Harte Ziele

Wenn ein Regisseur aus Hongkong in Hollywood debütiert, kollidieren zwei Filmtraditionen. Die eine arbeitet mit Choreografie, Pathos und stilisierter Zeitlupe. Die andere kennt Budgetlogik, Studiovorgaben und MPAA-Richtlinien. Genau an diesem Reibungspunkt entstand 1993 John Woos erstes amerikanisches Werk „Harte Ziele„. Der Film versammelt Jean-Claude Van Damme, Lance Henriksen und Arnold Vosloo in einem Szenario menschlicher Jagd. Das Ergebnis ist ein Genrestück, das zwischen asiatischer Ästhetik und westlicher Produktionsdisziplin oszilliert.

Harte Ziele
Dauer: 97 Min.
FSK: 18 (DE)
Jahr: 1993
Kategorien: Action, Thriller
Regie: John Woo
Produzenten: Sean Daniel, James Jacks
Hauptdarsteller: Jean-Claude Van Damme, Arnold Vosloo, Lance Henriksen
Nebendarsteller: Yancy Butler, Sven-Ole Thorsen, Wilford Brimley, Ted Raimi
Studio: Alphaville Films, Universal Pictures, Renaissance Pictures

Zugrunde liegt eine Geschichte von 1924, die mehrfach verfilmt wurde. Richard Connells „The Most Dangerous Game“ liefert das narrative Skelett. Drehbuchautor Chuck Pfarrer verlegt die Jagd nach New Orleans und macht Obdachlose zu Beute. Woo wiederum überzieht diesen simplen Plot mit seiner Handschrift, die zwischen Tauben, Zeitlupe und Zweikampfballett pendelt. Ob diese Mischung tragfähig ist, zeigt sich erst im Detail. Wie steht der Film mehr als drei Jahrzehnte später da?

Besetzung, Regie und Drehorte

Der Actionfilm „Harte Ziele“ entstand 1993 unter der Regie von John Woo, der hier sein US-Debüt gab. Das Drehbuch verfasste Chuck Pfarrer. Für die Kamera war Russell Carpenter verantwortlich, der später für „Titanic“ einen Oscar erhielt. Den Schnitt übernahm Bob Murawski an einer damals neuartigen computergestützten Schnittanlage. Graeme Revell komponierte die Musik und setzte dafür japanische Kodo-Trommler ein. Produziert wurde das Projekt von Sean Daniel, James Jacks und Pfarrer selbst für Universal Pictures.

In der Hauptrolle des Cajun-Matrosen Chance Boudreaux agiert Jean-Claude Van Damme. Lance Henriksen verkörpert den kaltblütigen Jagdorganisator Emil Fouchon und wurde dafür mit dem Saturn Award ausgezeichnet. Arnold Vosloo spielt dessen Handlanger Pik van Cleef, dessen Nachname eine Hommage an den Western-Darsteller Lee van Cleef ist. Yancy Butler gibt als Natasha Binder ihr Leinwanddebüt. In weiteren Rollen sind Wilford Brimley als Onkel Douvee, Kasi Lemmons als Detective Mitchell und Drehbuchautor Pfarrer als Douglas Binder zu sehen.

Die Laufzeit beträgt 95 Minuten, die FSK-Freigabe liegt bei 18 Jahren. Bei einem Budget von rund 18 Millionen US-Dollar erwirtschaftete der Film weltweit über 74 Millionen Dollar. Gedreht wurde 65 Tage lang in New Orleans, unter anderem im French Quarter. Erst 2016 wurde die Indizierung der Unrated-Fassung aufgehoben. Eine vollständig synchronisierte Ultimate Edition erschien im März 2024 bei Plaion Pictures.

Handlung & Inhalt vom Film „Harte Ziele“

New Orleans bei Nacht. Dort erhält der obdachlose Ex-Marine und Vietnamveteran Douglas Binder einen Gürtel mit zehntausend Dollar. Wer die andere Seite der Stadt erreicht, behält sowohl das Geld als auch sein Leben. Hinter ihm her jagen jedoch der wohlhabende Sportsmann Emil Fouchon, dessen Handlanger Pik van Cleef und ein zahlender Klient namens Lopacki. Dieser hat immerhin eine halbe Million für das Privileg gezahlt, einen Menschen zu erlegen. Doch Binder erreicht sein Ziel nicht. Drei Armbrustbolzen beenden schließlich die Flucht, während van Cleef den Geldgürtel wieder an sich nimmt. Die Polizei streikt gerade, was den Jägern zusätzlich in die Hände spielt.

Binders entfremdete Tochter Natasha sucht währenddessen in New Orleans nach ihrem Vater. In einer düsteren Gasse wird sie jedoch von mehreren Kleinkriminellen bedrängt. Der arbeitslose Matrose und ehemalige Force-Recon-Marine Chance Boudreaux greift daraufhin ein und erledigt die Angreifer mit beiläufiger Präzision. Gegen 217 Dollar, die er für seine ausstehenden Gewerkschaftsbeiträge braucht, willigt er schließlich ein, Natasha zwei Tage lang zu begleiten. Ihre Recherchen führen daraufhin zu einem dubiosen Personalvermittler namens Randal Poe. Dieser liefert Fouchon heimlich Obdachlose mit Kampferfahrung und ohne Angehörige. So brachte schließlich ein Missverständnis Binder in die Falle.

Zwischen Jagd und Gegenjagd

Als Binders verkohlte Leiche in einer Bauruine gefunden wird, stuft die Polizei den Tod zunächst als Unfall ein. Chance jedoch entdeckt eine der Erkennungsmarken, die von einem Armbrustbolzen durchschlagen wurde. Daraufhin beginnt Detective Marie Mitchell zu ermitteln. Fouchon reagiert allerdings mit Säuberungen. Der bestechliche Gerichtsmediziner stirbt ebenso wie der zuvor gefolterte Poe. Auch Chances obdachloser Freund Elijah Roper, ein ehemaliger Green Beret, wird schließlich zur nächsten Beute der Jagdgesellschaft. Dadurch verengt sich der Handlungsradius der Protagonisten zusehends.

Ein Hinterhalt an Poes Wagen eskaliert schließlich in einer offenen Straßenschlacht. Detective Mitchell wird dabei tödlich getroffen, während Chance und Natasha fliehen. Fouchon und van Cleef rüsten daraufhin eine Truppe aus Söldnern und fünf zahlenden Jägern aus. Boudreaux zieht sich deshalb tief in den Bayou zurück, zum Haus seines Onkels Clarence Douvee. Dort rüstet der alte Waffenkenner die beiden aus. Gemeinsam locken sie anschließend ihre Verfolger in eine stillgelegte Lagerhalle voller Mardi-Gras-Wagen. Dort beginnt schließlich der finale Schlagabtausch.

Ein Söldner nach dem anderen fällt schließlich. Auch van Cleef stirbt im direkten Duell mit Boudreaux. Nur Fouchon bleibt übrig und hält die Situation mit Natasha als Geisel weiter in Schach. Einen Armbrustbolzen rammt er daraufhin Douvee in die Brust, der anschließend zusammenbricht. Chance stürmt jedoch auf Fouchon zu, überwindet ihn im Nahkampf und lässt schließlich eine Granate in dessen Hose fallen. Die Explosion zerreißt daraufhin den Jagdorganisator. Douvee überlebt allerdings, weil der Bolzen lediglich seinen Whiskyflachmann traf. Schließlich verlassen Chance, Natasha und der Onkel das Lagerhaus. Die Jagd ist damit beendet.

Filmkritik und Fazit zum Film „Harte Ziele“

Als Woos erstes Hollywood-Werk trägt „Harte Ziele“ sichtbar die Spuren eines Kompromisses. Die Handschrift des Regisseurs durchzieht jede Actionszene: weiße Tauben vor dem Schusswechsel, Zweikämpfe als choreografisches Duett, das Beharren auf Zeitlupe im Moment höchster Gewalt. Russell Carpenters Kamera folgt diesen Entwürfen mit beweglicher Präzision. Bob Murawski montiert die Szenen rhythmisch und klar. Graeme Revells Score verknüpft westliche Orchestrierung mit den Kodo-Trommeln aus Japan. Dieses akustische Amalgam wirkt bis heute eigenständig.

Van Damme zeigt eine seiner disziplinierteren Leistungen. Sein Boudreaux ist weniger Kampfmaschine als melancholischer Wanderer mit militärischer Vergangenheit. Den eigentlichen Mehrwert jedoch liefern Henriksen und Vosloo. Fouchon und van Cleef sind keine karikaturhaften Bösewichte, sondern zwei kultivierte Zyniker mit kontrollierter Gewaltbereitschaft. Einzelne Momente, etwa der dreifache Ranzoom auf Van Dammes Ersteinführung oder die Motorradakrobatik im Finale, erscheinen heute manieriert. Ihre Übertreibung gehört jedoch zur Grammatik des Films und wird durch die handwerkliche Sorgfalt der Shootouts aufgewogen.

Für Freunde des Genres bleibt Woos US-Debüt ein lohnendes Fundstück. Die Unrated-Fassung empfiehlt sich wegen ihrer konsequenteren Inszenierung und klareren Rhythmik. Storylogik und Frauenfiguren leiden erkennbar unter der Konzentration auf das Setpiece-Prinzip. Wer Actionfilmen jedoch als Bewegungskunst begegnen will, findet hier ein instruktives Beispiel. Ein Meilenstein ist der Film nicht. Er ist das, was sein Titel verspricht: ein hartes, präzises Ziel.

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