The Fast and the Furious
Im Sommer 2001 rollte ein Film in die Kinos, der mit bescheidenem Budget und ohne große Starpower antrat – und trotzdem das Popcorn-Kino eines ganzen Jahrzehnts neu kalibrierte. „The Fast and the Furious“ von Regisseur Rob Cohen ist kein Film, der seinen Ursprung verleugnet: Er kam aus der Welt der illegalen Straßenrennen, aus dem Lärm der aufgemotzten Motoren und dem Blitzen der Neonröhren unter Motorhauben.

| Dauer: | 106 Min. |
|---|---|
| FSK: | 16 (DE) |
| Jahr: | 2001 |
| Kategorien: | Action |
| Regie: | Rob Cohen |
| Produzenten: | Neal H. Moritz |
| Hauptdarsteller: | Paul Walker, Vin Diesel, Michelle Rodriguez |
| Nebendarsteller: | Jordana Brewster, Rick Yune, Chad Lindberg, Johnny Strong |
| Studio: | Ardustry Entertainment, Universal Pictures, Original Film, Mediastream Film |
Benzin statt Psychologie, Asphalt statt Tiefe – so könnte man das Kalkül beschreiben, das hinter diesem Unterhaltungsvehikel steckt. Doch der Film stellt eine ehrliche Frage: Was passiert, wenn Pflicht und Zugehörigkeit aufeinanderstoßen? Wenn ein Undercover-Cop beginnt, die Menschen zu mögen, die er eigentlich verraten soll – und sich fragt, welche Seite der Linie er überhaupt stehen will?
Besetzung, Regie und Drehorte
„The Fast and the Furious“ entstand 2001 unter der Regie von Rob Cohen, der zuvor mit Produktionen wie „The Skulls“ solides Genrekino geliefert hatte. Das Drehbuch verfassten Gary Scott Thompson, Erik Bergquist und David Ayer, wobei Ayer die Geschichte aus einem suburban-weißen New-Yorker Entwurf in das multikulturelle Los Angeles verlegte. Produziert wurde der Film von Neal H. Moritz für Universal Pictures, mit einem Budget von 38 Millionen US-Dollar. Die Musik komponierte der Produzent Brian „BT“ Transeau, der Electronica mit Hip-Hop und industriellen Einflüssen verwebte.
In den Hauptrollen überzeugten Paul Walker als Undercover-Cop Brian O’Conner und Vin Diesel als Straßenrenn-Legende Dominic Toretto. Für beide markierte der Film den Durchbruch ins große Publikum. Michelle Rodriguez spielte Torettos Freundin Letty, Jordana Brewster seine Schwester Mia. Rick Yune verkörperte den Antagonisten Johnny Tran, einen vietnamesischen Gangboss und Doms erbitterten Rivalen. Die Nebenrollen übernahmen u. a. Chad Lindberg, Johnny Strong und Matt Schulze als Mitglieder von Doms Crew.
Der Film hat eine Laufzeit von 103 Minuten und ist in Deutschland ab 16 Jahren freigegeben. Gedreht wurde überwiegend in Los Angeles und Umgebung, darunter Dodger Stadium, Angelino Heights und das San Bernardino International Airport als Schauplatz der „Race Wars“. Bei den Taurus Awards 2002 räumte der Film in fünf Stunt-Kategorien ab, darunter Bester Stuntkoordinator und Bestes Fahrzeugstunt. Der Erfolg führte zu zahlreichen Fortsetzungen: „2 Fast 2 Furious“ (2003), „The Fast and the Furious: Tokyo Drift“ (2006), „Fast & Furious – Neues Modell. Originalteile.“ (2009), „Fast & Furious Five“ (2011), „Fast & Furious 6“ (2013), „Fast & Furious 7“ (2015), „Fast & Furious 8“ (2017), „Fast & Furious 9“ (2021) und „Fast & Furious 10“ (2023). Zusätzlich entstand 2019 mit „Fast & Furious: Hobbs & Shaw“ ein Spin-off der Reihe.
Handlung & Inhalt vom Film „The Fast and the Furious“
Los Angeles, frühes 21. Jahrhundert: Auf dem Terminal Island Freeway überfällt eine Gruppe schwer getunter Honda Civics einen fahrenden Sattelschlepper und verschwindet unerkannt in der Nacht. Die Ladung ist wertvoll, die Täter spurlos. LAPD-Officer Brian O’Conner wird daraufhin als Undercover-Ermittler in die illegale Straßenrennszene eingeschleust, um den verantwortlichen Kreis zu identifizieren. Er beginnt damit, das Café von Mia Toretto aufzusuchen, deren Bruder Dominic als charismatischer Anführer der lokalen Szene gilt. Die Polizei vermutet ihn hinter den Überfällen. Brian nimmt Arbeit in einer Kfz-Werkstatt an, um Zugang zu Doms Umfeld zu gewinnen.
Bei einem illegalen Straßenrennen fordert Brian Dom heraus und verliert sein Auto als Wetteinsatz. Kurz darauf zerstört Johnny Tran – Doms vietnamesischer Rivale und Gangboss – das Fahrzeug absichtlich. Um seine Schuld bei Dom zu begleichen, liefert Brian einen demolierten Toyota Supra, den die Crew gemeinsam aufbaut. Währenddessen entwickelt er echte Freundschaft zu Dom und verliebt sich in dessen Schwester Mia. Seine Vorgesetzten aber drängen auf Ergebnisse. Brian lässt Tran fälschlicherweise verhaften, doch die Beweise erweisen sich als haltlos. Die Zeit läuft ab.
Loyalität gegen Pflicht
Brian erkennt nach und nach, dass nicht Tran, sondern Dom und seine Crew die Überfälle begehen. Bei einem weiteren, fatalen Coup wird Crew-Mitglied Vince schwer verletzt und hängt hilflos am Lastwagen. Daraufhin bricht Brian seine Tarnung, um sofort einen Rettungshubschrauber anzufordern. Währenddessen flieht Dom mit seinen Leuten, bevor die Polizei eintrifft. Nun steht Brian zwischen zwei Extremen: soll er loyaler Cop bleiben oder treuer Freund handeln? Die Entscheidung drängt sich besonders auf, als Jesse – ein weiteres Mitglied der Crew – nach einem verlorenen Rennen von Tran gejagt wird.
Infolgedessen kehrt Dom zu seinem Haus zurück, um Jesse zu retten. Gleichzeitig findet Brian ihn dort und versucht, ihn festzunehmen. Die Situation eskaliert schlagartig, als Jesse auftaucht und unmittelbar danach von Tran erschossen wird. Daraufhin nehmen Brian und Dom die Verfolgung auf, und im Verlauf der Jagd stirbt Tran durch Brians Schuss. Am Ende dieser Nacht stehen Gewalt und Trauer im Vordergrund, während die Grenze zwischen Recht und Unrecht längst verschwommen ist.
Schließlich fordert Dom Brian zu einem letzten Viertelmeilen-Rennen auf der Strecke seiner Jugend heraus. Das Duell endet zwar unentschieden, doch Doms Wagen kollidiert unmittelbar nach der Ziellinie mit einem Zug und überschlägt sich mehrfach. Brian reagiert sofort, zieht Dom aus dem Wrack und steht nun vor einer letzten Wahl: verhaften oder laufen lassen. Letztlich übergibt Brian Dom die Schlüssel zum Supra – sein Versprechen auf ein Zehn-Sekunden-Auto – und dreht sich um. Daraufhin flieht Dom, bevor die Polizei eintrifft, und die Abschlusssequenz zeigt ihn, wie er durch das mexikanische Niederkalifornien fährt: entkommen, frei und allein.
Filmkritik und Fazit zum Film „The Fast and the Furious“
„The Fast and the Furious“ funktioniert dort am besten, wo er gar nicht erst versucht, mehr zu sein als er ist. Rob Cohens Inszenierung der Rennsequenzen ist handwerklich souverän: Kameramann Ericson Core arbeitet mit engen Fahraufnahmen und raschen Schnitten, die den Geschwindigkeitsrausch unmittelbar fühlbar machen, ohne in bloßes Schnittchaos abzugleiten. Vin Diesel verleiht seiner Figur eine stoische Schwere, die dem Film Substanz gibt. Paul Walker hingegen bleibt blass – gut aussehend, funktional, selten fesselnd. Michelle Rodriguez ist als Letty spürbar unterfordert, ihr Talent nur angedeutet.
Das Sounddesign trägt erheblich zur Atmosphäre bei: BT’s Score aus Electronica und Hip-Hop-Elementen treibt die Handlung voran, ohne je aufgesetzt zu wirken. Die Actionszenen – darunter der finale Eisenbahnüberquerung und der letzte Lkw-Überfall – besitzen eine kinetische Energie, die auch zwanzig Jahre später noch trägt. Schwächer ist der Film dort, wo Motoren schweigen. Das Undercover-Drehbuch folgt einem Schema, das schon 1991 mit Gefährliche Brandung ausgereizt schien, und die Figurenzeichnung bleibt an der Oberfläche. Der Konflikt zwischen Pflicht und Freundschaft wird aufgerufen, aber selten wirklich ausgespielt.
Wer Actionkino jenseits von Psychologie und Plot-Eleganz schätzt, findet in dem Film kurzweiligen, handwerklich soliden Stoff. „The Fast and the Furious“ ist kein subtiles Werk – es ist eines mit klarem Fokus und ehrlicher Absicht. Für Fans des Genres und Liebhaber automobiler Inszenierung lohnt sich die Sichtung, auch als historisches Dokument einer Franchise-Geburt, die niemand vorausgesehen hatte.