Der rote Baron
Er war Deutschlands schillerndste Kriegsfigur und ist es bis heute geblieben. Manfred von Richthofen, bekannt als der „Rote Baron“, schoss im Ersten Weltkrieg achtzig feindliche Flugzeuge ab. Dadurch wurde er zur lebenden Legende, zur Propagandafigur und schließlich zum Mythos. Rund neunzig Jahre nach seinem Tod wagte Regisseur Nikolai Müllerschön mit „Der Rote Baron“ den Versuch, diesen Mann neu zu deuten. Dabei zeigt er ihn nicht als kalten Killer, sondern als nachdenklichen Helden, für den der Krieg zunehmend zur Belastung wird. Dieser Ansatz bietet viel Potenzial für eine komplexe Geschichte.

| Dauer: | 120 Min. |
|---|---|
| FSK: | 12 (DE) |
| Jahr: | 2008 |
| Kategorien: | Action |
| Regie: | Nikolai Müllerschön |
| Produzenten: | Nikolai Müllerschön, Dan Maag, Roland Pellegrino, Thomas Reisser |
| Hauptdarsteller: | Matthias Schweighöfer, Til Schweiger, Lena Headey |
| Nebendarsteller: | Joseph Fiennes, Volker Bruch, Julie Engelbrecht, Maxim Mehmet |
| Studio: | Niama Film, Arclight Films |
Doch zwischen Anspruch und Ergebnis entsteht eine Lücke, die der Film nie wirklich schließt. Müllerschön drehte auf Englisch, setzte auf international bekannte Gesichter und investierte 18 Millionen Euro in Greenscreens sowie historische Kulissen. Technisch kann die Produktion deshalb durchaus beeindrucken, doch dramaturgisch steht sie auf deutlich schwächeren Beinen. Wie viel Substanz steckt also wirklich hinter dem roten Lack?
Besetzung, Regie und Drehorte
„Der Rote Baron“ ist eine deutsche Filmproduktion aus dem Jahr 2008. Nikolai Müllerschön schrieb das Drehbuch und führte außerdem Regie. Mit einem geschätzten Budget von 18 Millionen Euro zählt der Film zu den teuersten deutschen Kinoproduktionen seiner Zeit. Dan Maag, Roland Pellegrino und Thomas Reisser produzierten den Film, während Klaus Merkel die Kamera führte. Olivia Retzer und Emmelie Mansée übernahmen den Schnitt. Stefan Hansen und Dirk Reichardt komponierten die Musik, während die deutsche Rockband Reamonn den Titelsong beisteuerte.
Matthias Schweighöfer übernimmt die Hauptrolle des Manfred von Richthofen. An seiner Seite spielt Lena Headey die fiktive Krankenschwester Käte Otersdorf, während Til Schweiger den Fliegerkameraden Werner Voß verkörpert. Joseph Fiennes spielt den alliierten Piloten Roy Brown und Volker Bruch übernimmt die Rolle von Richthofens Bruder Lothar. Außerdem sind Axel Prahl als General Ernst von Hoeppner und Maxim Mehmet als der erfundene Leutnant Sternberg zu sehen.
Die Dreharbeiten liefen von Juli bis Oktober 2006 und fanden hauptsächlich in Prag und Umgebung statt. Zusätzlich drehte das Team an Schauplätzen in Frankreich und Baden-Württemberg. Das Unternehmen PIXOMONDO kümmerte sich anschließend um die CGI-Nachbearbeitung. Am 10. April 2008 startete der Film in den deutschen Kinos. Er erhielt eine FSK-Freigabe ab 12 Jahren und hat eine Laufzeit von 120 Minuten.
Handlung & Inhalt vom Film „Der Rote Baron“
Der Film spielt während des Ersten Weltkriegs an der Westfront und umfasst die Jahre 1916 bis 1918. Manfred von Richthofen dient als Jagdpilot im Kaiserlichen Deutschen Heer und gilt innerhalb seiner Einheit als herausragender Flieger. Gemeinsam mit seinen Kameraden Werner Voß und dem jüdischen Leutnant Sternberg fliegt er regelmäßig über Feindesland. Bei einem dieser Einsätze geraten die Deutschen auf dem Rückweg in ein Gefecht und Richthofen schießt eine alliierte Maschine ab. Anschließend erreicht er das Wrack und zieht den verletzten kanadischen Piloten Roy Brown aus den Trümmern. Die selbstbewusste Krankenschwester Käte Otersdorf versorgt den Verwundeten. Richthofen zeigt sich sofort von ihrer Stärke und Selbstständigkeit beeindruckt.
Nachdem Richthofen das britische Fliegerass Lanoe Hawker abgeschossen hat, erhält er den Pour le Mérite und steigt zum Geschwaderkommandeur auf. Daraufhin lässt er seine Maschine rot lackieren und sein Verband entwickelt sich zum berühmten „Fliegenden Zirkus“. Gleichzeitig versucht Richthofen, trotz des Krieges bestimmte moralische Grenzen einzuhalten. Deshalb ordnet er an, feindliche Piloten möglichst nicht zu töten. Als sein jüngerer Bruder Lothar einen bereits landenden britischen Piloten vorsätzlich beschießt, verurteilt Richthofen dieses Verhalten deutlich. Gleichzeitig erkennt die Oberste Heeresleitung seinen enormen Propagandawert und macht ihn zur Symbolfigur einer ganzen Nation. Richthofen fühlt sich dadurch zunehmend instrumentalisiert, findet jedoch zunächst keinen Ausweg aus seiner Rolle.
Zwischen Zweifel und Pflicht
Später trifft Richthofen erneut auf Brown. Beide müssen im Niemandsland notlanden und erleben für einen kurzen Moment eine ungewöhnliche Waffenruhe. Kurz darauf verliert Richthofen seinen Freund Sternberg, was ihn schwer trifft. Als er selbst verwundet wird, pflegt Käte ihn und beide kommen sich näher. Gleichzeitig konfrontiert sie ihn mit der brutalen Realität des Krieges. Im Lazarett zeigt sie ihm Verstümmelte, Verbrannte und Sterbende. Dadurch verändert sich Richthofens Blick auf den Luftkrieg. Er betrachtet ihn nicht länger als sportliche Herausforderung, sondern erkennt zunehmend das sinnlose Töten dahinter.
Als Richthofen das Angebot erhält, eine Führungsposition hinter der Front zu übernehmen, beginnt er zu zweifeln. Käte versucht ihn davon zu überzeugen, das Angebot anzunehmen. Anschließend reist er zu den Fokker-Werken und erfährt dort vom Tod seines engen Freundes Werner Voß. Damit bleibt er als letztes überlebendes Gründungsmitglied seiner Staffel zurück. Bei einem Treffen mit Hindenburg erklärt Richthofen schließlich offen, dass Deutschland den Krieg seiner Ansicht nach nicht mehr gewinnen kann. Doch seine Einschätzung findet kein Gehör. Deshalb trifft er eine persönliche Entscheidung und kehrt an die Front zurück. Dabei folgt er nicht einfach einem Befehl, sondern will vor allem seine Männer nicht im Stich lassen.
Am Morgen des 21. April 1918 weckt ein herannahender britischer Verband Richthofen. Bevor er startet, verabschiedet er sich still von Käte und beide tauschen einen letzten Blick aus. Anschließend steigt er in sein Flugzeug und hebt ab. Den folgenden Kampf zeigt der Film allerdings nicht. Zwei Wochen später überquert Käte mit Roy Browns Hilfe die alliierten Linien und besucht Richthofens frisches Grab. Dort spricht sie einige letzte Worte und bedauert, dass sie ihm nie gesagt hat, wie sehr sie ihn liebte. Zum Abschluss informiert der Abspann über das weitere Schicksal der verbliebenen Staffelmitglieder und anderer Figuren.
Filmkritik und Fazit zum Film „Der Rote Baron“
„Der Rote Baron“ möchte deutlich mehr sein als ein klassischer Kriegsfilm. Müllerschön versucht, Richthofen nicht zu verklären, sondern ihn als Menschen zu zeigen, der zunehmend mit dem Krieg und seiner eigenen Rolle darin hadert. Allerdings trägt das Drehbuch diesen Anspruch nicht durchgehend. Viele Entwicklungen behauptet der Film eher, als dass er sie nachvollziehbar aufbaut. Außerdem verändern einige Figuren ihre Haltung sehr schnell, wodurch ihre innere Entwicklung nicht immer glaubwürdig wirkt. Matthias Schweighöfer verleiht dem Baron zwar eine überzeugende Präsenz, doch die Dialoge geben ihm nur selten die nötige Tiefe. Auch Lena Headey spielt engagiert, allerdings nutzt das Drehbuch ihre Figur hauptsächlich dazu, Richthofens moralischen Wandel voranzutreiben.
Visuell funktioniert der Film deutlich besser. Vor allem die Luftkämpfe sorgen für eindrucksvolle Bilder. Das Team produzierte viele Szenen vor Greenscreens und PIXOMONDO ergänzte anschließend umfangreiche CGI-Effekte. Gleichzeitig rekonstruierte die Produktion historische Doppel- und Dreidecker mit viel Liebe zum Detail. Auch die weiten Bilder über den Schlachtfeldern vermitteln Größe und Atmosphäre. Trotzdem fehlt einigen Kampfszenen ein klarer Rhythmus. Schnelle Schnitte erschweren teilweise die räumliche Orientierung und manche Luftkämpfe enden bereits, bevor echte Spannung entstehen kann. Die Musik von Hansen und Reichardt unterstützt dagegen viele emotionale Momente und verleiht einigen Szenen zusätzliche Wirkung.
Auch historisch nimmt sich „Der Rote Baron“ zahlreiche Freiheiten. Deshalb sollten Zuschauer den Film nicht als genaue Rekonstruktion des Lebens von Manfred von Richthofen betrachten. Gleichzeitig bietet er für ein klassisches Kriegsabenteuer vergleichsweise wenig Action, während dem psychologischen Porträt an einigen Stellen die nötige Tiefe fehlt. Wer sich jedoch für die frühe Militärluftfahrt interessiert und aufwendige deutsche Kinoproduktionen schätzt, findet einige sehenswerte Momente. Vor allem die Flugzeuge, die Luftaufnahmen und die visuelle Gestaltung gehören zu den stärksten Seiten des Films.