3 Days to Kill

Ein sterbender Agent in Paris, eine entfremdete Tochter, ein letzter Auftrag: McG verdichtet 2014 in „3 Days to Kill“ drei Genres zu einer eigenwilligen Mischung aus Familiendrama, Spionage-Thriller und europäischem Stilkino. Das Drehbuch stammt von Luc Besson und Adi Hasak. Die Handschrift beider ist unübersehbar. Action-Routine trifft auf Vater-Tochter-Episoden im herbstlichen Paris. Kevin Costner trägt das Ganze mit melancholischer Ruhe.

3 Days to Kill
Dauer: 113 Min.
FSK: 12 (DE)
Jahr: 2014
Kategorien: Action, Thriller
Regie: McG
Produzenten: Marc Libert, Luc Besson, Adi Hasak, Virginie Besson-Silla, Ryan Kavanaugh
Hauptdarsteller: Kevin Costner, Amber Heard, Hailee Steinfeld
Nebendarsteller: Connie Nielsen, Tómas Lemarquis, Richard Sammel, Marc Andréoni
Studio: Wonderland Sound and Vision, EuropaCorp, Relativity Media, 20th Century Fox, 3DTK, Inc.

Der Film balanciert zwischen zwei tonalen Polen, die selten problemlos zueinanderfinden. Ein todkranker CIA-Profi soll einen Waffenhändler ausschalten und gleichzeitig seine 15-jährige Tochter durch die Schule navigieren. Das klingt nach Konstruktion, und das ist es auch. McG setzt dennoch auf klassische Inszenierungsmuster statt auf digitalen Bombast. Die Bilder wirken analog, die Gewalt körperlich, die Zwischentöne überraschend weich. Wie trägt ein Regisseur diese Spannung über 116 Minuten, ohne sich im eigenen Widerspruch zu verlieren?

Besetzung, Regie und Drehorte

Regie bei „3 Days to Kill“ führt McG, der sich zuvor mit Musikvideos, „Drei Engel für Charlie“ und „Terminator: Die Erlösung“ einen Namen gemacht hatte. Das Drehbuch stammt vom französischen Genre-Spezialisten Luc Besson und seinem Co-Autor Adi Hasak. Produziert wurde die amerikanisch-französische Koproduktion unter anderem von EuropaCorp und Relativity Media. Ryan Kavanaugh und Marc Libert übernahmen die Produktion. Für die Kamera zeichnete Thierry Arbogast verantwortlich, langjähriger Besson-Vertrauter. Den Schnitt besorgte Audrey Simonaud, die Musik komponierte Guillaume Roussel.

Kevin Costner spielt Ethan Renner, den sterbenden CIA-Killer, als kernigen Überlebenden. An seiner Seite agiert Hailee Steinfeld als rebellische Tochter Zoey. Amber Heard übernimmt die Rolle der Agentin Vivi Delay, kühl gestylt und bewusst überzeichnet. Connie Nielsen verkörpert die entfremdete Ehefrau Christine mit spürbarer Fallhöhe. Richard Sammel gibt den mysteriösen Terroristen „Wolf“, während Tómas Lemarquis dessen Leutnant „Albino“ mit markanter Präsenz ausstattet. Jonas Bloquet ergänzt den Cast als Zoeys französischer Freund Hugh.

Gedreht wurde ab Januar 2013 in Paris und Belgrad, wobei einige Pariser Szenen in Studios entstanden. Das Hotel Jugoslavija in Belgrad liefert die Kulisse der Eröffnungssequenz. Die Laufzeit beträgt 116 Minuten, die FSK-Freigabe lautet ab zwölf Jahren. Eine Unrated-Fassung liegt etwa fünf Minuten über der Kinofassung. In Deutschland kam der Film am 8. Mai 2014 in die Kinos.

Handlung & Inhalt vom Film „3 Days to Kill“

Im Hotel Jugoslavija in Belgrad soll ein CIA-Team den Leutnant „Albino“ beim Verkauf einer schmutzigen Bombe festsetzen. Hinter dem Deal steht der „Wolf“, ein weltweit gesuchter Waffenhändler ohne bekanntes Gesicht. Ethan Renner, ein alternder Agent mit jahrzehntelanger Routine, leitet deshalb den Zugriff. Mitten in der Aktion überkommt ihn jedoch ein Schwindelanfall. Dadurch kann der verletzte Albino entkommen, während die gesamte Operation scheitert. Renner bricht kurz darauf zusammen, woraufhin die ärztliche Diagnose folgt: Glioblastom im fortgeschrittenen Stadium. Der Krebs hat bereits metastasiert, sodass dem Agenten nur noch wenige Monate bleiben.

Renner kehrt anschließend nach Paris zurück, wo seine Ex-Frau Christine und seine Tochter Zoey leben. Allerdings ist seine Wohnung von einer afrikanischen Besetzerfamilie um Jules bewohnt, während eine Räumung im Winter gesetzlich untersagt ist. Christine erfährt schließlich von der Krankheit und lässt ihn deshalb widerwillig zu Zoey durch. Währenddessen tritt die junge Elite-Agentin Vivi Delay an ihn heran. Sie bietet ihm ein experimentelles Medikament an, das seine Lebenszeit verlängern könnte. Die Gegenleistung lautet jedoch: Renner soll den Wolf töten. Obwohl er zunächst zögert, willigt er schließlich ein. Daraufhin verabreicht Vivi ihm die erste Injektion.

Zwischen Familienpflicht und letztem Auftrag

Renner folgt nun einer klaren Ermittlungskette: Chauffeur, Buchhalter, Albino, Wolf. Allerdings wird jede Etappe von Anrufen seiner Tochter unterbrochen. Zoey schwänzt die Schule, lügt über Partys und testet zugleich ihre neuen Freiheiten aus. Das Medikament zeigt bei steigendem Puls heftige Nebenwirkungen: Halluzinationen, Schwindel und Sehstörungen. Lediglich Alkohol dämpft die Symptome. Während Renner den Chauffeur verhört, den Buchhalter entführt und sich dem Albino nähert, kümmert er sich gleichzeitig um Zoey. So kauft er ihr ein Fahrrad, bringt ihr Walzertanzen bei und vertreibt außerdem unerwünschte Verehrer.

Eine rasante Verfolgungsjagd durch Paris endet schließlich, als Renner den Wagen von Wolf und Albino über eine Brüstung rammt. In einer U-Bahn-Station kommt es anschließend zur Konfrontation mit dem Albino. Doch ein Schwindelanfall zwingt Renner plötzlich in die Knie. Der Albino versucht daraufhin, ihn vor einen einfahrenden Zug zu stoßen. Im letzten Moment dreht Renner jedoch die Bewegung um und tötet dadurch seinen Gegner. Der Wolf kann dennoch entkommen. Zoeys Abschlussparty führt schließlich zur entscheidenden Wendung, denn der Gastgeber entpuppt sich als Geschäftspartner des Wolfs.

In einer Schießerei räumt Renner zunächst die Leibwächter des Wolfs aus dem Weg. Danach zerstört er die Halterungen eines Aufzugs, in dem sein Gegner gefangen sitzt. Die Kabine stürzt daraufhin ab, doch der Wolf überlebt schwer verletzt. Vivi fordert Renner anschließend auf, den Auftrag endgültig zu Ende zu bringen. Dennoch senkt er die Waffe, denn das Versprechen an seine Frau wiegt für ihn schwerer als die Abmachung mit der CIA. Deshalb übernimmt Vivi schließlich den tödlichen Schuss. Monate später verbringt Renner Weihnachten mit Christine und Zoey am Meer. Dort erhält er ein Päckchen von Vivi, das eine weitere Spritze des Medikaments enthält.

Filmkritik und Fazit zum Film „3 Days to Kill“

McG inszeniert „3 Days to Kill“ als bewussten Gegenentwurf zur digital überfrachteten Action-Gegenwart. Die Kamera von Thierry Arbogast taucht Paris in kühles Herbstgrau, vermeidet aber jede postkartenhafte Übersteigerung. Die Verfolgungsjagd entlang der Seine wirkt handgemacht, die U-Bahn-Sequenz verdichtet sich durch enge Bildausschnitte zur klaustrophobischen Kammernummer. Guillaume Roussels Score hält sich angenehm zurück. Der Schnitt von Audrey Simonaud arbeitet ruhig, manchmal zu ruhig. Das Drehbuch von Besson und Hasak leidet an einem grundsätzlichen Konstruktionsproblem. Es will zwei unvereinbare Tonalitäten vereinen.

Kevin Costner trägt diesen Spagat mit einer Präsenz, die nichts mehr beweisen muss. Seine Renner-Figur wirkt erschöpft und hellwach zugleich, eine melancholische Variante des klassischen Spionage-Archetypen. Hailee Steinfeld agiert glaubwürdig widerspenstig, ohne in Teenager-Klischees abzurutschen. Amber Heards Vivi Delay dagegen bleibt ein Fremdkörper, eine überstilisierte Manga-Figur im Pariser Grau. Connie Nielsen nutzt ihre wenigen Auftritte effizient. Das Tempo schwankt spürbar zwischen geschliffener Action und sentimentalen Familieneinschüben. Die Vater-Tochter-Momente leben von Costners Timing.

Der Film überzeugt dort, wo er sich auf seine altmodischen Tugenden verlässt. Er stolpert, wenn er Genre-Ironie und emotionale Tiefe gleichzeitig will. Für Liebhaber eurozentrischer Action-Thriller der Besson-Schule bleibt er eine lohnende Entdeckung. Wer klare Genre-Regeln schätzt, wird sich an den Brüchen reiben. Eine Empfehlung für Freunde charakterzentrierter Spionagefilme jenseits des Bond-Universums.

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