Street Fighter – Die entscheidende Schlacht

Die frühen Neunziger waren eine merkwürdige Zeit für das Kino der populären Kultur. Videospiele drängten auf die Leinwand, ohne dass Hollywood recht wusste, was mit ihnen anzufangen war. „Street Fighter – Die entscheidende Schlacht“ steht exemplarisch für diese Phase des Tastens und Taumelns. Der Film verhandelt weniger eine Geschichte als ein Versprechen – das eines bunten Arcade-Kosmos auf großer Leinwand. Zwischen Actionkino und Comicästhetik entsteht ein eigenwilliges Zwitterwesen. Seine Wirkung erklärt sich heute eher aus dem kulturellen Umfeld als aus seiner Machart.

Street Fighter - Die entscheidende Schlacht
Dauer: 102 Min.
FSK: 16 (DE)
Jahr: 1994
Kategorien: Abenteuer, Action
Regie: Steven E. de Souza
Produzenten: 辻本憲三, Edward R. Pressman
Hauptdarsteller: Jean-Claude Van Damme, Raúl Juliá, Kylie Minogue
Nebendarsteller: Byron Mann, Damian Chapa, Ming-Na Wen, Andrew Bryniarski
Studio: Capcom, Universal Pictures, Pressman Film, Film Queensland, Salon Films

Steven E. de Souza übersetzt die Vorlage in ein Genre-Amalgam aus Kriegsfilm, Kampfsportspektakel und Pulp-Abenteuer. Jean-Claude Van Damme und Raúl Juliá bilden das denkwürdige Zentrum einer Besetzung, die auf reine Wiedererkennung setzt. Der Film strotzt vor Figuren, Uniformen und Posen, die dem Spiel entlehnt sind. Sein Rhythmus wechselt zwischen Militärparodie und Zirkusarena. Was als Actionkino verkauft wurde, entpuppt sich als seltsames Genrepuzzle mit wechselhafter Oberfläche. Lässt sich ein solches Pop-Produkt dreißig Jahre später noch als kohärentes Werk lesen?

Besetzung, Regie und Drehorte

Street Fighter – Die entscheidende Schlacht“ entstand 1994 unter der Regie von Steven E. de Souza, der zugleich das Drehbuch verfasste. Produziert wurde die Realverfilmung von Kenzo Tsujimoto, Edward R. Pressman und Akio Sakai. Für den Soundtrack zeichnete Graeme Revell verantwortlich, während William A. Fraker die Kamera führte. Den Schnitt übernahmen gleich fünf Personen: Edward M. Abroms, Donn Aron, Dov Hoenig, Anthony Redman und Robert F. Shugrue. Die Produktion entstand in den USA und verband japanische und amerikanische Einflüsse.

Jean-Claude Van Damme verkörpert Colonel William Guile, den Anführer der alliierten Streitkräfte. Raúl Juliá spielt seinen Gegenspieler, den größenwahnsinnigen Diktator M. Bison. In weiteren zentralen Rollen sind Ming-Na Wen als Chun-Li Zhang und Damian Chapa als Ken Masters zu sehen. Kylie Minogue gibt Cammy White, Byron Mann verkörpert Ryu Hoshi. Wes Studi, Roshan Seth, Grand L. Bush, Peter Navy Tuiasosopo und Andrew Bryniarski ergänzen das Ensemble.

Der Film läuft 100 Minuten und trägt eine FSK-Freigabe ab 16 Jahren. Raúl Juliá wurde 1995 posthum für den Saturn Award als Bester Nebendarsteller nominiert. Im selben Jahr erhielt der Film eine weitere Nominierung als Bester Science-Fiction-Film. Der deutsche Kinostart erfolgte am 27. April 1995. Zum Film erschien zudem ein eigenes Videospiel für Arcade, PlayStation und Sega Saturn.

Handlung & Inhalt vom Film „Street Fighter – Die entscheidende Schlacht“

Im fiktiven südostasiatischen Staat Shadaloo regiert der selbsternannte General M. Bison mit eiserner Hand, während er mehr als sechzig Mitarbeiter der Allied Nations als Geiseln festhält. Seine Forderung lautet: zwanzig Milliarden US-Dollar Lösegeld binnen dreier Tage. Deshalb übernimmt Colonel William F. Guile den Auftrag, mit einer internationalen Eliteeinheit einzugreifen. Unter den Gefangenen befindet sich auch sein Freund Carlos Blanka. Bison lässt ihn jedoch nicht töten, sondern in sein Labor bringen, wo Dr. Dhalsim aus Blanka die erste Kampfmaschine einer neuen Supersoldaten-Generation formen soll. Dhalsim manipuliert allerdings heimlich die Konditionierung und rettet dadurch Blankas Menschlichkeit.

Parallel tauchen die Trickbetrüger Ryu Hoshi und Ken Masters in der Stadt auf, weil sie den Waffenhändler Victor Sagat mit gefälschter Ware hintergehen wollen. Sagat durchschaut jedoch die List und zwingt Ryu deshalb in einen Käfigkampf gegen seinen Champion Vega. Bevor dieser entschieden ist, stürmt Guile die Arena und lässt sämtliche Anwesenden festnehmen. Dabei erkennt er in Ryu und Ken brauchbare Infiltranten für Bisons Organisation. Gegen das Versprechen der Freiheit inszenieren die beiden daher eine Flucht, wobei sich Guile zum Schein erschießen lässt, um den Gegner zu täuschen.

Konfrontation und Wendepunkt

Die Fernsehreporterin Chun-Li Zhang verfolgt derweil eigene Motive, denn ihr Vater wurde zwanzig Jahre zuvor von Bison getötet. Begleitet wird sie vom Sumo-Ringer Edmond Honda und dem Boxer Balrog, die wiederum an Sagat Rache nehmen wollen. Auf einer Gala versuchen die drei deshalb, Bison und Sagat zu liquidieren. Ryu und Ken verhindern jedoch den Anschlag, um ihre Tarnung zu wahren. Daraufhin lässt Bison Honda und Balrog foltern sowie Chun-Li in sein Quartier bringen. Dort kommt es zwar zum Kampf, doch Schlafgas setzt die Angreifer außer Gefecht.

Guile plant währenddessen den finalen Sturm auf Bisons Basis, aber die Allied Nations durchkreuzen seine Pläne, weil sie das Lösegeld zahlen wollen. Dennoch marschiert Guile mit seinen loyalen Truppen los. Im Labor fliegt unterdessen Dhalsims Täuschung auf, woraufhin Blanka befreit wird und einen Wachmann tötet. Bison schickt ihn anschließend als Waffe gegen die Geiseln aus, doch Guile greift ein. Während seine Männer die Gefangenen retten, stellt er sich Bison zum Zweikampf, während Ryu und Ken Sagat und Vega besiegen.

Der Showdown entfaltet sich schließlich als groteske Technikschau, als Guile Bison in eine Batterie von Festplatten schleudert, die ihn elektrisieren. Ein automatisches Rettungssystem erweckt den Diktator jedoch erneut zum Leben. Weil er mit superleitenden Stiefeln plötzlich fliegen kann, gewinnt er die Oberhand. Guile kontert allerdings und schleudert ihn in die Monitorwand, die daraufhin explodiert. Während die Geiseln freikommen, bleiben Dhalsim und Blanka zurück. In einer Szene nach dem Abspann aktiviert sich die Basis durch Sonnenenergie erneut, und Bisons Faust ragt aus den Trümmern – eine offene Drohung, die nie eingelöst wurde.

Filmkritik und Fazit zum Film „Street Fighter – Die entscheidende Schlacht“

Street Fighter – Die entscheidende Schlacht“ trägt die Handschrift eines Drehbuchautors, der auf den Regiestuhl gewechselt ist, ohne visuelles Denken mitzubringen. De Souza zerlegt seinen Stoff in episodische Einheiten, die kaum rhythmische Kohärenz gewinnen. William A. Frakers Kamera erzeugt saubere, aber selten prägnante Bilder. Das Sounddesign begnügt sich mit Genre-Konventionen, statt die Kampfchoreografien akustisch zu veredeln. Graeme Revells Musik bleibt blass, wo sie Akzente setzen müsste. Das Schauspiel wirkt über weite Strecken merkwürdig disparat.

Van Damme agiert zurückhaltender als gewohnt und verliert dadurch genau jene physische Präsenz, die seine Rolle tragen müsste. Raúl Juliá hingegen füllt die Figur Bisons mit theatralischer Lust und ironischer Distanz. Seine Szene im Planungsraum, in der er Eroberungspläne ausbreitet, zeigt eine Schauspielkunst, die den Film immer wieder kurzzeitig hebt. Die Arena-Sequenz mit Ryu und Vega gehört zu den wenigen choreografisch durchdachten Momenten. Kostüme und Produktionsdesign reagieren auf die Arcade-Vorlage mit überzeichnetem Charme. Das Tempo leidet unter der Figurenfülle, die keinem Charakter Raum für Entwicklung lässt.

Der Film funktioniert heute vor allem als Dokument einer kulturellen Übergangsphase. Wer ihn als ernsthaftes Actionkino sieht, wird ihn als schwach empfinden. Wer ihn als Pop-Artefakt der Neunziger liest, findet eigenwilligen Unterhaltungswert. Genrefreunde mit Sinn für den unfreiwilligen Camp-Ton werden fündig, ernsthafte Action-Liebhaber sollten kalibrierte Erwartungen mitbringen. Raúl Juliás letzte große Rolle allein rechtfertigt eine Sichtung.

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