Suicide Squad

Was passiert, wenn ein Hollywoodstudio die gefährlichsten Schurken seines Comicuniversums endlich auf die Leinwand bringt – und dabei das Versprechen mitliefert, dass diesmal die Bösen die Hauptrolle spielen? „Suicide Squad“ stellte diese Frage im Sommer 2016 mit einem Ensemble, das auf dem Papier kaum besser besetzt sein könnte. Regisseur David Ayer schickte ein schillerndes Aufgebot an Antiheldinnen und Antihelden ins Feld – und weckte damit Erwartungen, die der Film nur bedingt einlöst.

Suicide Squad
Dauer: 123 Min.
FSK: 16 (DE)
Jahr: 2016
Kategorien: Action, Fantasy
Regie: David Ayer
Produzenten: Richard Suckle, Charles Roven
Hauptdarsteller: Will Smith, Jared Leto, Margot Robbie
Nebendarsteller: Joel Kinnaman, Viola Davis, Jai Courtney, Jay Hernandez
Studio: Warner Bros. Pictures, RatPac Entertainment, DC Films, Atlas Entertainment

Das dritte Kapitel des DC Extended Universe trat mit einem unverkennbaren Versprechen an: Statt weiterer Superhelden sollten endlich die Schurken im Mittelpunkt stehen, roh, anarchisch, unbequem. Die Comic-Vorlage bietet dafür reichlich Material. Ob das Ergebnis diesem Anspruch gerecht wird – oder ob sich der Film letztlich selbst verrät –, lohnt einen genauen Blick.

Besetzung, Regie und Drehorte

Suicide Squad“ ist ein US-amerikanischer Actionfilm aus dem Jahr 2016, entstanden unter der Regie von David Ayer, der auch das Drehbuch verfasste. Die Produktion lag in den Händen von Charles Roven und Richard Suckle, die Filmmusik komponierte Steven Price. Roman Vasyanov übernahm die Kamera, den Schnitt verantwortete John Gilroy. Gedreht wurde überwiegend in Toronto sowie in Chicago und Los Angeles, wo im April 2016 auch Nachdrehs stattfanden.

Die Hauptrollen übernahmen Will Smith als Profikiller Deadshot und Margot Robbie als die psychisch labile Harley Quinn. Viola Davis verkörpert die Geheimdienstlerin Amanda Waller, Joel Kinnaman spielt Oberst Rick Flag. Jared Leto tritt als Joker auf, Cara Delevingne als die gespaltene June Moone alias Enchantress. Weitere Rollen übernehmen Jay Hernández, Jai Courtney, Adewale Akinnuoye-Agbaje und Karen Fukuhara. Ben Affleck erscheint in einem kurzen Gastauftritt als Batman.

Der Film hat eine Laufzeit von 123 Minuten und ist in Deutschland ab 16 Jahren freigegeben. Eine Extended-Cut-Fassung mit rund elf zusätzlichen Minuten erschien 2016 auf Blu-ray. Bei der Oscarverleihung 2017 gewann der Film die Auszeichnung für Bestes Make-up und Beste Frisuren. Für das Drehbuch und Jared Letos Nebenrolle gab es Nominierungen bei den Goldenen Himbeeren.

Handlung & Inhalt vom Film „Suicide Squad“

Nach dem Tod Supermans sieht die US-Geheimdienststrategie eine veränderte Bedrohungslage. Geheimdienstoffizierin Amanda Waller überzeugt die Regierung, eine Einsatztruppe aus inhaftierten Verbrechern aufzustellen, die sogenannte Task Force X. Ihr Kalkül ist einfach: Wenn etwas schiefgeht, trägt niemand Verantwortung für Kriminelle. Jedes Mitglied erhält ein Nanit-Implantat in den Nacken, das per Fernzündung detoniert werden kann. Die Rekrutierten sitzen in der Hochsicherheitsanstalt Belle Reve – und haben keine Wahl.

Das Team setzt sich aus sechs höchst unterschiedlichen Figuren zusammen. Deadshot, ein kaltblütiger Auftragskiller mit einer Tochter, die er wiedersehen will. Harley Quinn, früher Psychiaterin, nun fanatisch dem Joker ergeben. Captain Boomerang, ein australischer Dieb ohne erkennbares Gewissen. El Diablo, ein pyrokinetischer Ex-Gangster, der seine Fähigkeiten nach einer Familientragödie verweigert. Killer Croc, ein reptilienartiger Mutant. Und Slipknot, ein Söldner, über den der Film kaum mehr verrät. Geleitet wird die Gruppe von Oberst Rick Flag, dessen Freundin June Moone eine besondere Rolle spielt: Sie ist besessen von einer uralten Hexengöttin namens Enchantress, die Waller durch ein magisches Herz unter Kontrolle hält.

Das Böse entzieht sich der Kontrolle

Enchantress bricht aus Wallers Kontrolle aus. Sie unterwirft Midway City, verwandelt deren Bewohner in Monstergestalten und ruft ihren Bruder Incubus herbei, um die Menschheit zu vernichten. Waller schickt die Task Force X in die belagerte Stadt, ohne das Team vollständig über die Hintergründe zu informieren. Beim Anflug wird der Helikopter abgeschossen. Die Gruppe kämpft sich zu Fuß durch verwandelte Soldaten, klettert Hochhäuser hoch und entdeckt schließlich, dass das eigentliche Ziel der Mission Waller selbst ist. Slipknot versucht zu fliehen – und wird sofort durch das Implantat getötet.

Parallel dazu erfährt der Joker von Harleys Situation und beschafft sich über ein A.R.G.U.S.-Labor die Technik, um ihr Implantat zu deaktivieren. Er greift den Helikopter an, rettet Harley kurzzeitig – doch Waller lässt die Maschine abschießen. Harley überlebt und glaubt, der Joker sei tot. Inzwischen findet Deadshot Wallers geheime Akten und erfährt von Flags Beziehung zu June Moone. Das Team verlässt Flag und zieht sich in eine verlassene Bar zurück. El Diablo öffnet sich dort zum ersten Mal über seine Vergangenheit.

Die Squad entscheidet sich dennoch, die Mission fortzuführen. Im finalen Angriff auf Enchantress opfert sich El Diablo, indem er seinen Bruder Incubus über einer Bombe festhält. Harley täuscht vor, sich Enchantress anzuschließen, um ihr das Herz herauszuschneiden. Flag zerquetscht es und befreit dadurch June Moone. Waller kürzt daraufhin die Haftstrafen der Überlebenden. In einer Mid-Credits-Szene trifft Bruce Wayne alias Batman Waller und kündigt den Aufbau eines eigenen Heldenteams an. Und Joker, der den Absturz überlebt hat, befreit Harley aus Belle Reve.

Filmkritik und Fazit zum Film „Suicide Squad“

Suicide Squad“ trägt ein Versprechen wie eine Neonreklame vor sich her: Erstmals sollen in einem großen DC-Film nicht die Helden, sondern die Schurken das Geschehen bestimmen. Regisseur David Ayer, bekannt für kantige Charakterstudien wie „End of Watch“ oder „Herz aus Stahl„, schien für diesen Ansatz prädestiniert. Margot Robbie liefert als Harley Quinn eine energetische, körperlich präzise Darstellung, die dem Film über weite Strecken eine Eigenständigkeit verleiht, die er ohne sie verlöre. Will Smith gelingt es, Deadshot trotz eines schematischen Drehbuchs greifbar zu machen, und Viola Davis spielt Waller mit einer kühlen Autorität, die jede Szene mit ihr strukturiert.

Das Problem liegt tiefer als in einzelnen Darstellungen. Die Inszenierung des letzten Drittels – ein Effektgewitter mit sichtbaren Compositing-Grenzen zwischen Kulisse und Computer-Generiertem – verlässt die Stärken des Films systematisch. Die Figuren, die in den Einführungssequenzen noch mit Profil gezeichnet werden, verlieren in der Actionmaschinerie ihre Kontur. El Diablos Opferszene ist der einzige Moment, in dem das Drehbuch tatsächlich einlöst, was der Film ankündigt: eine Figur mit Geschichte, die eine Konsequenz trägt. Der hektische Schnitt, der offenbar eine härtere Altersfreigabe umgehen soll, unterstreicht, dass der Film an einer strukturellen Spannung zwischen kommerziellem Kalkül und erzählerischer Ambition leidet.

Für Fans des DC-Universums und des Ensemble-Actionkinos hält „Suicide Squad“ trotz seiner Schwächen genuine Qualitäten bereit: ein charismatisches Ensemble, Szenen mit echtem Rhythmus und eine Ästhetik, die sich zumindest im ersten Akt von der düsteren Schwere der Vorgänger abhebt. Wer bereit ist, über handwerkliche Unebenheiten und ein unterkomplexes Finale hinwegzusehen, findet hier ein unvollkommenes, aber nicht freudloses Genrekino.

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