Der weiße Hai 2
Vier Jahre nach Steven Spielbergs Meilenstein kehrt das Grauen in die Gewässer von Amity Island zurück. „Der weiße Hai 2“ von Jeannot Szwarc aus dem Jahr 1978 übernimmt das Erbe eines Films, der das Blockbuster-Kino begründete. Die Ausgangslage ist heikel, die Erwartungshaltung gewaltig. Ein zweiter Raubfisch, eine vertraute Küste, dieselbe Hilflosigkeit der Behörden. Szwarc muss liefern, ohne zu wiederholen.

| Dauer: | 116 Min. |
|---|---|
| FSK: | 16 (DE) |
| Jahr: | 1978 |
| Kategorien: | Abenteuer, Horror |
| Regie: | Jeannot Szwarc |
| Produzenten: | Richard D. Zanuck, David Brown |
| Hauptdarsteller: | Roy Scheider, Lorraine Gary, Murray Hamilton |
| Nebendarsteller: | Joseph Mascolo, Jeffrey Kramer, Collin Wilcox Paxton, Ann Dusenberry |
| Studio: | Universal Pictures, The Zanuck/Brown Company |
Dass die Fortsetzung überhaupt entstehen konnte, ist dem produktionsgeschichtlichen Ringen um Tonfall und Regie zu verdanken. Spielberg winkte ab, der erste Regisseur John D. Hancock wurde ersetzt, die Drehbücher wanderten durch mehrere Hände. Roy Scheider kehrte widerwillig zurück, vertraglich gebunden, schauspielerisch jedoch präsent. John Williams komponierte erneut, diesmal breiter orchestriert. Was bleibt am Ende, wenn die Ikonografie des Originals zur Bürde wird?
Besetzung, Regie und Drehorte
„Der weiße Hai 2“ entstand unter der Regie von Jeannot Szwarc, der nach der Entlassung seines Vorgängers Hancock übernahm. Das Drehbuch verfassten Carl Gottlieb und Howard Sackler, wobei Gottlieb bereits am ersten Teil mitgeschrieben hatte. Produziert wurde das Werk von Richard D. Zanuck und David Brown, die das Projekt auch gegen Spielbergs Absage vorantrieben. Michael Butler führte die Kamera, Neil Travis verantwortete den Schnitt. John Williams lieferte erneut die Musik.
Roy Scheider spielt Polizeichef Martin Brody mit jener mürrischen Erdung, die bereits den ersten Teil prägte. Lorraine Gary kehrt als Ellen Brody zurück, Murray Hamilton verkörpert abermals den opportunistischen Bürgermeister Larry Vaughn. Joseph Mascolo übernimmt die Rolle des geschäftstüchtigen Immobilienentwicklers Len Peterson, Jeffrey Kramer agiert als Deputy Hendricks. In Nebenrollen treten Ann Dusenberry, Mark Gruner und Marc Gilpin als Brodys Söhne auf. Keith Gordon gibt hier sein Spielfilmdebüt.
Mit 117 Minuten Laufzeit und einer Freigabe ab 16 Jahren richtet sich der Film an ein Publikum, das Spannungskino jenseits reiner Jugendunterhaltung sucht. Die Dreharbeiten fanden auf Martha’s Vineyard und an der Navarre Beach in Florida statt. Rund 20 Millionen Dollar verschlangen die Produktionskosten, das weltweite Einspiel erreichte etwa 188 Millionen Dollar. Damit knüpft die Fortsetzung vier Jahre nach Steven Spielbergs „Der weiße Hai“ von 1975 an den ersten Teil an.
Handlung & Inhalt vom Film „Der weiße Hai 2“
Vier Jahre nach den traumatischen Ereignissen des ersten Films scheint Amity Island wieder zur Normalität zurückgefunden zu haben. Ein neues Hotel soll eröffnen, der Tourismus blüht, und der Sommer verspricht Einnahmen. Polizeichef Martin Brody versieht weiterhin seinen Dienst an der Küste, während seine Familie gewohnt nah am Wasser lebt. Zwei Taucher fotografieren das Wrack der Orca, werden dabei jedoch angegriffen. Ihre Kamera sinkt daraufhin in die Tiefe. Kurz darauf verschwindet eine Wasserskifahrerin namens Terri, während die Bootsführerin stirbt, als ihr Fluchtversuch mit dem Treibstoff explodiert. Der Hai überlebt allerdings schwer verbrannt.
Am Strand nahe dem Leuchtturm wird schließlich der Kadaver eines Orcas mit gewaltigen Bisswunden angespült. Brody schöpft sofort Verdacht, doch Bürgermeister Vaughn wiegelt ab, wobei ihn der Bauunternehmer Len Peterson stützt. Als Brody vom Wachturm aus Alarm schlägt und dabei in einen Schwarm Blaufische feuert, kippt die Stimmung. Die entwickelten Aufnahmen aus der geborgenen Taucherkamera zeigen jedoch deutlich das vernarbte Gesicht des Tieres. Der Gemeinderat stimmt dennoch gegen seinen Polizeichef. Brody verliert daraufhin sein Amt, während Deputy Hendricks kommissarisch übernimmt. Die Warnungen verhallen somit ungehört.
Der Weg in die Katastrophe
Am folgenden Morgen setzt sich Sohn Mike gegen das väterliche Verbot hinweg und segelt dennoch mit seinen Freunden hinaus. Der kleine Sean schleicht sich ebenfalls mit und wird dabei von Marge in Obhut genommen. Tauchlehrer Tom Andrews begegnet unterdessen dem Hai in einem Kelpwald und steigt panisch auf, wodurch er eine Dekompressionskrankheit erleidet. Das Boot des jungen Paares Eddie und Tina wird anschließend angegriffen, wobei Eddie stirbt. Brody und seine Frau Ellen erfahren am Strand von dem Notfall und ahnen deshalb das Schlimmste. Gemeinsam mit Hendricks übernehmen sie schließlich ein Polizeiboot.
Auf offener See findet Brody schließlich die traumatisierte Tina. Er schickt Ellen und Hendricks mit ihr zurück an Land, während er selbst die Suche fortsetzt. Der Hai greift unterdessen die Segelboote der Jugendlichen an, kentert sie und stiftet dabei Chaos. Mike wird bewusstlos ins Wasser geschleudert und anschließend von einem Paar gerettet, das ihn ans Ufer bringt. Die übrigen Kinder treiben auf den Wrackteilen. Ein Hubschrauber der Küstenwache nähert sich schließlich, um zu helfen. Doch der Hai zieht ihn ins Wasser, wobei der Pilot ertrinkt. Marge stirbt schließlich, als sie Sean rettet.
Brody erreicht schließlich die kleine Felseninsel Cable Junction, auf der die überlebenden Jugendlichen inzwischen Zuflucht suchen. Der Jubel der Kinder lockt jedoch das Tier heran, während das Polizeiboot an den Klippen zerschellt. Mit einem Schlauchboot wagt sich Brody deshalb vor und schlägt mit einem Ruder auf ein unter Wasser verlaufendes Starkstromkabel. Der Hai beißt schließlich zu und wird dadurch von den Stromstößen getötet. Die Kinder sammeln sich daraufhin auf der Insel, während Brody erschöpft ausharrt. Schließlich nähern sich Rettungsboote. Damit findet das zweite Trauma von Amity sein Ende am Meeresgrund.
Filmkritik und Fazit zum Film „Der weiße Hai 2“
Szwarc übernimmt mit „Der weiße Hai 2“ ein vergiftetes Erbe und entscheidet sich für die pragmatische Variante. Statt den Hitchcock’schen Andeutungshorror des Originals zu verlängern, zeigt er den Fisch früher, häufiger und offensiver. Diese Dramaturgie ist eine bewusste Wahl, keine Kapitulation. Das vernarbte, entstellte Antlitz des Tieres verleiht ihm einen grausamen Charakter, den das Original nicht kannte. Scheider spielt Brody abgekämpfter, misstrauischer, mürber. Seine Verzweiflung am Wachturm gehört zu den besten Szenen des Films.
Die Inszenierung kommt flüssig voran, verliert jedoch in der Teenager-Segelszene an Tempo, wenn die Figuren austauschbar wirken. John Williams‘ Partitur kompensiert viel, indem sie das bekannte Hai-Motiv um ein jugendliches Seefahrt-Thema erweitert. Michael Butlers Kamera findet starke Bilder, etwa im kenternden Hubschrauber oder in der elektrischen Entladung am Finale. Die tricktechnischen Grenzen der mechanischen Haie bleiben sichtbar, doch Szwarcs Schnittlogik überspielt sie meist geschickt. Ein Genre-Regisseur weiß, wo er schneiden muss.
Als eigenständiges Werk bleibt der Film im Schatten des Originals, als Fortsetzung erreicht er jedoch ein bemerkenswertes Niveau. Die Dramaturgie wiederholt das Muster, variiert es aber über die jugendlichen Opfer spürbar. Für Genre-Freunde lohnt sich die Begegnung, weil Szwarc das Meer als Bedrohungsraum ernst nimmt. Wer einen Nachklang sucht, wird ihn hier finden. Wer das Original erneut erwartet, wird enttäuscht.