Ein Fisch namens Wanda

Es gibt Komödien, die ihre Pointen mit der Stoppuhr abmessen, und es gibt solche, die einen Rhythmus finden, der ganz aus den Figuren erwächst. „Ein Fisch namens Wanda“ gehört zur zweiten, selteneren Sorte. Charles Crichton und John Cleese verflechten 1988 zwei Traditionen britischer Komik, die sich auf den ersten Blick nicht miteinander vertragen wollen. Aus dieser Reibung entsteht ein Heist-Movie, der seine Lust an der Anarchie nie gegen handwerkliche Disziplin ausspielt. Das Resultat wirkt überraschend modern.

Ein Fisch namens Wanda
Dauer: 108 Min.
FSK: 16 (DE)
Jahr: 1988
Kategorien: Komödie, Krimi
Regie: Charles Crichton
Produzenten: Michael Shamberg
Hauptdarsteller: Jamie Lee Curtis, John Cleese, Kevin Kline
Nebendarsteller: Michael Palin, Maria Aitken, Tom Georgeson, Cynthia Cleese
Studio: Prominent Features, Metro-Goldwyn-Mayer, Fish Productions, Michael Shamberg Productions

Die Konstellation aus vier sehr unterschiedlich komischen Charakteren ist das eigentliche Versprechen des Films. Ein Juwelenraub liefert nur den Anlass, um ein Beziehungsgeflecht aus Misstrauen, Eifersucht und Gier zu entfalten. Cleese und Crichton arbeiten an dieser Mechanik vier Jahre lang, bevor sie auf die Leinwand findet. Die Geduld ist dem Ergebnis anzumerken. Selten hat eine Kriminalkomödie ihre Figuren so präzise gegeneinander ausgespielt. Was macht diesen schmalen Grat zwischen Farce und Bösartigkeit so tragfähig?

Besetzung, Regie und Drehorte

Ein Fisch namens Wanda“ entstand 1988 als britisch-amerikanische Koproduktion unter der Regie des damals 77-jährigen Charles Crichton, der zuvor 23 Jahre lang keinen Spielfilm mehr gedreht hatte. Das Drehbuch verfasste er gemeinsam mit John Cleese in einem mehrjährigen Wechsel aus Arbeitswochen und Reflexionspausen. Produzent war Michael Shamberg, die Kamera führte Alan Hume, den Schnitt verantwortete John Jympson. Die Musik komponierte John Du Prez. Cleese fungierte ungenannt als Co-Regisseur.

Die vier Hauptrollen verteilen sich auf zwei britische und zwei US-amerikanische Darsteller. John Cleese spielt den Anwalt Archie Leach, Michael Palin den stotternden Tierschutzaktivisten Ken. Jamie Lee Curtis übernahm die Titelfigur Wanda Gershwitz, Kevin Kline ihren angeblichen Bruder Otto. In Nebenrollen sind Tom Georgeson als George Thomason, Maria Aitken als Wendys Frau Wendy und Patricia Hayes als Mrs. Coady zu sehen. Stephen Fry tritt in einem kurzen Gastauftritt als Flugpassagier in Erscheinung.

Mit 108 Minuten Laufzeit und einer Freigabe ab 16 Jahren wurde der Film binnen zehn Wochen in den Twickenham Studios sowie an Schauplätzen in London und Oxford gedreht. Das Budget belief sich auf 7,3 Millionen US-Dollar. Bei den Academy Awards 1989 erhielt Kevin Kline den Oscar als bester Nebendarsteller, dazu kamen Nominierungen für Regie und Originaldrehbuch. Auch BAFTA und Golden Globe würdigten den Film mehrfach.

Handlung & Inhalt vom Film „Ein Fisch namens Wanda“

In London formiert sich ein ungewöhnliches Quartett, um gemeinsam einen Juwelenraub zu begehen. George, ein selbstgefälliger Berufsverbrecher, entwickelt den Plan und stellt dafür das Team zusammen. Ihm zur Seite steht dabei Ken, ein stotternder Tierschutzaktivist, der ihm mit unerschütterlicher Loyalität ergeben ist. Außerdem reisen aus den USA Wanda und Otto an, die sich zwar als Geschwister ausgeben, in Wahrheit jedoch ein Liebespaar sind. Otto inszeniert sich unterdessen als belesener Nietzsche-Kenner, während er in Wirklichkeit vor allem seine Waffenfaszination und seine Kampfsportobsessionen pflegt. Der Coup gelingt schließlich reibungslos, und die Beute, Diamanten im Millionenwert, soll deshalb vorerst in einem Safe deponiert bleiben. Doch schon kurz darauf beginnt das eigentliche Spiel, denn nun herrscht Misstrauen auf allen Seiten und jeder wendet sich gegen jeden.

Wanda durchschaut die Männer, weshalb sie sie nach Belieben manipuliert und gegeneinander ausspielt. Zunächst verrät sie George per anonymem Anruf an die Polizei, und anschließend plant sie, auch Otto loszuwerden, sobald sich die Diamanten in ihrer Reichweite befinden. George ist ihr jedoch bereits zuvorgekommen, denn er hat das Diebesgut vorsichtshalber an einen anderen Ort verlegt. Aus seiner Untersuchungshaft heraus weiht er deshalb allein Ken ein, der wiederum den Schlüssel zur neuen Beute in seinem Aquarium versteckt. Wanda beobachtet allerdings den gesamten Vorgang, entwendet daraufhin den Schlüssel und verbirgt ihn anschließend im Anhänger ihrer Halskette. Den Standort des dazugehörigen Safes kennt sie freilich noch immer nicht, sodass dringend eine neue Informationsquelle gefunden werden muss.

Verwicklungen, Verrat und ein letzter Coup

Als Jurastudentin getarnt, nähert sich Wanda dem Verteidiger Archie Leach, der ihrem Charme schnell verfällt. Eine Reihe peinlicher Verwechslungen verschärft die Lage. Wanda verliert ihren Anhänger in Archies Haus, wo Ehefrau Wendy ihn als Geschenk beansprucht. Der eifersüchtige Otto demütigt Archie und gefährdet Wandas Pläne. Bei einem nächtlichen Einbruch verprügelt er Archie versehentlich. Parallel soll Ken eine belastende Augenzeugin ausschalten. Seine Versuche enden jedoch in grotesken Pannen, bei denen vor allem ihre Hunde sterben.

Die Gerichtsverhandlung kippt ins Chaos, als Archie Wanda versehentlich als Geliebte enttarnt und sie George erneut ausliefert. Im Showdown fesselt Otto Ken und verspeist dessen Aquariumsfische, um den Standort des Safes zu erfahren. Dieser befindet sich im Cathcart Towers Hotel nahe Heathrow. Archie will mit Wanda und der Beute nach Südamerika fliehen. Ken bringt ihn zum Flughafen, während Otto Archies Wagen kapert und die Verfolgung aufnimmt.

Auf dem Rollfeld treffen alle Beteiligten aufeinander. Wanda schlägt Otto bewusstlos und entkommt mit den Diamanten. Otto kommt zu sich, überwältigt Archie und zwingt ihn in ein Fass voller Altöl. Ken nähert sich mit einer Dampfwalze, während Otto in frischem Beton feststeckt. Er kann nicht entkommen und wird überrollt. Archie erreicht das Flugzeug nach Rio und trifft dort Wanda. Otto erscheint nochmals am Fenster, ehe ihn der Fahrtwind vom Flugzeug reißt. Archie und Wanda blicken einer gemeinsamen Zukunft mit siebzehn Kindern entgegen.

Filmkritik und Fazit zum Film „Ein Fisch namens Wanda“

Ein Fisch namens Wanda“ lebt von einer Inszenierung, die das eigene Tempo niemals der Pointe opfert. Crichton dreht in langen Einstellungen und verzichtet auf zweite Takes, wenn der erste sitzt. Diese Ökonomie wirkt unaufdringlich, fast altmodisch, und gibt den Schauspielern den Raum, den ihre Figuren brauchen. Kevin Kline füllt diesen Raum mit einer Energie, die Otto vor jeder Karikatur bewahrt. Sein Achselschnüffeln, sein leeres „Ich bin enttäuscht“ vor dem ausgeräumten Safe – das sind Momente einer Komik, die aus der Figur selbst entsteht.

Die Bildsprache nimmt die Komik ernst, ohne sie zu überhöhen. Alan Humes Kamera ordnet sich der Choreografie der Körper unter. Der Schnitt arbeitet pointiert, lässt Reaktionen aber atmen. John Du Prez‘ Score hält sich angenehm zurück und überlässt dem Sounddesign – etwa dem Stottern Kens, dem Quietschen der Walze, der Stille im Gerichtssaal – die akzentuierende Arbeit. Tonal verbindet der Film Feydeau-Farce mit dem schwarzen Humor der Python-Generation. Dass diese Mischung trägt, liegt am sicheren Gespür für Dosierung. Selbst die kontroversen Hundetode bleiben durch ihre Albernheit kalkulierbar.

Wer eine intellektuell anspruchsvolle Auseinandersetzung mit Schuld und Sühne sucht, ist hier am falschen Ort. Wer hingegen sehen möchte, wie eine Kriminalkomödie ihre Figuren ohne Sentimentalität in den Abgrund treibt und dabei elegant bleibt, findet einen seltenen Glücksfall. Die Konstellation aus vier exzentrischen Charakteren, die präzise Regie und ein Ensemble auf Augenhöhe machen den Film auch nach Jahrzehnten zu einer der haltbarsten Genrearbeiten. Ein Klassiker, der nicht altert.

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