Deepwater Horizon

Am 20. April 2010 explodierten auf der Ölplattform Deepwater Horizon im Golf von Mexiko Träume, Sicherheitsversprechen und zuletzt die Anlage selbst. Elf Menschen starben. Knapp sechs Jahre später versucht Hollywood, diesen Männern ein Gesicht zu geben und landet dabei, wie so oft, zwischen Anspruch und Spektakel. „Deepwater Horizon“ von Regisseur Peter Berg ist der Versuch, aus einem industriellen Versagen eine menschliche Geschichte zu destillieren.

Deepwater Horizon
Dauer: 107 Min.
FSK: 12 (DE)
Jahr: 2016
Kategorien: Action, Thriller
Regie: Peter Berg
Produzenten: Mark Vahradian, Mark Wahlberg, Lorenzo di Bonaventura, David Womark, Stephen Levinson
Hauptdarsteller: Mark Wahlberg, Kurt Russell, John Malkovich
Nebendarsteller: Gina Rodriguez, Dylan O'Brien, Kate Hudson, J.D. Evermore
Studio: Summit Entertainment, Participant, di Bonaventura Pictures, Closest to the Hole Productions, Leverage Entertainment, TIK Films, Lionsgate

Berg geht dabei einen ungewöhnlichen Weg: Er rückt nicht die ökologische Katastrophe in den Mittelpunkt, sondern die Stunden davor und die Menschen mittendrin. Das ist eine bewusste Entscheidung – und eine, die Fragen aufwirft. Denn wer einen Film über das schlimmste Öldesaster der US-Geschichte dreht, ohne die Folgen für den Ozean auch nur annähernd zu zeigen, muss sich fragen lassen: Was genau erzählt dieser Film eigentlich und für wen?

Besetzung, Regie und Drehorte

Deepwater Horizon“ ist ein US-amerikanischer Katastrophenfilm aus dem Jahr 2016 unter der Regie von Peter Berg. Das Drehbuch stammt von Matthew Michael Carnahan und Matthew Sand und basiert auf einem Artikel der New York Times aus dem Jahr 2010. Gedreht wurde unter dem Arbeitstitel The Long Night ab März 2015 in New Orleans, die Produktionskosten lagen nach verschiedenen Angaben zwischen 110 und 156 Millionen US-Dollar.

Mark Wahlberg spielt den Cheftechniker Mike Williams, der auf der brennenden Plattform als einer der Letzten zurückbleibt. An seiner Seite: Kurt Russell als rauer, nahbarer Plattformchef Jimmy Harrell und John Malkovich als BP-Manager Donald Vidrine – kalt, berechnend, in keiner Szene bereit, Verantwortung zu übernehmen. Gina Rodriguez verkörpert Brückenoffizierin Andrea Fleytas, Dylan O’Brien den jungen Arbeiter Caleb Holloway. Kate Hudson ist in der Rolle von Mikes Ehefrau Felicia zu sehen.

Der Film läuft 107 Minuten und trägt eine FSK-12-Freigabe. Bei der Oscarverleihung 2017 erhielt er Nominierungen in den Kategorien Bester Ton und Beste Visuelle Effekte. Die VES Awards zeichneten ihn in zwei Kategorien aus, darunter für die herausragenden visuellen Nebeneffekte in einem realen Spielfilm.

Handlung & Inhalt vom Film „Deepwater Horizon“

Mike Williams arbeitet als Cheftechniker auf der Bohrinsel Deepwater Horizon, die im Auftrag des Ölkonzerns BP rund 40 Meilen vor der Küste Louisianas im Golf von Mexiko im Einsatz ist. Bevor er zur Plattform aufbricht, erklärt seine kleine Tochter mit Cola-Dose, Honig und einem Stift, was ihr Vater dort tut eine kindlich-naive Darstellung, die das Prinzip der Ölförderung ebenso schlicht wie treffend auf den Punkt bringt. Williams weiß, dass seine Arbeit gefährlich ist. Sein Vorgesetzter Jimmy Harrell kennt die Risiken ebenfalls und versucht, die Besatzung vor dem wachsenden Druck der BP-Vertreter zu schützen, die den Zeitplan einfordern.

Die Plattform liegt 43 Tage hinter dem Zeitplan. BP-Manager Donald Vidrine drängt darauf, die ausstehenden Sicherheitstests zu überspringen oder zu verkürzen. Als Harrell einen Negativdrucktest durchsetzt, weisen die Ergebnisse auf eine fehlerhafte Zementversiegelung des Bohrlochs hin. Vidrine zweifelt die Befunde an, ordnet einen zweiten Test an und erklärt dessen Ergebnis kurzerhand für ausreichend. Der leitende Werkzeugschieber Jason Anderson gibt nach. Die Bohrkrone wird zurückgezogen, der Schlamm, der das Bohrloch abdichtet, wird entfernt. Damit ist der Weg in die Katastrophe frei.

Als das Bohrloch antwortet

Was folgt, ist der Zusammenbruch aller Sicherheitsebenen in rascher Abfolge. Das Zement versagt, das Bohrloch reagiert mit einem Blowout, der mehrere Mitglieder des Bohrteams sofort tötet. Schlamm schießt durch die Schächte, Gas strömt in die Lüftungssysteme, Funken genügen, um das Unheil zu vollenden. Die Plattform steht binnen Minuten in Flammen. Brückenoffizierin Andrea Fleytas versucht, die Küstenwache zu alarmieren, wird jedoch von Kapitän Curt Kuchta zunächst gestoppt. Erst als die Lage unmissverständlich eskaliert, sendet auch Kuchta seinen Notruf ab.

Mike Williams kämpft sich durch brennende Gänge, rettet Kollegen, koordiniert die Evakuierung. Jimmy Harrell, trotz schwerer Verletzungen handlungsfähig, übernimmt die Kontrolle, sobald er von Williams befreit wird. Aaron Dale Burkeen hält brennend eine Krananlage zurück, um die Überlebenden zu schützen, er bezahlt dafür mit seinem Leben. Als die letzten Rettungsboote ablegen, bleiben Williams und Fleytas auf der Plattform zurück. Das Rettungsfloß löst sich, bevor sie einsteigen können. Sie springen ins Meer.

Die Küstenwache rettet 115 Überlebende. Elf Männer verlieren ihr Leben. Im Hotel treffen die Geretteten auf ihre Familien – und auf die Eltern eines Vermissten, die Williams stellen. Er bricht zusammen. Vor dem Abspann erscheinen Fotos der elf Toten, begleitet von den Schlusstiteln: Das Bohrloch sprudelte 87 Tage lang, 210 Millionen Gallonen Öl flossen in den Golf von Mexiko. Donald Vidrine und Robert Kaluza wurden wegen fahrlässiger Tötung in elf Fällen angeklagt, die Klagen wurden 2015 fallen gelassen.

Filmkritik und Fazit zum Film „Deepwater Horizon“

Deepwater Horizon“ ist handwerklich außer Frage gestellt. Die Explosionssequenzen im letzten Drittel, großteils mit praktischen Effekten realisiert, entwickeln eine physische Wucht, die im Kinosessel spürbar bleibt. Kameramann Enrique Chediak hält die Kamera nah, manchmal schmerzhaft nah, an Körper und Material – das verleiht den Katastrophenszenen eine Unmittelbarkeit, die computeranimierte Verwüstung selten erreicht. Steve Jablonskys Score bleibt im Hintergrund, ohne zu drängen. Regisseur Berg hat, gemeinsam mit seinem Team, eine Plattform nachgebaut, die sich anfühlt wie eine echte roh, fettig, gefährlich.

Was das Drehbuch nicht ganz einlöst, ist die emotionale Differenzierung der Figuren. Wahlberg spielt Williams solide und verlässlich, aber eindimensional sein Held bleibt Typus, wo er Person sein müsste. John Malkovich hingegen verleiht Vidrine eine subtile Kälte, die über das Klischee des gierigen Managers hinausgeht: Er ist kein Monster, sondern ein Mann, der Risiken kleinrechnet – was die Sache nicht besser, aber erschreckend vertraut macht. Die erste Filmhälfte strapaziert mit technischem Fachjargon und Informationsdichte, die selbst aufmerksame Zuschauer fordert. Das ist realistisch – und zugleich ein dramaturgisches Risiko.

Wer biographische Katastrophenfilme schätzt, die auf Schauwert setzen, ohne dabei vollständig auf Substanz zu verzichten, findet in „Deepwater Horizon“ einen kompetenten, mitreißenden Vertreter seines Genres. Wer erwartet, dass ein Film über das größte Öl-Desaster der US-Geschichte auch die Folgen für das Ökosystem ernstnimmt, wird enttäuscht. Bergs Film ist ein Denkmal für elf Männer, das ist nicht wenig. Es wäre nur mehr gewesen, hätte er auch den Ozean nicht vergessen.

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