Stromberg – Der Film
Das deutsche Kino kennt ein paradoxes Phänomen: Eine Serienfigur verlässt ihr vertrautes Biotop und gewinnt dabei an Kontur. Genau dieses Wagnis unternimmt „Stromberg – Der Film„, indem er den Capitol-Vertriebsmuffel aus dem Großraumbüro in die Manege eines Jubiläums-Landhotels entlässt. Regisseur Arne Feldhusen setzt dabei nicht auf Neuerfindung. Er vertraut dem Prinzip Wiedererkennung und fügt ihm eine zusätzliche Fallhöhe hinzu. Das Ergebnis ist ein Kinowerk, das seinen Ursprung nicht verleugnet.

| Dauer: | 123 Min. |
|---|---|
| FSK: | 12 (DE) |
| Jahr: | 2014 |
| Kategorien: | Komödie |
| Regie: | Arne Feldhusen |
| Produzenten: | Ralf Husmann |
| Hauptdarsteller: | Christoph Maria Herbst, Milena Dreißig, Bjarne Mädel |
| Nebendarsteller: | Diana Staehly, Oliver Wnuk, Sinan Akkuş, Tatjana Alexander |
| Studio: | Filmstiftung NRW, Sat.1 |
Bemerkenswert bleibt, wie konsequent Ralf Husmanns Drehbuch den Mockumentary-Gestus ausweitet, ohne ihn zu verraten. Die Kamera rückt näher an ihre Figuren heran, die Räume werden weiter, das Tempo dagegen bleibt eigenwillig gelassen. Genau in dieser Verschiebung liegt der Reiz des Projekts. Die 123 Minuten erzählen von einem Büromenschen, der aus Verzweiflung zum Volksheld stilisiert wird. Wie überzeugend gelingt dieser Übergang vom Sitcom-Format ins ausgewachsene Kinoformat tatsächlich?
Besetzung, Regie und Drehorte
Die Komödie „Stromberg – Der Film“ entstand unter der Regie von Arne Feldhusen, der bereits die Serienvorlage inszenierte. Das Drehbuch stammt von Ralf Husmann, der zugleich als Produzent fungierte. Für die Kameraarbeit zeichnete Johannes Imdahl verantwortlich, den Schnitt übernahm Benjamin Ikes. Die Musik komponierten Patrick Reising und Francesco Wilking. Produziert wurde der Film von Brainpool. Die Finanzierung entstand zu wesentlichen Teilen durch ein Crowdfunding-Projekt, das im Dezember 2011 eine Million Euro von rund 3000 Unterstützern einwarb.
In der Titelrolle agiert Christoph Maria Herbst als Bernd Stromberg. Bjarne Mädel verkörpert seinen Stellvertreter Berthold „Ernie“ Heisterkamp. Oliver Wnuk und Diana Staehly spielen das Büropärchen Ulf und Tanja Steinke. Milena Dreißig ist als Jennifer Schirrmann zu sehen, Laurens Walter als Lars Lehnhoff und Maja Beckmann als Sabine „Sabbel“ Buhrer. Ergänzt wird das Ensemble durch Michael Wittenborn als Personalvorstand Klinkhammer, Tatjana Alexander, Sinan Akkuş und Max Kluge. Einen prominenten Cameo-Auftritt absolviert Frank-Walter Steinmeier als er selbst.
Der Film läuft 123 Minuten und trägt die Altersfreigabe FSK 12. Die Premiere fand am 18. Februar 2014 im Cinedom Köln statt, der Kinostart folgte zwei Tage später. Gedreht wurde zwischen Februar und April 2013 in Köln sowie im Dorint Hotel & Sportresort im Arnsberger Stadtteil Neheim. Das Schloss Garath in Düsseldorf diente als Kulisse für die Vorstandsparty. 2014 erhielt der Film beim Bayerischen Filmpreis den Publikumspreis.
Handlung & Inhalt von „Stromberg – Der Film“
Die Capitol-Versicherung begeht ihr fünfzigjähriges Jubiläum und lädt deshalb die gesamte Belegschaft in ein Landhotel im fiktiven Botzenburg. Bernd Stromberg, Leiter der Schadensregulierung, beschließt zunächst jedoch, seine Abteilung von der Feier fernzuhalten. Sein Stellvertreter Ernie Heisterkamp protestiert allerdings, weil er sich Chancen auf eine Stelle in der Zentrale ausrechnet. Dadurch bahnt sich ein erster Machtkampf zwischen beiden an. Vom Hausmeister erfährt Stromberg später beiläufig, dass Massenentlassungen bevorstehen und der Kölner Standort geschlossen werden soll. Diese Nachricht ändert seine Haltung schlagartig, denn nun will er unbedingt zur Feier, um sich selbst zu retten.
Daraufhin bricht die Abteilung gemeinsam auf. Mit an Bord sind Stromberg, Ernie, Jennifer, Ulf und Tanja samt Pflegesohn Marvin. Der gecharterte Reisebus der Firma Happy Tours kommt allerdings verspätet an. Sein übermüdeter Fahrer gerät zudem mit Stromberg wegen der defekten Bordtoilette aneinander. Während einer Pause zieht er sich schließlich auf die Rückbank zurück und schläft ein. Stromberg übernimmt deshalb eigenmächtig das Steuer, während Ernie vergeblich protestiert. Die Belegschaft erreicht zwar Botzenburg, doch das Hotel ist bereits ausgebucht. Stromberg muss sich daher notgedrungen Ernies Zimmer teilen.
Aufstieg, Orgie und Volksaufstand
Bei der Galaveranstaltung beginnt Stromberg, sich systematisch in Szene zu setzen. Seine erste Begegnung mit Personalvorstand Klinkhammer misslingt allerdings wegen rassistischer und sexistischer Entgleisungen. Später rettet er jedoch den faden Abend mit einem selbstgedrehten satirischen Image-Clip über die Capitol. Zusätzlich präsentiert er einen eilig komponierten Gassenhauer mit dem Titel „Lass das mal den Papa machen“. Klinkhammer zeigt sich davon beeindruckt und bietet Stromberg eine Stelle in der Zentrale an. Die Begründung lautet, jemand müsse schließlich die Massenentlassungen in der Sprache der einfachen Leute verkünden.
Daraufhin erhält Stromberg spontan einen Dienstwagen sowie eine Einladung zur exklusiven Vorstandsparty in einem abgelegenen Landhaus. Gemeinsam mit Jennifer fährt er dorthin, doch das Fest entpuppt sich als Orgie männlicher Vorstandsmitglieder mit Prostituierten. Aus neu entflammter Zuneigung zu Jennifer verlässt Stromberg die Veranstaltung jedoch vorzeitig. Klinkhammer reagiert darauf verärgert und entzieht ihm den Wagenschlüssel. Kurz darauf folgt außerdem die fristlose Kündigung. Stromberg informiert deshalb schließlich die Belegschaft über die geplanten Entlassungen.
Aus dieser Enthüllung entwickelt sich schließlich eine Protestbewegung gegen die Capitol, der sich immer mehr Angestellte anschließen. Auch die Medien greifen den Vorgang auf, wodurch Stromberg zunehmend zur Symbolfigur gegen den entfesselten Kapitalismus stilisiert wird. Das Finale führt ihn schließlich ins Berliner Willy-Brandt-Haus, wo ihn Frank-Walter Steinmeier persönlich empfängt. Stromberg gibt dort Interviews und bekleidet offenbar eine hohe Position bei der SPD. Selbstzufrieden kommentiert er seine neue Lage schließlich mit der Feststellung, nun „ganz oben“ angekommen zu sein.
Filmkritik und Fazit zu „Stromberg – Der Film“
Was „Stromberg – Der Film“ vom üblichen Serien-zu-Kino-Transfer unterscheidet, ist die Konsequenz seiner Stilwahl. Feldhusen widersteht der Versuchung, das Format aufzublasen. Die Kameraführung Imdahls bleibt dokumentarisch geerdet, auch wenn einzelne Tableaus – etwa die Ankunft am Landhotel oder die schummrige Vorstandsorgie – eine neue bildliche Weite entwickeln. Christoph Maria Herbst liefert keine Karikatur, sondern eine präzise Tragikomik des Mittelmaßes. Bjarne Mädel sekundiert mit bitterem Ernst, sein Ernie ist hier fast eine eigene Studie.
Das Tempo verdient nähere Betrachtung. Husmanns Drehbuch riskiert ausgedehnte Passagen, in denen weniger geschieht, als ein klassischer Komödienschnitt erlauben würde. Diese Beharrlichkeit zahlt sich aus. Pointen wirken nicht gesetzt, sondern erwachsen aus Situationen. Das Sounddesign bleibt bewusst karg, auf orchestrale Untermalung wird fast vollständig verzichtet. Einzig der Titelsong „Lass das mal den Papa machen“ setzt einen musikalischen Akzent. Schwächer fällt die Figurenzeichnung bei Ulf, Tanja und Jennifer aus, die innerhalb des größeren Rahmens merklich Kontur verlieren.
Der Schlussakt mit seiner satirischen Überhöhung bis ins Willy-Brandt-Haus zeigt, wozu das Kinoformat fähig ist. Ein Serienfinale hätte diese Eskalation kaum tragen können. Für Freunde des trockenen Büro-Humors lohnt sich der Gang ins Kino zweifellos, sofern man mit der herabwürdigenden Komik der Vorlage vertraut ist. Wer mit Stromberg nie warm wurde, wird auch hier keinen Zugang finden. Als Abschluss eines Franchise-Kapitels bleibt der Film ein präzise komponiertes Stück deutscher Ernüchterungskomödie.