Man lernt nie aus

Manche Filme versprechen mehr, als sie am Ende einlösen können. Sie beginnen mit einer klugen Prämisse, verlieren dann aber den Mut zur eigenen Konsequenz. Nancy Meyers‘ Komödie „Man lernt nie aus“ aus dem Jahr 2015 gehört zu dieser Kategorie. Die Regisseurin schickt einen Siebzigjährigen in ein digitales Mode-Startup und entwirft damit eine der sympathischeren Generationenerzählungen der Dekade. Robert De Niro und Anne Hathaway tragen das Projekt mit beachtlicher Leichtigkeit.

Man lernt nie aus
Dauer: 121 Min.
FSK: PG-13 (US)
Jahr: 2015
Kategorien: Komödie
Regie: Nancy Meyers
Produzenten: Nancy Meyers, Suzanne Farwell
Hauptdarsteller: Robert De Niro, Anne Hathaway, Rene Russo
Nebendarsteller: Anders Holm, JoJo Kushner, Andrew Rannells, Adam Devine
Studio: RatPac Entertainment, Waverly Films, Warner Bros. Pictures

Die Idee hinter dem Film ist bestechend einfach. Ein Witwer im Ruhestand wird zum Praktikanten einer Chefin, die halb so alt ist wie er. Daraus könnte eine scharfe Arbeitsweltsatire werden oder eine rührselige Gefühlsstudie. Meyers entscheidet sich für einen Mittelweg, der manches erreicht und anderes verschenkt. Die Dynamik zwischen den beiden Hauptfiguren funktioniert dabei erstaunlich gut. Stellt sich die Frage, warum der Film trotzdem hinter seinen eigenen Möglichkeiten zurückbleibt?

Besetzung, Regie und Drehorte

Man lernt nie aus“ entstand unter der Regie von Nancy Meyers, die auch das Drehbuch verfasste und gemeinsam mit Suzanne Farwell als Produzentin fungierte. Die Musik stammt von Theodore Shapiro, für die Kamera zeichnete Stephen Goldblatt verantwortlich. Den Schnitt übernahm Robert Leighton. Die Hauptdreharbeiten starteten am 23. Juni 2014 in Brooklyn. Ursprünglich war das Projekt bei Paramount mit Tina Fey und Michael Caine geplant, wechselte dann zu Warner Bros. und durchlief mehrere Besetzungsänderungen.

Robert De Niro verkörpert den Witwer Ben Whittaker, synchronisiert von Christian Brückner. Anne Hathaway spielt die Unternehmerin Jules Ostin, deren deutsche Stimme Marie Bierstedt leiht. Rene Russo tritt als Haus-Masseurin Fiona auf, Anders Holm als Jules‘ Ehemann Matt. In weiteren Rollen agieren Adam DeVine, Andrew Rannells und Nat Wolff. Reese Witherspoon war zunächst für die weibliche Hauptrolle vorgesehen, verließ die Produktion jedoch im Januar 2014 aus Termingründen.

Der Film läuft 121 Minuten und trägt in Deutschland die Freigabe FSK 0. Bei der AARP-Gala 2016 gewann er den Preis für die beste Komödie. Weitere Nominierungen folgten bei den Critics‘ Choice Movie Awards und dem deutschen Jupiter Award. Das Budget betrug 35 Millionen Dollar, das weltweite Einspielergebnis lag bei rund 195 Millionen.

Handlung & Inhalt vom Film „Man lernt nie aus“

Ben Whittaker ist siebzig Jahre alt, verwitwet und gelangweilt. Seine Flugmeilen sind längst aufgebraucht, seine Reisen um die Welt liegen hinter ihm. Der ehemalige Manager des Unternehmens DEX One sehnt sich nach einer Aufgabe. Ein Flyer führt ihn zu einem Senioren-Praktikantenprogramm bei About the Fit, einem aufstrebenden Online-Modehändler in Brooklyn. Ben bewirbt sich per Video und gehört prompt zu den drei ausgewählten Kandidaten. Man teilt ihn der Gründerin und CEO Jules Ostin zu. Die junge Unternehmerin fährt mit dem Fahrrad durch ihr Loft-Büro und hat für einen siebzigjährigen Praktikanten eigentlich keinen Platz.

Jules ignoriert Ben zunächst konsequent. Sein Charme und seine Hilfsbereitschaft machen ihn jedoch schnell zum Liebling der übrigen Belegschaft. Eines Morgens räumt er einen seit Monaten chaotischen Schreibtisch auf, den Jules stets als Makel empfand. Diese Geste verändert die Beziehung. Als Ben kurz darauf bemerkt, dass Jules‘ Chauffeur während der Arbeit trinkt, übernimmt er selbst das Steuer. Bei einer ungeplanten Rückfahrt stellt er seiner Chefin persönliche Fragen, woraufhin sie ihn an eine Kollegin abgeben lässt. Erst als die neue Fahrerin beinahe einen Unfall verursacht, holt Jules ihn reumütig zurück an ihre Seite.

Vertrauen, Verrat und eine Entscheidung

Die beiden kommen sich beruflich und menschlich näher. Ben erzählt, dass er vierzig Jahre lang im selben Gebäude gearbeitet hat, als dort noch Telefonbücher produziert wurden. Er beginnt eine Beziehung mit der Haus-Masseurin Fiona. Nebenbei nimmt er einen jüngeren Praktikanten bei sich auf, der aus dem Elternhaus ausziehen musste. Als Jules versehentlich eine abfällige E-Mail an ihre Mutter schickt, organisiert Ben einen halsbrecherischen nächtlichen Einbruch in das Haus der Mutter, um die Nachricht vom Computer zu löschen. Die Gruppe entkommt der Polizei nur knapp.

Jules steht unter wachsendem Druck ihrer Investoren, die einen erfahrenen CEO von außen einsetzen wollen. Gleichzeitig bröckelt ihre Ehe. Ihr Mann Matt hat seine eigene Karriere aufgegeben, um sich um die gemeinsame Tochter Paige zu kümmern. Beim Zurückbringen des Kindes entdeckt Ben zufällig, dass Matt eine Affäre hat. Er zögert, Jules davon zu erzählen. Auf einer Geschäftsreise nach San Francisco offenbart Jules selbst, dass sie Bescheid weiß.

Zurück in Brooklyn will Jules den externen CEO einstellen, um ihre Ehe zu retten. Ben widerspricht und erinnert sie an ihre eigene Leidenschaft. Überraschend taucht Matt im Büro auf, gesteht die Affäre und bittet um einen Neuanfang. Jules entscheidet sich gegen den externen CEO und für ihr Unternehmen. Sie sucht Ben, findet ihn aber nicht im Büro. Er übt gerade Tai-Chi im Park. Sie folgt ihm dorthin und lässt sich erstmals auf einen Moment echter Ruhe ein.

Filmkritik und Fazit zum Film „Man lernt nie aus“

Nancy Meyers inszeniert „Man lernt nie aus“ mit sicherer Hand für Rhythmus und Figurenchemie. Stephen Goldblatts Kamera fängt das Brooklyner Loft-Büro in warmen, leicht entsättigten Farben ein, die an Hochglanz-Magazine erinnern, ohne ganz darin aufzugehen. Theodore Shapiros Score hält sich angenehm zurück und verzichtet auf die übliche akustische Gefühlsnachhilfe. De Niro spielt mit einer stillen, fast demütigen Präsenz, die man von ihm selten sieht. Anne Hathaway wiederum balanciert Härte und Verletzlichkeit in einer Figur, die leicht karikaturesk hätte werden können.

Das Tempo der ersten Filmhälfte ist bemerkenswert leichtfüßig. Meyers nimmt sich Zeit für kleine Beobachtungen. Die Digital-Natives-Atmosphäre wirkt erstaunlich authentisch. Problematisch wird es, wenn das Drehbuch zusätzliche Komik erzwingen will. Die Einbruchssequenz im Haus der Mutter etwa bricht stilistisch aus dem Gefüge aus. Auch die emotionale Schwerpunktverlagerung ins Ehedrama kostet das Projekt seine analytische Schärfe. Die fortschrittliche Prämisse einer weiblichen Führungskraft wird durch eine konservative Gentleman-Fantasie teilweise zurückgenommen.

Trotz dieser Schwächen bleibt ein warmherziger Film mit zwei hervorragenden Hauptdarstellern. Wer feuilletonistische Schärfe erwartet, wird nicht vollständig bedient. Wer eine intelligent besetzte Wohlfühl-Komödie sucht, findet hier ein lohnendes Werk. Die Freundschaft zwischen Ben und Jules trägt über beide Laufzeitstunden. Für Liebhaber des gehobenen Mainstream-Kinos lohnt sich der Blick allemal.

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