The Fighters
Es gibt Filme, die sich ihrer Herkunft nicht schämen. Und es gibt Filme, die genau das tun. „The Fighters“ von Jeff Wadlow gehört zur zweiten Kategorie. Der 2008 veröffentlichte Actionfilm möchte zugleich Kampfsportspektakel und Coming-of-Age-Drama sein. Er möchte prügeln und predigen. Diese doppelte Agenda prägt seinen Rhythmus, seine Bildsprache und seine Haltung gegenüber dem eigenen Genre. Darin liegt sein größter Reiz und sein hartnäckigstes Problem zugleich.

| Dauer: | 110 Min. |
|---|---|
| FSK: | 18 (DE) |
| Jahr: | 2008 |
| Kategorien: | Action |
| Regie: | Jeff Wadlow |
| Produzenten: | Craig Baumgarten, David Zelon |
| Hauptdarsteller: | Sean Faris, Amber Heard, Cam Gigandet |
| Nebendarsteller: | Djimon Hounsou, Evan Peters, Leslie Hope, Wyatt Smith |
| Studio: | Summit Entertainment, Mandalay Pictures, Baumgarten Management and Productions (BMP), Mandalay Independent Pictures |
Wadlow und Drehbuchautor Chris Hauty verlegen die Dramaturgie eines klassischen Außenseiter-Sportfilms in die sonnendurchflutete Highschool-Welt Floridas. Sie verknüpfen Mixed Martial Arts mit Trauerarbeit, Jugendromanze und YouTube-Kultur. Der Ton schwankt zwischen Rocky-Echo und MTV-Ästhetik. Dabei zitiert der Film offen seine Vorbilder, ohne deren dramatische Wucht zu erreichen. Die Choreografie der Kämpfe ist präzise, die Figurenführung dagegen schematisch. Bleibt die Frage, ob diese Mischung ihre eigene Identität findet oder sich zwischen Anspruch und Effekt verliert?
Besetzung, Regie und Drehorte
„The Fighters“ entstand 2008 unter der Regie von Jeff Wadlow, der zuvor vor allem durch den preisgekrönten Kurzfilm „The Tower Of Babble“ aufgefallen war. Das Drehbuch stammt von Chris Hauty. Craig Baumgarten und David Zelon übernahmen die Produktion, Letzterer spielte zudem eine kleine Nebenrolle. Die Musik komponierte Michael Wandmacher. Lukas Ettlin führte die Kamera. Für den Schnitt zeichneten Victor Du Bois und Debra Weinfeld verantwortlich. Das Budget betrug rund 20 Millionen US-Dollar.
Die Hauptrolle des Jake Tyler verkörpert Sean Faris. Amber Heard spielt seine Liebesbeziehung Baja Miller, während Cam Gigandet den Widersacher Ryan McCarthy gibt. Evan Peters tritt als Jakes bester Freund Max Cooperman in Erscheinung. Der zweifach Oscar-nominierte Djimon Hounsou verkörpert den Trainer Jean Roqua. Weitere Rollen übernehmen Leslie Hope als Mutter, Wyatt Smith als jüngerer Bruder und Neil Brown Jr. als Ryans Komplize Aaron.
Gedreht wurde an Originalschauplätzen in Orlando und weiteren Orten Floridas, darunter die Cypress Creek High School. Zusätzliche Aufnahmen entstanden in Los Angeles. Die Kampfdarsteller absolvierten vor Drehbeginn drei Monate intensives MMA-Training. Bei den MTV Movie Awards 2008 wurde die Schlussauseinandersetzung zwischen Faris und Gigandet als bester Filmkampf ausgezeichnet. Die Laufzeit beträgt 110 Minuten, die FSK-Freigabe liegt bei 18.
Handlung & Inhalt vom Film „The Fighters“
Jake Tyler zieht mit seiner Mutter Margot und seinem jüngeren Bruder Charlie von Iowa nach Orlando. Auslöser ist ein Tennis-Stipendium für Charlie, der an einem dortigen Internat gefördert werden soll. Jake selbst trägt jedoch eine schwere Last mit sich. Sein Vater starb bei einem alkoholbedingten Autounfall, bei dem Jake auf dem Beifahrersitz saß. Die Schuldgefühle entladen sich deshalb regelmäßig in offener Aggression. Ein Handyvideo, das ihn bei einer Prügelei nach einem Football-Spiel zeigt, verbreitet sich viral. An der neuen Schule eilt ihm dieser Ruf bereits voraus. Baja Miller, die Schulschönheit, lädt ihn daraufhin zu einer Party ein.
Die Feier entpuppt sich jedoch als Falle. Ryan McCarthy, Bajas Freund und unbesiegter Kämpfer der Schule, provoziert Jake mit Anspielungen auf den toten Vater. Jake rastet daraufhin aus, tritt gegen Ryan an und wird vor Publikum schwer verprügelt. Die Demütigung zirkuliert anschließend sofort im Netz. Max Cooperman, ein spindeldürrer Außenseiter mit Faible für Kampfsport, nimmt sich daraufhin seiner an. Er führt Jake zum Trainer Jean Roqua, einem wortkargen Brasilianer mit eigener Geschichte. Roqua nimmt Jake nach harten Eignungsprüfungen schließlich auf. Er stellt allerdings eine einzige, unverrückbare Bedingung. Außerhalb der Trainingshalle wird nicht gekämpft.
Disziplin, Rache und der Preis des Kampfes
Jake ringt mit seinem Zorn, während er die Techniken des Mixed Martial Arts erlernt. Baja trennt sich unterdessen von Ryan, der mit aggressiver Eifersucht reagiert. Als er sie grob packt, greift Jake sofort ein. Später gerät er in einen gefilmten Straßenstreit, den Max aufzeichnet. Das Video verbreitet sich daraufhin, und Ryan fordert Jake öffentlich zum Beatdown-Turnier heraus. Roqua entdeckt jedoch den Regelbruch und wirft Jake aus der Halle. Erst nach reumütiger Bitte kehrt dieser zurück. Das Training wird nun härter, systematischer und zermürbender.
Roqua öffnet sich schließlich und erzählt von seinem Bruder, der in Brasilien von einem unterlegenen Kämpfer erschossen wurde. Der Vater macht ihn bis heute dafür verantwortlich. Jake erkennt darin die Parallele zu seiner eigenen Schuldgeschichte. Zwischen ihm und Baja entsteht eine Beziehung. Seinen Kampfwunsch legt er zunächst ab. Ryan jedoch greift Max am Vorabend des Turniers an und prügelt ihn ins Krankenhaus. Diese Tat verändert schließlich Jakes Entscheidung.
Beim Beatdown-Turnier kämpfen sich Jake und Ryan bis ins Halbfinale vor. Ryan wird dort wegen eines illegalen Augenstechens disqualifiziert, woraufhin Jake auf seinen Kampf verzichtet. Das eigentliche Ziel hat sich damit erledigt. Auf dem Parkplatz stellt Ryan ihn dennoch. Verletzt gerät Jake zunächst in einen Würgegriff, erinnert sich jedoch an Roquas Lehren. Ein präzise gesetzter Roundkick entscheidet schließlich den Kampf. In der Schlussszene reist Roqua zur Versöhnung nach Brasilien. Jake verbringt anschließend einen ruhigen Tag mit Baja am See.
Filmkritik und Fazit zum Film „The Fighters“
„The Fighters“ funktioniert dort am überzeugendsten, wo er seinem Genre am nächsten steht. Lukas Ettlins Kamera fängt die Kämpfe in einer hochglänzenden, körperlich präsenten Bildsprache ein. Besonders die Trainingsmontagen bei Roqua wirken durch rhythmischen Schnitt und pulsierendes Sounddesign. Djimon Hounsou verleiht seinem Mentor eine stille Autorität, die den Film stabilisiert. Sean Faris bringt physische Glaubwürdigkeit mit, reicht in den stillen Szenen jedoch nicht an die Fallhöhe heran, die sein Charakter fordert. Cam Gigandet variiert sein bekanntes Antagonisten-Register ohne echte Überraschung.
Das Tempo der Inszenierung leidet erkennbar unter der doppelten Ambition. Wadlow möchte das archaische Vergnügen am Kampffilm mit moralischer Läuterung versöhnen. Dieser Versuch führt zu langen Reflexionspausen, die den Puls des Films spürbar drosseln. Der Soundtrack aus Rise Against, Flyleaf und Disturbed treibt die Actionsequenzen wirkungsvoll voran. Die Dialogszenen hingegen verharren in vertrautem Teendrama-Gestus. Evan Peters rettet mit seiner nuancierten Darstellung des Max manches Nebengeleis. Die Youtube-Kultur als narrativer Motor bleibt ein origineller Einfall, dessen Potenzial der Film nur streift.
Wadlows Regiearbeit liefert ein visuell entschlossenes, dramaturgisch halbmutiges Werk. Wer MMA-Choreografien in Hochglanzoptik sucht, wird solide bedient. Wer die emotionale Tiefe von „Rocky“ oder die Radikalität von „Fight Club“ erwartet, greift daneben. Für Genre-Liebhaber bleibt ein kurzweiliger Abend mit harten Fights und vertrauten Wendungen. Mehr verspricht der Film nicht. Weniger liefert er auch nicht.