Indiana Jones und das Königreich des Kristallschädels
Manche Mythen tragen ihre eigene Last. Wenn Steven Spielberg und George Lucas neunzehn Jahre nach dem letzten Kreuzzug erneut zur Peitsche greifen, schwingt ein ganzes Archiv an Kinoerinnerungen mit. Der Archäologe mit Fedora ist längst selbst zum Fossil geworden, das es zu bergen gilt. „Indiana Jones und das Königreich des Kristallschädels“ aus dem Jahr 2008 stellt sich dieser archäologischen Aufgabe mit sichtbarem Respekt. Die Ausgangslage bleibt heikel. Das Franchise operiert zwischen nostalgischer Pflicht und der Notwendigkeit, einen gealterten Helden neu zu verorten.
Die Reihe wechselt das Jahrzehnt und damit ihre ikonografische Grammatik. Statt nationalsozialistischer Widersacher agieren nun Sowjets, statt okkulter Relikte lockt ein Artefakt mit außerirdischer Signatur. Spielberg versucht, den Geist der Republic-Serials in die Fifties zu übersetzen. Das Ergebnis hängt an einer entscheidenden Frage. Gelingt die Verschiebung vom Pulp der Dreißiger zur Science-Fiction-B-Movie-Ära, ohne die Substanz der Figur zu verspielen?
Besetzung, Regie und Drehorte
Der vierte Teil der Reihe entstand unter der Regie von Steven Spielberg nach einem Drehbuch von David Koepp. Die Story entwickelten George Lucas und Jeff Nathanson, nachdem zuvor Entwürfe von M. Night Shyamalan, Frank Darabont und Jeb Stuart verworfen worden waren. Die Produktion übernahmen Frank Marshall und Flávio R. Tambellini für Lucasfilm. Die Kameraarbeit verantwortete Janusz Kamiński, den Schnitt Michael Kahn. John Williams kehrte erneut als Komponist zurück. Das Budget betrug 185 Millionen US-Dollar. Der Titel „Indiana Jones und das Königreich des Kristallschädels“ feierte am 18. Mai 2008 in Cannes Premiere.
Harrison Ford übernahm mit vierundsechzig Jahren erneut die Titelrolle und führte viele Stunts selbst aus. Cate Blanchett verkörpert die sowjetische Agentin Irina Spalko und erfüllte sich damit den Wunsch nach einer Schurkenrolle. Karen Allen kehrt als Marion Ravenwood aus dem ersten Teil zurück. Shia LaBeouf spielt den jungen Mutt Williams und war Spielbergs einzige Wahl. Ray Winstone verkörpert den zwielichtigen Mac, John Hurt den verwirrten Professor Oxley. Jim Broadbent übernimmt die Rolle des Dekans Stanforth. Sean Connery lehnte einen Cameo-Auftritt ab.
Die Laufzeit beträgt 123 Minuten, die FSK-Freigabe liegt bei 12. Gedreht wurde an achtzehn Schauplätzen in den USA, darunter New Haven, Deming und Hawaii, das den peruanischen Dschungel repräsentiert. Eine Szene entstand an den Iguaçu-Wasserfällen in Brasilien. Der Film erhielt einen Saturn Award für das beste Kostüm und eine Goldene Himbeere für die schlechteste Fortsetzung. Die FBW verlieh ihm das Prädikat „besonders wertvoll“.
Handlung & Inhalt vom Film „Indiana Jones und das Königreich des Kristallschädels“
Nevada, 1957: Professor Henry Jones Jr., genannt Indiana, wird gemeinsam mit seinem Kollegen Mac von sowjetischen Agenten entführt. Die Gruppe um Oberst Dovchenko und Irina Spalko zwingt ihn, in einer Lagerhalle des Militärkomplexes Area 51 nach einer Kiste mit nichtmenschlichen Überresten zu suchen. Mac entpuppt sich als Kollaborateur. Jones gelingt die Flucht, doch die Agenten entkommen mit der Kiste. Auf seinem Weg gerät er in ein Atomtestgelände. Eine nukleare Detonation steht unmittelbar bevor. Im letzten Moment rettet er sich in einen bleiverkleideten Kühlschrank. Die Regierung verdächtigt ihn daraufhin, ein russischer Doppelagent zu sein.
Seine Professur verliert er umgehend, woraufhin der enttäuschte Archäologe das Land verlassen will, jedoch auf den jungen Motorradfahrer Mutt Williams trifft. Dieser überbringt einen verschlüsselten Brief des verschollenen Professors Oxley, der von einem legendären Kristallschädel berichtet, wobei sowohl Oxley als auch Mutts Mutter vermisst werden. Jones erinnert sich dabei an gemeinsame Studienzeiten mit Oxley, in denen beide gleichermaßen vom Mythos des Schädels fasziniert waren. Daraufhin reisen die Männer nach Nazca in Peru, wo sie in einer verlassenen Zelle der Heilanstalt Oxleys Aufzeichnungen an Wänden und Boden finden. Von dort führt die Spur sie schließlich auf einen abgelegenen Friedhof.
Zwischen Dschungel und goldener Stadt
Im Grab des Konquistadors Francisco de Orellana entdecken sie den Schädel, nachdem sie einen Angriff maskierter Eingeborener abgewehrt haben. Mac hat die beiden jedoch unbemerkt verfolgt. Daraufhin nehmen russische Soldaten sie gefangen und bringen sie in ein Lager im Amazonasgebiet. Dort treffen Jones und Mutt sowohl auf den verwirrten Oxley als auch auf Marion Ravenwood, Indys alte Liebe und zugleich Mutts Mutter. Anschließend wird der Archäologe einem Test mit dem Kristallschädel unterzogen, wobei das Artefakt Kommunikation mit seinen Trägern ermöglicht. Zwar entkommt die Gruppe, wird jedoch durch eine Sandgrube aufgehalten.
Währenddessen offenbart Marion Indy, dass er Mutts Vater ist. Unterdessen kehrt der junge Williams mit einer Schlange statt einem Seil zurück, woraufhin Jones seine Furcht überwindet und gerettet wird. Danach folgen ein Dschungelkonvoi sowie zahlreiche Kampfszenen. Dabei findet Dovchenko in einer Riesenameisenkolonie den Tod, während Mac scheinbar erneut die Seiten wechselt. Schließlich erreicht die Gruppe die legendäre goldene Stadt im Tempelinneren, wo dreizehn Kristallskelette auf Thronen sitzen.
Mac verteilt heimlich Peilsender und verrät die Gruppe erneut. Die Russen bringen den Schädel an seinen Platz zurück. Die fremden Wesen wollen sich bedanken, und Spalko fordert das gesamte Wissen der Welt. Die Aufnahmekapazität ihres Geistes übersteigt die Menge, und sie verbrennt bei lebendigem Leibe. Der Tempel stürzt ein, Mac wird ins Portal gezogen. Ein Raumschiff erhebt sich aus den Ruinen. Das Tal versinkt im Wasser. Zurück in den USA heiratet Indy Marion. Sein Hut rollt vor Mutts Füße, doch der Vater beansprucht ihn wieder für sich.
Filmkritik und Fazit zum Film „Indiana Jones und das Königreich des Kristallschädels“
„Indiana Jones und das Königreich des Kristallschädels“ lebt von der Spannung zwischen Bewährtem und Neuausrichtung. Spielberg inszeniert die Auftaktsequenz im Area-51-Lager mit jener räumlichen Klarheit, die seine besten Arbeiten auszeichnet. Die Kamera von Janusz Kamiński übersetzt die Fifties-Ästhetik in warme, leicht vergilbte Farben. Harrison Ford trägt die Figur mit knochigem Pragmatismus und einer bemerkenswerten Selbstironie im Umgang mit dem eigenen Alter. Blanchett agiert konzentriert, findet jedoch in der klischeehaft gezeichneten Spalko wenig Spielraum. John Hurt bleibt als verwirrter Oxley funktional an den Plot gebunden.
Das Tempo der Inszenierung gerät nach dem furiosen Einstieg ins Schwanken. Die Dschungelverfolgungsjagd mit ihrem Fechtduell zwischen Fahrzeugen zeigt die Schwäche der CGI-Integration, die sich zu deutlich vom analogen Bildkörper absetzt. Die Kühlschrankszene hingegen funktioniert als bewusst absurder Akzent, gerade weil sie physikalische Plausibilität für ein ikonisches Bild opfert. John Williams zitiert die alten Themen mit feinem Gespür für Dosierung. Das Finale mit außerirdischen Wesen verschiebt den Ton vom Abenteuerlichen ins Metaphysische. Diese Verschiebung öffnet neue Räume, kostet aber erzählerische Dichte.
Als Wiederaufnahme einer Legende bleibt der Film ein gespaltenes Erlebnis. Die handwerkliche Sorgfalt ist unübersehbar, die Magie der ersten drei Teile jedoch nur in Spuren wieder herstellbar. Für Genre-Liebhaber lohnt sich die Sichtung dennoch. Ford trägt zweieinhalb Stunden lang eine Ikone mit Würde, und Spielberg beweist, dass er sein Handwerk auch unter nostalgischem Druck beherrscht. Ein Abenteuerfilm mit Narben, aber mit Haltung.
