Shaun of the Dead

Wenn ein Film mit dem Untertitel „Eine romantische Komödie. Mit Zombies.“ daherkommt, ist das zunächst ein Versprechen. Es ist auch eine Drohung. Edgar Wright löst beides ein – mit einer Präzision, die selten geworden ist im Genrekino zwischen Hommage und Persiflage. „Shaun of the Dead“ aus dem Jahr 2004 weiß genau, was er sein will. Er weiß auch, was er nicht sein will. Diese doppelte Klarheit ist sein größtes Pfund.

Shaun of the Dead
Dauer: 99 Min.
FSK: 16 (DE)
Jahr: 2004
Kategorien: Horror, Komödie
Regie: Edgar Wright
Produzenten: Nira Park
Hauptdarsteller: Simon Pegg, Nick Frost, Kate Ashfield
Nebendarsteller: Lucy Davis, Dylan Moran, Jessica Hynes, Penelope Wilton
Studio: WT² Productions, Big Talk Studios

Der britische Regisseur und sein Co-Autor Simon Pegg verstehen das Zombiefilm-Genre nicht als Spielwiese für billige Pointen. Sie behandeln es als Sprache. Eine Sprache, deren Vokabular Romero geprägt hat und deren Grammatik sich zwischen Schock und Sozialkritik bewegt. Der Film bedient sich dieser Sprache mit hörbarem Akzent. Er fügt eigene Wörter hinzu, dreht Sätze um, lässt Pausen sprechen. Was bleibt, ist eine seltene Form der Genreliebe – respektvoll, scharfsinnig, niemals devot. Wie weit kann man eine Konvention dehnen, bevor sie reißt?

Besetzung, Regie und Drehorte

Edgar Wright führte bei dem britisch-französischen Film „Shaun of the Dead“ Regie und schrieb gemeinsam mit Simon Pegg das Drehbuch. Produziert wurde das Werk von Nira Park. Für die Musik zeichneten Dan Mudford und Pete Woodhead verantwortlich, die Kameraarbeit übernahm David M. Dunlap. Den Schnitt besorgte Chris Dickens. Das Werk markiert den Auftakt der sogenannten Blood-and-Ice-Cream-Trilogie, die später mit „Hot Fuzz“ und „The World’s End“ fortgesetzt wurde. Die deutsche Synchronfassung entstand bei der Berliner Synchron GmbH unter der Dialogregie von Oliver Rohrbeck.

In der Hauptrolle des verlorenen Verkäufers Shaun ist Simon Pegg zu sehen, an seiner Seite Nick Frost als sein bester Freund Ed. Kate Ashfield verkörpert Shauns Freundin Liz, Lucy Davis spielt deren Mitbewohnerin Dianne. Dylan Moran übernimmt den Part des aufgeblasenen David. Penelope Wilton und Bill Nighy stehen als Shauns Mutter Barbara und sein Stiefvater Philip vor der Kamera. In Nebenrollen treten Peter Serafinowicz, Jessica Hynes, Martin Freeman und Matt Lucas auf. Die Coldplay-Musiker Chris Martin und Jonny Buckland haben Cameo-Auftritte.

Mit einer Laufzeit von 95 Minuten ist das Werk in Deutschland ab 16 Jahren freigegeben. Der Film erhielt zahlreiche Auszeichnungen, darunter den Saturn Award als bester Horrorfilm, den Bram Stoker Award für das beste Drehbuch sowie den British Independent Film Award. Das Empire-Magazin führte ihn 2016 auf Platz sechs der hundert besten britischen Filme. George A. Romero selbst nannte das Werk „sensationell“ und engagierte Pegg und Wright daraufhin für Cameo-Auftritte als Zombies in „Land of the Dead“.

Handlung & Inhalt vom Film „Shaun of the Dead“

Shaun ist neunundzwanzig Jahre alt und arbeitet als Verkäufer in einem Elektrowarengeschäft in London. Dabei besteht sein Leben vor allem aus Routinen, die er längst nicht mehr hinterfragt. Den Großteil seiner Freizeit verbringt er deshalb im Stamm-Pub Winchester, meist in Begleitung seines Mitbewohners Ed. Dieser ist arbeitslos, vertickt nebenbei kleine Mengen Drogen und gilt zudem als denkbar schlechter Einfluss. Shauns zweiter Mitbewohner Pete sieht das allerdings mit wachsendem Unmut. Auch Shauns Freundin Liz hat inzwischen genug. Schließlich macht sie Schluss, weil ihr Partner zu viel Zeit im Pub und mit Ed verbringt. Damit beginnt der eigentliche Riss in Shauns Existenz, und zwar lange bevor die Toten wiederauferstehen.

Eines Morgens tritt Shaun verschlafen auf die Straße und nimmt zunächst nichts wahr. Um ihn herum torkeln jedoch bereits die ersten Untoten durch die Vorgärten. Trotzdem kauft er im Supermarkt ein, rutscht über eine Blutlache und registriert weiterhin nichts. Erst als sich die Bedrohung nicht mehr ignorieren lässt, dämmert ihm schließlich die Lage. London wird nämlich in atemberaubender Geschwindigkeit von einer Zombiewelle überrannt. Daraufhin fasst Shaun einen Plan. Zunächst will er seine Mutter Barbara retten, außerdem seinen ungeliebten Stiefvater Philip und vor allem Liz. Das einzige Ziel, das ihm dabei sicher erscheint, ist wiederum sein Stamm-Pub.

Der Weg ins Winchester

Mit Ed an seiner Seite macht sich Shaun daraufhin auf den Weg. Zuerst sammeln sie Barbara ein und müssen außerdem den bereits gebissenen Philip mitnehmen. Im Auto kommt es schließlich zu einer späten Versöhnung zwischen Stiefsohn und Stiefvater, doch kurz darauf verwandelt sich Philip. Deshalb muss die Gruppe ihn zurücklassen. Als Nächstes erreichen sie Liz, die sich gemeinsam mit Dianne und deren Freund David anschließt. Anschließend kämpft sich das Sextett zu Fuß durch die Straßen. Dabei wechseln sie durch die Hintergärten der Häuser. Später imitieren sie sogar selbst die Untoten, um dadurch ungesehen zum Winchester zu gelangen.

Im Pub angekommen, hält die Erleichterung allerdings nur kurz an. Die Zombies belagern das Gebäude, dringen schließlich ein und fordern ihren Tribut. Barbara, die ihren Biss zuvor verschwiegen hat, verwandelt sich ebenfalls. Daraufhin erschießt Shaun seine eigene Mutter. Kurz darauf treibt ein Streit David zu nahe ans Fenster, wo ihn die Untoten herausziehen und zerreißen. Dianne stürmt anschließend verzweifelt hinterher und verschwindet ebenfalls in der Menge. Währenddessen beißt Pete, mittlerweile selbst ein Zombie, Ed. Am Ende bleiben deshalb nur noch Shaun und Liz übrig. Beide finden schließlich in der Krise wieder zueinander zurück.

Im letzten Moment trifft schließlich die Armee ein und beendet dadurch die Belagerung. Die Zombieplage wird daraufhin eingedämmt, sodass das Leben langsam wieder in geordnete Bahnen zurückkehrt. Shaun und Liz sind nun wieder ein Paar. Die letzte Einstellung des Films zeigt schließlich, was aus Ed geworden ist. Sein bester Freund hält den verwandelten Ed inzwischen an einer Kette im Geräteschuppen. Dort verbringt der Untote seine Zeit – genau wie zuvor – vor einer Spielkonsole. So ist aus der Apokalypse am Ende wieder ein häuslicher Alltag geworden.

Filmkritik und Fazit zum Film „Shaun of the Dead“

Was „Shaun of the Dead“ auszeichnet, ist die Genauigkeit der Inszenierung. Edgar Wright dreht keine beliebigen Bilder. Jede Einstellung sitzt. Wenn Shaun am ersten Zombiemorgen verschlafen den Supermarkt durchquert und in einer einzigen, ungeschnittenen Einstellung sämtliche Anzeichen der Apokalypse übersieht, ist das Inszenierungskunst. Pegg spielt diese Sequenz mit einer somnambulen Souveränität, die zur Pointe wird. Nick Frost ergänzt ihn als Ed mit einer phlegmatischen Wärme, die niemals zur Karikatur gerät. Das Schauspiel trägt den Film, weil es die Komik aus Charakteren bezieht, nicht aus Gags.

Die Kamera von David M. Dunlap arbeitet mit ruhigen Halbtotalen und plötzlichen Schnittfolgen. Dieser Wechsel erzeugt ein Tempo, das atmen lässt und doch nie nachlässt. Bemerkenswert ist die Musikdramaturgie. Wenn Queens „Don’t Stop Me Now“ einen Kampf mit Billardstöcken rhythmisiert, kollidieren Pop-Euphorie und Genregewalt zu einer der originellsten Sequenzen der jüngeren Horrorkomödien-Geschichte. Die Splattereffekte werden sparsam dosiert. Das ist klug, weil der Film seinen Schrecken aus dem Vertrauten bezieht. Die Zombies sind langsame, taumelnde Pendler – Spiegelbilder einer Existenz, die Shaun selbst führt.

Wer das Genre liebt, wird hier reich beschenkt. Wer es nicht kennt, findet einen Einstieg ohne Hürden. Der Film verbindet Slapstick mit echter Trauer, ohne dass eines das andere entwertet. Die Erschießung der Mutter ist eine emotional ehrliche Szene in einem Werk, das viel lacht. Diese Tonbalance ist das eigentliche Kunststück. „Shaun of the Dead“ ist nicht nur eine Hommage. Er ist ein Genrebeitrag von eigenem Rang.

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