Safe House

Kapstadt, 2012. Ein junger Agent, der nichts als Bewährung sucht. Ein Veteran, der alles verraten hat oder doch nicht? In „Safe House“ treffen zwei ungleiche Männer aufeinander, die das System hervorgebracht hat, von dem sie nun gejagt werden. Regisseur Daniél Espinosa entwirft ein Kräfteverhältnis, das seinen Reiz weniger aus der Handlung bezieht als aus den Figuren, die sie tragen.

Safe House
Dauer: 115 Min.
FSK: 16 (DE)
Jahr: 2012
Kategorien: Action, Thriller
Regie: Daniel Espinosa
Produzenten: Scott Stuber
Hauptdarsteller: Denzel Washington, Ryan Reynolds, Vera Farmiga
Nebendarsteller: Brendan Gleeson, Sam Shepard, Rubén Blades, Nora Arnezeder
Studio: Universal Pictures, Relativity Media, Bluegrass Films

Wo endet der Gehorsam und wo beginnt das eigene Urteil? Diese Frage, aufgeladen mit dem Gewicht zweier Karrieren und einer Waterboarding-Szene, die keine war, zieht sich als stiller Subtext durch den Film und verleiht ihm mehr Spannung als jede Verfolgungsjagd.

Besetzung, Regie und Drehorte

„Safe House“ ist ein US-amerikanischer Actionthriller aus dem Jahr 2012, produziert von Universal Pictures mit einem Budget von rund 85 Millionen US-Dollar. Regie führte der chilenisch-schwedische Filmemacher Daniél Espinosa, für den es der erste englischsprachige Kinofilm war. Das Drehbuch stammt von David Guggenheim, die Kameraarbeit übernahm Oliver Wood, der Schnitt liegt in den Händen von Richard Pearson. Die Musik komponierte Ramin Djawadi. Gedreht wurde ausschließlich an Originalschauplätzen in Kapstadt, Südafrika.

Denzel Washington spielt den abtrünnigen CIA-Agenten Tobin Frost, Ryan Reynolds den unerfahrenen Geheimdienstler Matt Weston. Vera Farmiga ist als Agentenleiterin Catherine Linklater zu sehen, Brendan Gleeson verkörpert Westons Vorgesetzten David Barlow, Sam Shepard den CIA-Vizedirektor Harlan Whitford. Weitere Rollen bekleiden Rubén Blades, Robert Patrick, Nora Arnezeder, Liam Cunningham, Joel Kinnaman und Fares Fares. Die Synchronisation für den deutschen Markt wurde bei der Berliner Synchron GmbH unter der Regie von Joachim Tennstedt realisiert.

Der Film läuft 115 Minuten und ist in Deutschland ab 16 Jahren freigegeben. Kommerziell erwies sich „Safe House“ als Erfolg: Weltweit spielte der Film rund 208 Millionen US-Dollar ein. Eine Besonderheit am Set betrifft die Waterboarding-Szene, Espinosa entschied sich, diese nicht zu simulieren, sondern Washington der Prozedur tatsächlich auszusetzen. Der Regisseur räumte später ein, dabei erhebliches Unbehagen empfunden zu haben.

Handlung & Inhalt vom Film „Safe House“

Matt Weston fristet seit einem Jahr ein weitgehend ereignisloses Dasein als sogenannter „Housekeeper“ der CIA in Kapstadt. Dabei bewacht er ein konspirativen Zwecken dienendes Versteck, das bislang keinerlei Nutzung erfahren hat. Sein Vorgesetzter David Barlow dämpft jedoch seine Hoffnung auf eine Versetzung nach Paris, wo seine französische Freundin Ana bald ihre Facharztausbildung beginnen soll. Gleichzeitig ist in einer anderen Ecke der Stadt der Ex-Agent Tobin Frost in eine gefährliche Transaktion verwickelt. Er übernimmt von dem abtrünnigen MI6-Mann Alec Wade einen verschlüsselten Datenspeicher, wird allerdings sofort danach von Söldnern attackiert und flüchtet schließlich ins US-Konsulat.

Daraufhin wird Frost in Westons Safe House verlegt, wo ein CIA-Team unter Daniel Kiefer mit einem Verhör beginnt. Währenddessen beobachtet Weston die Waterboarding-Prozedur mit sichtlichem Unwohlsein. Die Ruhe ist allerdings nur von kurzer Dauer, denn Söldner unter dem Kommando eines Mannes namens Vargas stürmen das Versteck und töten Kiefer sowie sein Team. Nur Weston gelingt es schließlich, gemeinsam mit Frost zu fliehen. Anschließend nimmt er Kontakt zu Barlow und zur Verhörverantwortlichen Catherine Linklater auf. Beide geben ihm die Anweisung, sich zunächst zu verstecken und abzuwarten. Als Frost jedoch während einer Übergabe am Green-Point-Stadion erneut entkommen kann, entschließt sich Weston, ihn auf eigene Faust zu verfolgen.

Jäger, Gejagte und Verrat im Hintergrund

Schließlich findet Weston Frost im Township Langa bei dem Dokumentenfälscher Carlos Villar. Doch Vargas und seine Männer greifen erneut an und töten Villar und seine Frau. Weston hilft Frost bei der Flucht und setzt anschließend einen verwundeten Söldner unter Druck. Dabei erfährt er, dass Vargas im Auftrag eines CIA-Insiders operiert. Frost beginnt sich daraufhin zu öffnen. Er erzählt von einer Mission, bei der er seine eigenen Werte verriet, und erklärt, weshalb er der Agentur den Rücken kehrte.

Weston bringt Frost in ein weiteres Versteck auf dem Land. Dort greift Agent Keller ihn an und verletzt ihn schwer. Frost enthüllt nun den Inhalt des Datenspeichers: Die Dateien enthalten Belege für Korruption und Bestechung innerhalb der CIA, des MI6 und weiterer Geheimdienste, basierend auf einem Mossad-Bericht. Anschließend lässt Frost den bewusstlosen Weston zurück. Unterdessen reisen Barlow und Linklater nach Südafrika. Kurz darauf erschießt Barlow Linklater und enttarnt sich damit als Vargas‘ Auftraggeber.

Frost kehrt zurück und schaltet Vargas und sein Team aus, doch Barlow trifft ihn tödlich. Weston stellt sich seinem Vorgesetzten und tötet ihn. Im Sterben übergibt Frost Weston den Datenspeicher und nennt ihn den besseren Mann. Zurück in den USA fordert CIA-Vizedirektor Whitford Weston auf, seinen Bericht über die Ereignisse zu bereinigen, und stellt ihm dafür eine Beförderung in Aussicht. Weston bestreitet jedes Wissen über den Datensatz, spielt zunächst mit und leakt die Dateien anschließend an die Medien. Im Epilog reist er nach Paris und beobachtet Ana aus sicherer Distanz. Sie entdeckt ihn und lächelt, während Weston weitergeht.

Filmkritik und Fazit zum Film „Safe House“

„Safe House“ ist ein Film, der mehr verspricht, als er einzulösen bereit ist – und doch nicht ohne Qualitäten bleibt. Espinosa inszeniert seine erste englischsprachige Produktion mit spürbarem Stilwillen: Die Bilder Kapstadts, körnig und farbgesättigt eingefangen von Kameramann Oliver Wood, erzeugen eine Atmosphäre zwischen Hitze und Paranoia. Washingtons Präsenz als Frost ist dabei das eigentliche dramaturgische Gewicht. Er spielt einen Mann, der nicht zu fassen ist, nicht von Verfolgern, nicht von Moralvorwürfen, kaum von der Kamera selbst. Reynolds hält dagegen, zweckmäßig und glaubwürdig, ohne ihn wirklich erreichen zu können.

Das strukturelle Problem liegt im Drehbuch. David Guggenheim entwirft eine Verschwörungsgeschichte, deren Mechanismen früh durchschaubar sind. Der korrumpierte Vorgesetzte, die loyale Außenseiterin, der Verrat in der eigenen Reihe – das Genre hat diese Figuren schon zu oft gesehen. Hinzu kommt eine Montage, die in den Actionsequenzen mehr verwirrt als verdichtet. Die verwackelte Handkamera, eingesetzt als Mittel der Unmittelbarkeit, entzieht dem Publikum genau jene Orientierung, die Spannung erst ermöglicht. Ramin Djawadis Score fügt sich solide ein, schafft aber keine eigene emotionale Ebene.

Für Fans des Geheimdienstthrillers bleibt „Safe House“ ein Film mit einem klar umrissenen Profil: handwerklich ordentlich, schauspielerisch getragen von einem Washington in Bestform, thematisch aber zu wenig risikobereit, um aus der Menge herauszutreten. Wer solide Genreunterhaltung mit starkem Hauptdarsteller sucht, wird nicht enttäuscht. Wer Originelles erwartet, findet es hier kaum.

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