Die unabsichtliche Entführung der Frau Elfriede Ott
„Die unabsichtliche Entführung der Frau Elfriede Ott“ beginnt mit einem Betrug, der aus Bequemlichkeit längst zum Alltag geworden ist. Horst lebt vom Geld seiner verstorbenen Großmutter, während Toni seine eigenen Pläne verfolgt. Als plötzlich ein Lokalpolitiker vor der Tür steht, braucht das Duo innerhalb weniger Stunden eine glaubwürdige Lösung. Aus einer kleinen Unachtsamkeit wächst damit ein Problem, das sich nicht mehr leicht kontrollieren lässt.

| Dauer: | 113 Min. |
|---|---|
| FSK: | 12 (DE) |
| Jahr: | 2010 |
| Kategorien: | Komödie |
| Regie: | Andreas Prochaska |
| Produzenten: | Danny Krausz, Ulrike Ladenbauer, Kurt Stocker |
| Hauptdarsteller: | Michael Ostrowski, Andreas Kiendl, Elfriede Ott |
| Nebendarsteller: | Gerhard Liebmann, Angelika Niedetzky, Monica Reyes, Simon Hatzl |
| Studio: | ZDF, ORF |
Aus einer improvisierten Idee entwickelt sich eine immer kompliziertere Lage. Horst und Toni nehmen eine ältere Frau aus dem Krankenhaus mit und geraten ausgerechnet an Elfriede Ott. Danach verschärfen ein Polizeieinsatz, eine Lösegeldforderung und mehrere persönliche Konflikte die Situation. Gleichzeitig geraten auch Gerry, Veronika, Reinhard und Karin in das Geschehen. Am Ende laufen die verschiedenen Interessen in Horsts Wohnung zusammen, während alte Lügen und neue Geheimnisse offenliegen. Wie lange kann ein kleiner Betrug verborgen bleiben, wenn immer mehr Menschen daran beteiligt sind?
Besetzung, Regie und Drehorte
Die österreichische Filmkomödie „Die unabsichtliche Entführung der Frau Elfriede Ott“ erschien 2010 und entstand unter der Regie von Andreas Prochaska. Uwe Lubrich, Alfred Schwarzenberger und Michael Ostrowski schrieben gemeinsam das Drehbuch, während Dor Film die Produktion übernahm. Der Film dauert 110 Minuten und erhielt von der Jugendmedienkommission eine Freigabe ab zwölf Jahren.
Michael Ostrowski spielt Toni Cantussi, Andreas Kiendl verkörpert Horst Wippel und Elfriede Ott tritt als sie selbst auf. Außerdem gehören Angelika Niedetzky als Veronika Polster, Gerhard Liebmann als Gerry Dirschl, Thomas Mraz als Reinhard Meinhard Ott sowie Monica Reyes als Karin Leitner zur Besetzung. Gedreht wurde vom 20. Oktober bis 27. November 2009 in Wien, Graz und der Umgebung. Mehrere Szenen entstanden im Grazer Bezirk Gries, unter anderem an der Annenstraße, der Elisabethinergasse und bei St. Andrä. Das Krankenhaus der Elisabethinen diente dabei als fiktives „Landeskrankenhaus Graz Mitte“, während die abschließende Friedhofsszene in Graz-Straßgang entstand.
Für die Kamera war Heinz Wehsling verantwortlich, den Schnitt übernahmen Karin Hartusch und Daniel Prochaska. Heinz Ditsch und Kollegium Kalksburg steuerten die Musik bei. Beim Österreichischen Filmpreis 2011 gewann die Produktion die Kategorien Bester Spielfilm, Bestes Drehbuch und Beste Musik. Zusätzlich erhielt sie bei der Romyverleihung 2011 Auszeichnungen als Bester Kinofilm sowie für Bestes Buch und Beste Regie.
Handlung & Inhalt vom Film „Die unabsichtliche Entführung der Frau Elfriede Ott“
Horst lebt als Student in Graz und führt ein bequemes Leben. Nach dem Tod seiner Eltern wuchs er bei seiner Großmutter auf. Später kümmerte er sich während ihrer Krankheit um viele alltägliche Aufgaben. Dabei erledigte Horst auch ihre Bankgeschäfte und kannte die finanziellen Abläufe. Nach ihrem Tod meldet er das Ereignis jedoch nicht ordnungsgemäß weiter. Stattdessen kassiert Horst weiterhin ihre Pension und zusätzlich das gewährte Pflegegeld. Mit diesem Geld finanziert er unter anderem einen Urlaub in Thailand. Anschließend bleibt er in der Wohnung seiner verstorbenen Großmutter wohnen. Schließlich zieht auch sein Freund Toni dort ein und genießt das sorglose Leben.
Toni verfolgt eigene Pläne und möchte mit einer Stretch-Limousine Geld verdienen. Zuvor arbeitete er als Mitgeschäftsführer in einem Tanzcafé auf dem Land. Trotzdem nutzt er das teure Fahrzeug bislang überwiegend für private Zwecke. Außerdem trifft er sich heimlich mit Karin, obwohl sie Horsts Freundin ist. Zwei Jahre nach dem Tod der Großmutter entsteht plötzlich ein ernstes Problem. Ein Lokalpolitiker kündigt sich an und möchte der vermeintlich Lebenden gratulieren. Horst entdeckt den entsprechenden Brief allerdings erst wenige Stunden vor dem Besuch. Eine einfache Ausrede scheidet wegen des weiterhin bezogenen Pflegegeldes sofort aus. Deshalb suchen die beiden hektisch nach einer glaubwürdigen Ersatzgroßmutter.
Neue Wege für Horst, Toni und Elfriede Ott
Im Krankenhaus wollen Horst und Toni kurzfristig eine ältere Frau mitnehmen. Ihr Plan sieht nur einen kurzen Aufenthalt während des Politikerbesuchs vor. Dabei wählen sie ausgerechnet die bekannte Schauspielerin Elfriede Ott als Ersatz. Toni erkennt sie jedoch nicht und hält die Situation für unkompliziert. Zuvor hatte Krankenschwester Veronika die Schauspielerin heimlich mit Medikamenten ruhiggestellt. Sie möchte dadurch an das Losungswort für Otts Sparbuch gelangen. Gleichzeitig steckt Veronikas Freund Gerry selbst in erheblichen Schwierigkeiten. Der Autohändler wartet noch immer auf Tonis Zahlung für die Limousine. Zudem bedrohen ihn ungarische Kriminelle wegen eines früheren Betrugs. Kommissar Kramer übernimmt nun unterdessen die Ermittlungen.
Der Polizeieinsatz verhindert eine unauffällige Rückkehr von Elfriede Ott ins Krankenhaus. Horst und Toni geraten deshalb tiefer in ihre eigene Täuschung. Schließlich verändern sie ihren ursprünglichen Plan und fordern plötzlich Lösegeld. Dadurch wird aus dem improvisierten Trick eine tatsächliche Entführung mit Folgen. Otts Neffe Reinhard Meinhard Ott zeigt jedoch kein Interesse an ihrer Rückkehr. Seine Tante bevormundet ihn seit Jahren, weshalb ihm ihr Verschwinden gelegen kommt. Bei einer geplanten Geldübergabe eskaliert die Lage schließlich vollständig. Reinhard erscheint nicht mit einer friedlichen Lösung im Sinn. Stattdessen versucht er, seine Tante mit einer Waffe zu erschießen. Damit verschärft sich die Situation weiter.
Am Ende treffen die Beteiligten nacheinander in Horsts Wohnung aufeinander. Dort lösen sich mehrere Konflikte gleichzeitig und sorgen für überraschende Wendungen. Zwischendurch beginnen einige Anwesende sogar zu singen, wodurch die Szene ungewöhnlich wirkt. Karin gesteht schließlich ihre Beziehung zu Toni und trifft Horst damit hart. Daraufhin greift Horst nach Reinhards Waffe und richtet sie gegen seinen Freund. Andere Beteiligte verhindern jedoch rechtzeitig einen Schuss und beruhigen die Situation. Reinhard muss anschließend ins Gefängnis, während Toni mit Karin zusammenzieht. Sie erwartet ein Kind von ihm. Gemeinsam mit Malou führen beide eine Dreierbeziehung. Elfriede Ott unterstützt schließlich Horst und bezahlt seine Strafen.
Fazit & Kritiken zum Film „Die unabsichtliche Entführung der Frau Elfriede Ott“
Die Komödie „Die unabsichtliche Entführung der Frau Elfriede Ott“ funktioniert am besten, wenn alltägliche Schlamperei in immer größere Probleme kippt. Besonders stark gerät die Szene, in der Toni ausgerechnet Elfriede Ott aus dem Krankenhaus mitnimmt. Der absurde Ausgangspunkt bleibt verständlich, weil Horst und Toni ständig pragmatisch reagieren. Humor entsteht weniger durch einzelne Gags als durch ihre konsequent falschen Entscheidungen. Auch der steirische Sprachwitz gibt vielen Situationen zusätzlichen Biss. Manche derberen Scherze treffen jedoch deutlich gröber und altern schlechter.
Später gewinnt der Film durch zahlreiche Nebenfiguren an Tempo und Unberechenbarkeit. Gerrys Probleme, Veronikas Sparbuchplan und Reinhards Gleichgültigkeit greifen zunehmend ineinander. Besonders die missglückte Lösegeldübergabe verschiebt den Ton überzeugend Richtung schwarzer Komödie. Gleichzeitig überlädt der Film einzelne Passagen mit immer neuen Verwicklungen. Nicht jede Nebenidee braucht denselben Raum, weshalb manche Wendung konstruiert erscheint. Trotzdem hält die Geschichte ihre zentralen Konflikte klar zusammen.
Im Finale bündelt die Wohnungsszene nahezu alle offenen Beziehungen und Betrügereien. Karins Geständnis gegenüber Horst setzt einen persönlichen Konflikt zwischen die absurden Ereignisse. Anschließend treibt Reinhards Waffe die Situation bis an die Grenze des Grotesken. Der eingeschobene Gesang verstärkt diesen ungewöhnlichen Schluss, kann jedoch aufgesetzt erscheinen. Gerade die Mischung aus Alltagsmilieu, schwarzem Humor und kontrolliertem Chaos prägt den Film. Seine stärksten Momente entstehen dort, wo kleine Lügen glaubwürdig immer größere Konsequenzen auslösen.