paul Wernick, bekannt durch „Zombieland“. Als Produzenten fungierten Simon Kinberg, Lauren Shuler Donner und Reynolds selbst. Für die Filmmusik zeichnete der niederländische Komponist Tom Holkenborg alias Junkie XL verantwortlich.
Ryan Reynolds übernahm die Titelrolle des Wade Wilson nach seinem Kurzauftritt in „X-Men Origins: Wolverine“. Ed Skrein spielt den sadistischen Antagonisten Ajax, Morena Baccarin die weibliche Hauptrolle Vanessa. T. J. Miller verkörpert den Barkeeper Weasel, Gina Carano die Mutantin Angel Dust. Brianna Hildebrand gibt als Negasonic Teenage Warhead ihr Blockbuster-Debüt. Die Figur des Colossus entstand überwiegend am Computer, wobei Stefan Kapičić die Stimme beisteuerte. Marvel-Schöpfer Stan Lee absolviert einen Cameo als Stripclub-DJ.
Die Dreharbeiten fanden zwischen März und Mai 2015 in Vancouver statt. Mit einer Laufzeit von 109 Minuten und FSK-16-Freigabe positioniert sich der Film deutlich erwachsener als das übliche Marvel-Programm. Bei den MTV Movie Awards 2016 wurde Reynolds für seine Comedy-Darbietung ausgezeichnet. Zwei Golden-Globe-Nominierungen folgten 2017. Der Kinostart erfolgte am 11. Februar 2016.
Handlung & Inhalt vom Film „Deadpool“
Der Film eröffnet mitten in einer Actionsequenz auf einem Highway, wodurch der Zuschauer unmittelbar ins Geschehen gezogen wird. Während der maskierte Söldner Deadpool einen schwer bewaffneten Konvoi attackiert, richtet er sich gleichzeitig immer wieder direkt an das Publikum und bricht damit konsequent die vierte Wand. Sein eigentliches Ziel ist der Mutant Francis, genannt Ajax, doch zunächst bleibt unklar, wie diese Konfrontation zustande kam.
Im Anschluss daran folgt eine ausführliche Rückblende, in der Wade Wilson seine Vorgeschichte erzählt. Zuvor diente er bei den Special Forces, mittlerweile jedoch verdient er sein Geld als Söldner in zwielichtigen Aufträgen. Gleichzeitig bewegt er sich regelmäßig in einer heruntergekommenen Bar, in der sein Freund Weasel einen makabren Wettpool über getötete Söldner organisiert. Dort wiederum lernt er die Prostituierte Vanessa kennen, aus deren anfänglich zynischer Beziehung sich schließlich eine echte Liebesgeschichte entwickelt.
Konfrontation und Rache
Kurz darauf jedoch ändert sich alles, als Wilson die Diagnose Krebs im Endstadium erhält. Daraufhin sucht er heimlich Kontakt zu einer Organisation, die ihm Heilung sowie übermenschliche Fähigkeiten verspricht. Im Zuge dieses Entschlusses gerät er in ein geheimes Labor, das von Francis alias Ajax geleitet wird. Währenddessen zeigt sich zunehmend, dass die vermeintliche Heilung in Wahrheit ein brutales Experiment ist, bei dem Mutantengene unter extremen Bedingungen aktiviert werden sollen.
Im weiteren Verlauf überlebt Wilson diese Torturen zwar, jedoch um den Preis seiner entstellten Erscheinung. Folglich entwickelt er seine Selbstheilungskräfte und entkommt schließlich dem brennenden Labor, woraufhin er aus Scham zunächst Vanessa meidet. Unter dem Namen Deadpool nimmt er anschließend Rache an Ajax und gerät dabei in Konflikt mit den X-Men Colossus und Negasonic Teenage Warhead, die ihn zu einem weniger zerstörerischen Weg bewegen wollen.
Schließlich eskaliert die Situation, als Ajax Vanessa entführt und Deadpool gezwungen ist, sich mit den X-Men zu verbünden. Gemeinsam stellen sie ihn auf einem stillgelegten Flugzeugträger, wo es zum finalen Kampf kommt. Nachdem Deadpool die Wahrheit über seine Entstellung erfährt und erkennt, dass eine Heilung unmöglich ist, besiegt er Ajax endgültig. Abschließend offenbart er sich Vanessa, die ihn trotz seines Äußeren akzeptiert, wodurch die Geschichte ihren emotionalen Abschluss findet.
Filmkritik und Fazit zum Film „Deadpool“
„Deadpool“ verdankt seinen Erfolg vor allem dem Mut zur konsequenten Genre-Subversion. Tim Millers Regie nutzt das schmale Budget als kreatives Korsett. Die Actionszenen sind überschaubar inszeniert, dafür räumlich nachvollziehbar und dramaturgisch präzise choreografiert. Ken Sengs Kameraarbeit verzichtet auf das inflationäre Wackelkamera-Pathos vergleichbarer Comicverfilmungen. Junkie XLs Score verbindet klassische Orchestrierung mit Hip-Hop-Elementen. Die Musik kommentiert die Szenen ironisch, ohne die Emotionen zu überlagern.
Reynolds trägt den Film fast im Alleingang. Hinter der unablässigen Maskerade aus Wortwitz und Provokation schimmert eine verletzliche Figur durch. Das Drehbuch von Reese und Wernick überzeugt in seinen selbstreferenziellen Spitzen. Bei der psychologischen Ausgestaltung des Antagonisten zeigt es jedoch Schwächen. Ed Skrein bleibt als Ajax ein eindimensionaler Bösewicht. Die Nebenfiguren Colossus und Negasonic Teenage Warhead erhalten nur begrenzten Raum. Dennoch gelingt dem Ensemble eine bemerkenswerte Balance zwischen Komik und Härte.
Der Film erweist sich als wohldosierte Provokation mit analytischem Unterbau. Die Gewaltdarstellung ist explizit, bleibt jedoch stets im Dienst der Erzählung. Liebhaber konventioneller Superhelden-Epen dürften sich irritiert abwenden. Freunde respektloser Genre-Dekonstruktion finden hier ein kleines Meisterstück. Wer eine intelligente Mischung aus Action, schwarzem Humor und Metareflexion sucht, wird mehr als bedient.